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Das Zwischenseminar

Ich gebe zu – ich hatte keine Lust auf das Zwischenseminar. Warum sollte ich zu einem Seminar, wenn ich mich in meiner Einsatzstelle sauwohl fühle? Aber es ist ein Muss, also musste ich mich meinem Schicksal fügen … Das einzig Gute: Ich konnte mit dem Flieger anreisen! =)

Bepackt mit zwei Rucksäcken ging es zum Flughafen von Tirana und dann war ich auch schon in der Luft. Das erste Highlight war das Hindu Essen, welches ich kostenlos bei der Buchung des Fluges bestellen konnte. Auch da wurde ich Zeuge des typischen Klischeedenkens, denn in der Reihe hinter mir saß jemand, der zumindest optisch vermeidlich aus Indien stammen würde, weshalb ihm mein Menü angeboten wurde. Da sieht man mal wieder, dass einem Vorurteile und vermeidlich „logische“ Schlussfolgerungen immer wieder im Alltag begegnen.

Am Flughafen angekommen war die erste Herausforderung den richtigen Bus zu finden und an der richtigen Haltestelle auszusteigen. Die Busfahrt dauerte ca. 50 min und beinhaltete eine kleine Stadtrundfahrt – vor allem durch den neueren Teil Belgrads. Am Ende war es aber alles ganz einfach, da man nur bis zur Endstation fahren musste, wenn man in das Zentrum der Stadt kommen wollte.

Belgrad am Hauptbahnhof

 

Die nächste Herausforderung war Tabea zu finden, mit welcher ich mich vor unserem Hostel treffen wollte – wie gut, dass die Straßenschilder in der kyrillischen Schrift geschrieben sind, welche ich nicht lesen kann. Aber zum Glück waren die Namen der Straßen sowohl in der kyrillischen als auch in der lateinischen Schrift ähnlich geschrieben und nach einem kurzen Moment des Wartens und einem kleinen Regenschauer konnte ich mit Tabea unsere schnuckelige kleine Wohnung im Hinterhof beziehen.

Dann ging es los die Stadt zu erkunden. Aus meiner Perspektive ähnelt Belgrad schon sehr stark den deutschen Städten (diejenigen die gerade in Belgrad ihre Einsatzstelle haben sehen das anders), es gibt Fahrpläne, viel Graffiti, Autos die an Zebrastreifen halten, Modelabels die ich von zu Hause kenne, viele der Häuser sind vom Baustil ähnlich usw. Da es schnell dunkel wurde, haben wir es nur geschafft uns die Festung und die Einkaufsstraße anzusehen – aber ein Blick auf Belgrad, die Save und die Donau bei Nacht ist schon was Feines.

Am nächsten Tag sind wir dann noch mal mit viel Zeit und schönem Wetter im Gepäck losgezogen. Eine kleine Kirchenbesichtigung und dann ging es wieder auf die Festungsanlage. Nun im Hellen wurde die ganze Größe der Anlage sichtbar: Inklusive des Dinoparks, des Militärmuseums und Folterinstrumente und und und… Ein kurzer Eiskaffee zur Stärkung an der Rosenkirche war eine nette Abkühlung, besonders da man den herrlichen Ausblick genießen konnte.

Das doppeltürmige Zindan Tor

Die große Kriegsinsel

 

Dann haben wir durch Zufall noch Verena und Josy (zwei andere Mitfreiwilligen) getroffen, welche sich uns angeschlossen haben. Zu viert ging es dann zu dem Tempel des Heiligen Sava, ein sehr imposanter und schöner Dom. Leider ist der Dom noch nicht fertig, aber die Katakomben geben einen Eindruck, wie beeindruckend und prunkvoll der Dom werden soll.

Tempel des Heiligen Sava

Den Abend haben wir in einer gemütlichen Runde mit fast allen Mitfreiwilligen in einem veganen Restaurant ausklingen lassen.

Am nächsten Tag trafen wir uns alle an dem Busbahnhof um dann knapp drei Stunden nach Mali Idjos zu fahren. Die Fahrt an sich war schön, denn so konnte man einen Eindruck von der Landschaft Serbiens bekommen. Eine halbe Stunde vor dem Erreichen des Ziels wurde unsere Reise durch einen LKW, welcher eine Panne mitten auf der Straße hatte, unterbrochen – doch mit alle Mann und Frau haben die umstehenden Personen den LKW angeschoben, sodass wir sobald er am Rand stand unsere Reise fortsetzen konnten. Und eine unserer Seminarleiterinnen, Sandra (welche mich schon beim Vorbereitungsseminar betreut hat und einfach mal die beste Leiterin ist!) meinte, dass wir die erste Gruppe von Kulturweit waren, die alle pünktlich gekommen sind – das möchte ich auch einmal „stolz“ erwähnen =D

Mali Idjos ist wirklich eine kleine Stadt – wenn man es abwertend betiteln möchte könnte man es auch Kaff nennen. Natürlich besticht Mali Idjos durch seine Ruhe und durch die Landschaft. Die Unterkunft in welcher wir untergebracht waren war idyllisch rustikal, mit einem kleinen Tümpel und netten Gastgebern.

Mali Idjos

Was haben wir nun in den folgenden 5 Tagen gemacht? Zum einem wurde das Seminar ganz auf unseren Wünschen und Bedürfnissen ausgelegt. Wir sollten uns Gedanken machen wie wir uns gerade Fühlen, sind wir zufrieden oder bedrückt uns was. Was wir bisher an den Einsatzstellen gemacht haben und wie wohl wir uns in ihnen fühlen. Ob wir schon Projekte gemacht haben, bzw. Projektideen haben oder ob wir bei der Findung eines Themas Hilfe benötigen. Einen Tag haben wir auch eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen besucht. Es war zwar sehr interessant, jedoch habe ich keinen Bezug zu meinem Freiwilligendienst herstellen können. Insgesamt muss ich sagen, dass mir persönlich das Zwischenseminar im Bezug auf mein FSJ nicht viel gebracht hat. Es war nett die anderen Freiwilligen zu sehen und Belgrad und Novi Sad zu besichtigen, aber ich wäre lieber in Tirana geblieben und hätte die drittletzte Woche in der Schule mit den Kollegen die man gerne hat und den Schülern verbracht – so hatte ich das Gefühl, dass mir eine Woche „gestohlen“ worden ist.

Am Freitag sind wir dann abgereist erst mit dem Bus nach Novi Sad und von da mit dem Zug nach Belgrad. Die Zugfahrt war erschreckend ähnlich der Zugfahrt in deutschen Zügen – aber was hatte ich auch anderes erwartet.

Dann hatte ich noch zwei Tage, die ich alleine in Belgrad verbringen musste. Ich hatte mir noch mal vorgenommen an einen meiner Lieblingsorte von Belgrad – dem Café oben auf der Festung bei der Rosenkirche – zu gehen. Alleine genoss ich also das schöne Wetter und den tollen Ausblick, gekrönt wurde die kleine Reise mit einer kleinen Shoppingtour, sowohl für andere als auch für mich.

Betonriese des Genex-Turms, der auch das Westliche Tor Belgrads genannt wird (Hintergrund)

Der Restaurantbesuch alleine war auch nicht so schlimm wie erwartet, auch wenn einem ab und an komische Blicke zugeworfen worden sind =D

 

Ada-Brücke

Dann ging es auch schon wieder mit dem Flugzeug zurück in die Heimat, in der mein Bruder schon auf mich wartete. Auf dem Flug muss ich aber, mit einem Teil einer (vllt auch die XY Mannschaft) von der französischen Nationalmannschaft geflogen sein – denn sie hatten auf ihrem Gepäck und ihrer Kleidung den gallischen Hahn und einen Stern und die Farben Frankreichs. Aber auch die saßen in dem kleinen Flugzeug zwischen ganz normalen Menschen und haben genauso wie wir nur einen Plastikbecher mit zwei Schluck stillem Wasser bekommen. Auch mussten sie ganz normal am Gepäckband warten. Nur vor dem Flughafen wartete schon ein großer Mannschaftsbus und Polizei auf sie, sodass sie sofort weiter fahren konnten und nicht wie ich noch 30 Minuten auf den Rinas Express warten mussten =D