{"id":3,"date":"2009-08-07T15:31:06","date_gmt":"2009-08-07T13:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/?p=3"},"modified":"2009-08-07T15:34:37","modified_gmt":"2009-08-07T13:34:37","slug":"stamp-of-origin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/2009\/08\/07\/stamp-of-origin\/","title":{"rendered":"Stamp of Origin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Moby-Dick#Ishmael\">Call me Ishmael.<\/a><\/p>\n<p>Ich leg hier jetzt einfach mal los in der Hoffnung dass ich Gedankenanst\u00f6\u00dfe biete und auch welche zur\u00fcckkriege.<\/p>\n<p>Ich hei\u00dfe Timon Traub, werd am Sonntag 20 und komme zusammen mit Charlotte nach (San Carlos de) Bariloche, ARG. Dort werden wir an der ans\u00e4ssigen Deutschen Schule arbeiten. Ich freu mich schon wie verr\u00fcckt \ud83d\ude00 und hoffe, ihr euch auch \ud83d\ude09<\/p>\n<p>F\u00fcr alle von uns, die wir uns im September hoffentlich kennen lernen werden, beginnt mit dem Dienstantritt ein neuer Abschnitt im Leben. Durchaus eine abgegriffene Phrase und ein totes Klischee. Oder doch?<\/p>\n<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir zumute war, als ich mit grade eben 16 Jahren f\u00fcr ein Jahr in die USA ging, um dort in Kansas Englisch und die Amerikaner verstehen zu lernen ;).<\/p>\n<p>Gro\u00dfartig Gedanken dar\u00fcber gemacht habe ich mir damals eigentlich nicht; ins Ausland gehen war halt einfach total logisch f\u00fcr mich &#8211; vor allem, da ich frei und ungebunden war (:D) und dringend die Sprache lernen wollte als auch einen Tapetenwechsel brauchte. Also nicht lange fackeln, ab in den Flieger. Macht ja durchaus auch Sinn und sich gut auf dem Lebenslauf, so ein Auslandsjahr.<\/p>\n<p>Wer sich ebenfalls auf dieses Abenteuer eingelassen hat wird best\u00e4tigen k\u00f6nnen, dass sehr zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung beitr\u00e4gt. Ich habe jedenfalls viel \u00fcber mich selber gelernt. Mindestens genauso viel \u00fcber andere Menschen und unsere Beziehungen untereinander. All das, was ich also aus den USA mitgenommen habe, hat wesentlich dazu beigetragen, meine Identit\u00e4t zu pr\u00e4gen &#8211; und damit sind wir beim hei\u00dfen Eisen.<\/p>\n<p>Wer bist du?<\/p>\n<p>Wer bin ich?<\/p>\n<p>Und was macht das aus?<\/p>\n<p>Bevor ich mich hier in esoterisch-spirituelle Beobachtungen versteige, was denn nun letztlich einen Menschen ausmacht, m\u00f6chte ich einen Gedankengang mit euch teilen, der mich seit gestern sehr besch\u00e4ftigt (und ihr werdet gleich sehen, warum \ud83d\ude00 ):<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Aktion &#8211; Reaktion &#8211; Identit\u00e4t?<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Was macht mich zu dem, der ich bin? Ist es das, was ich will; das was mich antreibt &#8211; oder ist es meine Umwelt, die Reaktionen anderer Menschen, die mich wiederum zu bestimmten Taten veranlassen (oder davon abhalten)?<\/p>\n<p>Damit das Ganze nicht so abstrakt bleibt:<\/p>\n<div id=\"attachment_6\" style=\"width: 115px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/Timon.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6\" class=\"size-medium wp-image-6\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/Timon-105x300.jpg\" alt=\"Vorher\" width=\"105\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/Timon-105x300.jpg 105w, https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/Timon-359x1024.jpg 359w, https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/Timon.jpg 1361w\" sizes=\"(max-width: 105px) 100vw, 105px\" \/><\/a><br \/>\n<p id=\"caption-attachment-6\" class=\"wp-caption-text\">Vorher<\/p><\/div>\n<p>Das <span style=\"text-decoration: line-through\">bin<\/span> war ich. Bis gestern. Meine Dreadlocks begleiten mich seit Weihnachten 2006. Davor hatte ich (sehr) lange Haare und wurde st\u00e4ndig gefragt, ob ich Metal<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/vorher.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/vorher.jpg\" alt=\"Vorher\" width=\"150\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/vorher.jpg 483w, https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/files\/2009\/08\/vorher-149x300.jpg 149w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a> h\u00f6re. Die letzten zweieinhalb Jahre wurde ich hingegen st\u00e4ndig gefragt, ob ich wohl Gras dabei h\u00e4tte (&#8222;Ey, Bob Marley! Hasse Weed?&#8220;).<\/p>\n<p>Weder h\u00f6re ich <a href=\"http:\/\/www.last.fm\/user\/Buddytimon\">besonders viel<\/a> Metal noch kiffe ich. Dennoch ver\u00e4nderte sich das Verhalten der Menschen um mich rum (mit Ausnahme meines engeren Freundeskreises) sofort und sp\u00fcrbar. Wem ich zuvor noch als Metaller galt sprach mich nun auf Bob Marley und Kiffen an (&#8222;Ach tu nicht so, du hast doch bestimmt was dabei!&#8220;). Die Beobachtung d\u00fcrfte vielen hier nicht neu sein: <span style=\"text-decoration: line-through\">Kleider<\/span> Haare machen Leute. Man kriegt direkt einen <em>Herkunftsstempel <\/em>aufgedr\u00fcckt &#8211; alles aufgrund einer simplen Frisur. Dass das Auswirkungen auf die eigene Identit\u00e4t hat d\u00fcrfte jedem klar sein.<\/p>\n<p>Das System ist bekannt: Wer in seinem Umfeld\/Klasse\/Stufe als Au\u00dfenseiter gilt, glaubt dies auch von sich selber. Oder ist er tats\u00e4chlich der Au\u00dfenseiter und die Anderen haben dies lediglich als Tatsache erkannt?<\/p>\n<p>So auch hier: Ich liebe es mit Vorurteilen zu spielen &#8211; also kaufte ich mir gebatikte T-Shirts, kam barfuss zur Schule (einmal sogar zur m\u00fcndlichen Lateinpr\u00fcfung), kaufte Fair-Trade-Klamotten und boykottierte H&amp;M. Die gebatikten T-Shirts w\u00fcrde ich jetzt nicht unbedingt als integren Teil meiner Pers\u00f6nlichkeit betrachten ( \ud83d\ude42 ), Fair Trade und H&amp;M-Boykotte hingegen eher.<\/p>\n<p>Was ist Ursache und was Wirkung? Ist beides \u00fcberhaupt klar voneinander abzugrenzen?<\/p>\n<p><strong>Bin ich ein Hippie geworden weil ich wie einer aussehe oder sehe ich wie ein Hippie aus weil ich einer geworden bin?<\/strong><\/p>\n<p>Besonders brisant wird diese Fragestellung eigentlich erst durch das n\u00e4chste Foto. \u00dcber die Jahre hinweg habe ich also mit Freude alle Klischees bedient, die sich mir boten. Macht unglaublich viel Spa\u00df, das k\u00f6nnt mir glauben: &#8222;Ey Hippie, ja du, haste was zu smoken dabei?&#8220; &#8211; &#8222;Seh ich etwa so aus?&#8220; \ud83d\ude00<\/p>\n<p>In der letzten Zeit bin ich aber vor allem der Haare \u00fcberdr\u00fcssig geworden, nicht so sehr der &#8222;Rolle&#8220;, die damit einhergeht und ganz ehrlich &#8211; <strong>jeder von uns<\/strong> spielt in der \u00d6ffentlichkeit bis zu einem gewissen Grad eine Rolle; dazu reicht es schon, sich ausschlie\u00dflich von seiner Schokoladenseite pr\u00e4sentieren zu wollen. Denn damit portr\u00e4tiere ich nur die halbe Wahrheit und somit teilweise eine ganz andere Identit\u00e4t als <em>die <\/em>Identit\u00e4t, die meine Freunde und Familie kennen. Manche verstecken sich ihr Leben lang dahinter, weil sie (irrigerweise?) annehmen, so einen effektiven Schutzschild (vor anderen Menschen\/Verletzungen) aufbauen zu k\u00f6nnen. Andere haben schlicht und einfach zu viel Spa\u00df daran (und ihr ratet es, in die Kategorie w\u00fcrde ich mich einordnen) die Vorurteile der jeweils Anwesenden zu bedienen, anstatt stets als &#8222;Ich&#8220; aufzutreten. Die Welt ist eine B\u00fchne. Wiederum andere ziehen Anz\u00fcge und teure Klamotten an, weil es ihnen Autorit\u00e4t verleiht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Wer bin ich jetzt?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong> <\/strong><\/p>\n<div style=\"width: 347px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><strong> <\/strong><strong><a href=\"http:\/\/img149.imageshack.us\/img149\/8615\/dreadiro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/img149.imageshack.us\/img149\/8615\/dreadiro.jpg\" alt=\"Punk\" width=\"337\" height=\"512\" \/><\/a><\/strong><p class=\"wp-caption-text\">Nachher<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: left\">Als wir gestern im kleinen Kreise anfingen, meine Prachtlocken abzuschneiden waren selbst meine engsten Freunde ersch\u00fcttert, was vor ihren Augen aus mir wurde: &#8222;Wenn ich dir jetzt nachts auf der Stra\u00dfe begegnen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich meine Mama anrufen, die soll mich abholen kommen!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Und das von den Leuten, denen ich sp\u00e4testens seit Weihnachten 2006 als One Love\/World Peace-Anh\u00e4nger galt &#8211; wohlgemerkt, die Bemerkung war ein Witz, aber sie zeigt die Wirkung die ich beabsichtigt hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bin ich jetzt ein anderer Mensch? Oder ist das wahre Problem in unseren K\u00f6pfen &#8211; gesehen, Schublade auf, rein damit, Schublade zu, ad acta ad eternam?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Ich bin kein Hippie, ich bin kein Punk &#8211; ich bin ein Mensch. Ein alte Wahrheit. Oder doch nur ein Klischee (der Kreis schlie\u00dft sich \ud83d\ude00 )?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Letzten Endes &#8211; und hier ist mein Monolog zu Ende &#8211; w\u00fcnsche ich uns allen &#8222;offene K\u00f6pfe&#8220;. Bei dem was wir so tun werden, gegen\u00fcber den Menschen die wir kennen lernen werden und nicht zuletzt uns selbst gegen\u00fcber; in Berlin, aber auch mit sich selbst. Nur weil ich lange Zeit ein &#8222;Hippie&#8220; war, muss ich nicht auf ewig einer bleiben. Es ist Zeit f\u00fcr Ver\u00e4nderung. F\u00fcr mich jedenfalls. Ein neuer Abschnitt beginnt. Ein alter wird abgeschnitten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\n<p style=\"text-align: left\">Und beim Seminar seh ich hoffentlich wieder zivilisiert aus \ud83d\ude00<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Call me Ishmael. Ich leg hier jetzt einfach mal los in der Hoffnung dass ich Gedankenanst\u00f6\u00dfe biete und auch welche zur\u00fcckkriege. Ich hei\u00dfe Timon Traub, werd am Sonntag 20 und komme zusammen mit Charlotte nach (San Carlos de) Bariloche, ARG. Dort werden wir an der ans\u00e4ssigen Deutschen Schule arbeiten. 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