Peso-Schwarzmarkt

¡Cambio, cambio!

Waren Sie schon mal in Dubai? Oder in einem anderen arabischen Land? Dann haben Sie vielleicht auch schon einmal einen Souk besucht, den man hierzulande fälschlicherweise Basar nennt. Im Gegensatz zum gewöhnlichen deutschen Shoppingparadies ist dort der Preis nicht fix, sondern verhandelbar. Und deswegen immer „best price for best friend“. Lautes Gebrüll erfüllt die Markhallen, wenn zwischen allerlei orientalischen Gewürzen ein Händler hervorrennt und lautstark seine Ware als die beste Qualität zum besten Preis bewirbt. Alle paar Minuten stürmt jemand hervor, will den Reisenden in seinen Laden locken, und am Ende kann es sein, dass man sogar mit den billigen Stoffen, die man doch bitte kaufen soll, regelrecht beworfen wird, sodass die Flucht nach vorne die beste Lösung ist.
Und was hat das jetzt mit Uruguay zu tun? Mit Uruguay gar nichts. Aber in Buenos Aires kam ich mir an manchen Stellen so vor wie in Dubai: best price for best friend, nur dass es hier um argentinische Pesos geht. Der offizielle Kurs Euro zu Peso ist 1 zu 10. Sehr unrealistisch, sagen selbst die Argentinier. Deswegen wird man in bestimmten Straßen von allen Seiten lautstark nicht mit „¡Hola!“, sondern mit „¡Cambio, cambio!“ begrüßt: „Geldwechsel, Geldwechsel – ¡Dólares, Euros, cambio, cambio!“ Der Kurs ist hier schon mal 1 zu 20.
Natürlich ist das illegal, und natürlich ist das gefährlich. Auch wenn sich der Schwarzmarkt auf Argentinisch mercado azul, blauer Markt, nennt. Bei der Gefahr von falschen Pesoscheinen angefangen bis hin zu dunklen Schmuddelecken, in denen man ausgeraubt werden könnte, ist alles dabei. Warum aber gibt es so viele Argentinier, die freiwillig das Doppelte an Pesos mehr hergeben, als der offizielle Kurs verlangt? Wo ist da das Geschäft?
Ganz einfach: die Möglichkeiten für Argentinier, an Fremdwährungen wie Euro und Dollar, die im Vergleich zur eigenen Währung sehr stark sind, heranzukommen, sind von staatlicher Seite aus enorm eingeschränkt. Argentinien versucht in einem Anfall von Neomerkantilismus oder auch Protektionismus (Namen sind Schall und Rauch), seine Wirtschaft nach Außen abzuschotten genauso wie Ungarn seine Grenzen. Deswegen sind Importe auch sehr beschränkt, und Päckchen aus der Heimat finden vermutlich nie ihren Weg durch den Zoll. Es sei denn, es steht „Embajada Alemana“, Deutsche Botschaft, oben drauf. Ob die argentinische Regierung mit dieser Strategie Erfolg hat, wird sich bald zeigen: in Argentinien stehen Präsidentschaftswahlen vor der Tür. Für den einzelnen Tourist bedeutet das: es bleibt im selbst überlassen, ob er die Wirtschaft weiter schwächt, indem er „blau“ Pesos kauft – oder ob er sich an die offiziellen Kurse hält.

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