{"id":1,"date":"2024-09-01T08:07:35","date_gmt":"2024-09-01T06:07:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/?p=1"},"modified":"2024-09-08T09:00:09","modified_gmt":"2024-09-08T07:00:09","slug":"hallo-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/2024\/09\/01\/hallo-welt\/","title":{"rendered":"Auf geht\u2019s, weiter geht\u2019s (oder: Momente, einen Blog zu beginnen)"},"content":{"rendered":"<p>Samstag 31.08.2024, 11:11 Uhr und die Uhrzeit ist Programm: In meinem Zimmer sieht es aus, als w\u00e4re gerade der Karneval verk\u00fcndet worden. Morgen geht es los zum Vorbereitungsseminar und mein Koffer ist noch nicht gepackt, zwischen Bett und Schreibtisch stapeln sich Notizen, Klamotten und eine Auswahl von B\u00fcchern, die es am Ende nur in Ausz\u00fcgen mit nach Berlin schaffen wird.<\/p>\n<p>Ich sitze auf dem Boden und starre auf den Berg an Gep\u00e4ck, von dem ich mir noch nicht vorstellen kann, dass er irgendwie in meine Taschen passen wird.<\/p>\n<p>H\u00e4tte ich mehr Zeit (und besser geplant) w\u00e4re das vermutlich ein guter Moment, meinen Blog anzufangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Samstag 31.08.2024, 17:23 Uhr und inzwischen ist der Koffer zwar zu, wird aber alle paar Minuten aufgemacht, um noch etwas nachzustopfen: Wanderschuhe, M\u00fcckenspray, ein Arbeitsvertrag, der Reisepass und ein Notizblock. Kann man ja immer mal brauchen.<\/p>\n<p>Ich telefoniere mit zwei Freunden, verabschiedet haben wir uns zwar schon gestern, aber wann, wenn nicht am Tag vor der Abreise, ist der Zeitpunkt f\u00fcr letzte letzte Gespr\u00e4che und erste letzte Gest\u00e4ndnisse.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte auch, denke ich, w\u00e4hrend ich meine Wasserflasche suche, jetzt einen Blog anfangen und verwerfe den Gedanken, als mir auff\u00e4llt, dass mein Laptop schon tief in meinem Rucksack vergraben ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Samstag 31.08.2024, 22:02 Uhr und ich kriege tausend Nachrichten, dass ich mich \u201edoch bitte mal melden\u201c solle. Auch das w\u00e4re ein guter Moment, um einen Blog zu beginnen, aber die letzten Stunden in meiner Heimatstadt M\u00f6nchengladbach nutze ich dann doch lieber, um noch einmal bei meinem besten Freund vorbeizuschauen, Sachen abzuholen, um die ich mich sch\u00f6n l\u00e4ngst h\u00e4tte k\u00fcmmern sollen und \u2013 man glaubt es kaum \u2013 etwas zu schlafen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sonntag 01.09.2024, 8:41 Uhr und Julius und ich sitzen seit fast zwei Stunden im Zug. Er wird nach Montecarlo in Argentinien gehen, ich nach Fray Bentos in Uruguay. Einen meiner besten Freunde in der N\u00e4he zu wissen ist zwar beruhigend, aber auch zu ihm werden es ungef\u00e4hr 13 Stunden sein, sagt Google Maps.<\/p>\n<p>Endlich hole ich den Laptop raus und beginne, zu schreiben. \u201e\u00a1Vamos arriba!\u201c nenne ich meinen Blog, \u201eWir gehen nach oben!\u201c oder \u201eAuf geht\u2019s nach oben!\u201c w\u00fcrde ich es \u00fcbersetzen, aber ein Freund von mir, der bis vor kurzem in Bolivien war und in seiner Reisezeit auch Montevideo, die Hauptstadt Uruguays, besucht hat, hat mir erz\u00e4hlt, dass man das dort gerne mal sagt. \u201eAuf geht\u2019s\u201c oder \u201eWeiter geht\u2019s\u201c oder sogar &#8222;Alles gut&#8220;, so hat sein Reisef\u00fchrer es wohl verwendet. Und diese Mentalit\u00e4t finde ich eigentlich ganz sch\u00f6n als Titel f\u00fcr meine Zeit in Uruguay: \u201eAuf geht\u2019s\u201c in eine neue Heimat f\u00fcr sechs Monate, \u201eweiter geht\u2019s\u201c sowieso immer und &#8222;alles gut&#8220; wird es schon werden.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wei\u00df ich grob, was auf mich zukommt.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass Uruguay ca. 3.423 Millionen Einwohner*innen hat, wovon etwa ein Drittel in Montevideo lebt,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass ich in einer Kulturwelterbest\u00e4tte, der Industrielandschaft Fray Bentos (die Beschreibung der UNESCO zu dieser St\u00e4tte findet ihr hier: <a href=\"https:\/\/whc.unesco.org\/en\/list\/1464\">https:\/\/whc.unesco.org\/en\/list\/1464<\/a>), eingeteilt bin,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass meine Mitbewohnerin Amira hei\u00dft und wir offiziell noch keine Wohnung haben,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass die g\u00e4ngige W\u00e4hrung Pesos ist, man tendenziell aber auch gut mit Karte zahlen kann,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass viele Ver\u00e4nderungen auf mich zukommen werden,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass der urguayanische Wahlspruch \u201elibertad o muerte\u201c (\u201eFreiheit oder Tod\u201c) ist und ich das relativ ikonisch finde,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass ich viel Mate trinken werde (die ehemaligen Freiwilligen sagen, das sei eine essentielle Voraussetzung f\u00fcr die Integration vor Ort),<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass mein m\u00fchsam in der Schule zusammengeschabtes Hochspanisch mich beim Dialekt der Uruguay@s nicht weit bringen wird,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass ich sehr aufgeregt und auch ein wenig nerv\u00f6s bin,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass man sich h\u00e4tte besser vorbereiten k\u00f6nnen,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass es in Uruguay immer irgendwie um Artigas geht, den Gr\u00fcndervater und Unabh\u00e4ngigkeitsk\u00e4mpfer,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass eine vegetarische Ern\u00e4hrung schwierig aber machbar wird,<\/p>\n<p>ich wei\u00df, dass die Welt auch nicht untergehen wird, wenn ich ein paar Anlaufschwierigkeiten habe.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df, das ich nichts wei\u00df\u201c soll Sokrates so oder so \u00e4hnlich gesagt haben und dem schlie\u00dfe ich mich an.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass ich nichts wei\u00df, zumindest noch nicht viel von Belang, und das ist auch gut so.<\/p>\n<p>Vamos arriba, es geht trotzdem weiter, es geht trotzdem aufw\u00e4rts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sonntag 01.09.2024, 9:42 Uhr und ich beende meinen ersten Artikel f\u00fcr diesen Blog, der, fairerweise, noch wenig Inhaltliches zu bieten hat und eher eine Sammlung kleinerer Aphorismen darstellt.<\/p>\n<p>Den Moment, meinen Blog zu beginnen habe ich doch noch gefunden, und einen Namen gleich mit. P\u00fcnktlich in Berlin ankommen werden Julius und ich wahrscheinlich nicht, daf\u00fcr ist die Bahn ihrem Ruf zu treu geblieben und hat sich auf dem Weg zu viel Versp\u00e4tung eingefahren, aber auch das werden wir \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Bis zum 07.09.2024 geht dann unser Vorbereitungsseminar am Werbellinsee: Workshops, Homezones, Awarenessarbeit, aber auch Sport, mit anderen Freiwilligen Connecten und viel Karten spielen (meine pers\u00f6nliche Mission ist es ja, mindestens drei Mitspieler*innen f\u00fcr eine Runde Doppelkopf zu finden). Am 08.09.2024 darf ich dann meinen Flug antreten, von Frankfurt \u00fcber S\u00e3o Paulo nach Montevideo, wo die anderen Uruguay-Freiwilligen und ich auch 1-2 Wochen bleiben werden, um die Hauptstadt zu erkunden, uns (metaphorisch und wortw\u00f6rtlich) zu akklimatisieren und unseren obligatorischen Sprachkurs zu absolvieren. Aber dazu schreibe ich bestimmt noch etwas, wenn es soweit ist.<\/p>\n<p>Dieser Artikel ist fast eher ein Teaser, eine kleine Erinnerung f\u00fcr mich selbst, wie es vor der Ausreise war, damit ich in sechs Monaten darauf zur\u00fcckschauen kann, um mich zu wundern, was sich alles ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag 31.08.2024, 11:11 Uhr und die Uhrzeit ist Programm: In meinem Zimmer sieht es aus, als w\u00e4re gerade der Karneval verk\u00fcndet worden. Morgen geht es los zum Vorbereitungsseminar und mein Koffer ist noch nicht gepackt, zwischen Bett und Schreibtisch stapeln &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/2024\/09\/01\/hallo-welt\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3293,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3293"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1\/revisions\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/vamosarriba\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}