Vorbereitungsseminar

Gerade sitze ich zurück im Zug nach Hause, erschöpft von den letzten zehn Tagen und all dem Input, den ich in dieser Zeit bekommen habe.

Letzte Woche Sonntag, am 1. September, machte ich mich auf den Weg, unwissend, was mich erwarten würde. In einem Anfall von leichter Panik (ich hasse es, nicht zu wissen, was mich erwartet), habe ich Blogeinträge von den Alumni gesucht und auch welche gefunden, aber so wirklich weitergeholfen haben sie mir nicht. Alles war doch irgendwie sehr vage und das mit der Party am letzten Abend schien auch nicht sonderlich überraschend.
Am Bielefelder Bahnhof traf ich Emilia und war wirklich erleichtert, schon einmal jemanden gefunden zu haben. Tatsächlich saßen wir dann auch im Zug nebeneinander und konnten über Gott und die Welt reden – über das bevorstehende Auslandsjahr verloren wir nur wenige Worte.

In Berlin stiegen wir dann in den Bus um, und nachdem wir beinahe unfreiwillig Bekanntschaft mit dem See gemacht hatten, durften wir dann auch auf dem rechtmäßigen Busparkplatz aussteigen. Erleichterung machte sich bei uns beiden breit, als wir feststellten, dass wir auf einem Zimmer waren – und diese Erleichterung hielt bis zum Ende an (sorry, Jana). Denn pro Zimmer gab es nur einen Schlüssel, und da wir alle drei in derselben Homezone waren und auch unsere Freizeit miteinander verbracht haben, war der Schlüssel immer in der Nähe oder wir wussten zumindest, wer in hat.

Neben den drei anderen Freiwilligen, die mit mir nach Bulgarien ausreisen, waren in der Homezone noch die sechs Athener; Jana, die nach Albanien geht und eine andere Freiwillige, die hoffentlich nach Nordmazedonien gehen wird. Leider werden wir vier Bulgaren nicht beim Zwischenseminar in Serbien dabei sein, was ich persönlich sehr schade finde. Dafür darf ich einen möglich kurzen Weg nach Rumänien finden, was je nach Ort auch noch sehr interessant werden könnte …

Nach dem Zimmer beziehen, Namensschild suchen, Flasche nehmen, einem Willkommenssnack und der Begrüßung sowie einer etwas anderen Art des Kennenlernens (A zeichnet B ohne aufs Papier zu gucken während B über ein vorgegebenes Thema redet) am See, haben wir als Homezone den ersten Abend gemeinsam am See verbracht, was echt cool war, aber mit der Zeit auch echt kalt wurde.

Am 2. Tag ging es dafür dann richtig los – am Nachmittag fand Teil 1 der Partner-Tage statt. Sehr viel Input, den wir danach erst einmal in Ruhe auf dem Zimmer verarbeiten mussten. Am dritten Tag konnten wir Alumni die Fragen fragen, die wir normalerweise als dumm oder unnötig abstempeln würden und zugegeben tat das echt gut, zu hören, was sie so zu berichten hatten. Und etwas, was ich in diesen drei Stunden am meisten gehörte habe, war „macht euch nicht so einen Stress, das wird schon werden“. Nachmittags gab es dann Workshops von den Partnern, bei mir also vom PAD und der ZfA. Insgesamt war es wieder sehr viel Input, weshalb die Homezone nach dem Abendessen etwas ruhiger und schleppender lief als sonst.

Dann ging es auch schon nach Berlin – es tat gut, gerade nach den vielen Informationen der letzten 48 Stunden. Für eins, zwei Stunden an der Spree sitzen und in gewohnter Runde über irgendwelche Sachen reden; ich persönlich fand es erfrischend.

Das Highlight des fünften Tages war für mich definitiv der Kulturweit Ausweis, auch wenn der eigentlich gar keinen wirklichen Wert hat. Gerade zur Halbzeit brachte dieses kleine Stück Plastik noch ein ganzes Stück näher – wenn auch nicht realisierbarer.

Die nächsten vier Tagen brachten wieder sehr viel Input mit sich; Themen, die man auch nicht einfach so mit Verlassen des Raums hinter sich lassen konnte.

Gestern Abend war dann die große Abschiedsparty, so wirklich realisiert was das bedeutet hatte ich aber noch nicht – das kam erst heute morgen, als unsere Trainerin uns Bilder hinlegte und uns bat, eins auszususchen, dass unsere Stimmung zum Ende des Vorbereitungsseminars darstellt.
Es war wie ein Schlag ins Gesicht; plötzlich realisierte ich dass Jana heute Abend nicht bei uns auf dem Zimmer sitzen würde und wir uns wegen irgendwelchem Blödsinn kaputtlachen würden. Emilias Wecker würde morgen nicht um 6:45 klingeln und ich würde morgen früh nicht krampfhaft versuchen, noch ein bisschen Schlaf zu kriegen. Denn morgen wache ich in meinem eigenen Bett daheim auf und zum Frühstück muss ich nicht erst durch die Kälte laufen, sondern wenn überhaupt unseren Hund streicheln, damit sie mich vorbei lässt. Bis dahin hatte ich wirklich gut verdrängt, dass heute vorerst Abschied genommen werden muss; dass morgen der erste der drei letzten Tage zuhause beginnt.
Und als wir dann zum Abschied in der Homezone uns bei den anderen bedankt haben, hatte ich doch schon etwas Pipi in den Augen.

Die anderen habe ich zum Zug gebracht, das Zimmer für das Nachbereitungsseminar steht eigentlich auch schon und ein Besuch in Athen ist auf jeden Fall geplant. Mit den zwei Freiwilligen in Sofia sowie der Freiwilligen in Varna werde ich wohl eh noch so einiges zu tun haben (Zwischenseminar, Besuch der Deutschen Botschaft, …) und meine Familie wird mich auf jeden Fall besuchen kommen (die Frage ist nur wann).

@ Homezone 15: danke für die 10 Tage, war mega schön mit euch! (Und viel Spaß schon mal beim Zwischenseminar … 🙁 )

@ Zimmer 212 und Jana: danke für einfach alles, Leude. Hab euch lieb.

Samstag geht es los nach Burgas und momentan ist es doch ein lachendes und ein weinendes Auge – auf der einen Seite waren diese zehn Tage motivierend und ich will, dass es endlich losgeht, andererseits freue ich mich auch auf zuhause und weiß, dass das Samstag sau schwer wird …

Ich melde mich irgendwann demnächst aus Burgas!

Lina

„Kannst du denn schon bulgarisch?“

Wie bereits erwähnt, gehen mehrere aus meinem Freundeskreis ebenfalls ins Ausland. Meine Freundin, die ein Au-Pair Jahr in den USA macht, musste sich mit der Sprache (logischer Weise) gar nicht mehr groß auseinandersetzen, die andere Freundin hatte bis zum Abitur Latein und geht nach Italien – und ich? Ich lerne erst einmal ein ganz anderes Alphabet.
Es ist doch faszinierend, wie sehr wir darauf konditioniert werden, dass nach A und B dann das C kommt und nicht, wie im Bulgarischen, das V bzw W. Und dass das bulgarische H nicht dem deutschen H, sondern unserem N entspricht, und ‚unser‘ B ihr V bzw W ist, macht das Lernen am Anfang auch nicht einfacher.

Zudem habe ich nur einen einzigen Sprachkurs gefunden, mit dem ich inhaltlich doch etwas auf dem Kriegsfuß stehe. Meinen Mitschülern, vor allem aus dem Deutsch LK oder dem Religionsunterricht, mag meine kritische Auseinandersetzung mit Arbeitsmaterialien bekannt vorkommen; war es da aber noch etwas, dass ich mir auch leisten konnte, so raubt es mir jetzt teilweise die Lust, diesen Sprachkurs überhaupt zu öffnen.
Denn anstatt die ersten Verben konjugieren zu können, würde es mir erst einmal reichen, mich vorstellen zu können. Deswegen war ich doch sehr erleichtert, als ich einige Google Recherchen später auf die Webseite von Lina gestoßen bin, welche mir dann bei genau solchen Dingen geholfen hat.

Zudem habe ich, in einem Anflug von Mut und dem Gedanke, dass ich mein Handy gut genug kenne, um so eine wahnwitzige Aktion durch zu ziehen, mein Handy auf bulgarisch gestellt. Verstehen tue ich dadurch nicht wirklich mehr, aber die Buchstaben kommen mir mittlerweile etwas vertrauter vor – und ich lese ständig Sachen vor und belehre meine Schwester damit, wie ‚Flugzeugmodus‘ oder ‚Taschenlampe‘ auf bulgarisch heißt.

Mit eine andere Freundin, welche russisch kann, habe ich mich schon mit der Schreibschrift beschäftigt – nach etwas Übung sieht es auf jeden Fall schon mal ganz passabel aus, finde ich.

Aber so wirklich bulgarisch sprechen kann ich noch nicht, aber ich hoffe, dass wird sich während meinem Jahr dort und gerade auch wegen dem Sprachkurs noch ein bisschen ändern, denn jetzt habe ich erst einmal andere Prioritäten: zwei Koffer packen (für das Vorbereitunsgsseminar und für Burgas), mich von den ersten Freunden verabschieden und die ersten letzten zwei Tage zuhause genießen, bevor das große Abenteuer losgeht!

Das große Packen – oder: was brauche ich wirklich?

Packen ist etwas, vor dem ich mich immer irgendwie drücke und bislang ging das auch immer relativ gut. Aber so langsam muss ich packen, und das nicht nur einmal.

Nein, ich packe nämlich zweimal. Einmal für das Vorbereitungsseminar und einmal für Burgas. Und da es Sachen gibt, die ich am liebsten jeden zweiten Tag trage, werden sich die Koffer nur in der Variabilität und im Gewicht groß unterscheiden. Und dann wird im Koffer für das Seminar vielleicht nur ein Pulli landen, während es im Koffer für Burgas durchaus ein paar mehr sein werden …

Zugegeben, die Temperaturen, die mich dort erwarten, sind wie bereits in anderen Beiträgen angedeutet nicht zwingend mein Wetter und dementsprechend auch nicht das, wofür mein Kleiderschrank unbedingt so super ausgestattet sind. Meine Mutter musste mich zu H&M schleppen, damit ich die Anzahl meiner kurzen Hosen, mit denen man unter Leute gehen kann, verdoppeln konnte.
Dementsprechend überfordert bin ich. Vermutlich wird erst einmal so jedes T-Shirt, das ich besitze in den Koffer für Burgas geschmissen werden und dann je nach Gewicht etwas aussortiert oder eben nicht.

Und dann kommen noch solche Fragen wie viele Schuhpaare sinnvoller Weise mitgenommen werden sollten, ob die Lieblingskuscheldecke hier oder vermutlich erst einmal im Schrank dort besser aufgehoben ist oder ob der Groot-Pflanzentopf bzw Stiftebehälter wirklich so unbedingt mit muss oder nicht.
Aber auch wieviele Packungen Zahnpasta keine Gewichtsverschwendung darstellen (und der Folgegedanke ob es meine Zahnpasta dort überhaupt im DM zu kaufen gibt …), ob es reicht, zwei Deos für den Anfang mitzunehmen, wie viele Bilder (und Abschiedsgeschenke) realistisch betrachtet wirklich mitmüssen, … damit setze ich mich momentan auseinander oder versuche es zumindest.

Es ist merkwürdig, zu wissen, dass alles, was nicht in den großen Koffer für Burgas und in mein Handgepäck passt, für ein Jahr nicht mehr greifbar ist. Wahrscheinlich kann ich mich deswegen nur sehr schwer (oder eigentlich gar nicht) entscheiden, was wirklich mit muss, was mit kann falls Gewicht und Platz das zulassen und was doch besser hier aufgehoben ist.
Und ganz vielleicht habe ich mich auch schon dabei ertappt, ernsthaft darüber nach zu denken, das kaputte Stofftier von unserem Hund (‚Agent P‘, Schnabeltierspielzeug) ganz ausversehen in den Koffer zu schmeißen, um etwas bei mir zu haben, wenn nachts alles zu leise ist und ich ihr nächtliches Schmatzen, das Seufzen, Brummen und ihr Hecheln plötzlich sehr vermisse …

Irgendetwas werde ich sicherlich vergessen – und im Nachhinein ist man immer klüger. Vielleicht schreibe ich ja mal einen Teil 2 hierzu, was wirklich sinnvoll war und was dem panischen und leicht überforderten Packen zum Opfer gefallen und mit nach Burgas geschleppt worden ist …

Adios Amigos (falsche Sprache, upsi :D)

Lina

Hallo! Здравей!

Hallo, ich bin Lina und heiße dich herzlich willkommen auf meinem kulturweit-blog!

Dieses Jahr habe ich mein Abitur absolviert und werde nach dem Freiwilligen-Jahr vermutlich Geschichte oder Deutsch studieren.
Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meinen Freunden, von denen manche auch ins Ausland gehen – aber als Au-Pair oder zum Studieren, mit meiner Famile und/oder unserem Hund. Auch habe ich bislang die Jugendarbeit in meiner Kirchengemeinde, vor allem den Konfirmationsunterricht mit dem Konfi-Camp, sehr gerne unterstützt. Ansonsten lese und schreibe ich sehr gerne (und meide gerne die Hitze).

Ab September 2019 (um genau zu sein ab dem 16. September, meinem ersten Tag in der Einsatzstelle) werde ich ein Jahr in Burgas, Bulgarien verbringen und dort im Goethe-Gymnasium die Fachlehrer tatkräftig unterstützen. Da sich die Schule das Gebäude mit einer anderen, englischen Schule teilt, gibt es quasi zwei Schichten, in denen unterrichtet wird und damit keine Schule grundlegend benachteiligt wird, hat jede Schule abwechselnd einen Monat Früh- (ca. 7:30-13:30 Uhr) und Spätschicht (ca.14:30-20:30 Uhr). Besonders die Frühschicht wird für mich Nachtschwärmer und Langschläfer sicherlich zu Beginn eine Herausforderung werden.

Im Gegensatz zu meinen Au-Pair-Freundinnen weiß ich relativ wenig darüber, was dort genau auf mich zukommen wird und anders als sie wohne ich alleine und muss mich selbst versorgen, was auch noch durchaus interessant wird.
Und dann ist da noch die Sprache mit dem kyrillischen Buchstaben, mit der ich mich so langsam anfreunden muss/sollte/… um mich dort einigermaßen zurechtzufinden und einleben zu können. Den einzigen Sprachkurs für Anfänger habe ich mir bereits zugelegt und werde mich damit in den nächsten Wochen etwas intensiver beschäftigen …

Es wird auf jeden Fall ein Abenteuer und ich hoffe, ich kann dich dabei ein bisschen mitnehmen! 🙂