Hello, teacher!

Nach den paar Tagen, die ich jetzt erst hier bin, hat sich doch schon eine gewisse Routine im Alltag entwickelt. Ab jetzt hospitiere ich nur noch in 3 Klassen, am Montag darf ich sogar in der IGCSE (eine Klasse, die einen internationalen Abschluss anstrebt) meine erste Stunde halten. Das Essen schmeckt mir immer besser, nur von Algen und diesem gelatineartigen Glibber nehme ich Abstand, bei letzterem konnte mir auch niemand sicher sagen, was es ist („Weiß nicht, Süßkartoffel?! Muss irgendwas mit Süßkartoffel sein.. Weiß aber nicht.“). Tapfer, wie ich bin, habe ich es selbstverständlich probiert. Geschmacklich nicht unbedingt schlecht, nur die Konsistenz ist absolut nichts für meinen westlichen Geschmack.

Leider fällt es mir immer noch sehr schwer, ‚meine‘ Schüler auf dem Gang zu erkennen. So blöd es klingt, es stimmt eben doch, dass für einen Ausländer die meisten Chinesen recht gleich aussehen, oder dass sich zumindest viele für mich sehr sehr ähnlich sehen (den Chinesen geht es mit uns aber offenbar genauso, ich habe extra nachgefragt). Den Unterschied zwischen ‚irgendwelchen‘ und ‚meinen‘ Schülern merke ich jetzt aber so: Die Schüler, die Deutsch lernen, grüßen mich mit einem schüchternen bis freudigen „Hallo!“. Die anderen beachten mich entweder gar nicht oder rufen mir fröhlich „Hello, teacher!“ entgegen, solches Grüßen geschieht hier selten ohne ein kräftiges Winken direkt vor dem Gesicht, also vor meinem.

Die Schule unterscheidet sich hier sehr von einer deutschen, so wie ich sie kenne. Die chinesischen Schüler sind oft von halb 8 morgens bis 9 Uhr abends in der Schule, dafür hat man hier oft Sport. Ich sehe immer ein paar Schüler oder Klassen auf einem der 2 riesigen Sportplätze oder in der Halle, es gibt Basketballkörbe, Laufbahnen, Tischtennisplatten… Außerdem wird hin und wieder unter Aufsicht eines Sportlehrers, mit einer Trillerpfeife bewaffnet, marschieren geübt. Yi, èr, san, sì, umdrehen, und das Ganze nochmal.

Auch die Schuluniform hat mich anfangs überrascht: Sie besteht aus einem roten Sweater mit blauen Streifen an den Ärmeln und Namen und Logo der Schule, manche Klassen tragen noch ein rotes Tuch um den Hals, und einer dunkelblauen Jogginghose mit rotem Streifen. Ist aber auch praktisch, wenn man jeden Tag Sport macht… Nach der Morgenstunde, also gegen halb 9, müssen alle Schüler bei gutem Wetter raus zum Frühsport. Am späteren Vormittag machen die Schüler in einer Zwischenstunde Augenübungen zu einer Durchsage. Wieder Yi, èr, san, sì, wu…

Viele meiner Kollegen, vor allem Englischlehrer habe ich schon kennengelernt, mit vielen von ihnen wohne ich ja Tür an Tür. Alle sind sehr freundlich und hilfsbereit, mir wurde sogar gestern eine Heizung geliehen. Irgendwie erinnert das alles hier an eine große Familie und ich fühle mich sehr gut aufgehoben.

Langsam lernt man die Eigenarten der Chinesen kennen. Viele Männer, vorrangig Ältere, haben die nette Angewohnheit (vermutlich wegen der Schleimhautreizung durch den Smog) einmal ganz intensiv allen sich im Kopf befindlichen Schleim melodisch hochzuziehen. Anschließend wird das Ganze richtig kräftig durch Mund oder Nase nach außen befördert, bevorzugt in Blumenbeete oder Waschbecken, gerne auch in der Mensa. Die Plätze neben den Waschbecken sind dort deswegen ganz besonders beliebt, so ein Schauspiel verpasst man doch höchst ungern, oder?

2 Gedanken zu „Hello, teacher!

  1. Du hast einen sehr angenehmen bzw. humorvollen Schreibstil, Johanna!

    Es macht richtig Spaß, Deine Texte zu lesen!

    Viele Grüße, weiter so und genieße die Zeit,

    Deine Kirchseeoner Willings! 🙂

  2. Hanni!

    Es freut mich, dass es dir so gut geht! 🙂
    Hast du dich jetzt eigentlich schon nach einer neuen Kamera umgesehen?
    Ich würd mich nämlich freuen, mehr Fotos zu sehen 🙂

    Küsschen,

    Lini

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