{"id":114,"date":"2009-09-20T12:19:37","date_gmt":"2009-09-20T15:19:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/?p=114"},"modified":"2009-09-24T21:23:36","modified_gmt":"2009-09-25T00:23:36","slug":"red-sky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/timon\/2009\/09\/20\/red-sky\/","title":{"rendered":"Red Sky"},"content":{"rendered":"<p>Ich lebe allein \u2013 I can do whatever the fuck I want, wie zum Beispiel mich durch alle Rebsorten die hier so wachsen durchsaufen (gestern: Merlot, nichts f\u00fcr mich, morgen: Cabernet Sauvignon). Es ist aber auch lustig, jeder Supermarkt hier hat seine ungeheure Auswahl an mehr oder minder erlesenen Alkoholika direkt am Eingang platziert ;). Oder auch: heute zum Abendessen Hamburger im Kochtopf braten! Das lag jedoch eher daran, dass es mir an geeignetem Kochgeschirr mangelt als an ungebundener spontan-k\u00fcnstlerischer Eigenwilligkeit.<\/p>\n<p>Man verzeihe mir den Kraftausdruck am Anfang, aber momentan macht sich ein ganz merkw\u00fcrdiges, aber angenehmes Gef\u00fchl in mir breit: Ich stehe weitestgehend auf eigenen F\u00fc\u00dfen. Ich kann zwar \u201ekein\u201c Argentinisch, merke aber tagt\u00e4glich Fortschritte und bin in der Lage, die Dinge, die ich sagen will zu kommunizieren. Dass es dabei durchaus an Eleganz mangelt \u2013 keine Frage, aber ich bin zumindest nicht auf fremde Hilfe angewiesen \u2026 solange man zu \u201efremde Hilfe\u201c keine anderen Fremdsprachen z\u00e4hlt \ud83d\ude00<\/p>\n<p>Zu diesem Hochgef\u00fchl tr\u00e4gt sicher auch bei, dass ich heute zwei neue Einblicke in mein Leben erhalten habe.<!--more--><\/p>\n<p>Zum einen ist da so ein gewisses \u201eExpedition ins Unbekannte\u201c-Gef\u00fchl, welches recht schwer zu schildern ist. Ich bin heute ausgeschlafen, daher f\u00fchle ich mich ein wenig wie der Kapit\u00e4n eines Expeditionsseglers, der nach einer Woche schweren St\u00fcrmen am ersten ruhigen Tag vorsichtig vor die T\u00fcr seiner Kabine tritt, bed\u00e4chtig die frische Seeluft schnuppert (die hier tats\u00e4chlich frisch ist, es sei denn, einer der alten Stinker f\u00e4hrt an mir vorbei, aber das ist wieder eine andere Geschichte) und sich, dem sch\u00f6nen Wetter noch nicht vollends trauend und von der Sonne geblendet, die Sonnenbrille aufsetzt. Jetzt kann er klarer sehen und entdeckt am Horizont &#8211; klein, verschwindend klein, aber dennoch da &#8211; gr\u00fcne Ufer. Er kann erkennen, dass hier ungez\u00e4hlte M\u00f6glichkeiten und ein neuer Anfang auf ihn und die Mannschaft warten. Der Kapit\u00e4n wei\u00df aber auch, dass aller Anfang schwer und wo Licht auch Schatten ist. Dennoch kann er sein Herz nicht daran hindern, einen Sprung zu tun. Meine Freunde, ruft der Kapit\u00e4n, der Horizont ist unendlich weit entfernt, doch oh! voller Farben! Jegliche Schattierung ist vertreten \u2013 ich habe ihn gesehen.<\/p>\n<p>Entschuldigung, ich werde mich in Zukunft mit \u00e4hnlich blumigen \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcckhalten, aber ich fand die Metapher doch sehr gelungen, wenn ich mir mal selber auf die Schulter klopfen darf. Au\u00dferdem lese ich grade Isabel Allende (jaja, auf Deutsch), vielleicht hat es auch etwas damit zu tun \ud83d\ude1b<\/p>\n<p>Aber um im Bilde zu bleiben: Die Mannschaft w\u00e4chst zusammen. Lotte erweist sich trotz ihres Hangs zur Nervosit\u00e4t (:)) best\u00e4ndig als wertvolle Wegbegleiterin, genauso wie Anja, die leider schon Mitte Oktober nach Deutschland zur\u00fcckkehren wird. Und von Regi, die uns hier als Mentorin, Fremdenf\u00fchrer, Freund und Helfer in Personalunion unterst\u00fctzt will ich gar nicht erst anfangen. Irgendwann muss ich David und Celeste, ihren Enkeln, erz\u00e4hlen was f\u00fcr eine coole Oma sie haben.\u00a0 Das restliche Kollegium l\u00e4sst es sich nat\u00fcrlich nicht nehmen, \u00e4hnlich liebensw\u00fcrdig zu wirken. Wenn auch die Sch\u00fcler anfangs noch gewisse Ber\u00fchrungs\u00e4ngste hatten (und ich nehme mich da nicht ganz aus) sind sie doch in der Mehrzahl sehr angenehme und sympathische Zeitgenossen \u2013 vor allem meine Band. Regi hat mir heute leider er\u00f6ffnet, dass es Schwierigkeiten mit meiner aktiven schlagzeugeritischen Teilnahme am Wettbewerb geben k\u00f6nnte, da ich weder Nicht-Muttersprachler noch Sch\u00fcler bin. Dessen ungeachtet werde ich den Jungs und M\u00e4dels helfen, wo ich kann und am lautesten jubeln, wenn sie denn auch ohne mich auf der B\u00fchne stehen.<\/p>\n<p>Irgendwie verr\u00fcckt. Ich schreibe \u201eWenn auch die Sch\u00fcler anfangs noch gewisse Ber\u00fchrungs\u00e4ngste hatten\u2026\u201c und stehe dabei eigentlich noch komplett am Anfang.<\/p>\n<p>Morgen geht es f\u00fcr Anja, Lotte und mich via Bus nach El Bols\u00f3n, das im Ruf steht, ein absolutes Hippiedorf zu sein. Au\u00dferdem gibt es dort wohl einen gro\u00dfen Markt und wir hoffen, dort unseren Bedarf an Bombillas, Mate und \u00e4hnlichen Notwendigkeiten stillen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sonntag werde ich mich weiter nach Wohnm\u00f6glichkeiten umtun \u2013 eine potentielle hab ich gestern im vorbeigehen im Maklerb\u00fcro aush\u00e4ngen sehen. Downtown Bariloche, muy luminoso, aufgrund der Lage mit sicherlich makellosem Blick auf den See und Umgebung, m\u00f6bliert f\u00fcr zwei Personen f\u00fcr umgerechnet 213\u20ac warm. Das Geb\u00e4ude, in dem besagte Wohnung ist, sieht allerdings aus wie die schlimmste Sozialbaus\u00fcnde, was ja nicht weiter tragisch ist, sondern eher komischen Effekt hat, da es direkt neben Alm-\u00d6hi-H\u00fctten, Glas-und-Stahl-Pal\u00e4sten und bunt angemalten Reihenh\u00e4uschen steht. Die Architektur hier ist jeder Bachelor-, Master-, Diplom- und sonstigen Promotionsarbeiten w\u00fcrdig. Ein derart eklektisches Stadtbild hab ich bis dato nicht gesehen.<\/p>\n<p>Montag ist frei und wir planen eine Bekannte von Regi auf ihrer estancia besuchen zu gehen und dort einen halbt\u00e4gigen Ausritt zu unternehmen. Mal sehen, ob was draus wird. Da ich inzwischen wieder ins Schwafeln komm und sich das soeben getrunkene Quilmes Stout langsam bemerkbar macht &#8211; es gibt hier drei Bierflaschengr\u00f6\u00dfen: winzig (0,2l), klein (0,3l) und zu gro\u00df (1,3-1,5l), dreimal d\u00fcrft ihr raten, was es heute gab \u2013 werde ich f\u00fcr heute Abend Schicht machen und w\u00fcnsche euch noch ein recht sch\u00f6nes WE.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich lebe allein \u2013 I can do whatever the fuck I want, wie zum Beispiel mich durch alle Rebsorten die hier so wachsen durchsaufen (gestern: Merlot, nichts f\u00fcr mich, morgen: Cabernet Sauvignon). Es ist aber auch lustig, jeder Supermarkt hier hat seine ungeheure Auswahl an mehr oder minder erlesenen Alkoholika direkt am Eingang platziert ;). 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