Armenische Schulen lieben feierliche Schulaufführungen. Meine Einsatzstelle organisiert fleißig Vorstellungen, an deren Form ich mich erst gewöhnen musste. Auch das ist interkultureller Austausch.
Schulaufführungen haben einen hohen Stellenwert
Eine Aufführung lässt sich zu jedem kleineren und größeren Anlass organisieren. Ich habe eine vermutlich unvollständige Liste für das aktuelle Schuljahr zusammengetragen:
2792. Stadtjubiläum,
Weihnachten,
Ostern,
Muttertag,
,,Gedenktag für armenische Helden“,
letzter Schultag.
Die Veranstaltungen finden in der Aula, im Speisesaal oder sogar in einem eigens angemieteten Theatersaal statt. Unverzichtbar sind Girlanden, Blumen, Luftballons und saisonale Dekoration, um den staubigen Mief des Schulgebäudes zumindest für kurze Zeit vergessen zu machen. Die verantwortlichen Lehrer widmen sich dem Projekt in der Regel mit großem Engagement und vielen Überstunden.
Neben den Eltern sind nach Möglichkeit weitere Gäste und – ganz wichtig – die Schulleitung eingeladen. Auf das Representative kommt es an.
Diskussionen über das ästhetische Ideal
Die Schüler tragen je nach Anlass lustige Kostüme oder Sonntagskleider. Beliebt sind Lieder, Tanz, Gedichte, Sketche und kleine Szenen. Das Ideal orientiert sich an Perfektion, nicht unbedingt an Authenzität. Gerade gute Schüler lernen beachtliche Mengen Text auswendig und tragen diese dann in oft pathetischer Form vor.
Was feierlich gemeint ist, erscheint – wenn man modernere Aufführungen gewöhnt ist – ein bisschen steif und verstaubt.
Wenn ich als deutscher Freiwilligen bei der Organisation helfen soll und eigene Ideen mit einbringen (wie bei der Weihnachts- und Osteraufführung geschehen), bleiben kulturübergreifende Diskussionen über ästhetische und pädagogische Zielsetzungen natürlich nicht aus.
Spannend ist das am Ende für alle Beteiligten.