{"id":52,"date":"2026-10-02T09:34:03","date_gmt":"2026-10-02T07:34:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/?p=52"},"modified":"2026-10-19T13:29:18","modified_gmt":"2026-10-19T11:29:18","slug":"zwischen-steppe-smog-und-harten-betten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/wanderingnotes\/2026\/10\/02\/zwischen-steppe-smog-und-harten-betten\/","title":{"rendered":"Zwischen Steppe, Smog und harten Betten"},"content":{"rendered":"<p>Mitte September 2026 bin ich zusammen mit zehn weiteren Kulturweit-Freiwilligen fr\u00fch am Morgen in Ulaanbaatar gelandet.<\/p>\n<p>Vom Flieger aus ging es f\u00fcr einige von uns erstmal zur Visumsbeantragung. Da so fr\u00fch am Morgen niemand anzutreffen war, mussten wir gute 45 Minuten warten. Anschlie\u00dfend wurden unsere Antr\u00e4ge in aller Ruhe von einer netten Dame bearbeitet und wir durften endlich durch die Passkontrolle. Auf der anderen Seite warteten die anderen bereits mit unserem Gep\u00e4ck. Wir waren die Letzten in der Halle und wurden regelrecht in den Vorraum geschoben. Das l\u00f6ste bei uns Belustigung aus und zugleich etwas Stress. Schlie\u00dflich konnten wir nichts f\u00fcr die lange Wartezeit beim Visum.<\/p>\n<p>Die Freiwilligen des Goethe-Instituts wurden von ihrem Fahrer erwartet. Kurzerhand durften drei weitere Personen in einem anderen Auto mit in die Stadt fahren. Ich war eine dieser drei Personen. Die Fahrt dauerte gut eine Stunde. Zuerst zog wundervolle Steppenlandschaft am Fenster vorbei. Vereinzelt gab es Gers (mongolische Bezeichnung f\u00fcr Jurten), Pferde, Ziegen oder Schafe zu sehen. Es sah aus wie im Reisef\u00fchrer und l\u00f6ste bei mir eine noch gr\u00f6\u00dfere Vorfreude aus. Dann kam die Skyline von Ulaanbaatar in Sicht. Geh\u00fcllt in eine Glocke aus wei\u00dfem Nebel, die im Sonnenaufgang gelb, orange glitzerte. Zumindest dachte ich das. Der Fahrer belehrte mich eines Besseren. Er erkl\u00e4rte, dass das der erste Smog des Winters sei und er sich im weiteren Verlauf des Jahres schwarz f\u00e4rben werde. Mir war zwar bewusst, dass es hier im Winter viel Smog gibt. Ihn schon Mitte September so deutlich zu sehen hat mich dann doch erschreckt.<br \/>\nDie Fahrt durch die Stadt war weniger entspannt. Es herrschte absolutes Verkehrschaos. Der Fahrer schl\u00e4ngelte sich jedoch gekonnt durch den dichten Verkehr. Wechsel von der \u00e4u\u00dferen Spur auf die andere \u00e4u\u00dfere Spur waren dabei ganz normal. Mehr als einmal sah ich uns in einen Unfall verwickelt. Doch wir kamen wohlbehalten an der Wohnung an.<\/p>\n<p>Nachdem alles mit dem Vermieter gekl\u00e4rt war, stand fest, dass wir uns ein Hostel f\u00fcr die kommenden N\u00e4chte suchen m\u00fcssten. Nerv! Doch erstmal hie\u00df es: Schlaf nachholen! Wir waren alle so ersch\u00f6pft vom Flug und der Ankunft, dass wir erst am sp\u00e4ten Nachmittag wieder wach wurden. Zusammen ging es im State Department Store einkaufen. \u00dcberraschenderweise gibt es dort sehr viele deutsche Produkte. Das kam uns sehr gelegen. So konnten wir (noch immer m\u00fcde) schnell das N\u00f6tigste einkaufen, um den aufkommenden Hunger zu stillen.<\/p>\n<p>Abends zogen f\u00fcnf von uns in ein nahe gelegenes Hostel. Das &#8222;Golden Gobi&#8220; liegt sehr zentral in einer ruhigen Seitenstra\u00dfe nur zwei Querstra\u00dfen vom State Department Store entfernt. Die Inhaber sind sehr zuvorkommend und helfen gerne. F\u00fcr f\u00fcnf N\u00e4chte w\u00fcrde das 10er Zimmer unser tempor\u00e4res Zuhause werden.<br \/>\nDie erste Nacht war ungewohnt. Die Betten waren sehr hart und taten mir im R\u00fccken und in der H\u00fcfte weh. Zudem quietschten sie bei jeder Bewegung. Mitten in der Nacht bekamen wir noch zwei G\u00e4ste dazu. Entsprechend unausgeruht ging es am n\u00e4chsten Morgen auf die Suche nach Fr\u00fchst\u00fcck. F\u00fcndig geworden sind wir wieder im State Department Store. Sandwich und schwarzer Tee. Ein Gedicht f\u00fcr den grummelnden Magen.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend k\u00fcmmerten wir uns darum, Geld zu wechseln. Wir staunten nicht schlecht \u00fcber den Wechselkurs. \u00dcber 800.000 \u20ae, so viel Bargeld hatten wir noch nie in der Hand. Es f\u00fchlte sich befremdlich an, zeigte es doch, wie privilegiert wir sind.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt ging es erstmal zur\u00fcck in die Wohnung der anderen. Dort erwartete uns der erste Sprachunterricht. Unsere Lehrerin Tsermaa brachte uns bei, wie wir uns begr\u00fc\u00dfen, vorstellen und verabschieden k\u00f6nnen. Sie lobte unsere Aussprache und war sichtlich begeistert. Mit einem guten Gef\u00fchl ging es f\u00fcr uns anschlie\u00dfend wieder durch die Stadt und abends zeitig ins Bett. Gespannt darauf, was uns die n\u00e4chsten Tage bringen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte September 2026 bin ich zusammen mit zehn weiteren Kulturweit-Freiwilligen fr\u00fch am Morgen in Ulaanbaatar gelandet. Vom Flieger aus ging es f\u00fcr einige von uns erstmal zur Visumsbeantragung. 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