{"id":16,"date":"2024-09-26T15:06:19","date_gmt":"2024-09-26T21:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/weedsandhoney\/?p=16"},"modified":"2024-09-27T10:10:55","modified_gmt":"2024-09-27T16:10:55","slug":"wer-hat-angst-vor-mexiko-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/weedsandhoney\/2024\/09\/26\/wer-hat-angst-vor-mexiko-stadt\/","title":{"rendered":"Wer hat Angst vor Mexiko-Stadt?"},"content":{"rendered":"<p>Wir kommen nach fast vierundzwanzig Stunden an und teilen uns auf, zwei m\u00fcssen nach Puebla, eine Stadt weiter. Ich muss in die Stadt rein, zu dem AirBnB das ich gebucht habe, Stella muss in eine \u00e4hnliche Richtung. Wir teilen uns einen Uber, ich steige als erstes aus. Ich kenne die Adresse, jedoch wei\u00df ich nicht, woran ich das Geb\u00e4ude erkennen soll. Emma kommt runter um mir den Weg zu zeigen, sie ist kleiner als ich und wirkt sehr fit f\u00fcr ihr Alter. Ich sch\u00e4tze sie auf 70. Ich steige erst aus als sie am Auto ist, verabschiede mich kurz von Stella und mache mich daran, meine Koffer auf dem unebenen Fu\u00dfg\u00e4ngerweg zu schleppen. Emma hilft mir obwohl ich sie nichts tragen lassen m\u00f6chte, beim Geb\u00e4ude angekommen bin ich sehr froh um den Aufzug der mich fast schon anl\u00e4chelt. Seit dem Flughafen und die ganze Fahrt \u00fcber war ich nerv\u00f6s und angespannt, erst als wir in der Wohnung ankommen, kann ich mich endlich ausstrecken und entspannen. Ich lerne Camila kennen, eine Cubanerin die in Spanien wohnt und gerade Ferien hat. Sie zeigt mir am n\u00e4chsten Tag wo der n\u00e4chste Supermarkt ist und erkl\u00e4rt mir ein bisschen wie die Metro funktioniert. Dankbar f\u00fcr den sanften Einstieg k\u00e4mpfe ich die ersten paar N\u00e4chte dennoch mit Jetlag.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte meinen, meine Vorerfahrungen mit \u201egef\u00e4hrlichen\u201c lateinamerikanischen St\u00e4dten h\u00e4tte mich darauf vorbereitet nach Mexiko-Stadt zu ziehen. Ich mein, Caracas ist wirklich nicht der netteste Fleck auf erden und dort habe ich mich ja auch in die Metro, und die Busse, und sogar die gruseligen Gegenden getraut.<br \/>\nNaja, es ist nunmal doch ein gro\u00dfer Unterschied ob ich mit meiner Verwandschaft und lokalen Freunden die Welt erkunde, oder auf eigene Faust in die f\u00fcnftgr\u00f6\u00dfte metropolitanische Gegend ziehe. Vielleicht habe ich mir aber auch einfach nur ein bisschen zu viel Angst einreden lassen. In vielerlei Hinsicht ist es ja auch begr\u00fcndet, die Warnungen meiner Ma haben schon ihre daseinsberechtigung, sie ist in Caracas aufgewachsen und hat sich unter anderem f\u00fcr ein Leben in Deutschland entschieden, weil sie sich sicherer als in ihrer Heimat gef\u00fchlt hat. Ich muss zugeben, es ist auch einfach alles sehr Aufregend. Schon am zweiten Tag nachdem ich angekommen bin, freunde ich mich mit google-maps an und fahre mit der Metro zu meiner Arbeitsstelle. Ich kann mich wirklich nicht beschweren, nicht nur funktionieren die \u00f6ffis einwandfrei, nein sie haben auch noch die wundervolle Charakteristik eines exklusiven Bereiches nur f\u00fcr Frauen und Kinder. Vor allem am Anfang beruhigt mich das mehr als ich zugeben m\u00f6chte. <\/p>\n<p>Es gibt in meiner ersten Woche hier ein gro\u00dfes Thema das ich kl\u00e4ren muss. Das Visum. Daf\u00fcr muss ich nach Polanco, ein Stadtteil der als reiche Gegend gilt. Ich wei\u00df zu dem Zeitpunkt noch nichts von diesem Ruhm und da bis diesem Zeitpunkt alles einwandfrei l\u00e4uft, zweifel ich mit keiner Faser meines Wesens daran, dass ich ohne Probleme in der Beh\u00f6rde f\u00fcr Migration ankommen werde. Sch\u00f6n w\u00e4rs. Ich verbringe insgesamt drei Sunden damit, in der Stadt rumzufahren und zu versuchen den schnellsten Weg zu finden. Im nachhinein h\u00e4tte ich mich einfach von Anfang an nur auf die Metro verlassen sollen, die lilanen Busse sind n\u00e4mlich an diesem Tag zu meinem Erzfeind geworden. Die &#8222;Haltestellen&#8220; die angefahren werden, sind in aller Regel nicht ausgezeichnet, man muss einfach wissen wo sie halten. Ehrlicherweise macht das jedoch auch keinen grossen Unterschied, selbst mit meiner originalen Zeitplanung um neun Uhr morgens anzukommen (die offizielle \u00f6ffnungszeit, steht \u00fcberall) w\u00e4re ich immer noch hoffnungslos zu sp\u00e4t gewesen um einen Termin am gleichen Tag zu ergattern. Was das bedeutet? Nach stundenlangen warten und in-der-Schlange-stehen, darf ich am n\u00e4chsten Tag nochmal antanzen. Wie lustig. Der Matcha Latte, den ich mir w\u00e4rend der l\u00e4ngsten Wartezeit in einem s\u00fc\u00dfen Caf\u00e9 gekauft habe, war im Endeffekt das einzige, was mich vor dem endlosen Frustrationsabgrund bewahrt hat. <\/p>\n<p>Nun gibt es aber doch ein paar Dinge, die alles etwas leichter gemacht haben. Auf der einen Seite habe ich mir in meiner unendlichen weisheit den digitalen Plan vom Schienennetzwerk fr\u00fch runtergeladen, zum anderen hatte ich schnell zugang zu mobilen Daten da mir meine Vorg\u00e4ngerin Theresa vor meiner Abfahrt erkl\u00e4rt hat, wie ich am besten eine Mexikanische Nummer kaufe. Es war nat\u00fcrlich auch nicht hinderlich, dass die Landessprache auch meine Muttersprache ist. <\/p>\n<p>Insgesamt habe ich die Erfahrung gemacht, dass im Zweifel kurz bei Personen in der N\u00e4he nachzufragen nicht schadet und zu meiner \u00dcberraschung leiten diese einen oft an die Polizisten oder &#8222;Guardias&#8220; weiter, die f\u00fcr gew\u00f6hnlich an allen Stationen sind. Nach mittlerweile zwei Wochen hier kann ich sagen dass ich noch in keine schwierigen Situationen geraten bin. Gestern bin ich zum ersten Mal kurz nach D\u00e4mmerung alleine nach hause gelaufen und ich hab mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gef\u00fchlt. Nat\u00fcrlich war das ein kalkuliertes Risiko, aber ich glaube man kann sich gut an solche Dinge rantasten und es hilft immer, Freunde zu haben die einem Mut machen. (danke an der stelle an Jojo, manchmal braucht man nur ein bisschen gutes zureden hehe)<\/p>\n<p>Ich kann zugeben, ich bin diejenige die Angst vor Mexiko-Stadt hat. Die Stadt ist nunmal riesig und auch nicht ganz ungef\u00e4hrlich, aber ich glaube solange ich nicht den gesunden Respekt vor ihr verliere, ist die Situation halb so schlimm. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ganzen sch\u00f6nen Details aus meinem n\u00e4chsten Beitrag nur eine Kostprobe davon sind, wie viele verborgene Wunder in dieser Grossstadt stecken.<br \/>\nWie meine gute Freundin Enora sagen w\u00fcrde: If it scares you, do it scared.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kommen nach fast vierundzwanzig Stunden an und teilen uns auf, zwei m\u00fcssen nach Puebla, eine Stadt weiter. Ich muss in die Stadt rein, zu dem AirBnB das ich gebucht habe, Stella muss in eine \u00e4hnliche Richtung. Wir teilen uns einen Uber, ich steige als erstes aus. 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