LiveLaughLublin

Schule vorbei

bisschen ErsatzMama

Ich fange einfach bei dem größten Erlebnis an. Am Freitag war die Verabschiedung und das offizielle Ende des Schuljahres. Traurig. Für viele Schüler*innen ein großer Schritt nach vorne. Nicht mehr die Kleinsten sein, in den Abijahrgang starten oder auf einen Schulwechsel gefasst machen. Für alle bedeutet es nicht unbedingt Ende, sondern viel mehr Anfang und Vorfreude. Für mich bedeutet es, dass das Ende immer näher kommt und das macht mich traurig. Den Abschiedspost verfasse ich aber noch nicht. Vielleicht auch gar nicht, denn wie dankbar ich allen hier bin, sage ich oft. Und ich meine es ernst. Jeder hier ist mir so ans Herz gewachsen. Und ganz besonders möchte ich an dieser Stelle mal meiner Ansprechpartnerin danken. Kasia. 7 Monate lang habe ich deinen Namen betone wie eine volle deutsche Kartoffel und ich versuche mich zu bessern, versprochen. Und ich glaube du weist, dass du so viel mehr als eine Ansprechpartnerin bist. Eine Beschützerin, meine Infostelle, meine Übersetzerin, eine Freundin. Immer da, wenn ich etwas brauche. Kopfhörer wie auch einfach Gesellschaft. Immer neue Ideen und Zeit, damit ich mich noch mehr in Lublin verliebe. Für jeden meiner Unterrichtsvorschläge offen (ich habe FinchAsozial mit einer Klasse gehört). Und auch wenn es einfach nur Spaziergänge mit Kobi waren, haben sie mir immer so viel bedeutet.  Ich schreibe das hier jetzt schon, obwohl uns noch 2 Monate bleiben, weil ich schon so viel weinen werde. Das muss nicht alles auf einmal kommen. Deswegen hier einfach ein Danke! Ich würde und werde mich noch unzählige Male bei dir bedanken. Aber so sieht es jeder. Und jeder sieht, was für ein riesiges Glück ich habe, dich kennenlernen zu dürfen. Du bist eine so starke und unabhängige Frau mit einem großen Selbstbewusstsein, wie ich es mir nur wünschen könnte. Ich hoffe, dass ich nicht nur viel von meinen Erfahrungen in Polen mitnehmen, sondern auch von der Zeit mit dir. Hoffentlich ist ein kleines Fünkchen auf mich abgerieselt. Aber nicht falsch verstehen! Ich bin natürlich auch so vielen anderen dankbar. In Polen wie in Deutschland. Aber ich musste es Kasia gegenüber einfach mal loswerden.

Zurück zu Freitag. Um ehrlich zu sein kam ich hin und hatte einfach Lust unter Menschen zu sein und Tradition mitzubekommen. Das habe ich auch. Und zwar viel polnische Tradition. 1.Klässler haben auf die Schulfahne geschworen und ich habe den Chor mal von außen betrachtet. Natürlich wurde auch viel Polnisch gesprochen. Ich habe mich auch wirklich bemüht so viel wie möglich zu verstehen, aber ab einem bestimmten Punkt, schweifte ich ehrlich gesagt mit meinen Gedanken ab. So langsam verstand ich immer weniger. Bis Kasia meine Jacke und Tasche von meinem Schoß nahm. Verwirrt sah ich mich um, bis sie mir sagt „Du musst gleich auf die Bühne“. Ich verstand die Welt nicht mehr bis der Direktor (ein sehr netter Mann) etwas von „Woluntariusz“ (zu deutsch Freiwillige) sagt. Kurzer Stoß am Arm und alle Blicke liegen auf mir. Also gehe ich auf die Bühne und nehme ein Präsent und ein Umschlag entgegen. Alles wie im Traum. Ich wusste gar nicht recht, was hier gerade passiert. Aber ich habe einfach nur gestrahlt. Über beide Ohren hinweg. Ich kam mir so gut, so wertgeschätzt und so glücklich vor. Und gleichzeitig hielt ich Tränen zurück. Ich habe wirklich gar nicht damit gerechnet und möchte mich noch einmal bedanken. Eine so schöne Überraschung. Ich weis gar nicht wie ich auf der Bühne aussah und ich weis nicht ob ich die Bilder sehen will. Denn der Moment, so wie er in meinem Gedächtnis jetzt ist, ist so voll Freude. Genauso möchte ich ihn behalten.

Ich könnte jetzt weiter ausschweifen und meinen anderen Ansprechpartnern danken, oder den Lehrer*innen im Lehrerzimmer, die sich bemüht haben mit mir zu kommunizieren, oder dem Direktor für die Freundlichkeit, oder jedem Schüler*in für die Zusammenarbeit oder meiner Vermieterin für die Wohnung oder den anderen Freiwilligen für die tollen Reisen und Abenteuer oder meiner Familie für die Unterstützung oder meinem Freund und meinen Freunden für virtuelle Gesellschaft. Oder ich belasse es einfach genau hier. Ihr seid alle in meinem Herz.

Damit war es aber nicht mit dem Freitag. Denn es ging zur nächsten Reise nach Rzeszow. Es waren wunderschöne 24 Stunden, die wir wirklich trotz Wind und Wetter durchgezogen haben und voll ausgenutzt haben. Die Galerie folgt natürlich noch. Eine sehr schöne Stadt, die größer ist als man denkt.

Bevor ich hier noch zu sehr in einen Trauer Blues komme

Bleibt lieb, bleibt gesund

Leana

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