Heute vor zwei Wochen war der letzte Schultag für die 12. Klässler: Unglaublich laute Musik, aufgeregte Kinder, georgisches Chaos. Schüler steigen aus den Fenstern, bemalen und beschriften gegenseitig ihre weißen T-Shirts, erscheinen nicht zum Unterricht und setzen ihre abgedrehten Ideen in die Tat um. So veranstalten sie mit Feuerlöschern eine Schaumparty im obersten Stockwerk. Und prompt werden dabei ein paar Schüler vergiftet.
Wieso sind sie eingentlich so am Feiern und Ausrasten? Ist es eine Leistung, wenn man während der finalen Prüfungen alles machen darf, außer sein Handy zu benutzen?! Der Mai war übrigens nicht nur im zwölften Jahrgang mit Kontrollarbeiten vollgestopft. Auch in den Deutschklassen mussten ein paar Schüler leiden. Die Siebtklässler haben sich durch drei Vorprüfungen (Leseverstehen, Hörverstehen und Schreiben) auf das Deutsche-Sprach-Diplom geqäult. Die fünften Klassen mussten an einem Samstag in die Schule kommen, um ihre Abschlussprüfung abzulegen. Denn ab der sechsten Jahrgangsstufe werden die Klassen in zwei Gruppen eingeteilt: Die stärkere Gruppe absolviert im Gegensatz zur schwächeren Hälfte zwei statt nur ein Sprachdiplom.
Der Stress macht vor den Lehrern nicht halt. Meine Kolleginnen sind am Kämpfen. Die Schüler erhlaten nur ein Zeugnis im Schuljahr, und das jetzt am Ende des Semesters. Tagtäglich tauchen deshalb Mütter auf, die bessere Noten für ihre Kinder verlangen.
Aber es gab auch schöne Momente in den vergangenen Wochen. So hat unsere Schulfinalistin beim Vorlesewettbewerb den ersten Platz gemacht. Dabei hatte sie elf Gegner aus ganz Georgien und musste neben einem ihr bekannten Text auch einen fremden Text ohne Vorbereitung vor Publikum und Jury vorlesen. Dreimal dürft ihr raten, wer sie vorbereitet hat, hehe. :D
Außerdem fand das alljährliche Geländespiel im botanischen Garten statt. Fünf Deutschlerner aus den sechsten Klassen jeder ZfA-Schule durften an verschiedenen Stationen ihr Können beweisen. Sportlichkeit, Schnelligkeit und Orientierungsvermögen waren genauso gefragt wie das Wissen über Musik, berühmte deutsche Persönlichkeiten, Märchen und Deutschland. So macht Deutschlernen Spaß!
Und jetzt verbleibt mir nur noch eine Woche in der größten Schule Tbilissis. Denn die letzte Woche habe ich mit den anderen kulturweit-Freiwilligen als kleine Helfer, die in Georgien eingesetzt sind, im Debattiercamp in Rustavi verbracht. Es findet schon zum sechsten Mal für einen Bruchteil der Zehnt- und Elftklässler aus den ZfA-Schulen statt. Aus finanziellen Gründen kamen dieses Jahr leider keine Teilnehmer aus Armenien und Aserbaidschan dazu.
Es wurden Workshops zu den vier Bewertungskriterien Gesprächsfähigkeit, Sachkenntnis, Überzeugungskraft und Ausdrucksvermögen angeboten. Die Schüler debattierten in der Vorrunde u.a. über folgende Themen: Sollen Plastiktüten abgeschafft werden? Soll das Fach Religion an staatlichen Schulen unterrichtet werden? Sollen alle Privatschulen in Georgien abgeschafft werden? Als Teil der vierköpfigen Jury habe ich die Finalisten mitausgewählt. Ich war überrascht auf welch hohem Niveau sie debattierten – nicht nur sprachlich, auch inhaltlich. Am meisten hat mich die letzte Debatte mit der Streitfrage “Sollten Staaten das Recht haben keine Flüchtlinge aufzunehmen?” beeindruckt.
Die Freizeit wurde wunderbar mit Tischtennisspielen, Singen am Lagerfeuer, einer Wasserschlacht, Tanzen, einem Karaokeabend und einer traditionellen Supra verbracht. Besonders schön war das Kennenlernen der kulturweit-Freiwilligen, die im März 2016 ausgereist sind und nach Tadschikistan, Usbekistan, Kasachstan, Tunesien, Aserbaidschan, Georgien sowie in die Mongolei entsandt wurden. Während des Camps haben sie ihr Zwischenseminar in Saguramo verbracht und uns für einen Tag besucht, um zu schauen, wie wir als Freiwillige so arbeiten. Viele von ihnen werde ich auf meinem Nachbereitungsseminar wieder sehen.
Hier ein paar Eindrücke der Evaluation nach dem Camp. Die Probleme der Jugend von heute oder der “degenerierten Generation“, wie mein Mitbewohner zu sagen pflegt, sind ziemlich klischeehaft. Aber irgendwie ist manche Kritik auch zum Schmunzeln.






























