Ohne zu ahnen, dass dieser Tag mir jegliche Energie rauben wird, bahne ich mir den Weg durch das Schülergetümmel. Blöd nur, dass drei Achtklässler mit einer vollen Flasche Fußball auf dem Gang spielen und dabei, wie es der Zufall so will, mich treffen. Sie kriegen von mir ein georgisches „Juuuuuuuuuuuuuunge“ zu hören, aber da meine Winterjacke mich vor blauen Flecken bewahrte, fand ich das gar nicht so tragisch. Irgendwie kann ich auch verstehen, dass sie sich im Flur austoben. Wo sollen die Schüler denn auch mit ihrer Energie hin, wenn sie weder richtigen Pausen haben, noch nach Draußen dürfen?
Während ich so darüber nachdenke, greife ich in meine Jackentasche, um mein Handy herauszuholen. Tja, ich fühle leider nur Glassplitter. Mit dem in in die kleinsten Teile zerbrochenen Display gehe ich wieder auf den Flur und zeige ihnen mein kaputtes Smartphone. Klar, sie finden das lustig. Ich bitte sie einen Moment zu warten – so weit reichen meine Georgischkenntnisse schon – und hole eine Kollegin. Doch als wir zehn Sekunden später wieder kommen, sind die Schüler schon verschwunden.
Am meisten ärgere ich mich über mich selbst, weil ich die Schüler ja auch gleich hätte mitnehmen können. Tja, zu viel Vertrauen halt. Daran habe ich in diesem Moment auch einfach nicht gedacht. Ich meine, vor wem haben sie denn Angst? Vor mir ja wohl sicher nicht. :D
Eben taten mir die drei jedenfalls noch leid – ausgerechnet die Jackentasche, in der mein Handy liegt. Doch die Abhau-Aktion war nicht nur feige und frech, sondern wohl auch das so ziemlich Dümmste, was sie hätten tun können. Denn eins haben sie vergessen: Die Kameras, Jungs, die Kameras!
Meine Mentorin hat das alles in die Hand genommen, deshalb habe ich vom folgenden Prozedere nicht wirklich viel mitbekommen. Die uniformierten Leuten haben den Gefahndeten dank der Überwachungsvideos wohl direkt ausfindig gemacht. Und was habt ihr mit eurem Weglaufen jetzt genau erreicht? Das kam sicher nicht so gut an und war also die reinste Schnapspralinenidee.
Eine Klassenkameradin hätte sich noch erdreistet mir zu unterstellen, dass mein Handy schon vorher kaputt war. Nochmal zur Erinnerung: Es handelt sich nicht nur um Risse im Display. Nein, Smartphone und Display wurden in wenigen Sekunden nichtsahnend voneinander getrennt. Das Display musste einen tragischen Tod durch Zersplitterung in Einzelteile erleiden. Was blieb, ist ein Scherbenhaufen.
Vielleicht wird mir auch deshalb angeboten, ein neues Handy zu besorgen. Die Familie hätte wohl viel Geld, so meine Kolleginnen. Naja, ein neues Display reicht mir. (; Etwas Gutes hat das Ganze aber: Ein Selbstversuch, denn übers Wochenende bin ich smartphonelos. Für drei Tage ohne Kommunikationsmittel, Wecker, Uhr und Musik. Schon erschreckend worauf ich jetzt alles verzichten muss.
Doch: No day is so bad, it can’t be fixed with a nap. Das traf für eine Weile sogar mal zu, denn der Kater ist nach zahlreichen Müll- und Gewürzverteilaktionen bei einem Freund von Maria untergekommen und konnte mich so nicht mehr vom Schlafen abhalten. Doof, dass er auch dort die Tapete zersört hat. Also, welcome back, bad boy. Bis Januar muss ich sein Rumgheule noch ertragen, dann zieht er hoffentlich aus. Meine Kopfhörer sind nämlich auch kaputt.
Was mir dann wirklich den Tag versüßt, oder besser gesagt weniger bitter macht, das ist Fanpost aus der fünften Klasse:

Hi Mara,
wird dich sicher nicht trösten, aber mir scheint das ganz schön typisch-echte-Kerls-adoleszent und typisch-erste-Geige-Zicke-adoleszent……..könnte aus dem Nähkästchen plaudern………
Einen Vorteil für dich: so warst du in diesen Tagen nicht
in Gefahr, ein smombie zu werden (Jugendwort des Jahres 2015) = exzessiver smartphone-Nutzer
PS:
Have-a-heart-for-Haustiere meint dazu: dieses arme Versuchskaterchen!
Noch ne schöne Woche!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!1