{"id":85,"date":"2011-04-12T00:22:15","date_gmt":"2011-04-11T22:22:15","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/?p=85"},"modified":"2011-09-13T10:01:45","modified_gmt":"2011-09-13T08:01:45","slug":"zwischen-ankommen-und-auskommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/2011\/04\/12\/zwischen-ankommen-und-auskommen\/","title":{"rendered":"Zwischen Ankommen und Auskommen"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eHeute hier morgen dort, bin kaum da muss ich fort\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sicherlich ist das momentan eines der Lieder meines pers\u00f6nlichen Soundtracks. Zumindest wenn es um meine neue Lieblingsbesch\u00e4ftigung, das Umziehen, geht.<em> <\/em>Denn so spontan ich in meine Wohnung eingezogen war, zieht es mich auch wieder in die n\u00e4chste.<\/p>\n<p>Ein Zufall war es, wie sollte es anders sein, der mich \u00fcber Umwege auf einen netten Professor der hiesigen Universit\u00e4t aufmerksam machte, der noch einen Mitbewohner suchte. Als dieser auch von mir erfuhr und trotz des Wissens, dass ich bereits eine Wohnung gefunden habe, darauf bestand, dass ich mal vorbeikomme, nutzte ich die Gelegenheit und durfte kurze Zeit sp\u00e4ter feststellen, dass seine Wohnung nicht nur mindestens genauso sch\u00f6n wie meine jetzige ist, sondern auch den Vorteil eines \u00fcberaus sympathischen Mitbewohners h\u00e4tte. Da sich meine Suche nach einem Mitbewohner f\u00fcr meine Wohnung als schwieriger als erwartet gestaltete und die Miete alleine auf Dauer nicht zu stemmen ist, erkundigte ich mich vorsichtig bei meiner Vermieterin nach der M\u00f6glichkeit, den k\u00fcrzlich unterschriebenen Vertrag wieder aufzul\u00f6sen. Sie k\u00f6nne meine Lage verstehen und es sei kein Problem, wenn ich denn selbst einen Nachmieter finden w\u00fcrde, meinte sie und reagierte damit deutlich gelassener als ich bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n<p>So machte ich mich also daran, einen Ersatz f\u00fcr mich zu finden und mein zuk\u00fcnftiger Mitbewohner unterst\u00fctzte mich darin, indem er Plakate in der Uni aufh\u00e4ngte. Dass dies zwei Tage lang etwa drei Anrufe pro Minute zur Folge hatte, brachte mir neben hei\u00dfen Ohren auch die M\u00f6glichkeit, Telefongespr\u00e4che auf englisch zur Gen\u00fcge zu \u00fcben. Den Telefonaten folgten Besichtigungsmarathons, bei welchen ich Studenten durch eine Wohnung f\u00fchrte, die mir selbst noch etwas fremd war. Auch vor Zusagen mangelte es schlie\u00dflich nicht und so hatte ich auch kein Problem jemanden\u2026 Ich hatte etwas vergessen! Ein kleiner aber entscheidender Satz meiner Vermieterin kam mir ausgerechnet in dem Moment in den Sinn, als ich mir vermeintlich sicher war, jemanden gefunden zu haben. \u201eEs ist nicht einfach, wei\u00dfe Mieter f\u00fcr diese Wohnung zu finden\u201c, hatte sie gesagt, als ich selbst noch in der Rolle des Interessenten war, und mir anschlie\u00dfend von den Problemen erz\u00e4hlt, die man doch meistens nur mit Schwarzen h\u00e4tte. Dieser Satz in Kombination mit der Tatsache, dass ausschlie\u00dflich schwarze Studenten die Wohnung besichtigt hatten, brachte mich aus meinem sicher geglaubten Konzept, so bald wie m\u00f6glich umziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was also tun? Um noch weiter nach neuen Nachmietern zu suchen fehlte mir die Zeit da, ich schlie\u00dflich bereits dem hilfsbereiten Prof zugesagt hatte, und ob ich die Einstellung meiner Vermieterin besser unterst\u00fctzen sollte, wusste ich so pl\u00f6tzlich auch nicht einzusch\u00e4tzen. Ich entschied mich, so zu tun, als h\u00e4tte sie etwas derartiges nie zu mir gesagt, entschloss mich aber auch, mich mit der von mir favorisierten Nachmieterin abzusprechen. So entschieden wir, die nette Studentin aus Ghana und ich, im Zweifel unabh\u00e4ngig voneinander zu erz\u00e4hlen, dass wir uns schon l\u00e4nger kennen w\u00fcrden und ich k\u00fcndigte zus\u00e4tzlich noch vor dem Treffen zwischen ihr und meiner Vermieterin an, eine vertrauensw\u00fcrdige Freundin gefunden zu haben, die gerne einziehen w\u00fcrde, ohne dabei ihre Hautfarbe oder Herkunft zu erw\u00e4hnen. Und siehe da, am Abend darauf schrieb mir meine Vermieterin, wie sympathisch meine Freundin aus Ghana doch sei und dass sie ihre Zusage h\u00e4tte, einziehen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Ob es letztendlich daran gelegen hatte, dass wir uns \u201eschon lange kennen\u201c oder meine Vermieterin spontan feststellte, \u201etrotz\u201c der Hautfarbe einen vertrauensw\u00fcrdigen Menschen vor sich zu haben, kann ich nicht sicher beurteilen. Die Studentin und ich entschlossen uns dazu, zu behaupten, unsere organisatorischen F\u00e4higkeiten h\u00e4tten das m\u00f6glich gemacht und k\u00f6nnen im Nachhinein auch dar\u00fcber lachen.<\/p>\n<p>Und so kann ich in dieser Woche dann doch wie gew\u00fcnscht ein letztes mal umziehen und meine neue Wohnung vielleicht bald \u201eZuhause\u201c nennen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #c0c0c0\"><span style=\"color: #000000\">_________________________________________________________________________________<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #993300\">Wer nun annimmt, meine Vermieterin ist ebenfalls wei\u00dfer Hautfarbe, liegt\u00a0 falsch. Sie selbst ist \u201ecoloured\u201c, was man zwar mit unserem Wort \u201efarbig\u201c \u00fcbersetzen w\u00fcrde, jedoch sollte man dabei etwas ganz entscheidendes beachten: Farbige S\u00fcdafrikaner w\u00fcrden sich nicht gerade dar\u00fcber freuen,\u00a0 \u201eschwarz\u201c genannt zu werden. Sie sehen sich nicht als schwarze und haben eine sehr unterschiedliche Sprache und Kultur. Dar\u00fcber hinaus zanken sich Farbige und Schwarze mehr als jede andere Bev\u00f6lkerungsgruppe in S\u00fcdafrika. Die typische farbige Frustration lautet: \u201eFr\u00fcher waren wir nicht wei\u00df genug, und heute sind wir nicht schwarz genug.\u201c S\u00fcdafrikaner haben allgemein mit den Worten schwarz, wei\u00df und farbig keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste, im Gegenteil, man ist stolz darauf, ein Coloured, Zulu oder wei\u00dfer Afrikaner zu sein. Menschen anhand ihrer Hautfarbe zu beschreiben oder einzuteilen ist hier nicht notgedrungen rassistisch. Vielmehr hilft die Hautfarbe oftmals, den kulturellen Hintergrund des Gegen\u00fcbers einzukreisen, da diese hier meist auch Auskunft \u00fcber Herkunft, Sprache, Religion und Tradition der Menschen gibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #999999\"><span style=\"color: #000000\">_________________________________________________________________________________<\/span><br \/>\n<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHeute hier morgen dort, bin kaum da muss ich fort\u201c &nbsp; Sicherlich ist das momentan eines der Lieder meines pers\u00f6nlichen Soundtracks. Zumindest wenn es um meine neue Lieblingsbesch\u00e4ftigung, das Umziehen, geht. Denn so spontan ich in meine Wohnung eingezogen war, zieht es mich auch wieder in die n\u00e4chste. 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