Where YUGO, I go.

ein Burger to Go

Salvador Dali sagte einst, dass im Abschied die Geburt der Erinnerung steckt. Und eben darum geht es an diesem Tag: Meine kurze Urlaubszeit neigt sich wieder einmal dem Ende und mein Bjelovar winkt mir aus der Ferne. Irgendwann gewinnt die Heimat jeden Wanderer wieder.

Doch bevor ich mich gänzlich in der Abschiedsstimmung verliere, möchte ich erst einmal von meinem Morgen erzählen. Dieser begann nämlich mit einem wirklich wunderbaren Frühstück. Sonja hat zusammen mit Đosis Mutter den Tisch vorbereitet und um 9 Uhr können Christian, Đosi und ich uns dann zum Frühstücken hinsetzen. Viele Speisen bietet Đosis Küche alle Male, vom Pršut bis hin zum Käse. Alles, was das Herz begehrt, steht bei Đosi auf dem Tisch.

Ich muss ehrlich sagen, dass die Frühstücksrunde in mir eine andere Form von Heimweh hervorruft. Hier im Ausland, gibt es viele Dinge, die mich an die Heimat erinnern. Doch, dass Frühstück bei Đosi ist wahrscheinlich eines der stärksten Dinge, die mich an die Familie erinnern.

Ich muss an die vielen Sonntagmorgen zurückdenken, an denen wir zusammen bei Tisch saßen und gemeinsam frühstückten. Auch wenn diese Erinnerung in mir ein bisschen schmerzt, tut sie auch unglaublich gut, weil ich das Gefühl bekomme in der Fremde Zuhause zu sein.

Nach dem Frühstück, heißt es Sachen packen, denn Đosi fährt uns zur Bushaltestelle. Für mich steht schon das erste Abschiednehmen an diesem Tag an, weil Đosi uns nicht weiter begleiten wird. Leicht fällt es nicht, auch wenn alles sehr hektisch vonstattengeht (Đosi hält mitten auf der Straße.). Über die letzten Tage habe ich mich in Đosis Familie völlig aufgenommen gefühlt. Für mich ist klar, dass Rijeka der Ort ist, wo ich die größte Gastfreundschaft und Herzlichkeit meiner bisherigen Reise erfahren habe.

So schnell, wie die Zeit bei Đosi in Rijeka vergangen ist, ist Đosis Auto auch schon davon gedüst und wir drei Gefährten sitzen im Bus, der uns in die Innenstadt von Rijeka bringt. Dort angekommen, laden wir unser Gepäck bei Sonja ab und machen uns auf einen Spaziergang durch die Stadt.

Doch, bevor wir irgendwohin gehen, steht unser Café-Ritual an. Aus diesem Grund, lassen wir uns erst einmal im Café nieder und nehmen ein Trunk zu uns: Sonja, heiße Schokolade (ohne Sahne), Christian, Cappuccino (in italienischer Tradition) und ich, Kavu s mjelkom (weil das die einzige Kaffeesorte ist, die ich bestellen kann). Der einzige Haken an den Cafés Rijekas ist, dass es keine Gebäcke gibt. Dahingehend ist die österreichisch-ungarisch geprägte Kaffeekultur Nordkroatiens wirklich überlegen.
Nach dieser kleinen Stärkung laufen wir durch das Hafenviertel in Richtung der Torpedofabrik. Die Straßen führen uns an alten Fabriken, Eisbahntrassen und Raffinerien vorbei. An diesem ruhigen Sonntagmorgen liegen sie in poetischer Stille da, die so friedlich erscheint, dass ich es nicht wage sie mit einem Foto zu stören. Mal abgesehen davon bin ich damit beschäftigt Sonja und Christian klarzumachen, dass es Pfannkuchen und nicht Berliner heißt und Eierkuchen die einzig wahren Pfannkuchen sind.
Als wir an der Torpedowerft angekommen sind, stelle ich fest, dass Sonja die beste Sehenswürdigkeit Rijekas für den Schluss aufgehoben hat. Über einen Zwischengang gelangen wir in ein kleineres Hafenareal, was uns zu einem Zaun führt, bei dem zufällig eine Stange fehlt. Durch diesen Zaun kommen wir zur alten Werft, in der früher die Torpedos gebaut und getestet wurden.

Heute ist von alledem nichts mehr zu merken, lediglich das verfalle Gebäude zeugt von einer tieferen Geschichte. Sonst haben wir um uns nur ein unübertreffbar schönes Panorama auf die Kvaner Bucht, die an dem Sonntagmorgen in völliger Ruhe daliegt.
Das Wetter ist so warm, dass ich Jacken und Pullover ausziehe und dem seichten Meeresrauschen zuhöre, während Sonja sich ins Meer stürzt und abtaucht.

Wellen rauschen leicht
Sonne strahlt über das Meer
Abschied genießen

Nach dieser Tiefenentspannung, wird es allerdings für uns wieder ein wenig hektisch, denn meine Abfahrtszeit naht. Ich muss den Nachmittagsbus nach Zagreb erwischen. Weil wir allerdings unseren Abschied mit einem Mittagessen begehen wollen, fahren wir in die Stadt, um uns etwas zu Essen zu suchen.

Das Zeitfenster für unser Mittagessen schließt sich allerdings immer schneller, als wir auf unsere Burger warten, sodass wir dann doch zum Busbahnhof zurückeilen müssen. Sonja und Christian verabschieden mich noch hastig, bevor ich in den Bus steige und sich sogleich die Tür hinter mir schließt. Das Bus fährt überpünktlich los.

Statt den Burger gemeinsam mit den beiden zu essen, muss ich ihn im Halbdunkeln des Tunnels in mich hineinstopfen, während der Bus durch die Berge fährt. Ein bisschen Schade ist es schon, dass ich die beiden nicht richtig verabschieden konnte, aber vielleicht bedeutet es auch, dass der Abschied nicht endgültig ist und wir uns hoffentlich bald wieder sehen werden. Schließlich stehen noch die Osterferien und unsere geplante Reise an. Sehen werden wir uns bestimmt wieder.

Übrigens fühlt sich nichts illegaler an, als einen Burger in einem Bus zu essen, in Zeiten von Corona. Während ich in Deutschland an dieser Stelle wahrscheinlich aus dem Bus geworfen werden würde, dulden die Kroaten meinen Hunger mit mildem Verständnis. Trotzdem ist es schon irgendwie komisch, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Noch vor einem Jahr hätte es nichts Normaleres gegeben als im Bus zu essen. Doch jetzt bedeutet einen Burger zu essen, fahrlässig die Gesundheit der Mitreisenden zu gefährden. Froh bin ich trotzdem, dass ich etwas essen kann, mein Hunger ist nämlich riesig: erst das Fressen, dann die Moral.

Meine Busfahrt führt mich vorbei an allen Orten, an denen ich die letzte Woche war: Ozalj, Karlovac, Samobor und schließlich Zagreb. Von dort aus nehme ich meinen altbekannten Zug nach Bjelovar, wo ich Abends zufrieden, wenngleich geschafft eintreffe. Im geliebten Bjelovar lebt es sich immer noch am besten.

 

 

Rijeka

07.03.2021

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