{"id":94,"date":"2026-11-08T10:12:48","date_gmt":"2026-11-08T09:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/?p=94"},"modified":"2026-11-08T10:12:48","modified_gmt":"2026-11-08T09:12:48","slug":"eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/","title":{"rendered":"Eine Nacht in der W\u00fcste und viel mehr als erwartet"},"content":{"rendered":"<p>Eine Woche vor meiner ersten Patrouille stand ein Ausflug an. Zusammen mit Hermine und Grit durfte ich eine Nacht in der W\u00fcste verbringen. Gemeinsam mit dem Parkdirektor und einem Fahrer wollten wir Benzin zu den Rangern bringen, die drau\u00dfen nach Wasser bohren, eine Photovoltaikanlage an einer Wasserstelle austauschen und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler treffen.<\/p>\n<p>Am Freitagnachmittag vor der Abfahrt haben wir mit einigen Rangern im Hof der Parkadministration ein Ger aufgebaut. Es war f\u00fcr G\u00e4ste des Finanzministeriums gedacht, die nach unserem Ausflug dort eintreffen sollten. Ich fand es faszinierend, mit anzupacken und zu sehen, wie schnell aus den einzelnen Teilen ein Zuhause wird. Am Abend ging es endlich los. Die Strecke f\u00fchrte durch Gebirge. Dunkler Stein, der teils wie Schiefer aussah, bestimmte die Landschaft. Gef\u00fchlt alle zwei Meter wuchs ein kleiner Busch, der zu dieser Jahreszeit nur noch aus \u00c4sten bestand. W\u00e4hrend der Sonnenuntergang den Himmel gelb und orange f\u00e4rbte, folgten wir den Spuren vorheriger Autos.<br \/>\nIch hatte mit h\u00f6chstens drei oder vier Stunden Fahrt gerechnet, schlie\u00dflich war von einem Ausflug mit nur einer \u00dcbernachtung die Rede. Doch erst nach gut acht Stunden Fahrt erreichten wir unser Nachtlager.<\/p>\n<p>Die Nacht war durch den fast vollen Mond so hell, dass ich die Umgebung erkennen konnte. Unerwartet tauchte in einer weniger bewachsenen Gegend ein Container auf. Weit und breit war sonst nichts zu sehen. Zwei Ranger begr\u00fc\u00dften uns und waren bereits dabei, auf einem kleinen Campinggaskocher Suppe aus Reis und Ziegenfleisch f\u00fcr uns zu kochen. Die Suppe schmeckte mir, wenn man von Knorpeln und Sehnen absah, richtig gut. Ich a\u00df alles auf. Das geh\u00f6rt hier einfach dazu.<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten im Container schlafen k\u00f6nnen. Grit, Hermine und ich entschieden uns aber f\u00fcr das Zelt. Drau\u00dfen war es windig, drinnen machten wir es uns zwischen Decken und unseren Schlafs\u00e4cken gem\u00fctlich. Nach der langen Fahrt war ich froh, endlich anzukommen und f\u00fcr diese Nacht unser kleines Lager in der W\u00fcste zu haben.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wurden wir um halb acht von einer Sirene geweckt. Zumindest dachten wir das. Sp\u00e4ter erfuhren wir, dass es ein Bewegungsmelder war. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gab es wieder Ziegenfleisch. Diesmal mit Nudeln, dazu schwarzen Tee. Wir waren gerade mit unserem Tee besch\u00e4ftigt, als die Ranger aufbrachen. Also hie\u00df es: Sachen packen!<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die wir eigentlich treffen wollten, standen nicht auf dem Programm. Stattdessen fuhren wir zum Lager eines Teams, das nach Wasser bohrte. Es lag in \u00e4hnlicher Umgebung wie der Container: Ebene mit kargem Bewuchs, so weit man sehen konnte. Der riesige LKW, der den Bohrer transportierte, fiel in dieser Weite sofort auf. Neben ihm sah unser Land Cruiser winzig aus.<br \/>\nDort luden wir das Benzin ab, machten eine Teepause und bekamen kaltes Ziegenfleisch vom Knochen angeboten. Nach etwa zwei Stunden fuhren wir gemeinsam mit den Rangern weiter zur Bohrstelle.<\/p>\n<p>Warum die Ranger \u00fcberhaupt nach Wasser bohren? Sie legen neue Quellen an und halten bestehende instand. Die Tiere sollen so von einer Wasserquelle zur n\u00e4chsten durch die W\u00fcste ziehen k\u00f6nnen. Die voranschreitende Desertifikation, also die Ausbreitung der W\u00fcste, soll sie nicht von der Wasserversorgung abschneiden.<\/p>\n<p>Der Bohrer wurde abgeladen, ausgerichtet und in Position gebracht. Dann starteten die Motoren. Tiefschwarze Abgaswolken stiegen in den blauen Himmel, der Bohrer setzte sich in Bewegung und keine zehn Minuten sp\u00e4ter stand alles wieder still. Es sah aus, als h\u00e4tte sich der Bohrer verkeilt. Die Ranger zerlegten kurzerhand den Bohrkopf, um das Problem zu finden. Eine schwere Arbeit, erst recht unter der Sonne, die trotz der k\u00fchlen Temperaturen unbarmherzig vom Himmel brannte.<br \/>\nAls der Fehler gefunden war, fuhren wir drei zusammen mit dem Parkdirektor, dem Fahrer und zwei weiteren Rangern zu einer k\u00fcnstlichen Wasserquelle mit Photovoltaikanlage. Das Glas der Module war v\u00f6llig zerborsten. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Ranger setzten neue Module ein, aber damit war es nicht getan: Auch die Pumpe musste ausgetauscht werden. Den Schlauch aus dem Rohr ziehen, die neue Pumpe befestigen, den Schlauch wieder hinablassen und alles testen. Es war beeindruckend, diese Arbeit aus n\u00e4chster N\u00e4he mitzuerleben und zu sehen, wie viel Einsatz n\u00f6tig ist, damit Wasser an einem so abgelegenen, trockenen Ort verf\u00fcgbar bleibt.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Abend kehrten wir zur Bohrstelle zur\u00fcck. Das Rohr war inzwischen erfolgreich in den Boden gesetzt worden. Als die Pumpe angeschaltet wurde, schoss das Wasser in einer Font\u00e4ne nach oben. Dieser Moment war spektakul\u00e4r: Nach all der Arbeit sprudelte pl\u00f6tzlich Wasser aus der Erde.<br \/>\nWir fuhren nicht wie geplant nach Hause, sondern \u00fcbernachteten in einem nahen Ger aus Lehm. Die Umgebung wirkte im Vergleich zu den bisherigen Orten fast gr\u00fcn. Die kleinen B\u00fcsche trugen noch ihre Bl\u00e4tter und wuchsen auf sandigeren Erhebungen, auch wenn der Boden weiterhin haupts\u00e4chlich aus Kies bestand. Zum Abendessen gab es wieder Ziegenfleisch mit Reis und dazu Wassermelone. Am Lagerfeuer, unter einem vom Vollmond erleuchteten Himmel, wurde der Abend f\u00fcr mich perfekt. Nach den langen Stunden unterwegs und den vielen neuen Eindr\u00fccken sa\u00df ich da und dachte: Genau so habe ich mir das vorgestellt.<\/p>\n<p>Am Sonntagmorgen gab es, wen wundert\u2019s, wieder Ziegenfleisch mit Nudeln. Das knorpelige, sehnige Fleisch fiel mir inzwischen deutlich schwerer. Aber der Hunger siegte. Anschlie\u00dfend fuhren wir noch einmal zur Bohrstelle. Wir sammelten kleine Steine, um das Rohr zu stabilisieren, und lie\u00dfen dann das Wasser laufen. Wir setzten uns daneben und schauten zu, wie es nach und nach klarer wurde. Ein ruhiger Moment, der mir gerade deshalb im Ged\u00e4chtnis geblieben ist.<\/p>\n<p>Am Nachmittag machten wir uns auf den R\u00fcckweg. Wir hielten an verschiedenen Stationen, um nach dem Rechten zu sehen. Dabei fuhren wir durch richtige Sandw\u00fcste, \u00fcber Boden, der so ausgetrocknet war, dass er Risse hatte, und immer wieder durch steinigere Abschnitte. Die Dichte der Vegetation wechselte so oft wie der Untergrund.<br \/>\nEin besonders sch\u00f6ner Moment: Der Parkdirektor dr\u00fcckte jeder von uns eine halbe Wassermelone in die Hand, die wir auf der R\u00fcckbank des Land Cruiser essen durften. Nach all den staubigen Wegen und dem Ziegenfleisch war das eine herrlich s\u00fc\u00dfe Pause.<\/p>\n<p>Gegen acht Uhr abends waren wir schlie\u00dflich zur\u00fcck in der Parkadministration. Ich war ersch\u00f6pft und froh, wieder da zu sein. Dort wartete ein warmes Abendessen auf uns. Diesmal zum Gl\u00fcck ohne Ziegenfleisch: Reis, Kartoffeln, Kohl, M\u00f6hren, Paprika, Zwiebeln und Ei, dazu Brot mit Gurke und Tomate. Was f\u00fcr ein Gedicht!<br \/>\nM\u00fcde fiel ich ins Bett und freute mich auf den freien Tag. Wobei der dann doch ziemlich gef\u00fcllt war. Aber davon erz\u00e4hle ich ein anderes Mal.<\/p>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-94 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/dji_20260925132218_0028_d\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"169\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260925132218_0028_D-300x169.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Gebirgslandschaft mit dunklem Gestein, links unten der Ausschnitt eines Land Cruisers\" aria-describedby=\"gallery-1-97\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260925132218_0028_D-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260925132218_0028_D-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260925132218_0028_D.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-97'>\n\t\t\t\tAuf der Hin- und R\u00fcckfahrt f\u00fchrte der Weg durch Gebirge.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/dji_20260925142219_0033_d\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" 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class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/dji_20260926055357_0054_d\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"169\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926055357_0054_D-300x169.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Schlafcontainer und LKW mit Bohrer im Lager der Ranger, rechts weite, flache Landschaft\" aria-describedby=\"gallery-1-101\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926055357_0054_D-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926055357_0054_D-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926055357_0054_D.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-101'>\n\t\t\t\tDas Lager des Teams, das nach Wasser bohrt, mitten in der Weite der W\u00fcste.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/dji_20260926062132_0056_d\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"262\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926062132_0056_D-e1794129121415-300x262.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"Grit und Hermine stehen vor dem gro\u00dfen Bohr-LKW, daneben der kleinere Land Cruiser\" aria-describedby=\"gallery-1-102\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926062132_0056_D-e1794129121415-300x262.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/DJI_20260926062132_0056_D-e1794129121415.jpg 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class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-108'>\n\t\t\t\tLagerfeuer und Vollmond\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/11\/08\/eine-nacht-in-der-wueste-und-viel-mehr-als-erwartet\/img_3475\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/IMG_3475-300x400.jpg\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"K\u00fcnstlich angelegte Wasserstelle mit Photovoltaikmodulen, umgeben von gr\u00fcnen Str\u00e4uchern.\" aria-describedby=\"gallery-1-109\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/IMG_3475-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/files\/2026\/11\/IMG_3475.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-109'>\n\t\t\t\tRund um die Wasserstelle wachsen gr\u00fcne Str\u00e4ucher.\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Woche vor meiner ersten Patrouille stand ein Ausflug an. 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