das meer und dann der wald, und wir, irgendwo dazwischen.

das meer und dann der wald, und wir, irgendwo dazwischen.

das warten auf einen abschied ist meist viel schlimmer, als der abschied selbst. wenigstens war der von meinen lehrerinnen von zitronen-minz-couscous untermalt und eingerahmt vom sitzen unterm blätterdach im laternelicht, und so sagt man auf wiedersehen, und hofft auf ein wiedersehen. ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie, ich weiß nur, dass.

am wochenende darauf entführt uns unsere gute sprachkursfee und lieb gewonnene freundin nach akhalkalaki, oder zumindest in ein dorf in der nähe davon, aber auch nicht das große akhalkalaki auf dem weg nach vardzia, nee, so ein anderes kleines eine stunde von tbilisi entfernt, ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. denn „heiß“ ist inzwischen gar kein ausdruck mehr für die temperaturen, die dann da abgingen. aber man picknickt im gras, watet durch den fluss und trinkt 4 liter wasser, um nicht als backfisch vom asphalt gekratzt werden zu müssen. wir besuchen eine künstlervilla, aber leider nur von außen, denn innen wird eine neue ausstellung vorbereitet. abends in der marschrutka zurück nach tbilisi höre ich farben und sehe geräusche und wir alle sind ein bisschen fertig von der dicken heißen luft, die klar zu erkennen über der am fenster vorbei ziehenden landschaft flimmert.

da ich mich von nun an nur noch unter zwang dem sonnenlicht und der hitze meiner stadt aussetzen werde, mache ich jedes museum und jede galerie und überhaupt jede kulturelle institution unsicher, in die ich es bis dahin noch nicht geschafft habe. fünf tage, fünf museen, fünf mal seide, geschichte, fotos, skizzen von da vinci, holzspielzeug und teppiche, und fünf mal klimaanlage, die ich nicht bezahlen muss. der kopf kaut und kaut und schluckt.

wir sitzen im zug und bekommen von einem kleinen mädchen, das höchstwahrscheinlich mit dem rest der rasselbande von schulklasse, denen wir beim einsteigen erstmal unsere tickets vor die nase halten mussten, damit sie sich bitte auf ihre, und nicht unsere plätze setzen, nach kobuleti fährt, puh, vaime, khatschapuri auf die hand geschenkt. in diesem sinne fährt man nach Batumi. und dann weiter nach Mtsvane Kontskhi, an das „grüne cap“. grün ist es wirklich, und warm ist es, und ach, da ist ja das meer, das schwarze. durch die luft kann man allerdings auch schon schwimmen. und tatsächlich regnet es die ersten tage. viel. man hüpft trotzdem jeden tag ins meer. man liest viel und gerne. man schläft viel und gerne.

batumi selbst, 8 kilometer entfernt, eine seltsame stadt. schön, sicher, aber auch gemacht. geschmack des tages: eiscreme und salz. weil in der luft und auf der haut.

wir starren ins meer, bis es zurück starrt. dann wird es kratzbürstig, es faucht und spuckt und man traut sich nicht mehr so recht rein. stattdessen verschlingt man weiter ein buch nach dem anderen. wir spazieren durch den botanischen garten für viel zu viel geld, aber wahrscheinlich war das der tarif für einen regenfreien aufenthalt, denn er, der regen, bleibt aus. wir schwitzen uns durch den dschungel, links meer, rechts pflanzen über pflanzen.

und was ist sonst noch so passiert? frankreich wird weltmeister im ballspielen, die marschrutka nummer 31 zum ferienhaus kommt nur, wenn die sterne günstig stehen, und in Poti im kolchischen tiefland suchen wir das goldene vlies, finden aber nur kühe am strand und einen rot-weiß-gestreiften leuchtturm.

der geruch der nächsten tage: sonnencreme. denn es hört tatsächlich auf zu regnen und die sonne brennt. sonnenbad, -brand und -untergang, letzterer vereint folgende farben: blau-grün-gelb-orange-rot und lila. wir braten und steine bohren sich in den rücken, aber hey, für heiße-stein-behandlungen bezahlt so mancher mensch unverschämt viel geld. beim bananenkaufen verknackse ich mir den knöchel und liege daraufhin im bett, eine vodka(?)-/chacha(?)-, oder vielleicht auch nur wasser(?)-flasche aus dem gefrierfach unterm bein. dazu kommt großflächiger sonnenbrand an stellen, wo ich ihn nie haben wollte. die 13 ist eben eine unglückszahl, denn noch so viele (wenige?) tage sind es, bis man den georgischen boden verlässt.

der fuß zwickt also und das meer rauscht, es gibt zum 67. mal spaghetti. die taschen werden gepackt und ein letztes mal rennt man in batumi im regen zur eisdiele. dann umarmen einen auch schon wieder die tbiliser 35 grad. home sweet klimaanlage, und wir sind wieder zu hause.

aber die pause ist nur von kurzer dauer. in der tat so kurz, dass es zum waschen von 10 maschinen wäsche reicht, einmal schlafen, und dann sitzen wir in der nächsten marschrutka, die uns in ein letztes abenteuer fährt. wir fahren durch kachetien nach Lagodekhi, damit ein gewisser geburtstagsgnom seinen geburtstag gnomen-like im wald verbringen kann. man läuft vom gästehaus im grünen nicht weit zum grün im nationalpark, welcher sich da befindet, wo die grenzen georgiens, russlands und aserbaidschans sich gute nacht sagen. es hat, haha, starke regenfälle gegeben und das wasser bleibt aus, aber wer braucht schon wasser, wenn man die füße in den fluss halten kann, nachdem man einen tag nach dem anderen bäume umarmend und den mücken ausweichend durch die botanik gesprungen ist. die wanderung zum „black grouse“ wasserfall, der nach dem kaukasischen birkhuhn benannt ist, meinem lieblings-birkhuhn, muss leider ausfallen, denn wir können ganz klassisch den fluss nicht überqueren. zu viel wasser nach dem regen. zwischendurch wird man 19, stößt zum überraschungsfrühstück mit dem gastopa schon mal mit einem schnäpschen an und freut sich über liebe menschen. und pizza und zitronenlimonade im waldcafé. ein gutes jahr war es.

wir spazieren über eine lange straße. da kommt so ein typ aufm pferd angeritten. er bindet sein pferd am marketi fest und will schnell zigaretten kaufen gehen. das pferd hat aber keinen bock auf ne nikotinvergiftung und zuppelt so lange am seil, bis sich der knoten löst und es schließlich in die nächste nebenstraße davontrabt. typ hinterher. „ja, da ist es lang!“- gestikulieren wir. draußen wird es dunkel und wir sitzen wassermelone essend auf der terrasse, hören den letzten vögeln beim zwitschern zu und stehen um 7 uhr auf, nehmen die neun uhr-marschrutka und lassen damit die letzte kleine reise der großen reise zu ende gehen.

rückblick. wir suchen den supermarkt. „wolln wir den hund ma fragen?“-  „nee, ich glaub der weiß das jetz auch nich.“

und genau so hat es sich zugetragen.

übrigens bebte im juni die erde. irgendwie hat mein gehirn das aus dem speicher geschmissen. und nun sind es noch sieben tage, auf die meine elf monate zusammengeschrumpft sind. ein festival- und ein friseurbesuch stehen noch an. ans kofferpacken denkt man nur nachts, wenn man vor hitze nicht einschlafen kann.

 

 

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