Честита баба марта! – Fotos

Честита баба марта!

So begrüßen sich die Bulgaren heute, am 1. März., denn heute wird der uralte bulgarische Frühlingsbrauch im ganzen Land gefeiert. „Баба Марта“, also „Oma Marta“, ist eine volkstümliche und ausgeschmückte Umschreibung für den Monat März und die einzige weibliche Personifizierung eines Monats.

Heute schenkt man sich weiß-rote „Мартеница“ bzw „Мартеници“ (Martenizi), rot weiße Talismänner für Gesundheit und ein langes Leben. Dieser Brauch stammt noch aus der vorchristlichen Zeit und die Glücksbringer werden im Freundeskreis, in der Familie oder auch auf der Arbeit verschenkt (selber kaufen geht nicht, man muss sie für sich selbst geschenkt bekommen!).
Die Farbe weiß steht für die Reinheit und Ehrlichkeit, der rote Wollfaden hingegen steht für Wärme (und rote Wangen), Gesundheit und ein langes Leben. 

Getragen werden die Martenizi auf der linken Seite oder am linken Arm – dem Herz am nächsten, die großen werden üblicherweise an Türen oder Fenster gehängt.
Die Talismänner werden so lange getragen, bis man ein erstes Frühlingszeichen sieht (wie z.B. einen Storch, einen blühenden Baum, im Süden überwinternde Vögel, …) und dann abgenommen. Spätestens am 1. April (sofern man davor kein Frühlingszeichen erblickt hat) hängt man sie an einen Baum oder legt sie unter einen Stein – dann darf man sich etwas wünschen.

Man darf einen solchen Glücksbringer nur einmal tragen und auf gar keinen Fall vor dem 1. März anbinden, denn das bringt Unglück und Pech mit sich.

Mit dem Verschenken und Tragen soll der März (in Form der Personifizierung Baba Marta) milde gestimmt und besänftigt werden – so wird Baba Marta entweder als eine alte, launische Frau oder als eine junge, freundliche und zarte Frau vorgestellt, je nachdem, wie sich der Monat wettertechnisch präsentiert.

Schon seit Ende Januar gibt es die ersten Stände, an denen die Мартеници verkauft werden; im Kaufland, im Baumarkt, der Souvenir-Laden in der Innenstadt und auch kleine Stände auf dem großen Hauptplatz „Troykata“ , die nichts anderes verkaufen  – so war es mir möglich, meinem Vater welche für meine Freunde und Familie zuhause mitzugeben, ohne mich auf die Post verlassen zu müssen (denn irgendwie ist die Richtung Burgas-Deutschland deutlich langsamer als die Richtung Deutschland-Burgas …). Und für Takoma haben wir eine der beiden Figuren ausgesucht, die dann an ihr Geschirr gebunden wird.
Die Preise starten mit 0,10 BGN (~ 5 Cent) für die billigsten Armbänder, die aufwendig gemachteren kosten meist um die 4 BGN (also etwas über 2€), bei den Figuren Пижо и Пенда (Pischo und Penda) bin ich mir nicht sicher, aber auch da wird es auf die Verarbeitung und Größe (!!) ankommen – die gibt es nämlich auch in seehr groß fürs Fenster.

Da es immer mehr und mehr Stände wurden – auf meinem Schulweg, auf dem Hauptplatz (und auch an der Eisbahn dort), an der Universität und zwischendurch auch noch an anderen Orten – wie an der Bushaltestelle hier in Meden Rudnik, habe ich Mal eine Schülerin gefragt, wieso es denn so unglaublich viele Stände gäbe. Sie meinte, es läge daran, dass die über 60 Jährigen hier nicht mehr arbeiten dürfen und sich somit mit dem Verkauf von Мартеници etwas dazu verdienen können. 

Dementsprechend habe ich Mal versucht, auf die Verkäufer zu achten – und ja, es gibt viele Verkäufer, die durchaus über 60 sein könnten, aber auch welche, die deutlich jünger aussehen. Auch fand sie es sehr lustig, dass ich es so faszinierend fand und mein Versuch ihr zu erklären, dass das ja sei wie ein Weihnachtsmarkt nur für Glühwein, sorgte für noch mehr Gelächter.

Ich bin auf jeden Fall sehr froh, die Zeit um Баба Марта in Burgas miterleben zu dürfen und bin mir sicher, dass ich diese Tradition (so gut es geht) mit nach Deutschland zurück nehmen werde.

Hier sind noch ein paar Links, die auch die Legenden thematisieren:

Falls heute noch irgendetwas interessantes vor sich geht, werde ich das hier auf jeden Fall noch nachtragen!
Честита баба марта (Tschestita Baba Marta),
Lina 🙂

Und  hier geht’s zum extra Foto-Eintrag – denn das sind etwas viele Fotos geworden, um die hier vernünftig einzubringen :).