{"id":136,"date":"2019-05-20T23:39:03","date_gmt":"2019-05-20T21:39:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/?p=136"},"modified":"2019-05-20T23:39:03","modified_gmt":"2019-05-20T21:39:03","slug":"der-charme-liegt-im-unbekannten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/2019\/05\/20\/der-charme-liegt-im-unbekannten\/","title":{"rendered":"Der Charme liegt im Unbekannten"},"content":{"rendered":"<p>Um ehrlich zu sein war ich mir nicht sicher ob ich hier nochmal irgendwann etwas posten w\u00fcrde. Aber es tut mir leid dem Ganzen so ein abruptes Ende zu geben. Und so langsam tut es mir mehr leid, als das meine Faulheit mich davon abh\u00e4lt noch einen Beitrag zu schreiben.<br \/>\nErst habe ich gedacht ich h\u00e4tte im Moment einfach keine Zeit. Nach tiefgehender Reflektion bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, dass ich anstatt der 30 min. YouTube Kochvideos, die meine Zeit definitiv auch wert sind, auch diesen Eintrag schreiben k\u00f6nnte. Mein innerer Schweinehund hat also verloren, 1:0 f\u00fcr die Produktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn ich eins auf jeden Fall bin, habe ich bis jetzt gedacht, dann offen. Ich probiere (fast) alles, sage deutlich mehr \u201eJa, das probiere ich\u201c als \u201eNein\u201c. Und doch habe ich hier gemerkt bin ich doch schon festgefahren in manchen meiner Gewohnheiten.<\/p>\n<p>Das Obst schmeckt hier super. Noch nie habe ich so saftige Ananas oder s\u00fc\u00dfe Mangos gegessen. Die brasilianischen Bananen sind nicht mit den Deutschen, die ich wohl nie wieder essen kann, zu vergleichen. \u00a0Und doch erwische ich mich immer \u00f6fter dabei wie ich anstatt der saftigen Ananas die vergleichsweise geschmacklosen \u00c4pfel kaufe. \u201eDie haben einfach eine andere Konsistenz, die mir sonst im Obstsalat fehlt\u201c, versuche ich meinen Fehlkauf recht zu fertigen. Eigentlich ist es aber pure Gewohnheit, Faulheit von dem gewohnten abzuweichen. Es kostet mich jedes Mal aufs neue \u00dcberwindung die \u00c4pfel nicht in meinen Einkaufskorb zu legen.<\/p>\n<p>Seit meinem zweiten Tag hier in Brasilien fahre ich alle meine Strecken in der Stadt mit dem Fahrrad. Weil mir das unglaublich viel Spa\u00df macht, weil ich dann keine zus\u00e4tzlichen Schadstoffe erzeuge, weil ich morgens dann erst richtig wach bin, weil es am billigsten ist und, weil ich das in Deutschland auch schon so gemacht habe.<\/p>\n<p>Nach drei Monaten, als mein Reifen einen Platten hatte, bin ich dann mal mit dem Bus gefahren. Im Bus stand ich zwischen all den Menschen, die ich sonst immer nur durch die Busfenster gesehen hatte. Und da sind sie mir erst so richtig aufgefallen. Ich hatte Zeit, wie ich so mit meinen Kopfh\u00f6rern im Bus stand und sie alle beobachtete.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag war der Reifen geflickt und ich wieder auf dem Fahrradweg.<br \/>\nUnd irgendwie hatte ich pl\u00f6tzlich das Gef\u00fchl in einem Rhythmus unterwegs zu sein und der Rest der Stadt in einem ganz anderen. Wir spielten gleichzeitig, aber komplett unterschiedlich. Ich war irgendwie au\u00dferhalb. \u201eVielleicht liegt das daran, dass ich meine Kopfh\u00f6rer in den Ohren habe?\u201c Also nahm ich sie raus und h\u00f6rte den Ger\u00e4uschen der Stadt anstatt AnnenMayKantereit zu. Trotzdem f\u00fchlte ich mich als jemand Fremdes. Anders als im Bus, in dem ich gar nicht aufgefallen war.<\/p>\n<p>Genauso wie ich meine Sonntage in zwei verschiedene Arten einteile, teile ich inzwischen die Caf\u00e9s hier in zwei Verschiedene ein. Manchmal ist die Welt eben doch Schwarz und Wei\u00df.<br \/>\nAuf der einen Seite gibt es Caf\u00e9s, wie ich sie kenne. Gem\u00fctliche Sitze, eine sch\u00f6ne Einrichtung. Es wird viel Wert auf Aussehen gesetzt. Sowohl bei der Einrichtung, beim Essen, beim Instagramfeed als auch bei der Bedienung.<br \/>\nOft wird dabei leider der Geschmack des Servierten vergessen. Der Kuchen ist definitiv \u201einstagram-worthy\u201c, aber auch eben nur, weil man ihn dort nicht schmecken kann.<\/p>\n<p>Und wenn mir in meinem Leben eines wichtig ist, dann das Essen.<\/p>\n<p>Und so stehen auf der anderen Seite die hier sogenannten \u201ePadarias\u201c. B\u00e4ckereien, in denen sich jeder morgens seine Br\u00f6tchen oder p\u00e3o de queijo holt. Dort kann man sich aber auch an einen der Tische mit Plastikst\u00fchlen setzen und sich Kuchen und Geb\u00e4ck aus der Theke direkt auf den Teller w\u00fcnschen. Der Kaffee kostet hier nur einen Euro. Da f\u00fchlt man sich wie im Italienurlaub. \u00dcbrigens ein Bruchteil des Preises, den man in den selbsternannten \u201eHipstercaf\u00e9s\u201c zahlen w\u00fcrde. Und richtiger Luxus ist, wie ich finde, sich im Caf\u00e9 einen zweiten Kaffee bestellen zu k\u00f6nnen. Ja, seine Bestellung muss man hier selber am Tresen machen und auf Plastikst\u00fchlen in einem Raum mit wenig Dekoration sitzen. Der Charme liegt im Verborgenen. Ich habe schon so manches zweite Fr\u00fchst\u00fcck eingelegt, weil es bis auf den Fahrradweg nach Frischgebackenem geduftet hat. Au\u00dferdem ist die Masse der Kaffeetrinker hier viel heterogener. Und so\u00a0eignen sich die Caf\u00e9s zweiter Sorte besser zum \u201ePeople Watching\u201c.<\/p>\n<p>Besonders in meinen letzten drei Monaten hier versuche ich meine, wie ich gemerkt habe, doch eingefahrenen Angewohnheiten ein bisschen los zu lassen. Das wollte ich einfach mal Teilen und dazu aufmuntern jeden Tag etwas Neues zu probieren. Und wenn man im Supermarkt einfach mal &#8222;Boskoop&#8220;-\u00c4pfel anstatt \u201eElstar\u201c kauft. \u00a0Oder wie in meinem Fall Bananen Sorte \u201eFigo\u201c anstatt \u201eBranca\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um ehrlich zu sein war ich mir nicht sicher ob ich hier nochmal irgendwann etwas posten w\u00fcrde. Aber es tut mir leid dem Ganzen so ein abruptes Ende zu geben. Und so langsam tut es mir mehr leid, als das meine Faulheit mich davon abh\u00e4lt noch einen Beitrag zu schreiben. 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