Bogotá und seine vielen Gesichter- ein Paradebeispiel für soziale Ungleichheit

Ganz egal wo ich hier in der Stadt mit dem Bus hinfahre, immer wenn es Orte sind, die ich zuvor noch nicht gesehen habe, steige ich aus und wunder mich jedesmal aufs neue, dass ich immer noch in der selben Stadt bin. Ich wohne zum Beispiel im Westen, in einem Viertel in dem sich sozusagen die Mittelklasse etabliert hat. Wenn ich aber in den Norden fahre, sieht es dort plötzlich ganz anders aus! Wo ich wohne, sind es überwiegend kleine Mehrfamilienhäuser, es gibt viele kleine Parks und vor allem viele kleine Läden in denen Milchprodukt, Gemüse-und Obst usw. verkauft wird. Der Norden ist aber der Teil der Stadt wo alle reichen Leute wohnen und wo auch die ganzen Bürogebäude stehen. Hier gibt es überwiegend Hochhäuser, rießige Einkaufszentren und alles ist super modern und auch die Wohnungen sind mit mehr oder weniger teurem Mobiliar ausgestattet.

       

Das heißt, auch wenn man nicht einmal eine halbe Stunde unterwegs ist, befindet man sich plötzlich in einer ganz anderen Welt. Im Vergleich dazu, was ich heute aber gesehen habe, ist dieser Unterschied noch rein gar nichts!

Ich habe im Sprachkurs Marleen kennegelernt, sie ist auch aus Deutschland und arbeitet für die Organisation ,,Un techo para mi pais“. Diese Organisation hilft den Menschen in den ganz armen Vierteln in Bogotá, indem sie 3mal im Jahr mit Hilfe von Freiwilligen dort stabile Häuser aufbaut, wo jetzt noch Hüttchen stehen und hat außerdem eine Art Unterrichtsprogramm, was heißt dass Frewillige an bestimmten Tag hinauf fahren in die Viertel im Süden und dort die Kinder zusätzlich unterrichten und auch mit ihnen spielen und basteln.

Marleen geht jeden Samstag dorthin und sie hat mich eingeladen heute mitzukommen, also bin ich heute mit 3 anderen Freiwilligen und ihr, in das Viertel Ciudad Bolivar gefahren. Das hieß für mich zwar wieder sehr früh aufstehen, aber das bin ich ja jetzt solangsam gewohnt :D. Allein um bis zum Treffpunkt zu kommen, habe ich schon 1,5 Stunden gebraucht! Weil ich so gut wie durch die komplette Stadt fahren musste und wir uns dann ganz im Süden getroffen haben. Von dort ging es dann weiter mit dem Colectivo. Irgendwann endet dann auch die geteerte Straße und das heißt die halbe Stunde Busfahrt im Colectivo war alles andere als angenehm!. Es ging sehr steil den Berg hinauf und da die Straße eigentlich keine wirkliche Straße mehr war und es überall Schlaglöcher gab, wurde man auch kräftig durchgeschüttelt.

Im Viertel angekommen, haben wir uns dann noch kurz in eine Bäckerei gesetzt, und besprochen wie der Tagesablauf mit den Kindern heute sein wird. Danach sind wir dann noch zu Fuß ein bisschen weiter den Berg hochgeklettert ( da keine Straße), bis wir dann am Häuschen angkommen sind, indem TET immer stattfindet. Dann hieß es aber ersteinmal die Kinder zusammenzutrommeln. 2 Kinder waren schon gleich da und so sind wir dann in Gruppen mit den 2 losgezogen und haben die Häuser abgeklappert in denen die anderen Kinder ( alle zwischen 8 und 14) wohnen. Schließlich waren dann auch 11 Kinder da ( obwohl man mir gesagt hat dass es normalerweise ein paar mehr sind). Überwiegend haben wir heute Halloween-deko gebastelt und so das Klassenzimmer dekoriert. Das Ergebniss konnte sich wirklich sehen lassen :)!!! Nächste Woche findet am Sonntag nämlich eine Halloweenfeier dort statt, worauf sich alle schon sehr freuen! Außerdem hat ,,Techo“ mit dem Kino Cine Colombia verienbart, dass die Kinder alle im Dezember dort eingeladen werden und darüber haben sich die Kinder heute glaube ich sogar am meisten gefreut, wozu man sagen muss, dass die meisten von ihnen vermutlich bis jetzt noch nie ein Kino von innen gesehen haben. Die Kinder sind übrigends alle sehr sehr süß, auch wenn ein paar etwas  aufgeweckt sind 😉 aber alle haben sehr fleißig gebastelt heute. Um 2 sind die Kinder dann alle wieder nach Hause und wir haben uns dann auch solangsam an den Abstieg gemacht.

Über 2 Stunden später, war ich dann zu Hause, zurück in einer wieder ganz anderen Welt, so schnell kann das gehen…

Der Tag heute war sehr interessant und ich bin froh, heute auch einmal das ganz andere ,,Gesicht “ Bogotás kennengelernt zu haben, das viele Leute die schon ihr Leben lang in Bogotá wohnen, nicht einmal kennen! Außerdem ist es auch ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich heute ein paar Kindern eine Freude gemacht habe, indem ich mir die Zeit genommen habe dorthin zu fahren.

Außerdem hab ich heut dort noch ein Häusschen gesehen 🙂 dass in seiner Bauweise in Kreativität und Umweltfreundlichkeit nicht zu übertreffen ist! Das Haus wurde scheinbar von einer anderen Hilfsorganisation gebaut und besteht komplett aus Plastikflaschen, die mit Zement gefüllt wurden! Hier zum Abschluss Bilder von dieser besonderen Konstruktion 🙂

    

 

 

2 Gedanken zu “Bogotá und seine vielen Gesichter- ein Paradebeispiel für soziale Ungleichheit

  1. Hallo Joana, es ist einfach wichtig, dass man in seinem Leben die Welt von vielen Seiten sieht! Einfach toll, Dein Bericht!
    Übrigens hab ich das Haus mit den gefüllten Flaschen im Fernsehen gesehen… weiss ja nicht, ob es dasselbe war, aber die Idee fand ich da schon Klasse 😉
    allerdings ist spätestens bei nem Abriss die Frage, wohin mit dem Verbundbaustoff 😉 ( fällt mir nur gerade ein, weil ich heute Bauschutt weggebracht habe.. und man mir gesagt hat.. das geht.. das nicht 😉 )
    Übrigens zu Deinem letzten Bericht… Dein Schisser-Onkel wäre nie an nem Seil über nem Abhang… bei meinem Glück (ich wollte nicht meinem Gewicht schreiben 🙂 ) würde das Seil sicher reissen 😉

    ganz lieben Schmatz

    Jörg

    • Hallo Onkel :)!
      Ja gut stimmt das mit dem Baustofftrennen wird schwer 😉 in Deutschland wird das ja aber auch mega genau genommen 😀 hier ist das glaub eher kein Thema ;). Außerdem wirds ja nicht zum abreißen gebaut und hält hoffentlich ne weile :). Das Canopy war mega cool 🙂 und glaub mir, das haben auch leute in meiner Gruppe gemacht die deutlich mehr wiegen als du und sie Leben noch, sprich das Seil ist wirklich reissfest! Ich hab auch vorher gedacht dass ich bestimmt Angst bekomm wenn ich erst mal oben steh, aber Fehlanzeige 🙂 ich fands nur mega cool und hab nichtmal ein kleines klitzekleines bisschen Höhenangst gehabt 🙂 sondern mich einfach riesig gefreut.

      Viele liebe Grüße!!

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