Archiv für den Monat: November 2018

Poetische Versuche: Adela Zamudio.

Dieser Beitrag entbehrt leider jeglichen Kontextes, obwohl ich fest überzeugt davon war, dass er perfekt zum gestrigen Datum passen würde. Leider habe ich mich allerdings um einen Monat vertan, wollte euch allerdings ein kurzes Porträt einer bedeutenden bolivianischen Schriftstellerin des vergangenen Jahrhunderts nicht vorenthalten. Gestern vor einem Monat jährte sich der Geburtstag von Adela Zamudio, einer der ersten erfolgreichen Schriftstellerinnen Boliviens, welche auch eine maßgebliche Rolle in der bolivianischen Frauenbewegung spielte.

Adela Zamudio gegen Ende ihres Lebens.

Adela Zamudio wurde am 11. Oktober 1854 in Cochabamba geboren und starb ebenda am 2. Juni 1928. Sie besuchte hier die „Escuela San Alberto“, eine katholische Schule, an der Frauen damals nur bis einschließlich der dritten Klasse der Primaria, äquivalent zur deutschen Grundschule, unterrichtet wurden. Diese doch sehr kurze Periode der Beschulung war damals Normalität.

 

Doch nach dem Ende ihrer kurzen Schullaufbahn bildete Adela sich selbst fot, indem sie beispielsweise viele bedeutende literarische Werke las. Sie gründete im Erwachsenenalter die erste Malschule der Stadt für Frauen und Kinder und wurde später in ihrem Leben zur Schulleiterin der „Escuela Fiscal de Senoritas“ (hier bitte ein „ene“ lesen, ich verfluche die deutsche Tastatur…) berufen. Diese wurde bald danach in „Liceo de Senoritas Adela Zamudio“ umbenannt.

 

Adela arbeitete gleichzeitig als Lehrerin und Schriftstellerin. In ihren Werken thematisierte sie unter anderem die kulturelle Einbindung von Frauen in die Gesellschaft, wollte also weibliche Intellektuelle dazu ermutigen, sich ebenso offen wie die Männer kulturell zu betätigen. Adela Zamudio verfasste sowohl Prosa-Texte als auch Gedichte, welche häufig Gefühl und Natur zum Thema haben. Sie veröffentlichte ihre Werke zunächst unter dem Pseudonym „Soledad“, Einsamkeit, bevor sie zunehmend an die Öffentlichkeit trat.

 

Ebenfalls war sie journalistisch tätig und veröffentlichte einige Artikel in der Tageszeitung „El Heraldo“. In diesen zeigten sich einige ihrer progressiven Ideen, so zum Beispiel die Gleichberechtigung der Geschlechter. Allgemein war Zamudio stets eine sozial engagierte Schriftstellerin, die häufig die Position der Frau innerhalb der Gesellschaft zum Thema in ihren Werken machte. Sie gilt als eine wichtige Person innerhalb der lateinamerikanischen Frauenbewegung. Sie zeigte durch ihr eigenes Leben das, was sie auch in ihren Werken zum Ausdruck bringen wollte: nämlich dass Frauen in der Lage sind, sowohl sozial als auch intellektuell das Gleiche zu leisten wie Männer. Für ihr Werk „Ensayos Poéticos“ erhielt sie den wichtigsten bolivianischen Buchpreis.

 

Ihr Geburtstag am 11. Oktober wird in Bolivien jedes Jahr als „Tag der bolivianischen Frau“ gefeiert. Hier in Cochabamba ist auch ein Theater nach Adela Zamudio benannt.

 

 

Illustrationen: Todos Santos.

Hier noch ein kleiner Nachtrag zu meinem letzten Beitrag: Am Sonntag nach dem Día de los Muertos und Todos Santos war ich in einer benachbarten Gemeinde auf einer „Jornada Socio-Cultural“, einem Kulturfest im Kontext dieser beiden besondern Tage. Ein Freund hat den Tag über wirklich tolle Fotos gemacht und ich würde euch dieses für mich sehr schöne Erlebnis gern mit einigen davon illustrieren.

Ein beliebtes Spiel: Ziel ist es, mit den Füßen so viele Körbe wie möglich von der Leine zu fischen. Dabei bekommst du Anschwung durch Taue von beiden Seiten!

Dieser Herr trinkt wahrscheinlich gerade Chibcha aus seiner Schale, ein alkoholhaltiges Getränk aus Mais, dessen Produktion früher involvierte, dass eine Person durch Kauen des Mais‘ einen Fermentationsprozess in Gang setzte.

Kleine Belohnung, falls ihr diesen Artikel lest: Ich bevor…

…und während ich mich frage, warum zur Hölle ich mich dem hier gerade aussetze. Aber ich bin jetzt stolze Besitzerin eines dieser Körbe!

 

Los muertos regresan. – Die Toten kehren zurück.

Viel zu viel Zeit ist vergangen und wieder gibt ein besonderer Tag mir Anlass dazu, einen Blogeintrag zu verfassen. Denn an den ersten beiden Tagen des Novembers kehren nach Glauben vieler Bolivianer*innen die Geister ihrer verstorbenen Verwandten zurück auf die Erde. Die Feier ihrer Rückkehr spielt sich an zwei Tagen ab:

Der 1. November oder auch Todos Santos, Allerheiligen zu Deutsch, spielt sich noch im Haus der Familie ab, bevor es dann am nächsten Tag mit der ganzen Familie auf den Friedhof geht. Bei ihrer Rückkehr ins Erdenreich müssen die Toten natürlich auch in den Genuss irdischer Genüsse kommen. Deshalb wird groß aufgekocht. Teilweise steht ab 5 Uhr morgens jemand in der Küche, um die umfangreiche Mahlzeit für und mit den Verstorbenen vorzubereiten. Es wird ein selbst für bolivianische Verhältnisse umfangreiches Mittagsessen aufgetischt. An der reich gedeckten Tafel werden stets Plätze für die toten Verwandten freigehalten, selbstverständlich auch mit ihrer eigenen Portion der leckeren Speisen. Auch eine Art Schrein wird für die Toten errichtet, um dafür zu sorgen, dass ihre Präsenz nicht zu übersehen ist. Ganz wichtig sind auf diesem ein Foto der verstorbenen Person sowie aus Brot geformte Figuren, die es im Vorfeld überall und in riesigen Mengen zu kaufen gibt. Diese sogenannten T’anta Wawas sollen Diener*innen für die Toten symbolisieren, die diese mit ins Jenseits nehmen können, um sich dort ein entspannteres Leben bereiten lassen zu können.

Nach einem erholsamen Verdauungsschlaf geht es am nächsten Tag, dem 2. November, hier auch Día de los Muertos genannt, gleich weiter mit den Feierlichkeiten, mit viel Essen und vor allem vielviel Brot! Die Familien strömen heute auf die Friedhöfe, um dort erneut ihre wiedergekehrten Verwandten mit Nahrung zu versorgen und ihre Anwesenheit zu feiern. Die Gräber werden aufwendig geschmückt und das mitgebrachte Essen ausgebreitet (auch hier dürfen die T’anta Wawas nicht fehlen). Dieser Tag ist (zumindest hier in Cochabamba) Feiertag, weshalb er komplett auf dem Friedhof verbracht werden kann, die Zeit mit den Zurückgekehrten maximal ausgenutzt werden kann.

Der Tod wird von vielen Familien hier in Bolivien also nicht als das Ende, sondern als eine anders beschaffene Fortsetzung des Lebens angesehen. Eine Reise, von der einmal im Jahr zurückgekehrt werden kann, um Zeit mit seinen Lieben zu verbringen, wieder mit ihnen vereint zu sein.

 

Ich möchte aus Respekt vor den Persönlichkeitsrechten und der Privatsphäre der Toten und derer Angehörigen keine Bilder veröffentlichen. Aber sucht unbedingt im Internet! Vor allem der ohnehin schon beeindruckend riesige Friedhof in La Paz verwandelt sich am Día de los Muertos in ein Menschenmeer!