{"id":294,"date":"2011-12-18T19:39:16","date_gmt":"2011-12-18T18:39:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/?p=294"},"modified":"2011-12-19T16:06:01","modified_gmt":"2011-12-19T15:06:01","slug":"3400-km-in-15-tagen-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/2011\/12\/18\/3400-km-in-15-tagen-teil-i\/","title":{"rendered":"3400 km in 15 Tagen (Teil I)"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Nach gut zweieinhalb Monaten war es soweit: Das Zwischenseminar in Hangzhou vom 05.12. bis zum 09.12. stand an. Hinzu kam direkt im Anschluss ein &#8222;Vorbereitungs&#8220;-Seminar des Goethe-Instituts in Shanghai zum\u00a0Unterrichten von Deutsch als Fremdsprache (DaF). Ich werde in folgendem Blogeintrag versuchen zum Einen so viel und facettenreich wie m\u00f6glich, zum Anderen aber auch\u00a0so kompakt wie m\u00f6glich\u00a0von den vergangenen Tagen und Erlebnissen zu berichten. Wie euch vielleicht aufgefallen ist, steht in der \u00dcberschrift der Zusatz &#8222;Teil I&#8220;. Ich habe mich n\u00e4mlich entschlossen das Erlebte in zwei Teile aufzuteilen, um den jeweils unterschiedlichen Seminaren (damit auch\u00a0unterschiedlichen\u00a0Teilnehmern und\u00a0Lokalit\u00e4ten) gen\u00fcgend Raum in meinen Erz\u00e4hlungen\u00a0zu gew\u00e4hren. Sonst w\u00fcrde meiner Meinung nach die Gefahr bestehen alles in einem Atemzug runterzuschreiben und dabei wesentliche Dinge auszulassen. Das wollen weder ihr\u00a0noch ich. Daher m\u00fcsst ihr euch also\u00a0vorerst mit dem Seminar in Hangzhou begn\u00fcgen. Der zweite Teil sollte bald folgen (sehr bald, ich versprech&#8217;s!).<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Nun gut, fangen wir an. Wie schon erw\u00e4hnt stand zun\u00e4chst einmal das Zwischenseminar (ZWS) von kulturweit in Hangzhou an. F\u00fcr alle Nicht-Kulturweitler: Das ZWS ist ein Seminar von kulturweit, das nach ungef\u00e4hr 2,5-3 Monaten im Gastland\/in der Gastregion abgehalten wird. Es spielt dabei keine Rolle ob man 6 oder 12 Monate bleibt. Bei unserem ZWS waren alle Freiwilligen aus China (18) und der Mongolei (2), die im September 2011 ausgereist sind. Hinzu kam noch Phillip, ebenfalls Freiwilliger in China, der im M\u00e4rz 2011 ausgereist ist. Er war bei uns mit dabei, weil er bei &#8222;seinem&#8220;\u00a0ZWS damals nicht teilnehmen konnte. Hangzhou ist eine in China sehr bekannte, alte Stadt gut 200 km s\u00fcdwestlich von Shanghai entfernt. Doch dazu sp\u00e4ter noch mehr.<br \/>\nWie gelangt man also\u00a0nach Hangzhou? Richtig! Mit dem 19 h Nachtzug von Guangzhou. Wobei, wir &#8211; das sind Nuri, Clara, Franzi und ich &#8211; sind nach Shanghai gefahren. Das hatte damit etwas zu tun, dass das andere Seminar erst ziemlich kurzfristig bekanntgegeben wurde und wir nicht wussten, dass wir nach Hangzhou so oder nach Shanghai kommen w\u00fcrden &#8211; zumindest\u00a0Nuri, Clara und ich. Deshalb hatten wir schon lange davor geplant, dass wir jeweils\u00a0das Wochenende\u00a0vor und nach dem ZWS\u00a0im nahegelegenen Shanghai verbringen w\u00fcrden.<br \/>\nSo hie\u00df es also am Freitag, den 02. Dezember: Auf zum Bahnhof, rein in den Zug und ab nach Shanghai! Das war wirklich ein Erlebnis. Drei Betten \u00fcbereinander, 6 Betten in einem &#8222;Abteil&#8220;. Die Anf\u00fchrungszeichen deshalb, weil es keine T\u00fcren, Vorh\u00e4nge oder \u00c4hnliches gab. Es l\u00e4uft also jeder an den Betten vorbei und kann hineingucken. Das h\u00f6rt sich aber alles viel schlimmer an, als es in Wirklichkeit ist. Niemand schaut bl\u00f6d rein,\u00a0man liegt ja nachher\u00a0selber\u00a0so\u00a0in seinem Bett und au\u00dferdem sind die Leute es gew\u00f6hnt auf diese Art zu reisen.\u00a0Das Einzige, was f\u00fcr mich gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig war, war der Platz in den Betten. Das bezieht sich sowohl auf die L\u00e4nge und Breite, als auch auf die H\u00f6he des Bettes. Ich\u00a0h\u00e4tte, ohne mir einen Wirbel zu verrenken oder mein Genick zu brechen, nicht aufrecht sitzen k\u00f6nnen. Man muss es sich dann eben in seiner Koje kuschelig machen und einfach\u00a0die Fahrt vorbei an sehr sch\u00f6nen Landschaften genie\u00dfen. Man h\u00f6rt Musik, spielt Karten, redet miteinander\u00a0und in China nat\u00fcrlich besonders wichtig: Isst. So gehen dann auch schnell ein paar Stunden um, bis es Schlafenszeit ist. Von einer Sekunde auf die andere wird das Licht ausgemacht, ohne Vorank\u00fcndigung. Pers\u00f6nliche Leselampen gibt es nat\u00fcrlich nicht.\u00a0Wer so einen Luxus braucht kann in die Erste Klasse gehen, zu den Soft Sleepern. Dort gibt es neben den\u00a0Lampen nur vier Betten und eine T\u00fcr pro Abteil. Wir finden unser Hard-Sleeper-Abteil aber v\u00f6llig ausreichend und sind gl\u00fccklich dort schlafen zu k\u00f6nnen. Am n\u00e4chsten Morgen wacht man anderthalb Stunden vor Shanghai auf. W\u00e4hrend man also\u00a0s\u00fc\u00dfe Tr\u00e4ume &#8211; bzw. Schlafschwierigkeiten\u00a0aufgrund der engen, harten\u00a0Betten &#8211;\u00a0hatte,\u00a0rollte der Zug weiter die insgesamt 1800 km Srecke entlang Richtung Ziel. Das nenne ich effizientes Reisen! Bei all meiner Euphorie \u00fcber das Zugfahren habe ich eine Sache aber fast vergessen. Uns hat n\u00e4mlich seit unserer Abreise in Guangzhou eine ungew\u00f6hnliche Gruppe von M\u00e4nnern begleitet. Einer von ihnen hatte Handschellen und Fu\u00dffesseln um. Wir vermuten, dass er ein H\u00e4ftling war und die anderen drei seine Begleiter\/Aufpasser. Auch im Zug wurden die Ketten nicht abgenommen, es hielten alle drei abwechselnd Wache. Dennoch kam es f\u00fcr uns so\u00a0r\u00fcber, dass die Begleiter ein lockeres, manchmal sogar fast freundschaftliches Verh\u00e4ltnis pflegten. Das \u00e4u\u00dferte sich in gemeinsamen Reden und Lachen. Ich muss sagen, es war schon ein mulmiges Gef\u00fchl, einen H\u00e4ftling in Handschellen in seinem Abteil zu haben. Zum Einen, weil man nat\u00fcrlich nicht wei\u00df, was er getan hat. Ich meine, theoretisch k\u00f6nnte er auch ein M\u00f6rder sein. Aber wirklich Angst hatte ich nicht, er wurde ja bewacht. Zum Anderen aber auch, weil mir es total unangenehm war, wie der Mann zur Schau gestellt wurde&#8230; Aber zur\u00fcck zum Zugfahren.<br \/>\nBeim Aussteigen dann der Schock: K\u00e4lte! Bei unserer Abfahrt in Guangzhou war uns schon klar, dass wir in den &#8222;hohen&#8220; Norden fahren w\u00fcrden und es dort auch k\u00e4lter sein w\u00fcrde. Daf\u00fcr hatten wir ja extra davor noch w\u00e4rmere Sachen eingekauft. Und au\u00dferdem war es ja auch in Guangzhou k\u00e4lter geworden. Am Tag vor unserer Abreise war ich abends bei 26\u00b0C in kurzen Hosen einkaufen gewesen. Aber das was uns in SH erwartet hat, war\u00a0nicht abzusehen und einfach eine pure\u00a0Qual f\u00fcr uns w\u00e4rmeverw\u00f6hnte &#8222;S\u00fcdchinesen&#8220;. Noch im Bahnhof habe ich meinen Koffer aufgemacht, um\u00a0mir Schal und Handschuhe herauszuholen. Dann gleich das erste Taxi genommen, in dem es Gott sei Dank warm war, um ins Hostel zu gelangen. An dieser Stelle m\u00f6chte ich den Bericht \u00fcber das erste SH-Wochenende vorerst zur\u00fcckstellen und mit der Reise nach Hangzhou fortfahren. Aber keine Sorge, ich werde SH nicht vergessen \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Nach zwei Tagen SH machten wir uns auf den Weg nach Hangzhou zum ZWS. Was g\u00e4be es da Sch\u00f6neres als mit dem CRH3 (fast baugleich mit dem ICE 3) mit 300 km\/h in der komfortablen Kabine durch die chinesischen Lande zu d\u00fcsen. Nach nicht einmal ganz einer Stunde ist man auch schon am Ziel angelangt. In den Bus eingesteigen und die letzte Etappe nehmen. Doch da steht man erst einmal eine Weile. Der chinesische Verkehr\/Stau schl\u00e4gt wieder einmal zu&#8230;Letztendlich waren wir fast genauso lang im Bus f\u00fcr 5 km unterwegs, wie im Zug f\u00fcr 200 km. Trotzdem. Irgendwann sind auch wir angekommen, auch wenn mit leichter Versp\u00e4tung.<br \/>\nEs war echt cool in den Raum rein zu kommen und alle Gesichter aus China und der Mongolei auf einen Schlag zu sehen. Ich muss sagen, das war insgesamt das Tollste an den zwei Wochen, n\u00e4mlich die ganzen Leute vom Vorbereitungsseminar (VBS) wieder zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und ihre Erfahrungen und lustige Geschichten zu h\u00f6ren. Beim Seminar ging es nicht prim\u00e4r um die individuelle Arbeit an den Einsatzstellen\u00a0eines\u00a0jedes Einzelnen, sondern eher um unsere Rolle als Freiwilliger im Gastland und der Situation von zu Hause weg zu sein. Es gab viel Zeit zum Austausch, zur Selbstreflexion, zum Planen unserer Langzeitprojekte und nat\u00fcrlich zum Erkunden der Stadt.<br \/>\nIch hatte vorhin bereits erw\u00e4hnt, dass Hangzhou (\u676d\u5dde &#8211; immer wieder die Schriftzeichen f\u00fcr die Liebhaber der Chinesischen\u00a0Sprache ;)) in China sehr bekannt ist.\u00a0Die Stadt\u00a0ist dehalb bekannt, weil sie, vor allem wegen des Westsees, als Sch\u00f6nheitsideal f\u00fcr eine jede alte\u00a0chinesische (japanische, koreanische) Stadt galt. Der besagte See ist sogar auf der R\u00fcckseite des 1 Yuan Scheins abgebildet. Es gibt in China, Japan und Korea heutzutage immer noch 36 Kopien des Sees. Manche davon in etwas abgewandelter Form, manche kleiner als das Original, aber alle am Vorbild von Hangzhou. Zudem kommt noch eine sch\u00f6ne Altstadt und h\u00fcbsche renovierte Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen und Flaniermeilen rund um den See. Man kann das Ambiente vielleicht entfernt mit Konstanz und dem Bodensee oder Z\u00fcrich und dem Z\u00fcrichsee vergleichen, nur eben chinesischer. Abends gab es nat\u00fcrlich auch Einiges zu erleben. Johanna, eine Mitfreiwillige, deren Einsatzstelle in Hangzhou ist und sie sich dort\u00a0deshalb nat\u00fcrlich bestens auskennt, hat uns gleich am ersten Abend ins Coco gef\u00fchrt. Die Disco sollte f\u00fcr die n\u00e4chsten vier Tage unser &#8222;Stammlokal&#8220; werden &#8211; wir hatten eine Menge Spa\u00df. Hier ein Gru\u00df zur\u00fcck\u00a0an Sebastian, ein Freiwilliger in Ulaanbaatar (Hauptstadt der Mongolei), in dessen Blog ich auch einen Platz bekommen habe \ud83d\ude09 Auch in\u00a0der gem\u00fctlichen Burton Bar in der N\u00e4he vom Coco war gute Stimmung, sp\u00e4testens wenn wir gekommen sind. Die Zeit verging wie im Fluge, pl\u00f6tzlich war es Freitag. Das Positive aber war, ich musste mich nur von einer Person endg\u00fcltig verabschieden, n\u00e4mlich Mila, die in Kunming wohnt und leider nicht am zweiten Seminar in Shanghai teilnehmen konnte. Alle anderen habe ich wieder in Shanghai getroffen. Dennoch, bevor uns wieder zur\u00fcck in die Big City machten, nutzte\u00a0eine\u00a0kleine Gruppe noch das wundersch\u00f6ne Wetter aus, um noch einmal zum Westsee zu fahren und die wundersch\u00f6ne Landschaft zu bestaunen. Wie ihr auf den Bildern seht, hat es sich gelohnt.<\/p>\n<p>An dieser Stelle\u00a0haben wir das Ende von Teil I erreicht. Nach dem wundersch\u00f6nen Seespaziergang sind wir auf direktem Wege zum Hotel, Sachen geholt, dann zum Bahnhof\u00a0und wieder zur\u00fcck nach Shanghai. Um auf meinen Titel zur\u00fcckzukommen: Mittlerweile haben wir 2200km geschafft (1800 GZ-SH, 200 SH-HZ und 200 HZ-SH). Wie es weitergeht erfahrt ihr im n\u00e4chsten Teil. Fortsetzung folgt.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-294 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0117.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0117-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0464.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0464-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0123.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0123-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/yalishanda\/files\/2011\/12\/IMG_0506.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" 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