{"id":116,"date":"2019-03-02T01:11:55","date_gmt":"2019-03-02T00:11:55","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/?p=116"},"modified":"2019-03-02T01:11:55","modified_gmt":"2019-03-02T00:11:55","slug":"gerade-erst-angekommen-oder-schon-wieder-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/tudobem\/2019\/03\/02\/gerade-erst-angekommen-oder-schon-wieder-weg\/","title":{"rendered":"Gerade erst angekommen oder schon wieder weg"},"content":{"rendered":"<p>Meine Mutter hat am Wochenende zu mir gesagt sie warte auf einen neuen Blogpost.<\/p>\n<p>Mittwochs habe ich jetzt immer nur eine Stunde und kann, nachdem ich weitere Vorbereitungen getroffen habe, immer schon Mittags zuhause sein. Heute ist Mittwoch und ich war um 12 Uhr zu Hause. Jetzt ist es aber schon 16.30 Uhr und pl\u00f6tzlich kam in mir der Drang auf meiner Mutter ihren Wunsch zu erf\u00fcllen und einfach mal anfangen zu schreiben. Spoiler: am Mittwoch habe ich nur angefangen, inzwischen ist es Freitag.<\/p>\n<p>Dann sa\u00df ich also vor meinem Computer auf meinem Bett, drau\u00dfen f\u00e4llt der Regen. Und ich wei\u00df gar nicht so genau was ich schreiben soll. Das liegt aber eher nicht daran, dass ich nichts zu erz\u00e4hlen h\u00e4tte, sondern vielmehr daran, dass es zuviel, zu verschiedene Sachen gibt.<\/p>\n<p>Der kulturweit-blog ist voll mit abschlie\u00dfenden Worten. Alle Freiwillige, die nur f\u00fcr sechs Monate im Ausland waren, sind schon zur\u00fcck in Deutschland. Am Werbellinsee.<br \/>\nWas bedeutet das f\u00fcr mich? Die H\u00e4lfte meiner Zeit hier ist schon vorbei.<\/p>\n<p>Eins kann ich mit Sicherheit sagen, ich bin froh, dass es erst die H\u00e4lfte ist. Aber wenn die Zeit der zweiten H\u00e4lfte genau so schnell fliegt wie die der ersten, dann bin ich im Grunde schon wieder im Flieger zur\u00fcck. Daran wollen wir aber noch nicht denken.<\/p>\n<p>Das Gef\u00fchl, dass ich hier fremd bin und nicht rein passe, f\u00fchlt sich mittlerweile bekannt an. Ich erlebe immer noch Sachen zum ersten Mal, aber das &#8222;Sachen zum ersten Mal erleben&#8220; habe ich schon ganz oft erlebt. Meiner Meinung nach, bin ich ja inzwischen ganz gut darin.<\/p>\n<p>Denn auf der anderen Seite habe ich mir meinen eigenen kleinen Tagesablauf gebastelt, der mir im Moment wirklich Spa\u00df macht.<\/p>\n<p>Seit drei Wochen gehe ich jetzt regelm\u00e4\u00dfig abends zum Yoga. Das habe ich vorher noch nie gemacht und dementsprechend umprofessionell sieht das ganze dann nat\u00fcrlich auch aus. Zus\u00e4tzlich fehlen mir die portugiesischen Vokabeln f\u00fcr Kn\u00f6chel und H\u00fcfte. (jetzt nicht mehr) Besonders als ich in der letzten Stunde etwas sp\u00e4ter gekommen bin, war das unangenehm. Es war leider nur noch ein Platz im Zentrum der anderen Teilnehmer frei.<br \/>\nLinks und rechts kann ich auch im Deutschen nur nach reichlicher \u00dcberlegung auseinander halten. Wenn also alle ihren Linken Arm heben, hebe ich meinen Rechten.<br \/>\nAu\u00dfer mir scheint das aber keinen zu st\u00f6ren. Alle, die nicht bei den anderen abgucken m\u00fcssen haben ihre Augen ja geschlossen. Und das ist ganz klar ein Vorteil von meinem Platz in der Mitte der Gruppe-abgucken kann man da super. Trotzdem gehe ich heute ein bisschen fr\u00fcher hin.<br \/>\nTrotz der Verwirrung, die ich in den Stunden vermehrt sp\u00fcre, sind es die sch\u00f6nsten Stunden der Woche. Den Rest der Woche bin ich mit meinem Gedanken \u00fcberall und irgendwo (Haben die Kinder verstanden was ich versucht habe zu vermitteln in der Stunde? Wo feier ich Karneval? Was esse ich heute Abend? Hei\u00dft &#8222;ich bin gefahren&#8220; auf portugiesisch &#8222;foi&#8220; oder &#8222;fui&#8220;?)<br \/>\nAber beim Yoga, da bin ich irgendwie ganz f\u00fcr mich. Sind meine Bauchmuskeln jetzt genug angespannt? Muss das Bein noch h\u00f6her? Bedeutet esquerda jetzt rechts oder links?<br \/>\nAuf dem R\u00fcckweg bin ich dann immer ganz ruhig.<\/p>\n<p>Dienstags und Donnerstags arbeite ich lang und habe danach noch portugiesisch.\u00a0Mein Portugiesisch f\u00e4ngt doch jetzt erst richtig an. \u00a0Das habe ich hier wahrscheinlich auch schon oft genug geschrieben. Ich bin aber einfach unglaublich fasziniert davon wie man so eine Sprache einfach aus dem Nichts lernt. Am Anfang habe ich wirklich absolut nichts verstanden (auch wenn ich manchmal behauptet h\u00e4tte es w\u00e4re anders um mich nicht zu entmutigen) aber jetzt verstehe ich wirklich was (diesmal wirklich) und ich w\u00fcrde fast behaupten fast alles. Au\u00dferdem ist es mir mittlerweile egal, dass ich nicht perfekt spreche, sehr wenig grammatikalische Strukturen benutze. Ich fange einfach an zu reden.<br \/>\nSehr gut ist au\u00dferdem, dass meine sozialen Strukturen sich langsam verfestigen. Und diese Strukturen meistens nur Portugiesisch sprechen, sodass ich gezwungen bin mitmachen.<\/p>\n<p>Und das Wochenende, ja das Wochenende. Also, hier gibt es zwei verschiedene Arten von Wochenenden. Es gibt die regnerischen und die sonnigen. An erstgenannten ist das mit der Freizeitgestaltung ein bisschen schwierig. Gerne schlafe ich dann aus, gehe auf den Biomarkt von Joinville (gibts hier tats\u00e4chlich), dann Skype ich, koche ein aufwendiges Fr\u00fchst\u00fcck. Dann ist meistens schon Samstagnachmittag. Ich habe schon versucht, die restliche Zeit des Wochenendes ganz brasilianisch im Shoppingcenter zu verbringen, aber das werde ich wohl nie wieder machen. An einem regnerischen Wochenende sind da eine meeeeeeenge Leute. Au\u00dferdem jede Menge Kleidungsl\u00e4den, Kinos, Trampolin-H\u00fcpf-M\u00f6glichkeiten, Caf\u00e9s. Und wenn eine menge Brasilianer auf ein Shoppingcenter treffen ist der Konsum gro\u00df. Da f\u00fchle ich mich irgendwie unwohl.<br \/>\nGanz anders sieht die Realit\u00e4t an einem sonnigen Wochenende aus. Dann versuche ich m\u00f6glichst fr\u00fch aufzustehen um den ersten Bus zum Strand zu bekommen. Der zweite f\u00e4hrt n\u00e4mlich zu sp\u00e4t und kommt dann erst nachmittags an.<br \/>\nOder ich werde von den Deutschlehrerinnen, die mittlerweile ein bisschen wie Freunde geworden sind, mit zum Strand genommen. Meistens fahren wir dann schon um acht um dem Stau zu entkommen. Ihr seht: auf dem einen oder anderen Weg geht es immer zum Strand.<br \/>\nAuf Sao Francisco do Sul, einer Halbinsel \u00f6stlich von Joinville, habe ich jetzt einen Surflehrer gefunden, bei dem ich Samstagmorgens bei guten Konditionen f\u00fcr einen sehr akzeptablen Preis \u00a0eine Surfstunde nehmen kann.<\/p>\n<p>Einmal pro Woche backe ich mein eigenes Brot, denn das brasilianische Toast, macht einfach nicht satt. Ich versuche so viel Obst zu essen wie m\u00f6glich und wei\u00df wo ich das frischeste Gem\u00fcse und beste Acai finde.<\/p>\n<p>Soviel zu meinem Alltag, der immer wieder durch neues aufgebrochen wird.<br \/>\nIch hoffe der Blogpost ist so in Ordnung, Mama. Und tut mir leid, dass du l\u00e4nger drauf warten musstest als ich gesagt habe.<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe und bis Bald,<\/p>\n<p>Eure Clara<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Mutter hat am Wochenende zu mir gesagt sie warte auf einen neuen Blogpost. 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