Part 2 – Historias de Octubre (Geschichten aus dem Oktober)

Zeit zum Schreiben finden
Momentan sitze ich im „Crepes & Waffles“, das sich in der Nähe meines Zuhauses befindet. Es regnet, wie so oft in der letzten Zeit und ich habe mich an einen warmen, gemütlichen Ort verzogen. „Crepes & Waffles“ ist eine kolumbianische Restaurantkette, die 1980 in Bogotá von zwei Studenten gegründet wurde (sagt die natürlich beste Quelle Wikipedia). Was ich von meiner Gastfamilie weiß, die mich hier schon recht früh einmal zum Brunchen mitgenommen hat, ist, dass hier primär Frauen arbeiten und viele von ihnen alleinerziehende Mütter sind und sie mit einem dieser Arbeitsplätze unterstützt werden sollen. Ich kann die Cafés sehr empfehlen, das Ambiente ist unglaublich schön, das Essen lecker und ausgefallen und auch die Preise sehr günstig.
Jetzt sitze ich auf jeden Fall hier und nippe an meinem „Golden Latte“, schaue mir das Treiben an und schreibe nebenbei auf, was ich den letzten Monat so erlebt habe. Los gehts 🙂

Freunde finden
Die letzten Wochen habe ich mich bemüht, noch etwas mehr mit den anderen Lehrern in Kontakt zu kommen und Stück für Stück haben wir uns besser kennengelernt und ich wurde auch auf ein Weinfestival eingeladen. Jedoch sind die meisten Lehrer, mit denen ich Zeit verbringe, auch aus Europa und es fällt mir immer noch etwas schwerer, auch besonders wegen der Sprachbarriere mit den kolumbianischen Lehrern in kontakt zu kommen.
Ansonsten verbringe ich aber auch immer mehr Zeit mit einer anderen Freiwilligen, die hier in Bogotá auch an einer Schule arbeitet. Das Vorbereitungsseminar war wirklich perfekt, um Kontakte zu knüpfen, um sich auch im Gastland austauschen zu können.
Und auch auf meiner Reise (mehr dazu später) habe ich einen Deutschen kennengelernt, der gerade in Bogotá studiert und mit dem ich vor Kurzem auch einen Kaffee getrunken habe.
Aber zum Glück habe ich auch noch meine Gastfamilie und ihre Haushälterin, mit der ich mich sehr gut verstehe und Spanisch üben kann. Und auch die niños aus meinen Klassen bringen mir unbewusst viel über Kolumbien und seine Kultur bei. Stück für Stück bin ich mit den beliebtesten Süßigkeiten, Verhaltensweisen und Füllwörtern vertraut geworden.
Aber auch allein kann ich mir die Zeit vertreiben und so gefällt es mir auch gut, nachmittags durch Usaquén zu laufen und mir die Geschäfte an zu schauen.

Aktivitäten in Bogota
Die letzten Wochenenden habe ich tatsächlich viel erlebt und neue Orte von der Stadt kennengelernt. Unter anderem bin ich mit meiner Ansprechpartnerin und einer ehemaligen Lehrerin meiner Schule im Osten der Stadt wandern gewesen. Wir sind schon um sechs Uhr morgens losgefahren und haben im „Quebrada La Vieja“ die Berge bezwungen. Die Landschaft war wunderschön und wir kamen an kleinen Bächen und Wasserfällen, einer Pferdeweide und sogar einer Menge Fliegenpilze vorbei, bis zum Gipfelkreuz „Cerro la Cruz Bogotá“. Oben erwartete uns eine schöne Aussicht, die die Anstrenung wert war, ein paar andere frühmorgendliche Wanderer und eine Handvoll Männer vom Militär. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was genau sie dort oben gemacht haben, aber vielleicht war es auch nur eine Übung im Gelände. Der Abstieg erwies sich auf jeden Fall als matschige Rutschpartie, die meine Turnschuhe gerade so überlebten und so schlitterten wir vorsichtig den Berg herunter und können von Glück reden, dass wir nicht hingefallen sind, wie eine Gruppe von jungen Männern, die am Ende wirklich total im Schlamm verschwanden.
Ein anderer sehr schöner Ausflug war der zur Banksy Ausstellung in der Villa Adelaida. Der Eintritt war zwar recht teuer (86000 kolumbianische Pesos – ca 17,50 Euro), aber die Zeit dort wirklich interessant und auch sehr gut zu Spanisch lernen. Ausgestellt wurden viele Art Prints, andere Kunstwerke Banksys und Fotos von seinen Graffiti. Diese wurde unter Themen wie Protest, Krieg und Politik vorgestellt und man hat viel über seine Gesellschaftskritik und seinen Humor gelernt.
Ein weiteres Highlight war für mich, dass ich seit fast drei Jahren endlich wieder auf dem Pferd saß. Die jüngste Tochter meiner Ansprechpartnerin reitet am Stadtrand von Bogotá und eines Sonntages wurde ich eingeladen, sie zu begleiten. Glücklicherweise scheint es mit dem Reiten bei mir wie mit dem Fahrradfahren zu sein und ich habe es nicht verlernt. Nur meine Oberschenkelmuskulatur war nicht mehr daran gewöhnt und so lief ich den Rest des Tages mit etwas schmerzhaften Beinen umher.

Transmilenio
Des Weiteren kann ich stolz verkünden, dass ich es endlich in einen bzw. mittlerweile sehr viele Busse des Transmilenios geschafft habe. So heißt das Busunternehmen der Stadt und man sieht die blauen, gelben, grünen oder orangenen Busse oder den rote Transmilenio wirklich überall. Die Busse fahren im ganz normalen Verkehr mit und man kann sie benutzen, indem man sich eine Buskarte kaufe, die man jederzeit aufladen kann (an den Transmileniostationen, digital oder auch in vielen Drogerien oder anderen Läden). Die roten Busse des Transmilenio fahren auf einer eigenen Fahrbahn und kommen somit deutlich schneller voran. Des Weitern benutzt man die Karte auch nicht im Bus, sondern um auf die „Bus-Bahnsteige“ zu kommen. Aber ganz egal mit welchem Bus man fährt, eine Fahrt kostet immer ca 50 Cent und ist somit sehr günstig.
Bisher habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Manchmal kommen die Fahrzeuge zwar etwas spät, aber das sei auch dem schrecklichen Verkehr in der Innenstadt geschuldet. Jedoch sollte man trotzdem immer vorsichtig und wachsam sein, wenn man den Bus benutzt,da dort doch sehr häufig gestohlen wird. Einer Lehrerin wurde vor Kurzem zum Beispiel die Jacke aufgeschnitten, ohne dass sie es bemerkt hat, aber zum Glück hat es der Täter oder die Täterin nicht geschafft, ihre Wertsachen zu entwenden.

Reisen
Eine schöne Überraschung war die Einladung ein paar Lehrer, sie auf ihrer Reise nach Providencia, eine kolumbianische Insel in der Karibik zu begleiten. Es kam zwar alles ganz anders als geplant, aber nun habe ich eine gute Geschichte zu erzählen, da ich mittlerweile einen Hurrikan überlebt habe und tauchen gewesen bin.
Ehrlicherweise war es zum Zeitpunkt der Abreise nicht wirklich einschätzbar, wie schlimm der Hurikan werden würde, und somit waren wir alle supernervös und aufgeregt. Der Plan war eigentlich, am Freitag nach der Schule zusammen zum Flughafen zu fahren, nach San Andres (eine weitere kolumbianische Insel der Karibik) zu fliegen und eine Nacht dort zu übernachten und dann am nächsten Morgen weiter nach Providencia zu reisen. Der Flug nach San Andres wurde nicht gecancelt, der nach Providencia aufgrund des Sturmes jedoch schon. Letztendlich beschlossen wir einfach auf die Insel zu fliegen, dort abzuwarten, bis die Flughäfen wieder öffneten und den zweiten Flug um zu buchen. Eine Lehrerin stieg dann doch noch aus (aus unserem Plan, nicht dem Flugzeug) und so saßen wir insgesamt zu viert in dem zu ⅓ gefüllten Flugzeug.                                Ich hatte mir zuvor noch eine Powerbank gekauft, um auf mögliche Stromausfälle vorbereitet zu sein und informierte noch meine Familie und Freunde, dass ich ggf. die nächsten Tage nicht erreichbar sei. Meine Freunde waren total entspannt, meine Mutter das absolute Gegenteil.                                  Als wir am Abend auf San Andres ankamen, kauften wir erst mal viel Wasser und ein paar Snacks für die nächsten Tage und aßen noch mal alle zusammen in einem Restaurant. An der Strandpromenade war viel los und es wurde getanzt, gesungen und getrunken und dennoch merkte man, dass ein Sturm im Anmarsch war, da alle Läden verbarrikadiert waren.                                                                   Ab sechs Uhr am nächsten Morgen gab es eine Ausgangssperre und somit verbrachten wir den Tag im Hostel. Die Nacht zuvor war grausam gewesen (Triggerwarnung: Bad Trip). Ich und eine andere junge Lehrerin schliefen im gleichen Zimmer zusammen mit noch zwei anderen Personen. Den einen jungen Mann lernten wir noch am Abend kennen und verstanden uns auf Anhieb sehr gut, der zweite kam mitten in der Nacht und rannte gegen zwei Uhr morgen plötzlich ins Bad und übergab sich heftig. Er stöhnte für eine Viertelstunde, bis wir alle aufgewacht und so alarmiert waren, dass wir bei ihm klopften. Er war zwar ansprechbar, aber in einer üblen Verfassung und da es einfach nicht besser wurde, liefen wir nach unten zur Rezeption, um nach Hilfe zu bitten. Uns wurde gesagt, dass ein Arzt gerufen werden sollte, aber am nächsten Morgen erfuhren wir, dass er diesen wohl nicht wollte (wahrscheinlich Kostengründe). Wir zogen somit gegen drei Uhr morgens in ein anderes Zimmer um und schliefen todmüde ein.                                                                                                                                          Als ich am nächsten Tag geweckt wurde, ging es gleich chaotisch weiter, da unser Zimmer unter Wasser stand. Es hatte in der Nacht so viel geregnet, dass die Balkontür nachgegeben hatte und das Wasser in das Zimmer lief. Diesmal war es aber zu viel des Guten und da schon die Mitarbeiter des Hostels informiert wurden, drehte ich mich einfach um und schlief weiter.                                        Den Rest des Tages verbrachten wir mit Lesen, langen Gesprächen, essen (es gab zum Glück ein Restaurant) und Stormwatching. So richtig heftig wurde es erst am frühen Abend und es fielen ein paar Deckenteile auf den Boden, das Dach verlor ein paar Dachziegel und auch die Fassade musste etwas daran glauben. Zum Glück wurde keiner verletzt, aber da der Gemeinschaftsbereich eine Art Open Air Space war, waren wir wirklich immer ganz nah am Geschehen (zum Glück in einem sicheren Bereich). Immer wieder fiel auch der Strom aus, aber da es einen Notfallgenerator gab, ging alles ziemlich entspannt weiter und erst am nächsten Morgen hatte ich kein Internat mehr. Dann war der Hurrikan aber auch schon weiter nach Nicaragua gezogen und wir konnten uns die Nachwirkungen anschauen.                                                                                                Alles war etwas zerwühlt und unordentlich, ein paar Sachen waren beschädigt worden, aber alles in einem war alles gut gegangen und am Montag öffnete auch endlich wieder der Flughafen. Nach einer recht langen Wartezeit konnten wir somit endlich ins kleine Flugzeug nach Providencia steigen und kamen sicher nach nur ca 25 min an.                                                                                            Providencia ist im Vergleich zu San Andres deutlich weniger touristisch. 2020 wurde die kleine Insel fast vollständig durch einen Hurrikan zerstört und somit sind viele Häuser sehr neu und es wird auch noch immer viel weiter aufgebaut. Unter anderem der Flughafen und so stiegen wir einfach auf dem Rollfeld aus und liefen zur Registrierung unter freiem Himmel.                                                    Die nächsten paar Tage waren dann wirklich sehr schön. Am Vormittag hatten wir unsere Tauchgänge, dann gingen wir etwas essen und ruhten uns am Nachmittag aus, da wir immer so erschöpft waren. Für mich war es das erste Mal tauchen, aber all die anderen hatten schon Erfahrungen (bzw. sind ausgebildete Tauchlehrer) und so war ich wirklich in den besten Händen. Am Anfang hatte ich zwar etwas Schwierigkeiten, mich an die Atmung mit der Luftflasche zu gewöhnen, aber sobald man unten war, gab es so viel zu sehen, dass man ganz vergaß, dass man nicht normale Luft atmete. Und so sah ich ganz nah Korallen, viele Fische, Rochen und Langusten.                                                                            Viel zu schnell verging die Zeit und ich musste wieder zurück nach Bogotá. Rückblickend bin ich echt froh, dass ich so abenteuerlustig war, ein bisschen Zeit in dem Auge eines Hurrikans zu verbringen.

Schule
In der Schule läuft alles weiterhin sehr gut. Diese Woche bin ich für eine Lehrerin eingesprungen und habe viele ihrer Klassen übernommen. Es war superinteressant, nun auch endlich einmal alleine zu unterrichten und die Herausforderung hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mittlerweile kenne ich die Klassen nun auch schon sehr gut und weiß, wie ich mit welchem Kind am besten umgehe. Somit hat es eigentlich ziemlich gut geklappt und die Kinder haben (meistens) gut gehört.

Halloween
Wie auch an so vielen anderen Orten wurde in meiner Schule Halloween gefeiert und es war wirklich ein sehr schöner Schultag. Schon seit Anfang Oktober wurde in vielen Geschäften Halloweendekoration verkauft und viele Läden und Lokale waren gruselig geschmückt. Am Freitag, dem 28. Oktober, wurde dann auch im Helvetia gefeiert und ich war freudig überrascht zu sehen, dass sich wirklich fast alle verkleidet hatten. Ich bin als Catrina (mexikanisches Skelett) gegangen und habe mich mit einem passenden Blumenhaarreif und ordentlich Gesichtsschminke am Morgen verkleidet. Ansonsten gab es sehr viele Disneyfiguren, Superhelden und tatsächlich gar nicht so viele typisch gruselige Verkleidungen wie Hexe, Gespenst und Vampir.                                                           In der Schule angekommen, habe ich natürlich erst mal ganz viele Fotos gemacht und bin dann mit meiner Klasse (1A) in die Turnhalle gegangen, wo sich alle getroffen haben, um bei einer Modenschau die Kostüme zu präsentieren. Die Kleinen (Kinder vom Kindergarten bis zur 5. Klasse) hatten sehr viel Spaß und zum Schluss wurden die besten Kostüme ausgezeichnet. Danach gab es Spiele, die von der Oberstufe organisiert und geleitet wurden und da es am Vormittag so heiß wurde, haben wir unsere Schüler dann im kühlen Klassenraum malen lassen. Zum Schluss gab es dann noch Brownies für alle und ein schöner Schultag ging zu Ende.

Das war mein Oktober. Es ist so viel passiert, dass ich hier nur von einem Bruchteil erzählen kann, und doch sind ganze fünf Seiten auf meinem Schreibprogramm zusammen gekommen.

Ganz liebe Grüße aus Bogotá – als Nächstes erzähle ich von meinem November und unserem Zwischenseminar .

Kathi

Part 1 – Comienzos (Anfänge)

 

Parte 1 – Comienzos (Anfänge)

Anreise
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich die Nacht vor meinem Abflug nicht viel geschlafen habe. Mein Schlafrhythmus war zu dem Zeitpunkt eh nicht der beste und so hatte ich gerade einmal drei Stunden Schlaf gehabt, als um vier Uhr morgens mein Wecker klingelte. Somit saß ich gegen acht etwas müde im Flieger nach Amsterdam und fasste den Entschluss dort erstmal einen Kaffee zu kaufen. Die Überraschung: diesen musste ich nicht alleine trinken, da ich zufällig zwei weitere Kulturweitfreiwillige traf, die auf dem Weg nach Afrika waren. Am Gate für meinen Flug nach Bogotá wartete dann auch schon ein anderer Freiwilliger auf mich, der den selben Flug gebucht hatte. Meine Zeit in der Luft betrag 10 Stunden und 40 Minuten und verging überraschend schnell. Neben mir saß eine nette Kolumbianerin, mit der ich schon etwas Spanisch beim Unterhalten übte und dann war ich plötzlich auf der anderen Seite der Erde. TIPP: Habe deinen Pass, dein Visum und deinen Corona-Nachweis/Test immer griffbereit und stelle dich auf lange Wartezeiten bei der Einreise ein. Wir standen über eine Stunde in der Schlange und mit uns sehr viele andere Menschen. Dann trennten uns unsere Wege und ich wurde von einem Fahrer, welcher von meiner Schule organisiert wurde, zu meiner Gastfamilie gebracht.

Gastfamilie
Meine Begrüßung war unglaublich herzlich und ich habe mich gleich willkommen gefühlt. Ich habe eine kleine Gastschwester (10 Jahre), die ein wahrer Sonnenschein ist und meine Gasteltern sind auch sehr freundlich. Bei der Vermittlung hat mir auch die Schule geholfen und da diese eine teure Privatschule ist, ist auch meine Gastfamilie recht wohlhaben. Ich habe mein eigenen Zimmer, einen begehbaren Kleiderschrank und ein eigenes Bad. Von Montag bis Freitag arbeitet eine Haushälterin (sie ist total lieb) bei ihnen und ein paar mal die Woche kommen weitere Putzkräfte. Wir haben einen sehr geregelten Tagesablauf (mehr dazu später) und im Allgemein ist besonders meine Gastmutter extrem organisiert und alles hat seinen Platz. So entspricht sie eher ein deutschem Klischee, haben wir sofort scherzhaft festgestellt. Mein Gastvater ist da eher ein „typischer Kolumbianer“, locker, humorvoll und ein ganz kleiner bisschen verplanter. Aber alle haben gemeinsam, dass sie sehr freundlich zu mir sind. Trotzdem ist es manchmal etwas schwierig, sich an all die neuen Abläufe und Gewohnheiten zu gewöhnen und oft fühle ich, als würde ich sehr viel falsch machen. Ich denken, da ist der beste Weg zur Besserung Kommunikation, eine Weisheit, die ich mir auch noch öfter vor Augen halten muss.

Auf offener Straße
Auch mein Stadtviertel (Usaquén) ist eines, in dem eher wohlhabende Kolumbianer leben und auch ziemlich sicher, wobei man immer aufpassen sollte. TIPP: Mir wurde sofort gesagt, dass ich das Handy auf offener Straße lieber in der Tasche lassen sollte – und zwar nicht in der Hosen oder offenen Jackentasche. Ich habe jetzt ein System entwickelt, da bisher super funktioniert. Ich habe alle Wertsachen, die ich mitnehmen möchte, wenn ich aus dem Haus gehe (Handy, Airpods und etwas Bargeld – so wenig wertvolles wie möglich) immer in meiner Bauchtasche, die ich mir um die Schulter schnalle und dann auf meinen Rücken unter die Jacke drehe. So komme ich immer noch schnell an alles dran und trotzdem ist es diskret und sicher. Zu der Sache mit dem Handy: ich benutze es natürlich auch manchmal auf der Straße, um kurz etwas zu googlen, ein Foto zu machen oder jemandem zu schreiben. Dabei ist es einfach wichtig, trotzdem vorsichtig zu sein und ein wachsames Auge zu haben. Achte also immer darauf wo du bist und wie sicher du dich dort fühlst.

Alltag (Mo bis Fr)
06:00 Uhr – aufstehen
06:20 Uhr – Frühstück
06:45 Uhr – Schulbus zur Schule
07.15 Uhr – Schulbeginn
15:05 Uhr – Schulschluss
15:15 Uhr – Schulbus nach Hause
15:45 Uhr – Ankunft beim Haus
16:00 Uhr – Freizeit (spazieren gehen, einkaufen, joggen, lesen, Aufgaben für die Schule, meiner Gastschwester bei den Hausaufgeben helfen, YouTube, Sozial Media (je nach Lust und Laune))
19:00 Uhr Abendessen
20:00 Uhr – Abendroutine (lesen, auf Nachrichten antworten, Netflix oder Co, sich fertig fürs Bett machen)
23:00 Uhr – schlafen

Wochenende
Meine zwei Wochenenden, die ich bisher hatte, waren bisher eher ruhig. Wir sind einmal zum Country Club der Familie gefahren und haben uns etwas umgesehen und das andere Mal waren wir bei dem Ferienhaus, das etwas außerhalb der Stadt liegt und noch nicht fertig gebaut ist. Außerdem heißt Wochenende auch ausschlafen und meist gehen wir zum Frühstücken in ein Café oder bestellen etwas nach Hause.

Essen
Das Essen in Kolumbien ist sehr, sehr fleischlastig. Es wird quasi zu jedem Essen gereicht, wenn man will, und das ist etwas, an das ich mich erst noch gewöhnen muss. Ich bin keine Vegetarierin, dennoch habe ich in Deutschland nie viel Fleisch gegessen. TIPP: Fall mal als Vegetarier in Kolumbien ist, sollte man auf jeden Fall mit seiner Gastfamilie reden (falls man eine hat) und bekommt sonst auch in vielen Restaurants vegetarische Optionen. Jedoch nicht immer. Vor ein paar Tagen war ich mit meiner Gastfamilie in einem Restaurant, das ausschließlich Fleisch oder Fisch serviert hat – also aufpassen. Ansonsten habe ich aber noch kaum etwas gegessen, was mir nicht geschmeckt hat und ich würde raten, alles einmal zu probieren. Besonders gerne mag ich die gebratenen Platanos (eine besondere Art von Banane). Zum Essen werden außerdem immer Säfte getrunken (wenn man mag) und es gibt außerdem sehr vieles, günstiges und leckeres Obst, welches man in Deutschland kaum findet.

Schule
In der Schule helfe ich in der ersten, zweiten und vierten Klasse. Da es eine Schweizer Schule (Colegio Helvetia)  ist, gibt es immer eine Klasse, die Deutsch lernt und eine andere die Französisch lernt. Ich helfe natürlich im deutschen Unterricht und die Arbeit macht mir Spaß, ist aber auch ziemlich erschöpfend. Ich helfe bei den Aufgaben, organisiere den Klassenraum, bereite mit meiner Ansprechpartnerin den Unterricht vor, helfe bei der Pausenaufsicht und lese auch zwei mal die Woche in der Bibliothek ein Buch vor. Das klingt vielleicht ziemlich entspannt, aber wenn man sich acht Stunden lang um eine Herde verspielter Kinder kümmern muss, ist man am Ende des Tages doch sehr erschöpft. Besonders die vierte Klasse macht mir noch etwas Sorge, da sie oft so chaotisch ist, dass man kaum richtigen Unterricht machen kann und sie auch besonders schlecht für die psychische Verfassung der Klassenlehrerin ist. Dennoch habe ich Hoffnung für die Gruppe und arbeite mit ihr und anderen Lehrer*innen zusammen, um sie unter Kontrolle zu bekommen. Was ich jedoch besonders an der Schule schätze, ist ihr Design. Sie ist sehr grün, mit wunderschönen Blumen und einem verwunschen wirkendem Baum (siehe mein Profilbild) in der Mitte des Schulgartens. Wenn man von einem Klassenraum in den anderen gehen möchte, ist man immer an der frischen Luft, da sich alle Türen nach außen öffnen. Man fühlt sich wie in einer grünen Oase mitten in der Stadt.

Bogotá
Etwas, was mir mit als erstes aufgefallen ist, ist die Verkehrssituation in Bogotá und damit meine ich, lange Wartezeiten im Stop and Go, keine wirklich erkennbaren Verkehrsregeln und ein Fahrstil, an den ich mich erstmal gewöhnen muss. Das öffentliche Verkehrsnetzt ist ziemlich begrenzt, man kann den Bus nehmen oder, was ich bisher einmal gemacht habe, ein Uber. Es wird gerade auch an einer Metro gearbeitet, diese wird wohl aber nicht mehr fertig, solange ich hier bin. Somit bin ich zu 90 Prozent zu Fuß unterwegs und alles, was unter 45 min entfernt liegt, wird gelaufen. Etwas anderes, was mir schon schnell aufgefallen ist, ist das Wetter. Hier wird auch gerne gesagt: „Du hast alle vier Jahreszeiten an einem Tag“ und dem kann ich nur zustimmen. Das Wetter ist sehr schwer hervorzusagen und somit sollte man immer auf Regen gefasst sein, es kann aber auch plötzliche recht warm und sonnig werden. Ich denken, meist ist es bewölkt. TIPP: Empfehlenswert ist ein Zwiebellock, sodass man schnell Kleidung aus- und anziehen kann, um sich an das Wetter anzupassen. Und ein kleiner Regenschirm für die Tasche ist sicher auch nicht schlecht.

Anmerkung
Das waren meine ersten Eindrücke im September. Ich kann hier nur von meinen Gedanken, Erfahrungen und Beobachtungen erzählen und jeder Aufenthalt in Bogota ist sehr individuell. Somit sind die Sachen, die mir als „anders“ aufgefallen sind, nur für mich fremd und jemand anderes könnte sie als ganz normal erachten. Auch ich bin sehr von den Meinungen der Menschen beeinflusst, mit denen ich hier lebe und arbeite und noch dazu bringe ich meiner eigenen Assoziationen aus Deutschland mit. Neutrales berichten ist quasi unmöglich und in allem steckt eine persönliche Perspektive. Ich bin gespannt, was ich in den kommenden Monaten noch so erleben werde und diese Erfahrungen werden meine Sichtweise in der Zukunft sicher auch weiterhin beeinflussen.

Jetzt aber genug für heute. Danke für deine Aufmerksamkeit und alles Liebe von mir 🙂

Kathi