{"id":304,"date":"2012-04-16T21:47:07","date_gmt":"2012-04-16T19:47:07","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/?p=304"},"modified":"2012-04-16T23:05:11","modified_gmt":"2012-04-16T21:05:11","slug":"der-letzte-streifzug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/2012\/04\/16\/der-letzte-streifzug\/","title":{"rendered":"Der letzte Streifzug"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Sometimes I feel like I don\u00b4t have a partner<\/p>\n<p>Sometimes I feel like my only friend<\/p>\n<p>Is the city I live in, the city of angels<\/p>\n<p>Lonely as I am, together we cry<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manchmal, wenn im letzten Jahr die Tr\u00fcbseligkeit drohte, mich einzuholen und mir das Gef\u00fchl zu geben einsam zu sein, ging ich auf Safari.<\/p>\n<p>Gut, wird man sich jetzt denken, so macht man das vielleicht in Afrika. Jedoch ist diese Form der Safari anders. Keine Reisegruppe, unendlich scheinenden Landschaften und wilden Tiere, die es zu finden und zu beobachten gilt. Stattdessen nichts als man selbst, die Stadt und ein paar Groschen in der Tasche. Die Suche nach besonderen, ungewohnten Momenten als Gemeinsamkeit. Aus den anf\u00e4nglichen Kennenlern-Touren in unseren ersten Tagen entwickelten sich meine scheinbar ziellosen Streifz\u00fcge mit den Monaten zu einer pers\u00f6nlichen Tradition. Wie oft habe ich mich in den letzten Monaten einfach an die Stra\u00dfe vor meiner Wohnung gestellt, die Hand in die Luft gestreckt und mich mithilfe der Minibus-Taxis durch die Stadt treiben lassen? Immer einmal zu wenig. An diesem zu ruhigen Sonntag wurde es wieder Zeit und gleichzeitig sollte es die letzte Gelegenheit sein, mich einmal mehr komplett auf diese merkw\u00fcrdige Stadt einzulassen. Ein letztes Date mit Elizabeth sozusagen.<\/p>\n<p>Es gibt sch\u00f6ne Gr\u00fcnde daf\u00fcr, nicht mehr schlafen zu k\u00f6nnen und Hitze kann einer davon sein. Noch sch\u00f6ner ist es dann nur noch, wenn man nicht mehr als eine Stra\u00dfe \u00fcberqueren muss, um am Meer zu sein. Da es wiederum schlechtere Orte gibt, um in diesen Tag zu starten, nehme ich meine Tagesration Rooibosh zu mir, schnappe mir ein Handtuch, \u00f6ffne die Wohnungst\u00fcr, die Gittert\u00fcr, die Sicherheitst\u00fcr und die Haust\u00fcre um festzustellen, dass mir meine Katze bis ins Treppenhaus gefolgt ist und bearbeite die T\u00fcren noch mal in umgekehrter Reihenfolge um meine illegale Mitbewohnerin wieder in Sicherheit zu bringen. Als ich schlie\u00dflich auf der Stra\u00dfe stehe, f\u00e4llt mir auf, dass es nun meine Flip-Flops sind, die auf der falschen Seite des Hochsicherheitstrakts stehen. Jedes verdammte Mal! Ich entscheide mich daf\u00fcr, lieber Schmerzen auf mich zu nehmen, als das Prozedere ein weiteres Mal zu starten und bereue das wie \u00fcblich, als meine F\u00fc\u00dfe den hei\u00dfen Asphalt ber\u00fchren. Das k\u00f6nnte f\u00fcr einen neuen Streckenrekord sorgen. Ich versuche beim Rennen meine F\u00fc\u00dfe m\u00f6glichst lange in der Luft zu halten indem ich mir einrede, dass das hilft. Muss bescheuert aussehen. Als ich meinen Kopf drehe um mich zu vergewissern ob ich abgeschlossen habe, sehe ich meine wei\u00dfe Spie\u00dfer-Nachbarin am Fenster stehen. Da steht sie meistens und schaut, was das Leben da drau\u00dfen zu bieten h\u00e4tte oder wie die Autos parken. Heute in ihrem wei\u00dfen Bademantel und mit Lockenwicklern im d\u00fcnnen Haar. Weil Sonntag ist. Fr\u00fcher dachte ich, solche Menschen w\u00e4ren typisch deutsch, heute wei\u00df ich, dass es sie \u00fcberall gibt. Als sich unsere Blicke kreuzen, verschwindet sie schnell hinter den wei\u00dfen Gardinen. W\u00e4hrend ich weiter von Schatten zu Schatten springe, male ich mir aus, welche Informationen \u00fcber mich in der Kartei stehen, die sie in meiner Vorstellung \u00fcber jeden Bewohner des Hauses f\u00fchrt. Was hat es aus ihrer Sicht mit dem jungen Typen auf sich, der sich mit einem Jura-Professor Wohnung 6 teilt, mit komischem Akzent gr\u00fc\u00dft und trotz Hausordnung seine Sachen auf dem Balkon trocknet? Der morgens manchmal minutenlang mit dem Fahrrad auf der Stelle gegen den Wind anf\u00e4hrt, ein paar mal sogar in Anzug und Krawatte, oder mit schmerzverzerrtem Gesicht barfu\u00df \u00fcber die Stra\u00dfe rennt? Ihre Erkl\u00e4rungsversuche d\u00fcrften jedenfalls abenteuerlich sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Balkon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-309\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Balkon-640x480.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Balkon-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Balkon-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Balkon.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">An der Strandpromenade \u00fcberhole ich einige der wei\u00dfen Bonzen, von denen ich glaube, dass sie Sonntags nur laufen gehen, um ihre neuen Outfits zu pr\u00e4sentieren. Am Strand selbst geht es noch ruhig zu. Vorbildliche Christen sind um diese Zeit schlie\u00dflich auch in der Kirche. Und da <em>Kings Beach<\/em> vor allem bei Schwarzen beliebt ist und deren Gottesdienste auch gerne mal das ein oder andere St\u00fcndchen l\u00e4nger dauern, hab ich den Strand erst mal weitestgehend f\u00fcr mich. Das war auch letzte Woche der Fall, nur dass nicht Sonntag war und bestes Wetter. Abends las ich dann in der Zeitung, dass wenige Stunden zuvor zwei M\u00e4nner an selbiger Stelle ertrunken seien und pl\u00f6tzlich machten die ganzen Absperrungen und die scheinbar freundlich winkenden Taucher Sinn, die mir entgegen kamen, w\u00e4hrend ich meine Runden zog. Heute sind aber auch die nicht zu sehen und ich versuche w\u00e4hrend des Schwimmens Delfine zu finden, die sich gerne mit den daueranwesenden Surfern im Wellenreiten duellieren. Doch stattdessen treffe ich, als ich wenig sp\u00e4ter aus dem angenehm warmen Wasser steige, auf eine ganz andere Spezies. Und um diese einzuordnen, reicht oftmals ein Blick auf die F\u00fc\u00dfe. Denn diese sind umgeben von strahlend wei\u00dfen Tennissocken, die wiederum in brandneuen Treckingsandalen stecken. \u201eExcuse me! Do you know a good fish restaurant?\u201d, fragt mich der \u00e4ltere Herr in \u00be-Hose und Hawaiihemd in gebrochenem Englisch. Ein Bilderbuch-Touri. Auch sein Akzent spricht f\u00fcr seine deutsche Herkunft, doch trotzdem antworte ich erst mal auf Englisch. \u201eHelga, ich wei\u00df jetzt wo\u201c, br\u00fcllt er \u00fcber den immer noch g\u00e4hnend leeren Strand seiner Frau hinterher, deren Entdeckergeist wohl keine Pause zul\u00e4sst. Vielleicht sch\u00e4mt sie sich auch ein bisschen. Als ich noch einen sch\u00f6nen Tag w\u00fcnsche, macht er selbiges, geht ein paar Schritte um dann verwirrt stehen zu bleiben nachdem er verarbeitet hat, dass ich gerade deutsch gesprochen habe. Ein v\u00f6llig ungezwungenes Gespr\u00e4ch kommt in Gange, in dessen Verlauf ich mich daran erinnere, weshalb ich mir abgew\u00f6hnt habe, in Deutschland-Trikot am Strand joggen zu gehen. Dass sie nur einen Tag hier sind erz\u00e4hlt er. Das sind die meisten ausl\u00e4ndischen Touristen, die P.E. entweder als Start oder Ziel der <em>Garden Route<\/em> nach Kapstadt nutzen. Wobei das Wort Ziel selten zutrifft, macht die praktische Lage doch eher den touristischen Reiz der Stadt aus als eigene Attraktionen. Die Frage nach diesen \u00fcberfordert mich auch nun wieder. Port Elizabeth ist nicht sch\u00f6n wie Kapstadt, aufregend wie Johannesburg oder cool wie Durban. Vielmehr hat die Stadt mir in diesem Jahr gezeigt, dass sie nicht spektakul\u00e4r ist. Sie ist sonderbar, was so schnell keinem Tagestouri deutlich werden wird, der sich nicht auf sie einlassen kann. Ich empfehle dem Rentnerp\u00e4rchen schlie\u00dflich doch die extra angelegte Touristen-Am\u00fcsiermeile und zumindest noch einen sch\u00f6nen Park und mache mich auf den Weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Die Mittagshitze auf dem Asphalt sorgt f\u00fcr die n\u00e4chste Schwierigkeitsstufe des Barfu\u00dflaufens und jede k\u00fchlere Stra\u00dfenmarkierung wird zum willkommenen Zwischenhalt. Der Verkehr ist entspannter als Wochentags und auf den Ladefl\u00e4chen der Pick-ups sitzen heute mehr Kinder in Badehosen und Surfer als Schwarze Handwerker und Bauarbeiter, die zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen gebracht werden. Die meisten Gottesdienste scheinen inzwischen zuende zu sein, denn die Minibusse spucken auch einige Mamas in Sonntagsgarderobe aus, die bei manchen sogar Sonntags gegen Putzkleidung eingetauscht werden muss, um fremder Leute Wohnungen sauber zu halten. Nachdem wiederum ich Klamotten gewechselt und meine verkohlten F\u00fc\u00dfe gewaschen habe (weil Sonntag ist), mache ich mich gleich wieder auf den Weg. Am kleinen Supermarkt an der Ecke mache ich einen kurzen Stop um mir ein Eis zu kaufen. Es ist der heruntergekommenste Laden in der Umgebung und man betritt ihn in der Regel nur, wenn man beim woanders Einkaufen etwas vergessen hat. Der Kassierer ist vollkommen auf den kleinen Schwarz-Wei\u00df-Fernseher fixiert, bis er mich wahrnimmt und ein L\u00e4cheln aufsetzt. Er kommt aus Indien und in meiner Vorstellung hei\u00dft er Apu. Als ich das erste Mal hier gewesen bin, trug er ein wei\u00dfes Shirt auf dem in schwarz-rot-gelber Schrift \u201eGermany\u201c geschrieben stand. Als ich daraufhin meinte, genau dort her zu kommen, erz\u00e4hlte er mir seine halbe Lebensgeschichte. Seitdem gehen unsere Unterhaltungen gelegentlich \u00fcber den \u00fcblichen Smalltalk hinaus, meistens wenn mich nachts der spontane Hei\u00dfhunger zu ihm treibt. Im Fernsehen l\u00e4uft Cricket, South Africa vs. Sri Lanka. Ich frage ihn, wer gewinnen wird und tu so, als h\u00e4tte ich Ahnung von der Materie. Eigentlich m\u00fcsste ich ja gar nicht so tun, schlie\u00dflich bin ich Coach der U11 Mannschaft meiner Schule und wir haben mal ein Spiel gewonnen, glaube ich. Als ich den Laden verlasse, ist mein Eis geschmolzen, aber darum ging ja es schlie\u00dflich nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">An der Stra\u00dfe strecke ich meinen Zeigefinger nach unten und der n\u00e4chstbeste Minibus macht eine Vollbremsung vor meinen F\u00fc\u00dfen. \u201eTown?\u201c, fragt mich der schwarze Jugendliche, der die Schiebet\u00fcr des Wagens \u00f6ffnet. Town. Auf der R\u00fcckbank ist noch ein Platz frei, wobei das Wort Platz in einem solchen Gef\u00e4hrt nie passend ist. Umschlungen von zwei Big Mamas geht es nun ohne R\u00fccksicht auf Verluste Richtung Innenstadt. Dass ich mit meinem Platz gr\u00f6\u00dferes Pech h\u00e4tte haben k\u00f6nnen, bewei\u00dft mir nun der Fahrer, der die F\u00e4higkeiten der eingebauten Subwoofer mit den neuesten\u00a0<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xAqXBzROvm0\">Kwaito-Hits<\/a> testet. Wenige Minuten nach meinem Zusteigen dreht sich eine \u00e4ltere Dame zu mir um und fragt mich, ob ich an Gott glaube. Ich bejahe und sie dr\u00fcckt mit eine kleines K\u00e4rtchen mit der Aufschrift \u201eHU\u201c in die Hand. Die Erkl\u00e4rung findet sich auf der R\u00fcckseite: \u201eSinging \u2013Hu- takes you closer to god. When your day is hard, remember to sing \u201cHU-U-U-U\u201d. It puts you back in line with the Holy Spirit\u201d. Will sie mir damit sagen, dass ich gestresst aussehe? Bisher ist mein Tag n\u00e4mlich wunderbar. Aber vielleicht liegt es ja auch gerade daran und der unterbewusste Abschiedsschmerz macht sich langsam doch bemerkbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Town.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-307\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Town-640x480.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Town-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Town-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Town.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Da der Minibus gerade auf meinem eigentlichen Schulweg entlang f\u00e4hrt und ich sowieso gerade damit beginne, sentimental zu werden, muss ich an meine ersten Monate hier denken. Wie ich das erste Mal in einem Minibus-Taxi sa\u00df (siehe <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/2011\/03\/18\/lost-in-translation\/\">Lost! (in translation)<\/a>) und danach erst mal entschied, mir ein Fahrrad zu kaufen. Wie ich dann doch immer auf die Taxis angewiesen war wenn \u201ethe windy city\u201c ihrem Namen alle Ehre machte und begann, an den Fahrten Spa\u00df zu finden. Wie ich dann morgens als einziger Wei\u00dfer da sa\u00df und mich im Sitz festkrallte ob der Fahrk\u00fcnste des Fahrers w\u00e4hrend um mich herum alle lautstark \u00fcber die Witze der Morning-Show auf Xhosa im Radio lachten, die ich als einziger nicht verstehen konnte. Und wie ich schlie\u00dflich verstand, dass es weniger um die Witze als um das Lachen an sich geht und einfach mitmachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Als der Wagen das n\u00e4chste Mal h\u00e4lt, steige ich aus. Weniger spontan als aus Gewohnheit, m\u00fcsste ich doch hier aussteigen wollte ich zur Schule. Downtown ist versifft, laut und auf den ersten Blick chaotisch. An fast jeder Ecke sitzen Big Mamas und verkaufen Obst und S\u00fc\u00dfigkeiten, Taxifahrer werben nicht wenig aggressiv um die Gunst der Leute und Bettler begleiten mich auf Schritt und Tritt. An einer Wand h\u00e4ngt noch ein Plakat, mit dem Werbeslogan der Stadt zu WM 2010. \u201eFeel it in the air.\u201d Es riecht nach einer Mischung aus Abgasen, Marihuana und H\u00fchnchen. Wenn man der Rathausuhr traut, ist es hier immer f\u00fcnf vor zw\u00f6lf. Ich habe beschlossen, dass das kein Zufall sein kann, auch wenn \u00f6ffentlichen Uhren hier grunds\u00e4tzlich nicht zu trauen ist. Die steilen Stra\u00dfen Richtung Central erinnern an St. Francisco und mich an so manch schwei\u00dftreibenden Schulweg. Die nigerianischen Dealer am Stra\u00dfenrand gr\u00fc\u00dfen mich freundlich. Sie wissen inzwischen, dass ich kein Interesse an Magic Mushrooms habe. W\u00e4hrend ich mich weiterhin den Berg hinauf qu\u00e4le, \u00fcberholt mich ein rostiger VW-K\u00e4fer, das Standard-Auto in S\u00fcdafrika. Ein Freund erz\u00e4hlte mir mal, dass nirgendwo auf der Welt Dinge so schnell rosten w\u00fcrden wie in P.E.. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit und des starken Windes. \u201eWer rastet, der rostet\u201c, denke ich mir seitdem immer in Bezug auf die entspannten Einwohner der \u201efriendly city\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Bunt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-308\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Bunt-640x480.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Bunt-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Bunt-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Bunt.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich mache einen Zwischenstop bei der <em>Dresden Bakery<\/em>. Hatte vor langer Zeit mal deutsche Besitzer, was leider nicht bedeutet, dass ich dort gutes deutsches Brot bekommen w\u00fcrde. Es wird Zeit, mich langsam rein kulinarisch wieder auf die Heimat vorzubereiten, denke ich mir, und bestelle einen Applestrudel. Ich versuche es zumindest, denn die englische Aussprache bringt mich fast zur Verzweiflung. Die schwarze Dame hinterm Tresen quittiert meine Bem\u00fchungen mit einem breiten Grinsen und fragt mich schlie\u00dflich, warum ich nicht einfach \u201eApfelstrudel\u201c sage. W\u00e4hrend eines Spaziergangs durch den sch\u00f6nen St.George\u00b4s Park komme ich am Cricket-Stadion vorbei, in dem ich meine ersten Erfolge als Fu\u00dfballtrainer einfahren konnte. Blo\u00df nicht sentimental werden. Mein n\u00e4chstes Ziel ist der Imbiss am Hafen und meine Knie freuen sich, als ich dort ankomme. \u201eWie immer?\u201c, fragt der Typ an der Kasse. \u201eWie immer.\u201c, antworte ich und bekomme wenig sp\u00e4ter den besten Calamari-Burger der Stadt, wenn nicht der Welt, serviert. Dazu Pommes mit Essig und ein Ingwerbier. Wie man genie\u00dfen kann, wenn man wei\u00df, dass man geht.<\/p>\n<p>Blo\u00df nicht sentimental werden.<\/p>\n<p>Als ich dem Hafen den R\u00fccken kehre, h\u00f6re ich, wie eine allzu bekannte Stimme meinen Namen ruft. Es ist Emanuel. Ihn lernte ich vor fast einem Jahr wenige Meter entfernt von hier kennen, als er mich um alte Kleidung bat. Zuf\u00e4llig hatte ich erst vor kurzem ein paar Sachen aussortiert und da er mich freundlich fragte, bot ich ihm an, mitzukommen. Da mein Geld nur noch f\u00fcr die Taxifahrt einer Person reichte, liefen wir den ganzen Weg zusammen und unterwegs erz\u00e4hlte er mir seine Geschichte. Dass er aus Kamerun komme und eigentlich Matrose sei. Davon, wie die Reederei bankrott ging, w\u00e4hrend sein Schiff in Port Elizabeth festmachte und er seitdem nicht mehr nach Hause zu seiner Familie komme. Wie er seit \u00fcber einem Jahr auf den Stra\u00dfen der Stadt schlafe und alles daf\u00fcr tun w\u00fcrde, um wieder Arbeit zu finden. Wir sprachen \u00fcber Gott und die Welt und Emanuel erkl\u00e4rte mir mit seinem franz\u00f6sischen Akzent, dass am Ende alles gut sein wird. Nachdem ich ihm schlie\u00dflich ein paar \u00e4ltere T-Shirts von mir schenkte, meinte er zu mir, jetzt immer einen Teil von mir bei sich zu tragen und wir lachten. Seitdem treffe ich ihn hin und wieder an verschiedensten Orten der Stadt und er hat immer ein L\u00e4cheln \u00fcbrig, wenn er mich sieht. Heute jedoch sieht er schlechter aus als sonst. Wir gehen zusammen zur\u00fcck zum Hafen, er isst etwas und ich h\u00f6re ihm zu.\u00a0 Er erz\u00e4hlt mir, dass er morgen auf einem Schiff hier eine Art Vorstellungsgespr\u00e4ch hat und seine Augen werden gro\u00df. Das Meer, die Freiheit, das sei seine Welt. Schlie\u00dflich fragt er mich nach meiner Adresse. \u201eDu wei\u00dft doch, wo ich wohne\u201c, antworte ich. \u201eNein, ich meine deine richtige Adresse. In Deutschland.\u201c Ich schaue ihn verwirrt an. \u201eWenn ich wieder auf See bin und in der N\u00e4he, komme ich dich besuchen.\u201c Ich glaube, noch nie zuvor jemanden getroffen zu haben, der so viel Hoffnung in sich tr\u00e4gt, wie Emanuel. \u201eIch glaube, es kommt am Ende nicht darauf an, was wir in unserem Leben erreicht haben, sondern dass wir unser Bestes gegeben haben\u201c, sagte er einmal zu mir. Ich glaube, Emanuel hat Recht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Port.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-311\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Port-640x480.jpg\" alt=\"\" width=\"384\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Port-640x480.jpg 640w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Port-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/files\/2012\/04\/Port.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 384px) 100vw, 384px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich halte das n\u00e4chstbeste Taxi an, dass an mir vorbeikommt. Die Schiebet\u00fcr fehlt und es ist abgesehen vom Fahrer und seinem Assistenten leer. Nachdem der Wagen wieder f\u00e4hrt, steigt mir der unverkennbare Duft von feinstem Dacha (=Gras) in die Nase. \u201eYou want a smoke?\u201c, fragt mich der Fahrer. Ich lehne dankend ab, denn vielmehr m\u00f6chte ich unbeschadet nach Hause kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob der Fahrer so entspannt f\u00e4hrt obwohl oder weil er Gr\u00fcnzeug geraucht hat. Ich entscheide mich f\u00fcr letzteres und komme tats\u00e4chlich sicher an. Vor meiner Haust\u00fcr wartet bereits ein Freund auf mich. Ich bin ein paar Minuten zu sp\u00e4t, er ausnahmsweise nicht. \u201eIch bin anscheinend ein besserer Deutscher als du\u201c, sagt er. \u201eVon mir aus\u201c, sage ich und wir machen uns auf den Weg. Erster Halt ist der Pub, in dem sich die Wei\u00dfe Jugend der Stadt trifft. Sp\u00e4ter gehen wir noch mit ein paar Freunden Tanzen. Ich bin der einzige Wei\u00dfe in dem Laden und das was man hier Tanzen nennt, w\u00fcrde bei uns in die Kategorie \u201eErregung \u00f6ffentlichen \u00c4rgernisses\u201c fallen. Als meine Beine m\u00fcde sind von diesem Tag, mache ich mich auf den Weg nach Hause. Gegen\u00fcber meiner Wohnung stehen drei Obdachlose auf der Stra\u00dfe und tanzen zur Musik, die aus einem ge\u00f6ffneten Fenster kommt.<\/p>\n<p>Ich werde diese Stadt vermissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><em>I drive on her streets \u00b4cause she\u00b4s my companion<\/em><\/p>\n<p><em>I walk through her hills \u00b4cause she knows who I am<\/em><\/p>\n<p><em>She sees my good deeds and she kisses me windy<\/em><\/p>\n<p><em>I never worry, now that is a lie.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">_______________________________________________________________________________Schlussstrich__________________________________________________________________________________________________<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sometimes I feel like I don\u00b4t have a partner Sometimes I feel like my only friend Is the city I live in, the city of angels Lonely as I am, together we cry &nbsp; Manchmal, wenn im letzten Jahr die Tr\u00fcbseligkeit drohte, mich einzuholen und mir das Gef\u00fchl zu geben einsam zu sein, ging ich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":429,"featured_media":307,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-304","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/304"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/users\/429"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=304"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/304\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/media\/307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=304"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=304"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/wakay\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=304"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}