die Schere zwischen Arm und Reich…

… geht glaub nicht einmal so weit auf wie dass, was ich an diesem Wochenende gesehen habe. Allgemein hab ich ja bereits von der mega Ungleichheit hier in Bogota erzählt, dieses Wochenende topt das aber gerade mal noch!

Also ich beginn jetzt vielleicht einfach mal bei Samstag nachmittag, um etwas konkreter zu werden :D. Ich war mit 3 Freunden und Hunden im Norden spazieren, schon richtig in den Bergen in einem total schönen Park. Umgeben ist das Gebiet allerdings von riesen großen Villen! Auf der Strasse sieht man ausser Security-Männern niemanden! Fotos von den Häusern zu machen ist scheinbar nicht einmal erlaubt!? Es ist also eine der sichersten Gegenden in Bogota und ehrlich gesagt denkt man nicht dass man sich noch in der Stadt befindet, alles total ruhig und man hört nicht einmal den Autolärm, zudem ist es richtig schön grün alles, tolle Gärten, Wäldchen und kleine Flüsse.

Heute bin ich dann aber mit einer dieser Freunde in den Süden Bogotas gefahren, nach Soacha. Dort leben die ganz Armen Leute aus Bogota! Es gibt keine asphaltierten Strasse, als ist nur Erde und staubig, die Häuser und Hütten liegen alle am Hang und man läuft auf kleinen steinigen Pfaden den Berg nach oben. Nun gut, zugegebenermassen sind wir mit dem Jeep hochgefahren, auf dem Dach 🙂 agesehen von den alles andere als guten Strassenverhältnissen ( wenn man das Strasse nennen kann…) ist das echt toll! Ich war also mit einer Gruppe Freiwilliger Jugendlicher der Organisation ,,un techo para mi pais“. Die Organisation baut unter anderem mit der Hilfe von Frewilligen sogenannte ,,Notfall-Behausungen“ für die Menschen dort. Allerdings müssen die Leute sich dafür anmelden und dann werden Umfragen gemacht und die Leute werde in ihren Häusern besucht um festzustellen, wer am dringendsten Hilfe benötigt, schliesslich können nicht für alle Hütten konstruiert werden. Im Grunde genommen bräuchten die meisten Hilfe, aber leider ist das einfach nicht möglich und deshalb also die Befragungen. Das war also auch die Aufgabe von heute. Wir sind dann allein oder zu zweit die Leute bei ihnen zu Hause besuchen gegangen und haben uns mit ihnen unterhalten. Ich war in mindestens vier Häusern und ich muss ehrlich sagen dass es schon erschreckend ist, zu sehen wie die Leute dort leben!

Ein Beispiel: Wir haben einen älteren Mann besucht. Ihm wurde das Bein amputiert und er läuft auf Krücken. Im Monat bekommt er 75.000 pesos, umgerechnet ca. 30 Euro ( eine Art Rente und Invalidenzuschuss…). Der Mann hat weder Familie noch Freunde die ihn unterstützen. Er wohnt in einem Wellblechverschlag, ca. 3 auf 4 Meter. Er hat nicht einmal ein Badezimmer, also keine Toilette, keine Dusche, kein Waschbecken! Als wir in während der Befragung fragten, ob seine Wände in guten Zustand wären, als ob es immer sehr kalt wäre und ob bei Regen Wasser durchkäme antwortete er dass seine Wände gut seien. Allerdings war das nicht der Fall, es war alles nur Wellblech, Plastik oder Holz, provisorisch zusammengebaut mit Nägeln und Bierdeckeln! Die gute Nachricht: es wurde entschieden dass er in 1 oder 2 Monaten, also bei den nächsten Konstruktionen, geholfen werden soll und man ihm ein provisorischen Häuschen errichten wird!

Das ist aber nicht der einzigste Fall! Viele Häuser sind praktisch aus Recyclingstoffen provisorisch erstellt, bei Regen kommt es im Haus oft zu Überschwemmungen und so weiter…Trotz ihrer Not gibt es zum Beispiel aber auch sehr hilfsbereite Menschen. SO waren wir zum Beispiel in einem Haus, in dem ein Ehepaar den Nachbar mit seinen 4 Kindern aufgenommen hat. Obwohl das Ehepaar selbst kein Geld hat, muss der Mann keine Miete zahlen, da er das auch nciht könnte, darf aber dort wohnen. Das Ehepaar hat nichteinmal ein eigenes Dach, das Dach ist geliehen, das Häuschen quasi geschenkt. Will der Besitzer sein Dach wieder, hat die Familie kein Dach mehr über dem Kopf, und sei es nur aus Wellblech!

Wenn man das also so alles sieht, dasn kann man leider nur den Kopf schütteln, wenn sich Politiker in Deutschland darum streiten, ob man die qualitativ nicht schlechten, aber falsch etiketierten Pferdefleischprodukte an bedürftige Spenden darf oder nicht. Ich glaube hier würde sich keiner darüber ärgern, dass man ihnen Produkte ,,2.Qualität“ gibt, die andere Leute nicht kaufen möchten. Ganz im Gegenteil denke ich!

2012-10-20 Techo (12)

 

4 Gedanken zu “die Schere zwischen Arm und Reich…

  1. Besten Dank für den interessanten Einblick.
    Ich schreibe gerade etwas über Kolumbien und solche Beiträge sind sehr hilfreich!

  2. Mit diesem beiliegenden Bild braucht es kein Kommentar mehr!
    Wer so in diesen Blechhütten hausen muss, wird vom Staat
    erbärmlich verlassen. In diesen Ländern und da steht Columbien
    nicht alleine da, wird die Scherre zwischen Arm und Reich noch
    grösser als bei uns! Wir finden es aber nicht schlecht, wenn Du
    dies mit eigenen Augen sehen kannst, denn solche Dramen kommen
    nicht oder nur selten im Fernsehen oder in den Zeitungen. Wir
    wünschen Dir weiterhin lehrreiche und hoffentlich bessere Bei-
    spiele in diesem doch schönen fremden Land und hoffentlich kommst Du gesund nach Hause, wir freuen uns schon sehr und haben
    Dich „fest“ lieb Grosi und Grofi

    • ja es ist traurig so etwas zu sehen, aber ich bin froh dass ich kein einseitiges Bild von Kolubmbien bekomme, denn das passiert denke ich sehr vielen Touristen hier, die nur in den Vierteln sich aufhalten, wo es Hotels und Sehenswürdigkeiten gibt. ALlerdings ist es auch nicht ratsam für Touristen allein in solche ärmeren Viertel zu gehen, das ist natürlich auch die andere Sache… Ich freue mich auch sehr, euch in 5 Monaten endlich wieder zu sehen! Ich habe euch lieb!!

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