{"id":138,"date":"2017-12-01T16:22:49","date_gmt":"2017-12-01T15:22:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/?p=138"},"modified":"2017-12-01T16:30:12","modified_gmt":"2017-12-01T15:30:12","slug":"zwischenstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/2017\/12\/01\/zwischenstand\/","title":{"rendered":"Zwischenstand"},"content":{"rendered":"<p>Wie angek\u00fcndigt folgt hier die Fortsetzung zum letzten Beitrag. Ich beantworte h\u00e4ufig gestellte Fragen, in diesem Beitrag zu meiner Meinung zu meinem FSJ in Hanoi (allgemein &#8222;<em>Wie geht&#8217;s dir?<\/em>&#8220; teile ich hier in zwei Bereiche auf: Arbeit und Freizeit).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie gef\u00e4llt dir deine Arbeit?<\/em><\/p>\n<p>Die Arbeitsatmosph\u00e4re im Goethe-Institut ist ganz gut, weil ich mich mit meinen Mitpraktikantinnen echt gut verstehe und die meisten Aufgaben gut zu bew\u00e4ltigen sind. Leider sind die Arbeitszeiten sehr lang, und um den ganzen Tag in einem deutschen Institut zu sitzen und mit Deutschen deutsch zu reden, bin ich nicht hier. Wenn ich nach einem ausgef\u00fcllten Arbeitstag nach Sonnenuntergang heimkomme, fehlt mir oft die Energie &#8211; und die Zeit &#8211; rauszugehen und Menschen zu treffen. Land und Leute konnte ich so noch nicht wirklich kennenlernen.<\/p>\n<p>Das Arbeiten mit den Sch\u00fclern in den AG-Stunden gef\u00e4llt mir recht gut, auch wenn deren nicht sehr umfangreichen Deutschkenntnisse meine M\u00f6glichkeiten einschr\u00e4nken. Das macht es teilweise schwierig passende Projekte zu finden. Englisch ist hier als Verst\u00e4ndigungssprache sehr hilfreich und ich glaube, ein bisschen von Deutschland kann ich ihnen schon vermitteln. Bei der Unterrichtsassistenz habe ich jedoch phasenweise das Gef\u00fchl, wieder in der Schule in einem uninteressanten Fach meine Zeit abzusitzen, da ich dem h\u00e4ufig auf Vietnamesisch gehaltenen Unterricht nicht wirklich folgen kann. Wenn abends dann Vietnamesisch-Hausaufgaben folgen, wird dieses Gef\u00fchl noch verst\u00e4rkt. An manchen Tagen kann ich nur noch ersch\u00f6pft sagen: \u201eT\u00f4i m\u00eat.\u201c (Ich bin m\u00fcde.)<\/p>\n<p>Wer sich also f\u00fcr so einen Freiwilligendienst interessiert, sollt sich bewusst sein, dass unter der Woche nicht viel Zeit ist, die neue Heimat auf Zeit kennenzulernen und der Berufswunsch \u201eLehrer*in\u201c sollte zumindest unter den Top 5 sein. Nichtsdestotrotz ist der Austausch mit Nicht-Muttersprachlern \u00fcber die eigene Sprache sehr interessant und man macht sich viel mehr Gedanken dar\u00fcber, wieso man bestimmte Dinge so sagt, wie man sie sagt. Bei manchen Fragen muss ich eine Weile \u00fcberlegen, bis ich eine Regel oder Erkl\u00e4rung finde, obwohl ich genau wei\u00df, wie man den Satz richtig sagt. Und wie erkl\u00e4rt man schwierige W\u00f6rter am besten? Bei Initiative oder Zeitverst\u00e4ndnis bringt einen selbst die pantomimische Darstellung kaum weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie gef\u00e4llt dir Hanoi?<\/em><\/p>\n<p>Vom Essen bin ich begeistert, wie man \u2013 denke ich \u2013 merkt. In Deutschland habe ich beim Asiaten normalerweise nach ein paar misslungenen Versuchen, mit Essst\u00e4bchen Nahrung vom Teller in meinen Mund zu bef\u00f6rdern, aufgegeben und zu Messer und Gabel gegriffen. Hier gibt es europ\u00e4isches Besteck nur in schicken, teuren, westlichen Restaurants, in denen ich eigentlich nie verkehre, also war ich gezwungen mich erneut an diesem Esswerkzeug zu versuchen und siehe da, ich bin noch nicht verhungert, also scheint es ganz gut zu klappen. Was ich mit besagten St\u00e4bchen esse ist fast immer sehr lecker.<\/p>\n<p>Auch vom Verkehr bin ich positiv \u00fcberrascht. Von asiatischen Gro\u00dfst\u00e4dten h\u00f6rt man ja oft, dass der Verkehr besonders chaotisch sei und es eigentlich keine Verkehrsregeln gibt, daher hatte ich mich vorher auf das Schlimmste gefasst gemacht &#8211; und wurde in meinen Erwartungen nicht best\u00e4tigt. In Hanoi werden die meisten Ampeln beachtet und es gibt viele Einbahnstra\u00dfen, die f\u00fcr den unge\u00fcbten Westler einfacher zu \u00fcberqueren sind, da man nur in eine Richtung schauen muss. Auf den zweiten Blick sieht man auch, dass auf andere Verkehrsteilnehmer geachtet wird. Man macht sich durch lautes Hupen oder durch die Lichthupe bemerkbar und weicht (manchmal widerwillig) aus. Einen Unfall will ja keiner, besonders die weniger gesch\u00fctzten Mopedfahrer nicht. Ich habe bis jetzt auch erst einen schlimmeren Unfall gesehen und hatte selbst zum Gl\u00fcck noch keinen. Besonders toll finde ich am Verkehrssystem hier, dass einige Ampeln noch ein weiteres Feld haben, auf dem die verbleibende Zeit der Rot- bzw. Gr\u00fcnphase heruntergez\u00e4hlt wird. Die ungeduldigeren Vietnamesen auf Mopeds fahren bei Ampeln immer ganz nach vorne und dr\u00e4ngeln sich an der Haltelinie, was diese Anzeige wie einen Countdown zum Start eines Wettrennens wirken l\u00e4sst. Ich finde diese Anzeige jedoch sehr fortschrittlich: Man kann absch\u00e4tzen wie lange man noch warten muss (hilft gegen Ungeduld) und viele Motorradfahrer stellen ihren Motor gegebenenfalls ab &#8211; das spart Sprit und verursacht weniger Abgase. In Deutschland hab ich so eine praktische Ampel noch nie gesehen.<\/p>\n<p>Die Infrastruktur ist auch gut: Es gibt \u00fcberall Strom, Wasser und WLAN, in jeder zweiten Stra\u00dfe findet man einen kleinen Supermarkt und am Stra\u00dfenrand stehen viele M\u00fclltonnen, die regelm\u00e4\u00dfig geleert werden. An verschiedenen Stra\u00dfenecken sind Polizeih\u00e4uschen, von denen aus Polizisten Verkehrsteilnehmer kontrollieren und es gibt sehr viele Caf\u00e9s, B\u00fccherl\u00e4den, Galerien, Restaurants und Kleiderl\u00e4den. Einige davon sind mit \u201eMade in Vietnam\u201c betitelt und haben ein tolles Sortiment zu guten Preisen, das sogar im Land produziert wird.<\/p>\n<p>Leider ist meine Kenntnis der Stadt eher oberfl\u00e4chlich, da ich noch nicht viel Gelegenheit hatte, sie zu erkunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend kann ich sagen, dass es mir gut geht und mir meine neue Umgebung an sich gut gef\u00e4llt, ich aber nicht genug Zeit hatte, um mich hier wirklich zuhause zu f\u00fchlen. Ich lerne hier weniger als erhofft eine fremde Stadt und Land und Leute kennen, daf\u00fcr aber mehr das Arbeitsleben im Goethe-Institut.<\/p>\n<p>Ich habe zwar einige vietnamesische Bekanntschaften, aber keine, die ich schon als Freunde bezeichnen w\u00fcrde. Unter der Woche kann ich mich ja schlecht mit ihnen treffen und die Bekanntschaft vertiefen, da ich den ganzen Tag arbeite, und am Wochenende steht neben Ausfl\u00fcgen, der Besichtigung von Sehensw\u00fcrdigkeiten und Bummeln durch die Altstadt leider auch Hausarbeit an \u2013 und manchmal auch Arbeit im Goethe-Institut. Daf\u00fcr verstehe ich mich mit meinen Mitbewohnerinnen Nour und Sophie (die auch in einem Blog \u00fcber ihre Erlebnisse in Hanoi berichtet &#8211; in Form eines Adventskalenders: <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/2017\/12\/01\/mein-persoenlicher-adventskalender\/\">https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/2017\/12\/01\/mein-persoenlicher-adventskalender\/<\/a>) super und wir verbringen viel Zeit miteinander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfen und Ganzen empfehle ich jedem, der die Chance zu einem FSJ im Ausland hat, diese auch zu nutzen. Man lernt viel \u00fcber sich selbst, wenn man (zum ersten Mal) in einer komplett neuen Umgebung auf sich allein gestellt ist und selbst wenn man eher wenig Gelegenheit hat, die neue Kultur kennenzulernen, lohnt es sich meiner Meinung nach doch. Es gibt daf\u00fcr viele M\u00f6glichkeiten, <a href=\"http:\/\/gapyears.de\/\">http:\/\/gapyears.de\/<\/a> stellt einige vor und hilft bei der Entscheidungsfindung. Man sollte jedoch auch im Hinterkopf behalten: Es ist nicht immer wunderbar, spannend und abenteuerlich, sondern kann auch langweilig, anstrengend oder stressig sein. Aber auch negative Erfahrungen sind Erfahrungen, die dich weiterbringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p>Theresa<\/p>\n<div id=\"attachment_139\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/files\/2017\/12\/Herzchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-139\" class=\"size-medium wp-image-139\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/files\/2017\/12\/Herzchen-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/files\/2017\/12\/Herzchen-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/files\/2017\/12\/Herzchen.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-139\" class=\"wp-caption-text\">Herzliche Gr\u00fc\u00dfe aus dem ganz und gar nicht winterlichen Vietnam! (Oh je, wie soll ich denn hier in Weihnachtsstimmung kommen?)<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie angek\u00fcndigt folgt hier die Fortsetzung zum letzten Beitrag. Ich beantworte h\u00e4ufig gestellte Fragen, in diesem Beitrag zu meiner Meinung zu meinem FSJ in Hanoi (allgemein &#8222;Wie geht&#8217;s dir?&#8220; teile ich hier in zwei Bereiche auf: Arbeit und Freizeit). &nbsp; Wie gef\u00e4llt dir deine Arbeit? 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