Italien in Berlin

Was ich gewonnen habe

19/02/2021

Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, wo geht’s denn hin?, versuche ich „Griechenland” so neutral wie möglich, über die Lippen zu bringen, aber schon während ich das Land ausspreche, erheben sich die Augenbrauen meines Gegenübers. „Oooh, wie toll!”, bekomme ich stets als Antwort zurück und jedes Mal füge ich hinzu: „Ja, ich hoffe sehr, dass es überhaupt dazu kommt” Zugegebenermaßen habe ich festgestellt, dass mein Gefühl zu Griechenland eher ambivalent ist. Ursprünglich habe ich ja nicht auch nur in die territoriale Richtung gedacht. So wie wahrscheinlich ein Großteil der Freiwilligen von kulturweit, wollte ich eben das ganz Weite und am besten nach Südamerika, denn darauf hatte ich mich während meiner vier Jahre Spanischunterricht am meisten gefreut.  

Immerhin geht es für mich irgendwohin, denke ich, denn auf diese Zeit habe ich so lange gewartet und hingearbeitet. Ich weiß zwar immer noch nicht genau, was ich da gewonnen habe, aber alles wird wohl Sinn ergeben, irgendwann. 

Beim Spazieren gehen durch Berlin-Wilmersdorf betrachtete ich die schönen mediterranen Hauseingänge, die mich an Italien erinnern und ich wünschte, ich wäre lieber dazu genötigt, Italienisch zu lernen als Griechisch. Wobei ich doch auch sehr den griechischen Stil mochte – die bunten Ornamente auf Keramik, die tiefblauen Dächer und schneeweißen Häuser, die wie ein fernes Paradies auf Zahnarztpraxis-Fotos schienen. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ich das mit eigene Augen sehen würde. 

„Griechenland ist toll, du wirst es lieben, das wird eine grandiose Zeit” Mein Freund klingt dabei zuversichtlich ganz so, als würde er diese Reise antreten. 

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