{"id":21,"date":"2017-09-19T13:29:32","date_gmt":"2017-09-19T11:29:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/?p=21"},"modified":"2017-09-20T09:35:27","modified_gmt":"2017-09-20T07:35:27","slug":"maze-runners","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/2017\/09\/19\/maze-runners\/","title":{"rendered":"Maze Runners"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p>&#8222;Just follow me and run as if your life depends on it. Because it does.&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"line-height: inherit;font-size: 1rem\">Dieses Zitat aus dem Film &#8222;Maze Runners &#8211; Die Auserw&auml;hlten&#8220; passt auch zu der Haltung, die man braucht, um hier in Hanoi eine Stra&szlig;e zu &uuml;berqueren. Einfach im richtigen Moment loslaufen und hoffen, dass man sicher auf der anderen Seite ankommt. Mit so einer Stra&szlig;en&uuml;berquerung begann mein erster Arbeitstag am Goethe-Institut (zu meiner Arbeit dort schreibe ich aber in einem anderen Eintrag mehr, dieser hier dreht sich um die Wohnungssuche in verwinkelten Gassen, die sich teilweise wie waschechte Irrg&auml;rten anf&uuml;hlen) und so begannen auch einige unserer vielen Wohnungsbesichtigungen. Der Abwechslung halber folgt eine beispielhafte Erz&auml;hlung einer Wohnungsbesichtigung in Dritter Person (die nicht exakt so geschehen ist, sondern aus verschiedenen Erlebnissen auf unserer jetzt schon 5 Tage andauernden Wohnungssuche zusammengesetzt wurde).<\/span><\/p>\n<p>Nach einer aufregenden Fahrt durch die schw&uuml;lwarme Saunaluft des sp&auml;tsommerlichen Hanoi (lasst euch von dem Wort sp&auml;tsommerlich nicht t&auml;uschen &#8211; es ist so hei&szlig; wie im deutschen Hochsommer) auf einem Motorradtaxi stehen die drei wohnungslosen Freiwilligen vor einer weiteren Herausforderung. Vorschriftsgem&auml;&szlig; hat der Taxifahrer sie am rechten Stra&szlig;enrand aussteigen lassen, doch trennt sie so eine vierspurige Einbahnstra&szlig;e von ihrem Ziel,<br \/> einer H&auml;userzeile direkt neben Bahnschienen. Keine Ampel in Sicht und Zebrastreifen dienen hier eher als Deko, als als Fu&szlig;g&auml;nger&uuml;berweg nach der Stra&szlig;enverkehrsordnung. Wie sollen sie also dieses Hindernis &uuml;berqueren? Bei den schmaleren Stra&szlig;en in der Altstadt nehmen sie normalerweise allen Mut zusammen, passen eine L&uuml;cke ab und laufen los, aber hier? Schlie&szlig;lich sehen sie die Rettung: Eine Treppe in der N&auml;he f&uuml;hrt in den Untergrund &#8211; gibt es in Hanoi eine U-Bahn?! Die Neugier siegt und so steigen sie hinab&#8230; Der Schacht entpuppt sich nicht als U-Bahn-Station, sondern als Unterf&uuml;hrung und so kann das Hinderniss vierspurige Schnellstra&szlig;e &uuml;berwunden werden und sie gelangen an ihr Ziel und stehen vor einer H&auml;userwand, in deren unteren Geschossen Schreinerwerkst&auml;tten untergebracht sind.<\/p>\n<p>Sie fragen sich, wo die Wohnung, die sie besichtigen wollen, wohl ist, denn sie wurde als ruhig beschrieben und die Stra&szlig;e hinter ihnen ist alles andere als ruhig. Es herrscht zu jeder Tages- und Nachtzeit Verkehr, manchmal sogar mehr als das Gedr&auml;nge, das sie momentan betrachten d&uuml;rfen und gehupt wird alle paar Sekunden. Obwohl sie nur wenige Minuten auf den Makler, der ihnen die Wohnung zeigen wird, warten, sind sie bald sehr verschwitzt. Wie gut, dass sie nicht im Juli oder August angekommen sind, dann k&ouml;nnten sie wohl ohne F&auml;cher oder Handventilator keine 5 Meter laufen.<br \/> Ein freundlicher Vietnamese begr&uuml;&szlig;t sie und bedeutet ihnen, ihm zu folgen. Durch ein schmales G&auml;sschen, das ihnen vorher nicht aufgefallen war, gelangen sie in das Labyrinth. Dass in der Adresse die Zahl vor dem Stra&szlig;ennamen nicht die Hausnummer ist, wird ihnen klar, als die 278 Le Douang Street mehr als nur ein Haus bezeichnet. Es scheint sich um die Bezeichnung einer ganzen Gasse (oder des ganzen Gassensystems?) zu handeln. Nach mehreren Abzweigungen gelangen sie zu einem h&uuml;bschen Tor, hinter dem sich ein schmales hohes Haus befindet.<\/p>\n<p>Sie werden gebeten, kurz zu warten und nachdem ein junger Mann mit Schl&uuml;ssel da ist, kann das Haus betreten werden. Sie treten ein und schauen sich um. Das Wohn- und Esszimmer mit Kochzeile macht einen guten Eindruck, es gibt einen K&uuml;hlschrank, zwei Kochplatten, eine Mikrowelle, einen Reiskocher, Geschirr im Schrank, einen Esstisch und einen Couchtisch mit passenden St&uuml;hlen &#8211; es ist alles da, was sie in einer m&ouml;blierten Wohnung erwartet haben. Was sie verwundert ist jedoch, dass sogar noch mehr da ist. Scheinbar frisch gesp&uuml;ltes Geschirr steht auf dem Abtropfgitter, ein Regal voller B&uuml;cher steht an der Wand, Stifte liegen auf dem Tisch, ein Banner mit der Aufschrift &#8218;Merry Christmas&#8216; h&auml;ngt traurig an nur einer Aufh&auml;ngung von der Wand und auf dem Esstisch steht neben mehreren Wasserflaschen auch eine halbvolle Wodkaflasche. Auch im ersten Stock, in dem sich zwei ger&auml;umige Schlafzimmer mit komfortablen Betten und ein Badezimmer befinden, ist auch noch anderer Kram, der (nach Meinung der Freiwilligen) nicht unbedingt zu der n&ouml;tigen Ausstattung einer m&ouml;blierten Wohnung geh&ouml;rt &#8211; B&uuml;cher, Stifte, eine PC-Maus und ein Schloss. Ist das hier etwa so &uuml;blich? Auch der dritte und vierte Stock (mit Dachterasse!) macht einen guten Eindruck, w&auml;ren da nicht die &Uuml;berbleibsel vorheriger Bewohner. M&uuml;ssen die drei nicht unbedingt muskelbepackten jungen M&auml;dchen das alles etwa selbst ausmisten, in ihrer knappen Freizeit?<\/p>\n<p>Auf Nachfrage l&ouml;st sich dieses Problem: Vor Einzug in die Wohnung wird eine Putzkraft das Haus entr&uuml;mpeln, saubermachen und kaputte Sachen reparieren. Das w&auml;re also gekl&auml;rt, stellen sich nur noch die Fragen nach dem Preis des potentiellen Zuhauses und ob Strom und Wasser miteinbegriffen sind. Au&szlig;erdem: Ist die Gegend sicher? Gibt es einen Bus in der N&auml;he? Ist nicht ein kleiner Rabatt f&uuml;r sie m&ouml;glich, das Haus wird ja schlie&szlig;lich einige Zeit bewohnt werden? Hat die Waschmaschine Hei&szlig;wasser?<br \/> Abgeschlossen wird das Gespr&auml;ch mit dem Versprechen, sich zu melden. Vor der T&uuml;r stehen die Freiwilligen wieder vor der Aufgabe, aus dem Labyrinth herauszufinden. Ein Gl&uuml;ck, dass der freundliche Makler mit nicht ganz perfekten Englisch-Kenntnissen wohl einen imagin&auml;ren Faden der Ariadne besitzt und die orientierungslosen Deutschen sicher aus dem Irrgarten der H&auml;userschluchten f&uuml;hrt. Sie brechen auf zu weiteren Besichtigungen und wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute (und k&ouml;nnen sich nicht entscheiden)&#8230;<\/p>\n<p><em>Epilog:<\/em><br \/> <em> Wirklich ganz und gar orientierungslos? Nein, ein paar Tage sp&auml;ter kommt den M&auml;dchen eine Gasse, durch die sie auf dem Weg zu einer Wohnungsbesichtigung von einem anderen Makler zu einer anderen Adresse gehen bekannt vor. Wie es das Schicksal so will, bekommen sie genau die selbe Wohnung (aber zu einem anderen Preis) erneut gezeigt. Das bringt abgesehen von einem bisschen Verwirrung auch Spa&szlig; in die ernste Angelegenheit der Suche nach einem Zuhause f&uuml;r ein halbes Jahr.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Randnotitz<\/strong>: Der Fairness halber muss ich zugeben, dass die Inspiration f&uuml;r einen Blogeintrag in Form einer Geschichte, nicht meinem Kopf entstammt &#8211; ich habe sie von Eileen, einer Freiwilligenkollegin in Saigon, deren Blog auch lesenswert ist (https:\/\/kulturweit.blog\/phoreal\/). Die Handlung wurde jedoch aus pers&ouml;nlichen Erlebnissen zusammengest&uuml;ckelt und hat daher auch keinen Anspruch auf Objektivit&auml;t oder Allgemeing&uuml;ltigkeit (Postskriptum im Sinne der fairen bzw. neutralen Berichterstattung).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Just follow me and run as if your life depends on it. Because it does.&#8220; Dieses Zitat aus dem Film &#8222;Maze Runners &#8211; Die Auserw&auml;hlten&#8220; passt auch zu der Haltung, die man braucht, um hier in Hanoi eine Stra&szlig;e zu &uuml;berqueren. 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