{"id":66,"date":"2018-12-03T09:35:37","date_gmt":"2018-12-03T08:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/?p=66"},"modified":"2018-12-03T09:35:37","modified_gmt":"2018-12-03T08:35:37","slug":"rupac-warum-geht-der-mensch-wandern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/2018\/12\/03\/rupac-warum-geht-der-mensch-wandern\/","title":{"rendered":"Rupac-warum geht der Mensch wandern?"},"content":{"rendered":"<p>Trotz der harten Matratze im Bett des Hostels habe ich gut geschlafen. Am Samstagmorgen wird meine freudige Erwartung nur davon geschm\u00e4lert, dass ich die s\u00fc\u00dfen Honigpops vom Hostel-Fr\u00fchst\u00fcck verpasse. Die haben mich an meine gaaaanz jungen Jahre erinnert, in denen ich die wahrscheinlich kiloweise mit Milch in mich reingesch\u00fcttet habe. Aber das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00e4ngt erst um acht Uhr an und ich treffe mich schon um sieben (oder war es sieben Uhr drei\u00dfig?) mit Luisa und Johanna am Gran Terminal Terreste in Lima, Peru. \u00a0Als ich dort ankomme ist das Zelt, das wir uns \u00fcbers Wochenende ausleihen schon da und so k\u00f6nnen wir am Z-Buss Schalter direkt unsere Tickets kaufen. Dank der UNESCO und unseres von kulturweit so toll konzipierten Freiwilligenausweises bekommen wir sogar den erm\u00e4\u00dfigten Preis. Wir fahren erst mit dem Bus zwei Stunden aus Lima raus in die kleine Stadt Huaral. Das Grau der Stadt wandelt sich langsam zum Gr\u00fcn der Erdbeerfelder au\u00dferhalb Limas.<\/p>\n<p>An dieser Stelle k\u00f6nnte ich vielleicht kurz erkl\u00e4ren was wir \u00fcberhaupt vorhaben. Zu diesem Zeitpunkt WOLLEN wir noch wandern gehen. Circa vier Stunden von Lima entfernt gibt es auf 3.700 Metern Ruinen einer Stadt einer pr\u00e4inkaischen Kultur, die man nur durch eine 3-4 h lange Wanderung erreichen kann. Das ist unser Ziel, noch liegt ein langer Weg von uns. \u00a0Urspr\u00fcnglich wollten Luisa und ich nach Macahuasi, eine Wanderung die sehr \u00e4hnlich verl\u00e4uft aber bekannter ist und deshalb mehr ausl\u00e4ndische Touristen anzieht. Spontan hat Johanna sich angeschlossen, die schon in Macahuasi war, aber von ihrem Mitbewohner den Rupac-Tipp bekommen hat. Diese Wanderung ist weit weniger bekannt und so hatten wir von Anfang an Angst, dass wir die einzigen sein w\u00fcrden, die auf dem Berg \u00fcbernachten.<\/p>\n<p>In Huaral also besorgen wir uns ein Taxi, dass uns in circa zwei Stunden 3.000 Meter hoch in die Anden fahren soll. Beziehungsweise es wird uns besorgt. Nat\u00fcrlich fallen wir mit unseren Backpacks auf dem R\u00fccken auf und man kann uns als ausl\u00e4ndisch identifizieren. Dann kommen meistens viele M\u00e4nner mit Autoschl\u00fcsseln in der Hand angerannt und bieten dir ein Taxi an. \u00a0Dieses Mal brauchen wir tats\u00e4chlich eins und so sitzen wir schnell zusammengepresst auf der R\u00fcckbank eines funktionst\u00fcchtigen Autos. Spontan f\u00e4llt uns auf, dass keiner von uns vorher das Wetter gecheckt hat. Dank mobiler Daten l\u00e4sst sich das (gl\u00fccklicherweise) nachholen. Erschreckt und ein bisschen belustigt stellen wir fest, dass Regen bzw. Gewitter und K\u00e4lte vorhergesagt ist. Warum ist hier au\u00dfer uns eigentlich kein anderer, der aussieht als w\u00fcrde er wandern gehen wollen?<\/p>\n<p>Wir haben Gl\u00fcck: mit dem n\u00e4chsten Bus kommt doch tats\u00e4chlich ein Mann mit Rucksack, und es werden mehr! Dann sitzen wir wenigstens nicht alleine im Regen! Kurze Zeit sp\u00e4ter joint uns auf unsere R\u00fcckbank eine Peruanerin aus Lima, ihr Freund nimmt vorne Platz. Da das Auto jetzt aber auch wirklich voll ist beginnen wir unsere Fahrt. Im Auto ist es eng und je h\u00f6her wir uns den staubigen Bergweg hocharbeiten desto hei\u00dfer und eben staubiger wird es im Auto. Das w\u00e4re ein Problem, wenn der Fahrer nicht einen wirklich guten Mix an englischsprachiger Musik und Reggaeton auf seinem Stick h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So passieren wir La Floripa, eine fast verlassenen Stadt in den Anden. Hier kassiert ein \u00e4lterer Peruaner ein paar Sol. Unser Eintritt in die Berge! Nach weiteren drei\u00dfig Minuten kommen wir in der Geisterstadt an, in der man seinen Aufstieg beginnt. Die ehemaligen Bewohner haben die Stadt verlassen als La Florida ans Stromnetz angeschlossen wurde. Jetzt gibt es hier nur noch ein Restaurant, in dem wir Tequenos und Choclo con queso essen. Unsere letzte richtige Mahlzeit.<\/p>\n<p>Dann beginnen wir unseren Aufstieg, schon nach 15 min. sind wir nicht sicher ob wir auf dem richtigen Weg sind. Ein bisschen irritiert und begleitet von einer Kuh gehen wir einfach weiter. Es stellt sich heraus, dass wir nat\u00fcrlich richtig waren. Kurzer Fotostopp auf der so pitoresken Br\u00fccke, weiter gehts. Durchschnittlich wahrscheinlich alle 45 min. machen wir eine Pause. Kekse werden verspeist, Zitronenbonbons werden gelutscht. Die helfen gegen die H\u00f6he. Es wird immer hei\u00dfer, die Sonne brennt auf unsere Haut.<a style=\"font-size: 1rem\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-69 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2-300x169.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2-300x169.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2-768x432.jpeg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2.jpeg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/fullsizeoutput_2-624x351.jpeg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"font-size: 1rem\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a style=\"font-size: 1rem;color: #0f3647\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-71\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490241-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span style=\"font-size: 1rem\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Am Wegrand gibt es keine Schilder die anzeigen, wie viel man schon geschafft hat. Also k\u00f6nnen wir nach jeder Kurve oder Windung nur hoffen, dass die Ruinen, die man manchmal aufblitzen sieht, n\u00e4her kommen. Oder das die Geisterstadt, die wir zur\u00fcckgelassen haben immer weiter weg erscheint. Immer mehr merke ich, dass ich f\u00fcrs Fahrrad geschaffen bin. Zu Fu\u00df ist man so unglaublich langsam. Der Weg ist insgesamt 7 km lang, das schaffe ich mit dem Fahrrad in unter 30 Minuten, geht mir immer wieder durch den Kopf. Leider ist kein Fahrrad dabei und der Weg eignet sich auch wirklich nicht.<\/p>\n<p>Auf jeder Pause finden wir erneut Motivation. Zum Beispiel werden nach circa anderthalb Stunden die Esel an uns vorbeigetrieben. Bepackt mit den Habseligkeiten der Mitwanderer. Wir haben uns gegen Esel entschieden, wenn wir uns aus freien St\u00fccken f\u00fcr den Aufstieg entscheiden, soll auch kein anderer unsere Sachen schleppen. Vorangetrieben vom Stolz geht es also weiter.<\/p>\n<p>Man merkt den H\u00f6henunterschied schon sehr. Die Schritte sind, f\u00fcr meine Verh\u00e4ltnisse, winzig und genau so ineffizient f\u00fchlt sich jeder Atemzug an. Auf der n\u00e4chsten Pause bezeichnet man uns als &#8222;Kriegerinnen&#8220;, das spornt an!<\/p>\n<p>Irgendwann passieren wir das 800 Meter Schild. Was sind schon 800 Meter wenn man 6 KILOmeter hinter sich hat? Immer mehr wird allerdings klar 800 Meter sind eben auch fast ein Kilometer. So schnell k\u00f6nnen wir dann doch kein Bergfest feiern. Nach gef\u00fchlten Ewigkeiten kommt das 300 Meter Schild, das ist jetzt wirklich nicht mehr so lange!<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-72 aligncenter\" style=\"font-size: 1rem\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490244-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490244-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490244-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490244.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490244-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Nach drei Stunden Aufstieg haben wir es endlich geschafft, um 18 Uhr kommt der Zeltplatz in Sicht. Auf den letzten Metern treffen wir einen Guide, der uns freundlicherweise in seine Gruppe aufnimmt. So haben wir als wir ankommen direkt einen Zeltplatz am Lagerfeuer. Das Zelt ist schnell aufgebaut und uns wird eine kleine Tour angeboten, nehmen wir nat\u00fcrlich dankend an!<\/p>\n<p><em>Kurze Information aus dem Off: ich bin an dieser Stelle schon weeeeeeeeit \u00fcber der empfohlenen Wortanzahl von 500, wer will kann nachz\u00e4hlen. Trotzdem werde ich weiter schreiben und freue mich \u00fcber jeden, der es bis jetzt geschafft hat und weiter liest.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Mit den anderen Teilnehmern der Reisegruppe, die wahrscheinlich tats\u00e4chlich f\u00fcr diese Tour bezahlt haben, geht es in die Ruinen. Mein pers\u00f6nliches Highlight ist der Sonnenuntergang, der wahrscheinlich sch\u00f6nste (und verdienteste!) meines doch so kurzen Lebens.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-76\" style=\"font-size: 1rem\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490259-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490259-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490259.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>\u00a0 \u00a0\u00a0<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-77\" style=\"font-size: 1rem\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490265-300x533.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490265-300x533.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490265.jpg 576w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><a style=\"font-size: 1rem\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-74 alignnone\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490254-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-80 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/9def41bd-2ac6-4408-b32f-997fcd31c21e.jpg 1040w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><a style=\"font-size: 1rem;color: #0f3647\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-73 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490253-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a style=\"font-size: 1rem\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-78 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273-300x169.jpg\" alt=\"\" width=\"369\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273-300x169.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273-768x432.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/P1490273-624x351.jpg 624w\" sizes=\"(max-width: 369px) 100vw, 369px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fcckweg wird Feuerholz gesammelt, dann geht es f\u00fcr eine kurze Pause ins Zelt. Wir ziehen uns eine Schicht mehr an, es wird sehr kalt! Nachdem wir ungef\u00e4hr eine Stunde geruht haben bekommen wir Hunger und packen so unser Abendbrot aus. Am Abend zuvor waren wir einkaufen und so haben wir K\u00e4se, Baguette, Aufstrich und Thunfisch.<\/p>\n<p>Physisch geht es f\u00fcr mich nach dem Abendbrot leider bergab. Ich bekomme Kopf- und Bauchschmerzen. Das wird durch den harten Untergrund, auf dem wir liegen nicht unbedingt besser. Trotzdem werden wir irgendwann zum Lagerfeuer gerufen, die Hitze des Feuers tut gut. Uns wird ein Marshmallow und Koka-Tee angeboten. Nach einer Gruselgeschichte, die mir gl\u00fccklicherweise erst am n\u00e4chsten Tag \u00fcbersetzt wurde, gehen wir ins Bett.<\/p>\n<p>Alles anziehen was geht und versuchen zu schlafen! Die Betonung liegt auf versuchen, das ganze f\u00e4llt leider nicht besonders erfolgreich aus. W\u00e4hrend die anderen beiden neben mir scheinbar friedlich vor sich hin schlummern liege ich gr\u00fcbelnd wach. Nat\u00fcrlich bin ich am n\u00e4chsten Tag nicht besonders ausgeschlafen. Au\u00dferdem merke ich stark, dass die 3.700 Meter mich daran hindern so zu Atmen wie ich will.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-79\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f-768x576.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/files\/2018\/12\/b6161af2-1fa7-4c59-945b-1e61881efe9f.jpg 1040w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich f\u00fchle mich absolut elend und meine k\u00f6rperliche Fitness f\u00fchlt sich stark eingeschr\u00e4nkt an. Tolle Vorraussetzungen f\u00fcr den Abstieg, denke ich mir. Aber erstmal gibt es Fr\u00fchst\u00fcck: Dosenpfirsiche, Bananen und \u00c4pfel. Langsam versuchen wir unseren Kreislauf hochzufahren. Endlich erreicht die Sonne unser Zelt und die K\u00e4lte hat ein Ende. Die anderen machen noch einen letzten Rundgang. Ich bleibe lieber auf einem Stein sitzen und sammle meine Energie.<\/p>\n<p>Weil wir so viel gegessen haben f\u00fchlt sich wenigstens der Rucksack viel leichter an, als wir ihn umschnallen und ich falle nicht wie erwartet hinten \u00fcber. Wie beginnen unseren Abstieg, ich setze einfach einen Fu\u00df vor den anderen. Noch bevor wir das 800 Meter Schild erreichen sp\u00fcren ich wie der Boden unter meinen F\u00fc\u00dfen wegrutscht und falle einmal der L\u00e4nge nach hin. Ich sehe aus, wie eine Schildkr\u00f6te, die auf ihrem Panzer liegt. W\u00e4hrend des Sturzes sehe ich mich schon auf einem Esel den Berg runter reiten, vielleicht kann mich jemand abholen. Das alles passiert nicht. Ich stehe auf, bekomme ein bisschen Desinfektionsmittel auf meine H\u00e4nde und begleitet von einem schmerzenden Stei\u00dfbein geht es weiter.<\/p>\n<p>Ich passe erheblich auf nicht noch einmal hinzufallen, laufe ganz hinten und konzentriere mich einfach auf die Gespr\u00e4che von Luisa und Johanna. Schon gestern haben wir uns gefragt: aus was f\u00fcr einem selbstzerst\u00f6rerischen Willen heraus entscheidet man sich wandern zu gehen? Bestimmt 70% der Zeit ging es bei unserem Ausflug darum wann wir da seien, wie lange es noch brauche, wir haben uns dar\u00fcber ausgetauscht wie elend es uns ginge. Es schien absolut keinen Spa\u00df zu machen. Und doch hat sich jeder von uns vorher dazu entschieden mit einem schweren Rucksack auf dem R\u00fccken sieben Kilometer Land staubige Wege hoch zu laufen. Es muss das Gef\u00fchl sein, wenn man ankommt. Wenn man wei\u00df, dass man es geschafft hat. So hoffen wir jedenfalls.<\/p>\n<p>Pausen legen wir aus strategischen Gr\u00fcnden im Schatten ein. Sie sind weitaus k\u00fcrzer als gestern, daf\u00fcr gibt es mehr. Langsam und Schritt f\u00fcr Schritt arbeiten wir uns voran. Ich rede nicht viel, folge nur den Anderen und so geht es Minute f\u00fcr Minute den Berg herab. Da ist der Stein, an dem wir gestern verzweifelt sind. Hier das Schild, auf dem steht, man solle auf die Natur achten. Nur die Zitronenbonbons und die billigen Schokokekse halten uns am Leben.<\/p>\n<p>Mal werden wir von einer Gruppe \u00fcberholt, mal \u00fcberholen wir selber.<\/p>\n<p>Irgendwann h\u00f6ren wir den Wasserfall, vor dem wir gestern unser erstes Foto gemacht haben. Hier noch eine letzte Pause, bevor es nochmal ein paar hundert Meter bergauf geht und wir endlich die Geisterstadt erreichen. Wir setzen uns in den Schatten, essen unsere letzten Kekse, fragen uns ob es das alles wert war. R\u00fcckblickend kann ich sagen: Ja. Wir hatten so viele Insider nach dieser kurzen Zeit, so vieles \u00fcber das wir im R\u00fcckblick lachen k\u00f6nnen. Man vergisst wie absolut elend man sich gef\u00fchlt hat und erinnert sich nur noch daran wie sch\u00f6n die gemeinsame Zeit und der Geschmack der Zitronenbonbons ist.<\/p>\n<p>Mit diesem Gedanken im Kopf schaffen wir auch noch die letzten Meter, die leider zahlreicher sind als erwartet. Viermal legen wir eine Pause ein. Ich will nicht sterben kurz bevor wir ankommen, dann lieber eine Pause mehr. Nat\u00fcrlich gehen wir am Ende noch ein bisschen falsch, sodass wir nicht beim Restaurant rauskommen, sondern etwas weiter oben. Die letzte Strapaze unserer Reise ist es also den Berg hinabzuklettern.<\/p>\n<p>Ich erinnert mich jetzt noch an den Moment. Noch nie war es so sch\u00f6n auf einem Plastikstuhl zu sitzen mit einer Banane in der Hand, der Rucksack steht daneben. Mit einer kalten Cola in der Hand (die ich eigentlich gar nicht mag) und man wei\u00df, gleich steht man nicht wieder auf um weiter zu gehen. Um durch so kleine Dinge, ein so sch\u00f6nes Gef\u00fchl hervorzurufen muss man wahrscheinlich eine strapazierende Wanderung hinter sich haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz der harten Matratze im Bett des Hostels habe ich gut geschlafen. Am Samstagmorgen wird meine freudige Erwartung nur davon geschm\u00e4lert, dass ich die s\u00fc\u00dfen Honigpops vom Hostel-Fr\u00fchst\u00fcck verpasse. Die haben mich an meine gaaaanz jungen Jahre erinnert, in denen ich die wahrscheinlich kiloweise mit Milch in mich reingesch\u00fcttet habe. Aber das Fr\u00fchst\u00fcck f\u00e4ngt erst [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2552,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-66","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2552"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=66"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":81,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/66\/revisions\/81"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=66"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=66"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=66"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}