Yerevan hat über eine Million Einwohner, aber kein einziges Kaufhaus, weder Ikea noch McDonalds und bis zum nächsten Supermarkt läuft man eine Viertelstunde. Was klingt wie der infrastrukturelle Super-Gau, ist in Wirklichkeit halb so schlimm. Man kann alles kaufen, was man braucht – und noch viel mehr –, wenn man denn weiß wo.
Khanut
Was es in Deutschland so längst nicht mehr gibt, erfreut sich in Armenien ungebrochener Beliebtheit: Der Tante-Emma-Laden. Fast jedes Hochhaus, mindestens aber jeder Häuserblock hat ein kleines Geschäft mit der Aufschrift „Khanut“ (Geschäft), „Mterk“ (Lebensmittel) oder „Produkti“ (russ. Produkte). Hier gibt es alle Waren des täglichen Bedarfs in kleiner Stückzahl mit viel Liebe und vielen Plastiktüten. Hinter der Theke stehen neben dem Besitzer oder der Besitzerin in der Regel nur wenige Mitarbeiter. Einziger Nachteil: Die Milch kann schon einmal abgelaufen sein.
Shuka
Frisches Obst und Gemüse. Kräuter, Gewürze und Eingelegtes. Fisch und Fleisch. Selbstgebrannter Wodka. Alles das gibt es auf dem Markt oder „Shuka“. Im Zentrum in einer Markthalle, weiter außerhalb auch unter freiem Himmel. Für Reisende ein faszinierender Ort, erinnert doch alles an einen orientalischen Basar.
Vernissage
Mitten im Zentrum schlägt jedes Wochenende der größte Flohmarkt der Stadt seine Stände auf. Schraubenzieher und Transformatoren. Pelzmützen und Sommerkleider. Sowietkitsch und echte Kunst. Bücher, Teppiche, Haushaltswaren. All zu naive Touristen werden mitunter gnadenlos über den Tisch gezogen.
XEROX
Viel weniger als ein Copyshop. Meist kaum mehr als ein Unterstand, in dem ein Kopierer und ein Mensch Platz finden. Mit bewundernswerter Lebensfreude vervielfältigt die Besitzerin meines Stammkopierers vom Formular bis zum ganzen Buch jedes Schriftstück für beschämend wenig Geld. Kleiner Nachteil: Privatsspäre ist ein Fremdwort und farbig drucken kann sie nicht.
Unterführung
Drei Meter unter dem Asphalt der Straße, in den Unterführungen der Hauptverkehrsadern ist Platz für ganze Einkaufszentren. Vor allem Blumen- und Buchhändler, aber auch Verkäufer aller anderen Produkte haben sich hier angesiedelt. Nur Essen würde ich hier nicht kaufen.
Northern Avenue
Umgerechnet vierzig Euro für ein Hemd! So viel haben Sie nicht? Dann geht es Ihnen wie den meisten Armeniern. Sie können mit den chicen Boutiquen mit klangvollen Namen westlicher Designer auf der zentralen Straße der Stadt nichts anfangen. Pech gehabt.
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Weil dies hier kein romantischer Reisekatalog, sondern ein ernsthafter Blog ist, noch ein Hinweis auf einen lesenswerten Artikel zum Thema.
Die Internetplattform armenianow.com zur Situation der Händler unter freiem Himmel:
Dismantling Street Trade: Municipality offers 3,000 sites, but traders still object
Street traders in Yerevan unseated from their improvised stores and open-air selling points continue their protests despite the offer by the city’s municipality of sales counters at any of 30 enclosed markets.
Yerevan’s newly appointed mayor Karen Karapetyan ordered a clampdown on illegal street trade in the streets of the city early this year…