“Also ich habe frei bis zum 11.12. – Bock auf nen Besuch?“

So fing die Planung des spontanen Besuchs von Jana in Tirana (sorry, ich kann’s mir mittlerweile einfach echt nicht mehr verkneifen, sie immer so zu nennen :D) am Dienstag an – Freitag Abend sollte ich sie dann endlich wieder umarmen können.

Aufgrund des Erdbebens hatte ihre Chefin sie bis einschließlich Dienstag freigestellt und anscheinend hatten wir etwas zu oft darüber gewitzelt, dass einer von uns beiden ja mal quasi den Balkan überqueren könnte um den anderen besuchen – denn dann bekam ich diese Nachricht. Zuerst war ich mir ehrlich gesagt nicht zu 100% sicher, ob sie das ernst meinte, immerhin war das schon eine ordentliche Reise, um hier in Burgas vielleicht 2 Tage mit mir verbringen zu können .

Aber sie meinte es ernst, und zwar sowas von. Mittwoch Morgen brach sie in Tirana auf und setzte sich Freitag Mittag in Sofia in den Zug in Richtung Burgas.
(Kleiner Fun Fact am Rande: Der heilige Sankt Niklaus ist anscheinend so eine Art Schutzpatron für die Stadt, weshalb (zumindest die Schüler*innen und Leher*innen und die Freiwilligen) in Burgas am 6.12. keine Schule haben, am 5.12. für euch herausgefunden!)

Gegen 20 Uhr Abends holte ich sie dann von meinem geliebten Kopfbahnhof in Burgas ab, wir fuhren nach Meden Rudnik und hielten auf dem Weg zu meiner Wohnung noch bei Lidl, wo wir noch das nötigste kauften (also Eier, Wein, Käse, Paprika usw., das was man halt so braucht). Dann ließ ich sie ankommen, wir machten uns Spaghetti, tranken Wein und quatschten, bis wir (also zumindest ich, mein Wecker hatte immerhin um 6 geklingelt) irgendwan nach 1 Uhr morgens ins Bett fielen.

Am Samstag verbrachten wir einen gemütlichen Vormittag in der Wohnung, machten uns dann auf den Weg zur Mall, gönnten uns was bei Starbucks und liefen zurück ins Zentrum und weiter zum Strand. Dort entdeckte ich durch Zufall das Café, von dem der deutsche Kollege schon erzählt hatte und so setzten wir uns rein, ich gönnte mir einen weißen Frappé und wir quatschten. Anschließend ging es zurück in die Stadt, in ein Restaurant, das ich mit der französischen Freiwilligen entdeckt hatte (und das als einziges, welches ich bislang gefunden habe, auch an Nicht-Fleischesser und Nicht-Fischesser so wirklich denkt) – Incanto. Da wir eher nachmittags, so gegen 16/17 Uhr da waren, bekamen wir unser Essen auch recht schnell und den Nachtisch, einen veganen Schokokuchen, teilten wir uns.
15€ für Pizza, 1l Wasser, Minz-Limonda, veganes Chilli und veganen Schokokuchen ist für Janas Verhältnisse zwar schon recht viel, aber wir waren uns einig, dass es im Vergleich zu Deutschland noch immer wirklich billig war.
Wieder machten wir einen Zwischenstopp bei Lidl und kauften alles für Plätzchen und was uns noch so einfiel ein – und so kam es dann zu einer nächtlichen Weihnachtsbäckerei mit passender Musik. Jetzt alle: in der Weihnachtsbäcker gibt’s so manche Leckerei … J
Im Endeffekt haben wir glaube ich 4 (oder 5?) Blecke Kekse gebacken, wobei das schon die Hälfte des regulären Rezepts war. Ich weiß nicht mehr, wann wir ins Bett gegangen sind, aber es war wieder definitiv nach Mitternacht …

Am Sonntag blieben wir in der Wohnung, dekorierten die Plätzchen, führten die Weihnachtslieder-Session weiter und versuchte

n uns am Lebkuchen-Haus, was aber irgendwie nicht ganz so erfolgreich war.

Viel zu schnell war die Zeit gekommen, dass sie wieder ihre Sachen packen musste und wir uns auf den Weg in Richtung Treffpunkt machen musste, wo sie von einem Typen von blablacar mitgenommen werden sollte. Da dieser kein mobiles Internet hatte, hatte sie ihm schon davor den Kaufland, an dem wir uns treffen wollten, als Google Maps Link geschickt – aber es überraschte mich nicht wirklich, als sie ein Foto und Standpunkt vom anderen Kaufland in Burgas City bekam. Also warteten wir und redeten wieder über Gott und die Welt, ob ich denn nun verkürzen würde oder doch das ganze Jahr versuchen wollen würde usw usw.

Irgendwann tauchte der Fahrer mitsamt Frau auf, ich machte sicherheitshalber Fotos vom Kennzeichen sowie von beiden und sah dem Auto sehr lange hinterher.

Heute sitze ich wie letzte Woche mit Jana in dem Café am Stand, dieses Mal auf der anderen Seite des Tisches mit Ausblick auf das Meer. Und die letzte Woche war, trotz der gefühlt ewig andauernden DSD Prüfung und dem ein oder anderen Drama, auf das ich durchaus hätte verzichten können, gar nicht mal so schlecht. Ich habe den Backofen seit letzer Woche öfter benutzt als davor insgesamt und auch wenn dank der heutigen 16 Grad (ich habe in Jeansjacke und Kaputzenjacke geschwitzt wie sonst was, ufffff) es mir noch immer sehr schwer fällt, wirklich zu glauben, dass in 10 Tagen Weihnachten und in 17 Tagen mein 20. Geburtstag ist – letztes Wochenende habe ich es glauben können.

Ich glaube, die Gemeinschaft, die wir Freiwilligen haben, ist nicht zwingend selbstverständlich. Die französische Freiwillige wollte mir nicht glauben, dass es eine deutsche Freiwillige in Ecuador gibt und wir es trotz der verdammten Zeitverschiebung schaffen, ab und zu auch mal zu skypen oder den anderen zumindest grob auf den laufenden zu halten (wir können’s halt, Kira <3)– und als ich den Besuch von Jana erwähnte, hätte ich schwören können, dass sie mich doch etwas sehr neidisch angesehen hat.
Dass Anfang Februar schon wieder Freiwilligenbesuch, dieses Mal aber aus Serbien, kommt, habe ich ihr dann lieber nicht gesagt (und erst recht nicht, dass im Januar und März Freunde aus Deutschland vorbeikommen, höhö).
Und auch auf dem Zwischenseminar habe ich wieder gemerkt, wie gut dieser Austausch doch klappt – ich tausche mich mit Menschen aus, mit denen ich im alltäglichen Leben in Deutschland wenn überhaupt Smalltallk betrieben hätte.
Lots of love an euch, Leude. <3

(Credits an die Fotos vom Sonnenuntergang, vom legga Essen und unseren fancy Plätzchen gehen an Jana, btw).

4 thoughts on ““Also ich habe frei bis zum 11.12. – Bock auf nen Besuch?“

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