Friede, Freude, Tschurtschchela

Am Wochenende war ich wieder bei meiner georgischen Lieblingsfamilie in Kachetien auf dem Land. Meine Kollegin Nino hat mich zum Tschurtschchela-Machen eingeladen – man sagt hier auch „georgisches Snickers“. Das feiern die Georgier zu Silvester, wie die Deutschen Plätzchen zur Weihnachtszeit.

Die Herstellung ist ziemlich aufwendig: In der Regel werden zuvor geschälte und sortierte Walnüsse mühsam auf dicke Baumwollfäden gefädelt, was tagelange Arbeit bedeutet. Glücklicherweise hatten die Frauen im Dorf schon alles vorbereitet. Zur Abwechslung gab es auch ein paar Ketten mit Haselnüssen und getrockneten Früchten.

Dann wird die Tatara zubereitet. Das ist mit Mehl eingedickter Traubensaft – in unserem Fall natürlich aus eigener Herstellung. Über der Feuerstelle wird das Ganze dann drei bis sechs Stunden erhitzt bis eine zähe, etwas verdunkelte Masse mit kleinen Bläschen entsteht, die nicht mehr nach Mehl schmeckt. Die Tatara kann je nach Traubensorte und Kochzeit unterschiedliche Farben annehmen. Damit nichts anbrennt, musste der riesige Holzlöffel praktisch die ganze Zeit in Bewegung bleiben. Ich sag euch: Ganz schöne Muskelarbeit.

Die Nüsse  werden dann tief in die Tatara getaucht, herausgezogen und mindestens zwei Wochen zum Trocknen gehängt. Wir hatten ausnahmsweise statt 300 nur 170 Stück vor uns.  Die Konsistenz ist weder frisch noch getrocknet mein Fall, aber zur Verteidigung der Nationalspeise: Ich mag auch keine Gummibärchen.

Natürlich blieb es nicht nur bei der Süßigkeit: Für Gäste und Nachbarn wurde wie selbstverständlich reichlich, gut georgisch aufgetischt und eingeschenkt. :D

Und mal wieder habe ich nicht gemerkt, wie der Tag an mir vorbei zieht. Allein die Hinfahrt mit den sechs Kindern der georgisch-deutschen Familie von Ninos Bruder verging wie im Flug. Mal wieder ein bisschen „Teekesselchen“, „Wer bin ich“ und „Ich sehe was, was du nicht siehst“ spielen, ist ja auch nicht verkehrt. Von morgens bis abends habe ich im Hof gesessen, Gesprächen gelauscht, so vor mich hin gegessen, türkischen Kaffee und die Gastfreundschaft genossen und mich an der Feuerstelle gewärmt.

Zu Hause ging es für meine geräucherten Klamotten dann erstmal in die Waschmaschine und für mich mit doppeltem Haarwaschgang unter die Dusche. (;

2 Gedanken zu „Friede, Freude, Tschurtschchela“

  1. Liebe Mara, ach, hast du’s gut!!!!
    Ich kenne die tschurtschchelas (Sprachnachricht bitte!) aus der Türkei, da heißt das Ganze cevizli suc,uk= Nusswurst – schmeckt da auch nicht, mir jedenfalls nicht.
    Aber eingedickter Traubenmost (du bist ja an der Quelle), vermischt mit Sesammus und mit Brot aus dem Schälchen gewischt, ist zum Reinknien……ob die Georgier das wohl auch kennen?
    Foto nr. 1 gefällt mir sehr und die gleiche Szene mit dir auch .
    So finde ich Grillen gut: einfache Feuerstelle, einfache Grillspießstützen, praktisch gedacht……..da geht mir das Herz auf.
    Dein Blog tut nach einem anstrengenden Arbeitstag wieder so gut! Danke dir!
    <3 Martina

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