19.02. – Gedankenchaos

Dieses Datum hat sich in mein Gehirn eingebrannt.
Nicht nur, weil es der Dienstag vor meiner Vorabiklausur in Geschichte war.
Und auch nicht nur weil ich bis zu diesem Tag es nicht wirklich hinbekommen hatte, mich auf den zu lernenden Stoff zu konzentieren.
Sondern auch, weil heute vor einem Jahr, am 19.02.2019 mein Auswahl-/Kennlerngespräch (wie auch immer man es nennen will) in Bonn war.
Ein komisches Gefühl. Es werden noch weitere Daten kommen – aber die haben eher mit den letzten paar Tagen/Wochen Schule zu tun.

Wir sind mit einem Leihwagen nach Bonn gefahren (meine Eltern wollten mir nicht noch die Deutsche Bahn antun – und das war wohl auch die richtige Entscheidung und mein Vater hatte bei der letzten längeren Fahrt etwas bemerkt, was er lieber erst einmal checken lassen wollte).
Bin nach der vierten Stunde nach Hause gerast, umgezogen, in Deo geduscht, Essen runtergwürgt, noch gefühlte zehntausend Mal kontrolliert ob ich auch ja alles dabei hatte und dann haben wir meine Schwester von der Schule abgeholt und los ging’s.
Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie nervös ich war und als die Autobahn dann ab und zu etwas voller war, lagen meine Nerven absolut blank. Wir sind früh genug angekommen, ich bin also reingegangen, angemeldet, mit ein paar Alumni etwas geredet; für richtige Fragen war ich viel zu angespannt.
Dann zu den anderen Wartenden gesellt, eine (die auch genommen wurde) gefunden, die aus Bielefeld kam und mit der Bahn gefahren ist (und schon so gegen 9 Uhr aufgebrochen ist …) und dann wurden alle aufgerufen – bis nur noch drei andere und ich übrig waren. Super.
Dumme Witze gerissen, ob man uns denn vergessen hätte und eine Alumna war so nett, uns aufzuklären, dass die „Jury“ (also die beiden, die uns interviewt haben) noch etwas Zeit für die Besprechung der Gruppe vor uns brauchen würden.

Als wir dann aufgerufen wurden, dachte ich, es würde losgehen – aber stattdessen durften wir noch einmal vor der Tür warten. Dass meine Nerven zu diesem Zeitpunkt mehr als nur blank lagen und ich es doch einfach nur hinter mir haben wollte, machte die ganze Warterei nicht einfacher.

Irgendwann durften wir dann rein und ich erinnere mich nur noch an Bruchstücke. Wie beeindruckt wie ich von dem einem Mädchen war, das sehr viel für die Schule selber organisiert hatte und daneben kam ich mir mit meiner Jugendarbeit in der Kirche (und noch mehr Jugendarbeit in der Schule) doch sehr dämlich vor. Auch die anderen beide hatten (meiner Meinung nach) viel mehr anzubieten als ich mit Jugendarbeit, Jugendarbeit und you guessed it – Jugendarbeit. Fotos gezeigt, Liste der Regionen noch einmal kontrolliert (ich wusste absolut nicht mehr, was ich wo hingesetzt hatte …) und versucht, mich nicht von den anderen und ihren Antworten verrückt machen zu lassen.

Rausgegangen. Erleichterung. Aber auch Zweifel, denn gerade neben diesem einen Mädchen fühlte ich mich extremst ungeeignet (irgendwer hat das anscheinend anders gesehen :D). Noch kurz mit den anderen geredet, gehört, wie es bei ihnen lief. Dann Mama in den Arm gefallen. Im Auto die Absage eines anderen Freiwilligendienstes gelesen. Lecker essen gegangen. Dann zurück nach Hause und noch schnell unseren Wagen zur Werkstatt fahren.

Ich wollte eigentlich nur die Absage endlich haben, damit ich mich um Studium und so weiter kümmern könnte. Aber dann kam die Mail mit dem Platzangebot – aber die Story kommt dann im April.

Es wirkt so surreal, dass das erst (oder schon?) ein Jahr her ist.
Heute vor einem Jahr in Bonn – heute in Sofia für das Aufbauseminar von Jugend Debattiert International, damit ich dann auch schön in der Jury sitzen darf.

In diesem Jahr ist so unglaublich viel passiert – Mottowoche, Abitur, Abiball, Vorbereitung für Burgas, Vorbereitungsseminar, Ankommen in Burgas, meine erste eigene Wohnung und was das alles so mit sich bringt, habe eine bulgarische Aufenthaltsgenehmigung (für 5 Jahre!!) und eine elektronische Busfahrkarte, Fahrten nach Sofia, Plovdiv, Bucharest, Veliko Tarnovo, Athen, Sibiu, Timisoara, Sliven, Stara Zagora, Varna (in absolut nicht chronologischer Reihnfolge), der Botschaftsempfang, DSD-/JDI Basis- und jetzt das Aufbauseminar, das Zwischenseminar in Rumänien (mit abenteuerlicher Hin- und Rückfahrt), Abenteuer Bahn/Nachtzug/Bus, Besuch von Jana in (bald nicht mehr) Tirana, Weihnachten in Bucharest, Besuch meiner Familie (und noch einmal von Papa), 127 DSD Aufsichten, keine Ahnung wie viele Stunden im Café am Strand, tolle Abende mit tollen Menschen, Weihnachtsmärktetour in Bulgarien und Rumänien, selber Wasser und Strom zahlen, tolle Schüler*innen kennengelernt, mit Kira (der Freiwilligen aus Ecuador) über 6 Stunden am Stück geskypt (hehe), nette Abende mit der französischen Freiwilligen, so langsam ein Gefühl des Ankommens, ab morgen dann auch offiziell dazu berechtigt, eine JDI Debatte zu jurieren, und das Glück, ganz viele tolle Menschen kennengelernt zu werden (@ beide Homezones, Kira, … <3).

Und auch, wenn ich heute vor einem Jahr absolut nicht damit gerechnet hatte, irgendwo auf dem Balkan – besser gesagt in Burgas, an der bulgarischen südlichen Schwarzmeerküste – zu landen und wer auch immer das beschlossen hat: es ist doch gar nicht mal so verkehrt hier. Und so langsam merke ich, dass ich Burgas doch schon deutlich mehr in mein Herz geschlossen habe, als ich eigentlich zugeben kann/will/möchte.
Es ist zwar noch immer etwas komisch, dass die ersten jetzt wieder zuhause sind und ich noch etwas über 6 Monate vor mir habe – aber jetzt geht es hier doch irgendwie erst so richtig los, mit dem Theaterwettbewerb, Jugend Debattiert International und vielleicht noch dem Vorlesewettbewerb für die 8. Klassen!

Wie es so schön auf den Bussen steht: Аз обичам Бургас. (Ich liebe Burgas/ „Az obitscham Burgas“)

[Es ist hier 0:10, aber in Deutschland ist es noch der 19.02. – passt also schon irgendwie :)]

Grippeferien

Vor knapp drei Wochen wusste ich noch nicht einmal, dass es hier sogenannte „Grippeferien“ gibt. Und um ehrlich zu sein kam es mir auch gar nicht in den Sinn, dass es hier so etwas geben könnte – denn was man nicht kennt, erwartet man halt auch nicht.

Am 22. Januar kamen diese Ferien dann erstmals in meiner Anwesenheit in einem Gespräch auf (also zumindest auf Deutsch) und ich war verwundert und auch etwas fasziniert von diesem Konzept. Bei einer bestimmten Anzahl von erkrankten Schüler werden die Grippeferien, sofern ich das verstanden habe, vom Bürgermeister vorgeschlagen und das Gesundheitsministerium stimmt diesem Vorschlag dann zu (oder eben nicht). Der Bürgermeister hier hat dann auch auf Instagram mitgeteilt, dass er jenen Vorschlag für eine Woche Grippeferien (27. – 31. Januar) gemacht habe.
Und irgendwann am 25. Januar stand es dann fest: mindestens eine Woche, die Chancen auf Verlängerungen standen aber recht gut, da Mittwoch (heute, der 5.2.) eh frei ist.
Zuerst fand ich das cool, aber auch nur solange, bis ich alleine im Büro war. Und dann kam die große Frage, was ich denn nun nächste Woche machen würde. Reisen, klar, aber irgendwie fühlte ich mich nicht danach, ewig lange im Bus zu sitzen um nach Tirana, Athen oder sonstwohin zu kommen. Vom Flughafen in Burgas aus hätte ich auch für 10€ nach Budapest fliegen können (nur mit meinem Rucksack), aber auch das sprach mich absolut nicht an. Die Situation überforderte mich – womit ich absolut nicht gerechnet hätte.

Als Schüler wäre eine Woche spontan frei ein wahr gewordener Traum gewesen, aber jetzt wusste ich absolut nicht was ich mit mir anfangen sollte. Dazu kam, dass ich im Januar eh relativ viel im Büro war und aus Langeweile die ein oder andere PowerPoint angefertigt habe, sodass ich schon so ziemlich nah am nichts tun dran war.
In der Nacht von Freitag auf Samstag buchte mein Vater dann spontan Flüge von und nach Varna und meine Grippeferien waren damit gerettet.

Dienstag morgen fuhr ich also nach Varna und holte meinen Vater am Fughafen ab. 

Nach einer kleinen Stärkung ging es dann zu den „Pobiti Kamani“, eine weitgestreute Steinformation westlich von Varna. Diese Formation ist ein seltenes Naturphänomen und niemand weiß so wirklich, wie sie dahin gekommen sind. Früher wurden sie für Überreste einer römischen Stadt gehalten, da in der Nähe die Überreste der größten römischen Stadt im heutigen Bulgarien liegen – für Interessierte, hier der Wikipedia-Artikel dazu :).
Kleiner Fun Fact: auf bulgarisch nennt man diese Formantion „Побити камъни“, was man mit  „In den Boden gerammte Steine“ übersetzen kann; und so wirkt es finde ich teilweise auch wirklich.

Mittwoch zahlten wir dann erst einmal meine Wasserrechnung, was dafür, dass es schon zweimal irgendwie total schief gegangen ist, überraschend gut und einfach geklappt hat. Die Länge der Rechnung (mein Vater musste den Weitwinkel-Modus seiner Handykamera benutzen, um alles draufzukriegen), fanden wir sehr interessant – und jeder Monat wurde einzelnd aufgelistet. Danach ging es zu einer alten römischen Therme in der Nähe, von der aber nur noch Überreste übrig sind. Man hat dort ein kleines Museum gebaut und will in Zukunft dort wohl auch noch mehr hinbauen, aber wir waren etwas enttäuscht von der mangelnden Beschriftung der Überreste.

Am Donnerstag waren wir dann in Veliko Tarnovo, zwar war ich schon einmal mit Clara im Oktober da (und da war es deutlich wärmer!), aber ich finde diese Stadt sehr faszinierend. Wie auch in den folgenden Tagen merkte man deutlich, dass wir uns in der Nebensaison befinden, sodass wir das erstbeste offene Restaurant genommen haben.

Und auf dem Rückweg gab’s noch einen Sonnenuntergang im Seitenspiegel. 🙂

Am Freitag ließen wir uns vom Reiseführer inspirieren und fuhren in ein kleines Dorf

Eindruck aus dem bulgarischen Dorf

südlich von Burgas, wo es wohl eine schöne Quelle geben sollte. Da es aber absolut keine Hinweise auf jene Quelle gab, wissen wir nicht, ob wir sie wirklich gefunden haben – falls ja, war sie nicht wirklich beeindruckend. So machten wir uns auf den Weg in RIchtung Küste – diese Straße werde ich glaube ich nie vergessen. Der Straßenbelag wurde an manchen Stellen und Streckenabschnitten erneuert, aber eben nicht die gesamte Strecke, was das alles dann die Fahrt durch die Berge in Richtung Schwarzmeerküste sehr interessant gestalten sollte. Im ersten Küstenort war – Nebensaison eben – tote Hose und so beschlossen wir, gemütlich wieder nach Burgas zurückzufahren und dort zu essen, denn hier wissen wir, dass die meisten Restaurants auf haben …
Auf dem Rückweg haben wir versucht, so nah wie möglich an der Küste entlang zu fahren und haben aus Spaß nach Verkaufsschildern Ausschau gehalten, man kann ja mal träumen :).

Am Samstag ging es dann nach Stara Zagora, einer Stadt, von der ich bisher nur den Busbahnhof kannt (Stara Zagora ist bei den schnellen Bussen der einzige Stopp auf der Strecke Burgas – Sofia). Die Lage am Hang eines Bergs fand ich persönlich sehr schön, aber wie mein Vater so schön sagte: es ist schon ein bisschen Fahrt zum Meer. Dagegen ist meine Busfahrt nach Burgas rein lächerlich. Es gab viele Gründflächen und in der Fußgängerzone sowie an der angrenzenden Grünfläche war ordentlich was los. Auf dem Rückweg zum Auto machten wir noch einen kleinen Umweg und sahen uns das antike Forum der Römer bzw dessen Überreste an. Wie in Plovidiv fand ich persönlich essehr schön, das diese Überreste vergangener Zeit auch im Stadtzentrum beibehalten und in die heutige Stadt integiert wurden.

Am Sonntag blieben wir in Burgas und genossen das warme Wetter (so 17°C waren das schon, bei praller Sonne!). Wir saßen im Baywatch und schwitzen wie sonst was, da die meisten Fenster nicht geöffnet waren und es somit drinnnen ein bisschen Sauna-Feeling gab. Auch witzelte ich darüber, dass, wenn es noch mehr solcher Tage bis April geben sollte, ich schon etwas braun gebrannt über Ostern nach Hause kommen würde – aber keine Sorge, heute regnet es die ganze Zeit durch, momentan ist die Gefahr also eher gering (außerdem würde ich wahrscheinlich eher rot werden, aber das ist eine andere Geschichte). Dann probierten wir ein Restaurant am Hafen aus, das Essen war lecker, aber die Portionen etwas klein. Außerdem gab es manche Abschnitte nur in der bulgarischen Karte, was wir dann doch etwas komisch fanden; gerade die Fische aus dem Schwarzen Meer würden doch Touristen herlocken? Nachtisch gab’s im Happy bevor wir uns dann auf die Suche nach dem perfekten Aussichtsort für den Sonnenuntergang machten. Leider war der, den wir uns davor schon ausgeguckt hatten, nicht ganz optimal, weshalb wir weiterfuhren. Auch wenn irgendwie immer Berge im Weg waren, war es doch ein wunderschöner Anblick!
(Außerdem ging der Aufzug am Sonntagabend nicht und wir waren beide froh, dass wir schon am Samstag die Idee hatten, Wasser zu kaufen.)

Und am Montag war es dann schon wieder an der Zeit sich zu verabschieden, da mein Vater für den Flug wieder nach Varna fahren musste. Es war aber eine echt tolle Zeit und ich bin echt froh, dass er sich das erlauben kann, mal eben spontan eine Woche Urlaub zu machen und das so akzeptiert wird.

Die Schichten – oder: wer braucht schon Struktur?

Nur durch Zufall habe ich vor dem Beginn meines FSJs davon erfahren, dass es wohl Schichten an meiner Einsatzstelle gibt.
Das Gebäude teilt sich nämlich meine Schule mit dem englischen Gymnasium. Und so kommt es dazu, dass es zwei Schichten gibt. Vor Beginn dachte ich noch, dass mir die Spätschicht eindeutig besser liegen würde – aber mittlerweile nervt sie mich nur noch und ich kriege irgendwie den ganzen Tag lang nichts sinnvolles hin.

Die Frühschicht geht von 7:30 bis 13:10 Uhr, was für mich bedeutet, dass ich üblicherweise gegen 6 Uhr aufstehen muss. Für jemanden, der ansonsten um 15 vor 7 aufgestanden ist und dann noch genügend Zeit hatte, um sich nach dem Frühstück noch einmal ins Bett zu legen und das Fertigmachen und Losgehen so lange wie möglich aufzuschieben, ist das noch immer ziemlich hart. Muss ich pünktlich um 7:30 Uhr da sein, muss ich eigentlich noch früher aufstehen, da ich dann bereits gegen spätestens 6:45 unten an der Bushaltestelle sein muss, statt einem etwas entspannteren 7:30 Uhr.
Das ist (neben dem ganzen Chaos rund um das Bezahlen der Nebenkosten) einer der wenigen Nachteile meiner Wohnung, denn durch die Lage außerhalb von Burgas fahre ich schon eine gute halbe Stunde mit dem Bus zur Schule – mittlerweile kann ich in der Zeit die Augen noch einmal zumachen; bislang habe ich meine Haltestelle(n) zur Schule noch kein einziges Mal verpasst.
Ein großer Vorteil an der Frühschicht ist es, dass ich normalerweise spätestens gegen 14 Uhr wieder in der Wohnung bin oder, wenn ich etwas später anfange, trotzdem noch etwas vom Tag übrig habe. Selbst wenn ich erst gegen 9 Uhr anfange, bleibt danach noch Zeit, um sich nach der Schule einmal kurz zu sortieren und dann einkaufen zu gehen oder so – man kann auch wunderbar in die Mall gehen und sich nach einem weiteren geschafften Schultag hin und wieder auch ruhig mal was bei Starbucks gönnen oder  sich in das Café am Strand setzen und noch etwas lesen.

Bei der Spätschicht, die erst um 13:30 Uhr anfängt und dafür bis 19:10 Uhr geht, tue ich mir noch verdammt schwer, am Tag irgendetwas zu erledigen. Meist läuft es darauf hinaus, dass ich auf dem Rückweg schnell in den Lidl springe und genug einkaufe, dass ich den nächsten Tag bis zum Schulschluss schaffen kann. Die Zeiten, wann ich anfange, variieren zwischen 10 und 13:30 Uhr – und dementsprechend unterschiedlich komme ich auch wieder in die Wohnung. Natürlich ist es für mich als Nachtschwärmer ganz nett, länger im Bett liegen bleiben zu können, sich ganz in Ruhe fertig zu machen und so weiter – jedoch schaffe ich es noch nicht, mich irgendetwas sinnvollen zuzuwenden, bevor ich mich für die Schule fertig machen muss. Also selbst wenn ich erst gegen 13 Uhr in der Schule sein muss, könnte man durchaus darauf wetten, dass ich bis 12 noch im Bett liege und mich dann schnell fertig mache.

Andere Schulen handhaben es so, dass der Schichtwechsel einmal pro Schuljahr stattfindet – also nach Ende des ersten Halbjahres. Bei mir wechseln wir jedoch monatlich durch, wodurch es mir allgemein sehr schwer fällt, irgendeine Art und Weise von Struktur in meinen Alltag zu bekommen – denn kaum habe ich mich an die Frühschicht gewöhnt, ist es schon wieder Spätschicht und ich sitze wieder etwas überfordert da und weiß nicht, was ich mit mir selber anfangen soll; geschweige denn, wie ich mich verdammt nochmal organisieren soll.

Ich habe mal eine Schülerin gefragt, wie sie damit klarkommt – sie fand die Frage offensichtlich sehr amüsant und als ich erklärte, dass ich in der Frühschicht noch etwas (mehr oder weniger) sinnvolles mit mir und dem restlichen Tag anfangen kann, in der Spätschicht jedoch wenn dann an den Wochenenden so wirklich etwas mache und selbst die unter dem angewöhnten im Bett liegen und Netflix gucken teilweise leiden, bekam ich nur zurück, dass sie die Spätschicht eigentlich lieber möge, da sie dann später aufstehen kann und für alles noch genügend Zeit hat. Kann ich verstehen und als Schüler mit Hausuafgaben und Lernen ist das bestimmt noch einmal etwas anderes, trotzdem finde ich das noch etwas befremdlich – und ich kann mir immerhin noch den Tag so legen, dass ich schon früher anfange und dementsprechend auch früher fertig bin…

Gedankenchaos

Hätte man mir vor einem Jahr erzählt, dass ich Heiligabend 2019 im Nachtzug nach Timisoara verbringen würde, hätte ich es wirklich nicht geglaubt. Die Wahrscheinlichkeit, genommen zu werden, klang so gering und wenn dann würde ich ja wohl irgendwo im „exotischen“ Bereich landen und nicht in Bulgarien. Pffff, also bitte.

Der Nachtzug stellt – meiner Meinung nach – eine gute Möglichkeit dar, eine recht lange Strecke hinter sich zu bringen ohne a) irgendwann nicht mehr sitzen zu können oder b) sich sehr merkwürdig zu verrenken um irgendwie Schlaf zu finden und am nächsten Tag jeden einzelnen Muskel zu spüren, der an dieser Verrenkung teilgenommen hat.

Über meinen Geburtstag war meine Familie hier – ein Vorteil der „Nähe“ zu Deutschland – und dieser Besuch war echt Balsam für meine Seele. Mal nicht alle Einkäufe schleppen müssen war echt angenehm und wenn ich jetzt davon erzähle, dass ich wieder in dem Café am Strand war oder dass das Hochhaus in meiner Siedlung vor lauter Nebel nicht zu sehen war, wissen sie, worüber ich rede, was das Erzählen durchaus einfacher macht.

Momentan ist hier Prüfungsphase und selbst wenn keine Abfrage oder Klassenarbeit ansteht, ist der Unterricht nicht so, dass ich da groß helfen kann, weshalb ich viel Zeit im Büro verbringe, an meinen Bewerbungen arbeite und dabei helfe, was halt noch so gerade anfällt (wie z.B. das Schulporträt für die Pasch Seite erneuern).

Während für die ersten Freiwilligen der Endspurt angebrochen hat, naht sich für mich „erst“ die erste Hälfte meines FSJs dem Ende. Es ist immer wieder ein komisches Gefühl, wenn Jana sich darübe äußert und ich nie so ganz weiß, wie ich reagieren soll. Denn natürlich freue ich mich für sie, dass es bald nach Hause geht, andererseits ist es die Erinnerung daran, dass noch verdammt viel Zeit in Bulgarien vor mir liegt.

Worauf ich mich besonders freue ist mein Kurzbesuch zuhause über Ostern und Currywurst, legga Döner und den Lachsbagel aus meinem Lieblingscafé essen, Freunde wiedersehen,  Zeit mit meiner Familie zu verbringen und Kraft tanken für die letzten vier Monate mit den Jugend Debattiert Schulverbundfinals, dem Vorlesewettbewerb „Bulgarien liest vor“, Sonne, Tarator und dem schwarzen Meer vor/nach der Schule.

Etwas, woran ich mich vermutlich nicht mehr gewöhnen werde, ist der Schichtwechsel. Im Januar haben wir Spätschicht, ich komme also im Dunkeln nach Hause und versuche, unter der Woche nur Kleinigkeiten wie z.B. Milch kaufen zu müssen – im Februar haben wir dann Frühschicht und ich sehe mich schon den ein oder anderen Nachmittag im Café am Strand verbringen.
Beide Schichten haben sicherlich ihre Vor- und Nachteile, ich persönlich finde die Frühschicht jedoch deutlich angenehmer, da sie eher dem Gewohnten und Vertrauten aus Deutschland entspricht und ich danach noch Zeit habe, um irgendetwas zu machen.
Während der Spätschicht (oder „Zweiten Schicht) fällt es mir doch immer noch recht schwer, vor der Schule etwas anderes außer Netflix gucken, frühstücken und duschen zu machen, obwohl ich genügend Zeit hätte.

Letze Woche hätte ich mich entscheiden müssen, ob ich verkürze oder nicht und was mich vor zwei Monaten noch unglaublich beschäftigt und fertig gemacht hatte, fiel mir überraschend leicht: mit einem guten Gefühl sagen zu können, dass ich mit Bulgarien und vor allem Burgas noch lange nicht fertig bin und einfach noch nicht bereit bin, wieder nach Deutschland zurückzukommen – denn einige Highlights wie die Entlassung „meiner“ 12. Klässler, von denen ich den Großteil (127 Schüler*innen bzw DSD II Prüflinge) bei der Vorbereitungszeit der DSD II Mündlichen Prüfung beaufsichtigt und den ein oder anderen noch auf dem Weg zum Prüfungsraum beruhigt habe und mitzuerleben, ob ihre Träume/Wünsche für das, was danach kommt, vorerst in Erfüllung gehen werden.
Und natürlich die ganzen Besuche, auf die ich mich auch schon sehr freue. <3

Heimatsgefühle im Zug

Ich bin mir nicht 100% sicher, ob das, was ich denke und gehört habe stimmt, aber das, was ich gesehen habe, würde dies zumindest sehr bestätigen.

Denn die Züge hier in Bulgarien sehen den alten ICs in Deutschland verdammt ähnlich. Auf den Schlafabteilen des Nachtzugs nach Sofia stand sogar noch „Schlafwagen“ fett draufgeschrieben – dass dieser aus Deutschland kommt, ist denke ich offensichtlich.

Zugegeben, ich bin in Deutschland früher sehr viel Bahn gefahren – nach Bayern zur Familie und dann später auch nach Berlin, um Papa zu besuchen, der rein arbeitsbedingt für ein paar Jahre dort war. Deutsche Züge sind mir dementsprechend bekannt und vertraut.
Eigentlich hatte ich nicht das Bedürfnis, hier viel Bahn zu fahren, aber Clara (die Freiwillige aus Plovdiv) meinte, dass es eine Verbindung geben würde, die schneller als der Bus sein. Das überzeugte mich dann doch und ich hätte schwören können, dass das ein alter deutscher DB-Wagen war. Das 6er Abteil mit den Verspiegelungen und dieser potthässlichen Gepäckablage, die Fenster, die Türen im Zug und auch die Zugtüren – alles kam mir so unglaublich vertraut vor.

Ich meine, es war mein Papa, der meinte, dass die Bahn wohl mal so einiges von ihrem alten IC-Fuhrpark in den Osten verkauft hatte – Google ist da aber nicht so wirklich hilfreich (oder vielleicht habe ich auch einfach nicht die richtigen Suchwörter gefunden, naja).

Seitdem ist mir das Zugfahren sehr viel lieber als der Bus – nicht nur weil der Komfort anders ist und ich es einfach deutlich angenehmer finde, sondern auch, weil es ein klitzekleines Stück Heimat in der Fremde Bulgariens ist. Und auf der Rückfahrt von Sofia nach dem Zwischenseminar saß ich in dem Großraumabteil, sah zwei kleine Kinder mit ihrer Mutter an dem Tisch sitzen und fragte mich, ob ich vielleicht nicht schon in Deutschland in diesem Wagen saß. Nicht zwingend auf meinem Platz, aber an dem Tisch oder in einem anderen Abteil?
Mir ist klar, dass ich das nie wissen werde, aber es ist ein netter Gedanke. Und ein bisschen Wohlfühlen in der Fremde hat noch niemandem geschadet.

Das einzige, was beim Bahnfahren anders ist, ist der Fakt, dass ich bislang sogar meist relativ pünktlich angekommen bin – andererseits hält die Bahn hier in gefühlt jedem Kaff und wenn da mal irgendwo irgendetwas ein bisschen länger dauert, kann sich das auf die Fahrtdauer auswirken. Vermutlich ist hier einfach etwas mehr Stehzeit einkalkuliert und an manchen Bahnhöfen will auch niemand raus oder einsteigen.
Auch fahren die Züge hier nicht so schnell, sondern tuckeln ganz gemütlich nur die Gegend, sodass das regelmäßige ploppen (?, ich kann dieses Geräusch nicht beschreiben, ich denke, es geschieht beim Übertritt auf das nächste Gleisstück) oder „duduk“ mir schon sehr vertraut ist.

Schon in Deutschland habe ich diese Zugtüren gehasst, manche mehr, manche Arten weniger, und auch hier ertappe ich mich dabei, dass ich versuche, dort auszusteigen, wo andere bereits schon stehen und die dementsprechend die Tür öffnen – die Bilder, wie meine Mama mit so mancher Tür gekämpft hat und wir dann doch noch schnell zu einer anderen Tür gegangen sind um rauszukommen, sind stets präsent.

Nachdem ich auf der Rückfahrt vom Zwischenseminar ein paar Naps abbekommen habe, sah ich aus dem Fenster, sah die Wolken und die Natur an mir vorbeiziehen und fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, in der meine größte Sorge war, dass wir vielleicht den eventuellen Anschlusszug nicht kriegen oder die nächste Französischklassenarbeit und für die ich absolut keine Motivation zum lernen hatte.
Zurückversetzt in eine Zeit, in der meine Mutter mit dem Griff der großen Reisetasche in der einen Hand und die kleine Patschehand meiner Schwester in der anderen mir hinterherhechtete, wenn die Umsteigezeit mal wieder zu einem kritischen Zeitfenster zusammengeschrumpft war und ich mich dementsprechend orientieren musste/konnte/was auch immer.

 

„Totschki?“ – oder: Mission Weihnachtsgeschenk

Wenn ihr diesen Blogeintrag gelesen habt, versteht ihr, warum er jetzt erst veröffentlicht werden kann.

Alles fing an als ich mit dem anderen deutschen Freiwilligen, der Mitte Oktober zurück nach Deutschland gegangen ist, bei Kaufland war. Wir waren auf dem Weg zur Kasse, als er in Richtung Getränke abbog und ich mir gezwungenermaßen die Artikel am Gang anguckte während ich auf ihn wartete. Und dann sah ich es. Einen Entsafter aus der Treuepunktaktion bei Kaufland. „So einen wollte Mama doch schon länger haben“, schoss mir sofort durch den Kopf und ich machte schnell ein Foto bevor er wiederkam und wir zur Kasse gingen.

In der Freiwilligenwohnung angekommen verschwand ich sofort auf meinem Zimmer und schaffte es irgendwie, auf die Seite des bulgarischen Kauflands zu kommen und ließ mir das alles von Google Translate übersetzen. So ganz sicher war ich mir nicht, also schickte ich meiner Schwester das gemachte Foto und den Link zu der von Google übersetzten Seite über den Entsafter. So 100% sicher, ob es wirklich das Teil war, dass meine Mutter schon länger haben wollte, war sie sich auch nicht, aber ziemlich sicher. Okay, dachte ich mir, dann versuchen wird das doch mal.
Für 100 BGN, also umgerechnete 50 Euro, konnte man so etwas ja mal ausprobieren – die Teile, die ich bislang in Deutschland gesehen hatte, lagen etwa beim 6-fachen Preis. Falls es also von der Qualität nicht ganz mithalten könnte, wäre das nicht so tragisch – aber da es sich bei der Marke um Tefal handelt, sollte da zumindest ein bisschen Qualität dahinterstecken, fand ich.

Die ersten Treuepunkte zu bekommen war am schwersten. Ich stand an der Kasse, fragte nach „Totschki“ und bekam nur einen dummen Blick ab. Also Handy rausgekramt, das Foto vom Entsafter rausgesucht, der Verkäuferin gezeigt und „Totschki?“ wiederholt. Sie sagte irgendetwas mit „Totschki“ und als ich ihr das Geld hinlegte, reichte sie mir die Treuepunkte. Geht doch. 
5 von den 10 Treuepunkten hatte ich also. Aber das Heft zum Aufkleben auch noch nicht. Das nächste Mal versuchte ich mein Glück erneut, und dieses Mal lagen die Hefte zum Aufkleben der Treuepunkte aus und ich konnte sie mir ohne Probleme in den Einkaufswagen schmeißen. An der Kasse fragte ich wieder nach „Totschki“ und zeigte auf das Aufkleberheft. Nickend gab sie mir mein Rückgeld, bückte sich und gab mir 5 anstatt der 3, die ich eigentlich bekommen hätte. Erleichtert schleppte ich meine Einkäufe zurück, den ersten Teil der Mission Weihnachtsgeschenk war nun also erfolgreich absolviert.

Am 10. Oktober musste ich eh noch einkaufen, um etwas für den Sonntagabend und den Montag nach meinem Wochenende in Plovdiv in der Wohnung zu haben und so nahm ich das Heft mit den zehn Aufklebern mal sicherheitshalber mit. Die Punkte waren zwar noch bis Ende Oktober einlösbar, aber was weg war war nun mal weg und ich wollte wirklich nicht, dass die Mission an meiner Faulheit scheitern würde. Es stand noch genau ein Entsafter im Regal, den ich also in meinen Wagen wuchtete und die restliche Zeit bis zum Bezahlen Panik schob. Was ist, wenn Google mir irgendetwas nicht oder falsch übersetzt hatte? Was ist, wenn sie irgendetwas von mir hören will/muss und ich es nicht verstehe? Was ist, wenn es irgendeinen Haken an der Sache gibt? Denn bislang war die Mission ja überraschend gut gelaufen, beinahe etwas zu gut für meinen Geschmack.

Also stand ich mit leicht zittrigen Händen an der Kasse, jede zehn Sekunden kontrollierte ich, ob das Heft mit den aufgeklebten Treuepunkten noch auf dem Entsafter lag und ob es denn auch wirklich zehn waren.
Ja, es lag jedes Mal noch auf dem Entsafter und ja, jedes verdammte Mal waren es zehn.
Trotzdem hatte ich Herzrasen, als ich die anderen Einkäufe in den Wagen schmiss und eigentlich nur Augen für den Entsafter hatte.
Es klingt lächerlich, wenn ich das so aufschreibe, aber in den Tagen davor war so viel (auch gerade an Kommunikation) schief gelaufen, dass ich nicht wusste, was ich tun würde, wenn hier irgendetwas schief laufen würde (vermutlich anfangen zu heulen und verzweifelt versuchen zu erklären, dass ich kein bulgarisch spreche).
Sie scannte den Entsafter ein, sah die Treuepunkte, tippte etwas ein und der Preis für den Entsafter mit Treuepunkten erschien auf dem Bildschirm. Dann sagte sie noch etwas (vermutlich Garantie und sowas alles), tackerte mir etwas an den Kassenbon und ich hätte in diesem Moment vor Erleichterung echt weinen können.
Denn etwas, was Kommunikation mit Einheimischen erforderte, hat tatsächlich geklappt! Und das gleich beim ersten Mal und ohne Hilfe (anders als der Ticketkauf für den Zug nach Plovdiv …).

Stolz wie sonst was schleppte ich den Entsafter in die Wohnung und stellte ihn in den Wohnzimmerschrank. Und prompt trat das nächste Dilemma auf: ich konnte meiner Mutter ja wohl kaum hiervon erzählen, obwohl sie sich vermutlich die meisten Sorgen um mich machte. Ich konnte ihr nicht von den Treuepunkten erzählen, und dass ich das alles ganz alleine hinbekommen hatte.
So konnte ich ihr beim Telefonat nur sagen, dass etwas geklappt hat, womit ich nicht wirklich gerechnet hätte, ich aber nichts weiteres dazu sagen könnte. Das war echt hart und ich hatte kurz überlegt, ob ich es ihr nicht doch sagen soll, aber dann wäre der Überraschungsmoment ja ruiniert.

Und deswegen wird dieser Eintrag erst veröffentlicht, nachdem meine Familie in Burgas angekommen ist und meine Mutter den Entsafter schon ausgepackt und die Geschichte dazu gehört hat.

In diesem Sinne: ich hoffe, ihr hattet schöne Weihnachten und habt einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Lina (noch Teenager, aber nicht mehr wirklich lange, Hilfe!)

“Also ich habe frei bis zum 11.12. – Bock auf nen Besuch?“

So fing die Planung des spontanen Besuchs von Jana in Tirana (sorry, ich kann’s mir mittlerweile einfach echt nicht mehr verkneifen, sie immer so zu nennen :D) am Dienstag an – Freitag Abend sollte ich sie dann endlich wieder umarmen können.

Aufgrund des Erdbebens hatte ihre Chefin sie bis einschließlich Dienstag freigestellt und anscheinend hatten wir etwas zu oft darüber gewitzelt, dass einer von uns beiden ja mal quasi den Balkan überqueren könnte um den anderen besuchen – denn dann bekam ich diese Nachricht. Zuerst war ich mir ehrlich gesagt nicht zu 100% sicher, ob sie das ernst meinte, immerhin war das schon eine ordentliche Reise, um hier in Burgas vielleicht 2 Tage mit mir verbringen zu können .

Aber sie meinte es ernst, und zwar sowas von. Mittwoch Morgen brach sie in Tirana auf und setzte sich Freitag Mittag in Sofia in den Zug in Richtung Burgas.
(Kleiner Fun Fact am Rande: Der heilige Sankt Niklaus ist anscheinend so eine Art Schutzpatron für die Stadt, weshalb (zumindest die Schüler*innen und Leher*innen und die Freiwilligen) in Burgas am 6.12. keine Schule haben, am 5.12. für euch herausgefunden!)

Gegen 20 Uhr Abends holte ich sie dann von meinem geliebten Kopfbahnhof in Burgas ab, wir fuhren nach Meden Rudnik und hielten auf dem Weg zu meiner Wohnung noch bei Lidl, wo wir noch das nötigste kauften (also Eier, Wein, Käse, Paprika usw., das was man halt so braucht). Dann ließ ich sie ankommen, wir machten uns Spaghetti, tranken Wein und quatschten, bis wir (also zumindest ich, mein Wecker hatte immerhin um 6 geklingelt) irgendwan nach 1 Uhr morgens ins Bett fielen.

Am Samstag verbrachten wir einen gemütlichen Vormittag in der Wohnung, machten uns dann auf den Weg zur Mall, gönnten uns was bei Starbucks und liefen zurück ins Zentrum und weiter zum Strand. Dort entdeckte ich durch Zufall das Café, von dem der deutsche Kollege schon erzählt hatte und so setzten wir uns rein, ich gönnte mir einen weißen Frappé und wir quatschten. Anschließend ging es zurück in die Stadt, in ein Restaurant, das ich mit der französischen Freiwilligen entdeckt hatte (und das als einziges, welches ich bislang gefunden habe, auch an Nicht-Fleischesser und Nicht-Fischesser so wirklich denkt) – Incanto. Da wir eher nachmittags, so gegen 16/17 Uhr da waren, bekamen wir unser Essen auch recht schnell und den Nachtisch, einen veganen Schokokuchen, teilten wir uns.
15€ für Pizza, 1l Wasser, Minz-Limonda, veganes Chilli und veganen Schokokuchen ist für Janas Verhältnisse zwar schon recht viel, aber wir waren uns einig, dass es im Vergleich zu Deutschland noch immer wirklich billig war.
Wieder machten wir einen Zwischenstopp bei Lidl und kauften alles für Plätzchen und was uns noch so einfiel ein – und so kam es dann zu einer nächtlichen Weihnachtsbäckerei mit passender Musik. Jetzt alle: in der Weihnachtsbäcker gibt’s so manche Leckerei … J
Im Endeffekt haben wir glaube ich 4 (oder 5?) Blecke Kekse gebacken, wobei das schon die Hälfte des regulären Rezepts war. Ich weiß nicht mehr, wann wir ins Bett gegangen sind, aber es war wieder definitiv nach Mitternacht …

Am Sonntag blieben wir in der Wohnung, dekorierten die Plätzchen, führten die Weihnachtslieder-Session weiter und versuchte

n uns am Lebkuchen-Haus, was aber irgendwie nicht ganz so erfolgreich war.

Viel zu schnell war die Zeit gekommen, dass sie wieder ihre Sachen packen musste und wir uns auf den Weg in Richtung Treffpunkt machen musste, wo sie von einem Typen von blablacar mitgenommen werden sollte. Da dieser kein mobiles Internet hatte, hatte sie ihm schon davor den Kaufland, an dem wir uns treffen wollten, als Google Maps Link geschickt – aber es überraschte mich nicht wirklich, als sie ein Foto und Standpunkt vom anderen Kaufland in Burgas City bekam. Also warteten wir und redeten wieder über Gott und die Welt, ob ich denn nun verkürzen würde oder doch das ganze Jahr versuchen wollen würde usw usw.

Irgendwann tauchte der Fahrer mitsamt Frau auf, ich machte sicherheitshalber Fotos vom Kennzeichen sowie von beiden und sah dem Auto sehr lange hinterher.

Heute sitze ich wie letzte Woche mit Jana in dem Café am Stand, dieses Mal auf der anderen Seite des Tisches mit Ausblick auf das Meer. Und die letzte Woche war, trotz der gefühlt ewig andauernden DSD Prüfung und dem ein oder anderen Drama, auf das ich durchaus hätte verzichten können, gar nicht mal so schlecht. Ich habe den Backofen seit letzer Woche öfter benutzt als davor insgesamt und auch wenn dank der heutigen 16 Grad (ich habe in Jeansjacke und Kaputzenjacke geschwitzt wie sonst was, ufffff) es mir noch immer sehr schwer fällt, wirklich zu glauben, dass in 10 Tagen Weihnachten und in 17 Tagen mein 20. Geburtstag ist – letztes Wochenende habe ich es glauben können.

Ich glaube, die Gemeinschaft, die wir Freiwilligen haben, ist nicht zwingend selbstverständlich. Die französische Freiwillige wollte mir nicht glauben, dass es eine deutsche Freiwillige in Ecuador gibt und wir es trotz der verdammten Zeitverschiebung schaffen, ab und zu auch mal zu skypen oder den anderen zumindest grob auf den laufenden zu halten (wir können’s halt, Kira <3)– und als ich den Besuch von Jana erwähnte, hätte ich schwören können, dass sie mich doch etwas sehr neidisch angesehen hat.
Dass Anfang Februar schon wieder Freiwilligenbesuch, dieses Mal aber aus Serbien, kommt, habe ich ihr dann lieber nicht gesagt (und erst recht nicht, dass im Januar und März Freunde aus Deutschland vorbeikommen, höhö).
Und auch auf dem Zwischenseminar habe ich wieder gemerkt, wie gut dieser Austausch doch klappt – ich tausche mich mit Menschen aus, mit denen ich im alltäglichen Leben in Deutschland wenn überhaupt Smalltallk betrieben hätte.
Lots of love an euch, Leude. <3

(Credits an die Fotos vom Sonnenuntergang, vom legga Essen und unseren fancy Plätzchen gehen an Jana, btw).

Das Zwischenseminar – oder: die deutsche Blase

Das Zwischenseminar war etwas, auf das ich ehrlich gesagt nicht wirklich viel Lust hatte. Dafür gab es zwei Hauptgründe: zum einen war die Fahrt elendig lange und (vor allem die Rückfahrt) brachte mich an meine Grenzen, vor allem was den Schlaf anging, zum anderen wurde unsere Homezone vom Vorbereitungsseminar getrennt und das fand ich jetzt nicht wirklich prickelnd. Die anderen haben uns gut aufgenommen und alles, aber trotzdem wäre es für mich noch schöner gewesen, wenn ich mit Jana wieder zusammen hätte Panik schieben können oder mit der Zimmercrew (und Jana) einfach über irgendwelchen Scheiß hätte reden können.

Dementsprechend lustlos stieg ich am 23. November in den Zug in Richtung Sofia und begann das große Abenteuer. Dieses Mal gab es sogar Durchsagen, was mich persönlich etwas verunsicherte, aber da die Frau in meinem Abteil total entspannt wirkte, konnte es ja nichts wirklich ernstes sein – zumindest redete ich mir das ein. Gerade, als die Müdigkeit mich etwas unter Kontrolle hatte und ich doch kurz davor war, mir eine kleine Pause zu gönnen, stießen eine Bulgarin und ein Kolumbianer zu uns in Abteil und auch wenn ich mal nicht aktiv am Gespräch teilnahm, so hielten sie mich wach.

In Sofia angekommen ging ich dann erst einmal in den Billa, um noch etwas Zeit im Warmen totzuschlagen – denn, ob man es glauben möge oder nicht, wir sind auf die Minute pünktlich im Sofioter Hauptbahnhof eingefahren, was so ziemlich der einzige große Unterschied zu der geliebten DB in Deutschland darstellt, der mir bisher aufgefallen ist. Danach telefonierte ich noch mit meiner Mutter, und auch wenn es sehr viele Unterbrechungen und Anflüge von Frustationstränen gab, tat es im Endeffekt wirklich gut.

Die Fahrt im Flixbus war überraschend viel vom Schlafen geprägt und die Frau in der Reihe vor mir, eine Britin, die alleine etwas in der Weltgeschichte umherreiste, organisierte uns zusammen mit einem Rumänen ein Taxi vom Busbahnhof zum Hauptbahnhof. Wie auch ich hatte sie nicht die beste Erfahrung mit Bulgaren und ihrer Hilfsbereitschaft gemacht, weshalb wir beide doch etwas überrascht waren, als der Rumäne uns von sich aus Hilfe anbot und bei uns blieb, bis wir dann im Taxi saßen. Da ich noch kein Bargeld hatte und dachte, dass es dort am Busbahnhof bestimmt einen ATM gibt, übernahm sie das Taxi (für umgerechnete 2€, ungefähr) und weigerte sich dann anschließend, die Hälfte von mir anzunehmen. Sie hätte das Taxi ja eh gebraucht, meinte sie, und so beließen wir es dabei.

Nachdem sie im Zug in Richtung Brasov saß, setzte ich mich in den McDonald’s, gönnte mir einen Kaffee und nach einem kurzen herumgehen und bemerken, dass jener McDonald’s eines der wenigen geöffneten Restaurants mit Steckdosen war, folgten darauf hin noch Pommes, während mein Handy noch einmal laden konnte.

Die Zugfahrt war nicht sehr spektakulär, wobei ich es schon sehr interessant fand, dass es zumindest in meinem Wagen dort nur 4er Sitze mit Tisch gab – und da ich mein Ticket bereits online gekauft hatte, wurde mein Name von einer Liste abgehakt; schon das zweite Mal während meines Aufenthaltes stand ich also schon auf einer „Gästeliste“ :D.

In Sibiu wurde ich auf meinem Weg zum Hostel vom Weihnachtsmarkt begrüßt und verbrachte den Großteil des restlichen Abends dort, probierte Glühwein, schlenderte rum und nahm all die Weihnachtsstimmung auf. Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass Weihnachten, der Besuch meiner Familie und mein Geburtstag gar nicht mehr so unglaublich weit weg sind.

Die Fahrt nach Hosman und das Laufen zur Kulturscheune, unserem Seminarort und der Location für Marlenes göttliche Mottoparty, geschah im Pulk mit Freiwilligen aus Rumänien und Moldau – und ich würde lügen, wenn ich mir dort nicht meine Homezone herbeigesehnt hatte. Aber schon im Verlauf des ersten Tages fühlte ich mich zumindest von manchen schon aufgenommen und es gab deepe Gespräche am warmen Kamin in der Küche.

Am Dienstag kam eine Mitarbeiterin von kulturweit und brachte uns vier Bulgaren etwas aus Serbien mit – einen Brief von unserer Homezone, Kekse und ein Papierschiffchen von Jana für mich (ich glaube, diese Schiffchen werden mich das restliche Leben lang verfolgen …). Die „Post“ lag die ganze Einheit lang in der Mitte des Raumes und es fiel mir wirklich schwer, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, wenn da dort Post von den Menschen lag, die ich so gerne bei mir hätte.

Während des Zwischenseminars wurden so viele Themen angesprochen und auch von uns Freiwilligen im Rahmen der Kurzvorträge angerissen und auch in unserer Freizeit gab es das ein oder andere deepe Gespräch – zum Beispiel auch über meine Situation. Auf der einen Seiten war es teilweise etwas zu viel, ich wollte doch gerade davon mal wieder wegkommen, auf der anderen Seite tat es aber unglaublich gut. Es tat gut, zu hören, was dem ein oder anderen in ähnlichen Situationen geholfen hat und diese anderen Blickwinkel haben mir das ein oder andere Mal auch etwas die Augen geöffnet.

Und bis auf ein kleines Drama bezüglich der Bezahlung des Stroms am Donnerstag Abend konnte ich trotz der Gespräche etwas Distanz zu dem Geschehen entwickeln, denn wie unsere Trainerin es so schön gesagt hat: „ja, es ist bei dir richtig viel scheiße gelaufen, aber wir gucken jetzt mal nach vorne. Weiter als das DSD, weil danach kann sich vielleicht ja noch was ändern. Aber dafür müssen wir jetzt was tun.“

Die Woche verging viel zu schnell, beim Wichteln am Donnerstagabend wusste ich nicht, ob ich froh sein sollte, dass ich hier war oder traurig sein sollte, weil ich in 48 Stunden wieder in Bucharest oder schon auf dem Weg nach Sofia sein würde.

Freitag Nachmittag nahm der Großteil der Truppe einen schon sehr vollen Bus nach Sibiu, sodass der ein oder andere von uns stehen musste. Mir wurde in der letzten Reihe ein Platz angeboten und von weiter vorne rief mir ein Freiwilliger zu, dass ich mich doch mit ihnen unterhalten soll. Und ich schüttelte nur den Kopf, denn ich kann kein rumänisch. Auf bulgarisch kann ich mich nicht wirklich (also vermutlich eher so gar nicht) unterhalten, aber auf rumänisch? Woher denn? Da bemerkte ich wieder die Unterschiede – bis auf eine der drei Freiwilligen in Moldau lernt die ganze Homezone rumänisch, und manche sind da schon echt gut drin. Meine 6 Stunden Einzelsprachkurs mit der traditionellen „warum Bulgarien scheiße ist“ Einführung meines Sprachlehrers sind dagegen absolut gar nichts.

Zusammen mit anderen Freiwilligen nahm ich mir ein Hostelzimmer, wir schlenderten über den Weihnachtsmarkt, probierten uns bei den Glühweinen durch und es tat gut. So unglaublich gut. Was auf dem Vorbereitungsseminar noch als so schlecht dargestellt wurde, diese deutsche Blase, die tat mir so unheimlich gut. Auch wenn es dann etwas unangenehm wurde, als ich mich an einen Tisch stellte, der von einem knutschenden Pärchen besetzt wurde und mit den Worten „die knutschen doch eh rum“ beschlossen hatte, dass es dort noch Platz für uns gab und die Frau uns danach ansprach, ob es okay wäre, wenn sie eine raucht – und zwar auf Deutsch.

Bevor es dann am Samstag zurück nach Bukarest und für mich dann weiter nach Sofia ging, besuchten wir einen Bazar im Deutschen Zentrum und ich war einfach nur begeistert. Es hatte mir wirklich gefehlt, mich vernünftig in meiner Muttersprache zu verständigen und es auch einfach nur zu hören, wie andere deutsch sprechen.

Die Rückfahrt war bis Bukarest noch ganz okay, ich war nicht alleine und Johanna blieb neben mir sitzen, auch wenn es genügend freie Plätze gegeben hätte. Ich habe es nicht ausgesprochen, aber ich war froh, als sie neben mir sitzen blieb – denn danach kam die Fremde. Sie und ihre zwei Mitbewohner machten sich auf den Weg zur Wohnung und da es sich für mich nicht wirklich rentierte, mitzukommen, machte ich den Kaufland unsicher. Vieles ähnelte oder war gleich wie im Kaufland hier, aber trotzdem wirkte es wieder fremd. Und dann, wieder am Busbahnhof, rief ich meine Mutter an, um dieser Fremde noch etwas zu entfliehen.

Die Fahrt nach Sofia war sehr schlaflos – aber da wir ca. 40 Minuten zu früh am Busbahnhof ankamen, konnte ich sogar den Zug um 6:30 nehmen, den ich gar nicht erst auf den Schirm gehabt hatte. Die alten DB-Wagen brachten etwas heimatliches in die Fremde – dazu aber in einem separaten Blogeintrag mehr, trotzdem fühlte ich mich wieder schrecklich fremd. Menschen sprachen mich an und auch mein „Ich bin Deutsche“ schien wenig Verständnis für meine Situation hervorzubringen.

Und dann, wieder in der Wohnung, die noch Strom und Wasser hatte, kullerten wieder die Tränen. Die Tränen, auf die ich so gut hätte verzichten können. Die schlaflose Nacht, die Fremde, das Alleinesein, das alles war vermutlich einfach etwas viel für mich – und das Wissen, dass die nächsten Schultage elendig lange werden.

Denn ab dem 2.12. sind die mündlichen Prüfungen für das Sprachdiplom und ich darf bei der Vorbereitung Aufsicht führen und ich kann nach dem ersten Tag nur bestätigen, dass es echt brutal ist. Rumsitzen, irgendetwas machen aber bitte nicht zu beschäftigt damit sein, damit doch zumindest etwas Aufmerksamkeit auf dem Prüfling liegt. Immerhin ist der Adventskalender von zuhause angekommen und versüßt mir diesen ersten (und längsten) Prüfungstag etwas. Also nicht wundern, wenn im Dezember etwas mehr hochgeladen wird.

Babysteps

Ich kriege von verschiedenen Seiten die Rückmeldung, dass es toll/schön/was auch immer ist, mal zu lesen, dass es auch bei den kulturweit-Bloggern nicht immer so ganz rund läuft.
Jana in Tirana und ich schreiben sehr oft, auch über unsere Blogs und als ich ihr von jemandem neues berichtete, der mir positives Feedback gab und eine meiner grandios wichtigen Sprachaufnahmen für sie aufnahm, rutschte mir ein Satz raus, der mich nicht mehr so ganz loslässt: „Ich würde ja ganz gerne über tolles Zeugs schreiben, aber es gibt halt nicht so viel tolles Zeugs.“

Vielleicht klingen meine Einträge etwas negativ klingen und das auch leider noch immer sehr präsent ist, so ist nicht *alles* *immer* total scheiße. Nur manchmal.
Und anlässlich meiner zweimonatigen Existenz hier in Burgas (gestern vor zwei Monaten bin ich angekommen, heute vor zwei Monaten war mein erster voller Tag, den ich mehr oder weniger heulend im Bett in der Freiwilligen-Wohnung gebracht habe) habe ich beschlossen, mal die Sachen zu erwähnen, die mittlerweile gut bzw besser als am Anfang laufen.

Mittlerweile kann ich mir Tickets am Schalter kaufen. Also nur, wenn es keine weiteren Nachfragen gibt oder so, ich kann nur „TIcket nach [Ort]“, das Datum (mit Hilfe des Internets) und mit Glück noch die Uhrzeit. Kommen Nachfragen, bin ich verunsichert und mache tendenziell einen Rückzug – außer, die Dame wollte nur sichergehen, dass sie mir das richtige Ticket ausdruckt und Ort, Datum und Uhrzeit noch einmal aufschreibt. So bin ich zu meinem Ticket nach Veliko Tarnovo gekommen – ein wahres Erfolgserlebnis nach den Problemen mit dem Ticket nach Plovdiv.

Ich habe zum ersten Mal die Nebenkosten bezahlt. Das läuft hier in Bulgarien nämlich etwas anders ab als in Deutschland: man geht zur Post, legt eine Karte mit Nummern hin und kriegt gesagt, was man zu zahlen hat. Zum Wasserablesen kommt hier übrigens am Anfang des Monats immer eine Dame vorbei, die dann ihr mobiles Scan Gerät an die Messstellen hält – was bedeutet, dass ich jemanden, der nur bulgarisch kann, in meine Wohnung lassen muss und irgendwie kommunizieren muss. Zwar ist eine Lehrerin mitgekommen um den Strom für Oktober zu bezahlen, aber das mit dem Wasser werde ich versuchen, alleine zu bezahlen, wenn man kein Security Typ davorsteht und mich nicht reinlässt.

Außerdem habe ich es geschafft, mir eine SIM-Karte für mobiles Internet zu kaufen. Bislang nur Prepaid und nur noch bis zum 24. November, aber immerhin. Ich habe mich getraut, in den Store zu gehen und irgendwie mit Händen, Füßen und Screenshot des Produkts, das ich gerne haben wollen würde, dieses zu kriegen.

Auch bin ich mittlerweile stolze Besitzerin einer elektronischen Busfahrkarte – auch hierbei hat mir die Lehrerin geholfen, aber hey, ich lasse mich mittlerweile nicht mehr von der Kontrolleurin im Bus in die Irre treiben und weiß mehr oder weniger, was Sache ist. Aber wirklich nur grob und wenn sie mich anspricht, ist es noch immer ein Panik-Moment, den ich mittlerweile aber (glaube ich zumindest) ganz gut überspielen kann.

In einem Café in der Stadt traue ich mich mittlerweile, ein Tiramisu zu bestellen (ich sage wirklich nur „ein Tiramisu“ und „danke“ wenn ich das gewünschte Tiramisu und das Rückgeld erhalte), aber auch das hätte ich mich am Anfang nicht getraut. Mittlerweile kennt die Besitzerin mich glaube ich auch und weiß, dass ich nicht wirklich was verstehe. Aber das ist auch okay.

Das zweite Paket meiner Eltern hätte eigentlich an die Schule geliefert werden sollen – ist dann aber im Packetshop in der Nähe der Schule gelandet. Zusammen mit der französischen Freiwilligen bin ich also dorthin gelaufen und habe es irgendwie geschafft, das gelbe DHL-Paket meiner Eltern zu bekommen (Tipp: die gelben Pakete lassen sich echt gut in der Masse wiedererkennen, kann ich nur empfehlen!). Während die Dame im Packetshop noch bei den kleinen Sachen suchte, hatte ich schon eine Ahnung, dass dieses gelbe Paket sehr sehr sehr wahrscheinlich meins sein könnte – und ich hatte recht. Gut, die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand aus Deutschland ein großes, fast 5kg schweres Paket zur gleichen Zeit wie ich erwartete, war ziemlich gering, da ich wusste, dass der deutsche Kollege hier Pakete nach Deutschland schicken lässt und seine Frau die dann beim nächsten Heimatbesuch mit nach Burgas nimmt.

Im Starbucks habe ich zum ersten Mal ein Getränk bekommen, auf dem mein Name richtig geschrieben war – und das ohne dass ich nachhelfen musste!

Den Weg von der Bushaltestelle zur Schule und zurück kann ich mittlerweile relativ gut variieren – je nachdem ob es regnet, ob es geregnet hat und je nachdem, welche Linie ich nehme, gibt es jeweils verschiedene geeignete Wege.

Alleine Reisen fällt mir von mal zu mal einfacher, auch wenn noch immer Angst vor allem wegen der Sprachbarriere vorhanden ist. Aber das auf mich selbst angewiesen sein und mich alleine irgendwie durchboxen müssen wirkt jedes Mal ein kleines bisschen leichter.

So langsam werde ich auch in den Unterricht eingeladen, um auch mal mehr zu tun als zu hospitieren. Da ich den Dezember jedoch mit dem Beaufsichtigen der Vorbereitungszeit für die mündliche Prüfung des DSD-Sprachdiploms verbringen werde, bin ich mal gespannt, wie das dann im Januar wird.

Auch trauen sich immer mehr Schülerinnen, mich anzusprechen bzw anzuschreiben und morgen werde ich mich auch mit einer treffen, worauf ich mich schon freue. Einer anderen Schülerin werde ich versuchen, noch etwas die Angst vor dem deutsch sprechen zu nehmen, bevor sie Anfang Dezember ihre mündliche Prüfung hat.

Das Einkaufen fällt mir von mal zu mal etwas leichter – auch wenn ich noch immer viel zu viele Laugenbrötchen kaufe, so langsam kann ich mich etwas orientieren und kann zumindest den Bereich, in dem das gesuchte Produkt steht, in den mir mittlerweile gut bekannten Läden einschränken. Leider ist hier jeder Lidl und Kaufland von der Struktur total anders, also heißt das nicht, dass nur, weil ich weiß, dass im Kaufland A das Pesto links an der Wand steht, das im Kaufland B auch nur in der Nähe platziert sein muss.

Eingewöhnt bin ich noch lange nicht, und ich weiß auch nicht, ob ich so weit überhaupt komme – aber die ersten Situationen sind nicht mehr ganz fremd und überfordern mich nicht mehr total, sondern nur noch ein bisschen. Man könnte sagen, so langsam komme ich hier relativ gut klar und kann Kleinigkeiten schon wieder etwas besser verkraften.
Es ist noch ein langer Weg für mich, aber diese kleinen Babysteps, so klein sie noch sein mögen, sind für mich von großer Bedeutung.

Nächste Woche Freitag geht es los zum Zwischenseminar, mal gucken, ob ich mich davor noch einmal melde – danach aber auf jeden Fall (habe dann ja beim Aufsichtführen etwas Zeit für ein paar Einträge 🙂 ).

Veliko Tarnovo – oder: Musterbeispiel für bulgarische Kommunikation

Wenn ich gefragt werde, wie es momentan so läuft, antworte ich meistens, dass diese bulgarische Art der Kommunikation mich noch immer sehr mit nimmt. Um das zu verdeutlichen, hier ein Beispiel:

die Freiwillige aus Plovdiv, Clara, und ich, wollten über das lange Wochenende vom 26. bis zum 28. Oktober nach Veliko Tarnovo, eine wunderschöne Stadt im Norden Bulgariens verreisen. Am 27.10. waren hier Wahlen und da danach alles wieder abgebaut werden musste usw sollte der 28. für alle Schüler und das Kollegium frei sein.
Also planten wir unsere Reise, kauften je ein Busticket für die Hinfahrt (Burgas-Veliko Tarnovo für mich und Plovdiv-Veliko Tarnovo) und ich fragte am Montag nochmals nach, ob denn der nächste Montag wirklich frei sei. Ja, natürlich sei der 28. frei, wurde mir versichert.

Am Donnerstag schrieb Clara mich dann an und meinte, dass wir den Montag doch nicht frei hätten. Doch, natürlich haben wir frei, ich habe doch noch nachgefragt!, dachte ich, wollte nicht wahrhaben, dass sich soetwas von heute auf morgen ändern kann.
Es sollte sich herausstellen, dass wir wirklich nicht frei hatten. Irgendjemand hatte (vielleicht bei einem Bier zu viel, wer weiß das schon so genau?) beschlossen, dass ein freier Tag ja langweilig sei und man also alle Schüler und Lehrer doch in die Schule schicken könnte. Unterricht solle zwar nicht stattfinden, aber Anwesenheitspflicht wie sonst auch.

Und während ich nicht glauben konnte, was ich da hörte, schien Clara damit relativ entspannt umzugehen. In Veliko Tarnovo witzelten wir dann später darüber, dass irgendwas immer schief gehen müsse und wenn dies nicht der Fall sei, könne man dem ganzen nicht trauen, weil man daran gewöhnt sei, dass irgendwas nicht so funktioniert wie geplant.

Okay, also meine Mentorin darauf angesprochen, welche mir dann seelenruhig und mit einem Lächeln auf den Lippen mitteilte, dass sie am vorherigen (also Mittwoch) Abend eine E-Mail von der Schulleiterin bekommen habe, dass Montag doch nicht wie geplant ein freier Tag sei.
Ich wusste nicht, ob ich lachen, weinen, mit dem Kopf vor Verzweiflung und Hilflosigkeit gegen die Wand laufen oder einfach nur alles zusammen machen sollte – also machte ich gar nichts und lächelte sie überfordert und verzweifelt an.

Reintheoretisch hätten wir den Montag trotzdem in Veliko Tarnovo verbringen können, aber eine Lehrerin hatte angeboten, am Montag nach dem „Sportfest“ oder was auch immer das, was meine Schule schlussendlich am Montag veranstaltet hatte, mit mir die Nebenkosten (oder zumindest den Strom) zu bezahlen und Clara konnte so ins Kino, weshalb wir dann doch „nur“ das reine Wochenende dort verbrachten.

Hätte sie aber nicht durch Zufall erfahren, dass der Montag doch kein freier Tag ist, hätten wir beide es wahrscheinlich erst bemerkt, wenn man uns am Montag gefragt hätte, wo wir denn bleiben würden.

Die Stadt ist, wie bereits erwähnt, wunderschön und die Fahrt, diese Kommunikationsprobleme und das anfängliche Verlaufen definitiv wert gewesen. Meine Waden waren danach zwar am Ende, aber die Aussichten sind wirklich einzigartig!
Wie schon in Plovdiv haben wir uns durchgefuttert und hatten das große Glück, die Lichtershow an der alten Festung am Samstagabend sehen zu können – wo mir wieder mal schmerzlich bewusst wurde, wie unglaublich wenig ich überhaupt über die Geschichte Bulgariens weiß. Trotzdem war es sehr beeindruckend und ich werde die Stadt auf jeden Fall noch einmal besuchen (vielleicht nicht zwingend während meines FSJs, aber das ist eine andere Geschichte), und dann mit dem historischen Hintergrundwissen!
Danach machten wir uns auf die Suche nach Bier und vernünftiger Schokolade, die dem anscheinend hohem Standard zweier deutscher Freiwillige in Bulgarien entspricht – in einem überteuertem Laden/Kiosk wurden wir dann auch fündig, yay.

Am Sonntag waren wir dann Postkarten kaufen, türkischen Kaffee trinken, welcher auf heißem Sand zubereitet wurde – das sah, wie ich finde, sehr interessant aus – und haben uns mit einem Australier, den wir im Hostel kennengelernt haben, gut unterhalten und australische Münzen zu Gesicht bekommen können.

Viel zu früh machten wir uns auf den Weg zum Busbahnhof, nur um gesagt zu bekommen, dass wir die Tickets erst direkt beim Busfahrer kaufen könnten.
Bei Clara lief das alles noch ganz gut, bei mir gab es, nachdem alle mit einem zuvor gekauftem Ticket im Sprinter saßen, zu viele Menschen für zu wenige freie Plätze. Ganz die penetrante Deutsche hielt ich dem Busfahrer meinen 50 Lev Schein so lange vor die Nase, bis er keine andere Wahl hatte, mich zuerst zu bedienen und so schaffte ich es, einen der drei freien Sitzplätze zu ergattern.
Ich weiß nicht, was mit denen passiert ist, die kein Ticket mehr bekommen haben, aber ich war wirklich erleichtert, als der Bus losfuhr und ich da drin saß.

Das Wochenende in Veliko Tarnovo war zwar kürzer als geplant und wären wir den Montag auch noch geblieben, hätte ich vielleicht den Deutschen kennengelernt, den ich dann im Nachtzug nach Sofia kennenlernen sollte, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.