{"id":132,"date":"2017-11-19T05:02:17","date_gmt":"2017-11-19T04:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/?p=132"},"modified":"2017-12-01T15:19:42","modified_gmt":"2017-12-01T14:19:42","slug":"vom-back-to-school-feeling-und-bueroarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/2017\/11\/19\/vom-back-to-school-feeling-und-bueroarbeit\/","title":{"rendered":"Vom &#8222;Back-to-school&#8220;-Feeling und B\u00fcroarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Was genau machst du eigentlich in Hanoi? Was arbeitest du \u00fcberhaupt? Wie gef\u00e4llt dir deine Arbeit?\u00a0Wie sieht dein Alltag aus?<\/p>\n<p>Diese Fragen wurde mir schon einige Male gestellt, und um sie einmal f\u00fcr alle zu beantworten, m\u00f6chte ich sie hier beantworten und einen typischen Tag in meiner Einsatzstelle beschreiben (An alle, die sich f\u00fcr einen Freiwilligendienst mit kulturweit interessieren, aufgepasst: So lautet auch eine Frage des umfangreichen Bewerbungsbogens!). Es gibt zwei verschiedene &#8222;Arten&#8220; von typischen Tagen in meinem Alltag hier, an dreieinhalb Tagen die Woche arbeite ich als Praktikantin am Goethe-Institut und an einem Nachmittag, einem ganzen Tag und am Samstagvormittag arbeite ich an PASCH-Schulen.<\/p>\n<p>Meine Arbeitszeit am Goethe geht von 9 &#8211; 18 Uhr und da ich gl\u00fccklicherweise einen kurzen Arbeitsweg habe, reicht es, wenn ich um dreiviertel acht aufstehe (f\u00fcr alle Nicht-S\u00fcddeutschen, die solche Zeitangaben nicht verstehen: Das hei\u00dft 7.45). Eine Stunde sollte eigentlich reichen zum Aufstehen, Sport machen, duschen und fr\u00fchst\u00fccken, aber komischerweise bin ich trotzdem h\u00e4ufig knapp dran und der Weg zum Goethe-Institut wird zu einem zweiten Workout in Form eines z\u00fcgigen Hindernis-Laufes \u00fcber Stock und Stein und holpriges Kopfsteinpflaster im Slalom durch parkende Motorroller und Stra\u00dfenk\u00fcchen. Normalerweise schaffe ich es dann doch noch p\u00fcnktlich. Im Institut geselle ich mich zu meinen Mitpraktikantinnen Ada und Britta in unser \u201eB\u00fcro\u201c, einem momentan meistens ungenutzten Klassenraum. Auf meinem Laptop warten meistens schon Arbeitsauftr\u00e4ge auf mich, von denem sich viele als typische Praktikantent\u00e4tigkeiten bezeichnen lassen. Ich habe verschiedene Aufgaben, vom Erstellen von Listen, Texten und Arbeitsbl\u00e4ttern \u00fcber das Verpacken und Verschicken von Werbematerialien und B\u00fcchern bis hin zu Inventur und Hausaufgabenbetreuung in der hauseigenen Bibliothek und ich bereite meine Deutschklubs vor, die auch zu meinen Aufgaben geh\u00f6ren. Wir Praktikantinnen sind zur Zeit f\u00fcr drei Projekte mitverantwortlich, das war zum einen die Unterst\u00fctzung bei der Organisation der Tour der deutschen Band \u201eDer Ringer\u201c und deren Betreuung in Hanoi, die Gestaltung eines Deutschraumes am Tag der Europ\u00e4ischen Sprachen (EUNIC) im Goethe-Institut und die Organisation und Durchf\u00fchrung eines Schreibwettbewerbs zum Thema Wasser. Hier hatten wir zeitweise sehr viel zu tun, da diese Projekte fast parallel liefen.<\/p>\n<p>In einer Stunde Mittagspause genie\u00dfen wir je nach Laune entweder Sommerrollen, die wir uns selbst zusammenstellen k\u00f6nnen (\u201eBanh x\u00e9o\u201c), veganes Essen in einem buddhistischen Tempel in der N\u00e4he, leckere Pho in der n\u00e4chsten Stra\u00dfenk\u00fcche, wo uns die Leute schon kennen, Glasnudeln (&#8222;Mi\u00ean&#8220;), koreanisches Essen im Restaurant nebenan, frittierte oder frische Fr\u00fchlingsrollen oder gebratenen Fisch (\u201eB\u00f9n nem\u201c oder \u201eB\u00f9n c\u00e1\u201c) mit Reisnudeln oder etwas anderes Gutes (man sieht, vom Essen hier bin ich begeistert!). Zum Nachtisch gibts h\u00e4ufig einen &#8222;s\u1eefa chua c\u00e0 ph\u00ea&#8220;, eine Art Smoothie aus Kaffee und Joghurt im Stra\u00dfencaf\u00e9 einer Vietnamesin, die sogar deutsch spricht und sich jedes Mal sehr freut, wenn sie das zeigen kann. Unsere Unterhaltungen in ihrem gebrochenen Deutsch und mit meinem gebrochenen Vietnamesisch sind immer sehr nett. Leider habe ich noch nicht herausgefunden wieso sie deutsch sprechen kann&#8230;<\/p>\n<p>Wenn ich um 18 Uhr das Goethe-Institut verlasse, ist die Sonne meistens schon untergegangen und ich gehe mit meinen Mitbewohnerinnen Sophie und Nour oder auch mit Lehrerinnen vom Goethe-Institut zu Abend essen. An manchen Tagen raffen wir uns noch zu verschiedenen Events auf, wie zum Beispiel dem w\u00f6chentlich stattfindenden Deutsch-Stammtisch, bei dem sich Muttersprachler und Deutschlernende austauschen k\u00f6nnen, einer Filmvorf\u00fchrung im Goethe-Institut, einem Bummel durch die Altstadt oder einem Story-Slam in einem eher abgelegenen Caf\u00e9 auf. Nach einem ausgef\u00fcllten Tag falle ich dann m\u00fcde in mein Bett mit der knapp 10 cm dicken Matratze, die mir dann sogar bequem vorkommt und lausche der immer noch gesch\u00e4ftigen Stra\u00dfenk\u00fcche unsrer Nachbarn.<\/p>\n<p>Donnerstags klingelt mein Wecker eine Stunde fr\u00fcher und ich muss viel z\u00fcgiger das Haus verlassen, da ich eine \u2013 je nach Verkehr \u2013 25 bis 40 min\u00fctige Mopedfahrt zu einer PASCH-Schule vor mir habe. \u00dcber die Apps \u201eGrab\u201c oder \u201eUber\u201c kann man sich hier in Hanoi bequem ein (Motorrad-)Taxi bestellen. F\u00fcr Ausl\u00e4nder, die die Sprache nicht oder nicht so gut beherrschen (so wie ich) ist das sehr praktisch, da man sein Ziel und seinen Standort eingeben kann und auch der Fahrtpreis fix ist. W\u00e4hrend der Sto\u00dfzeiten, die eigentlich immer sind, au\u00dfer mitten in der Nacht, ist es empfehlenswert, ein Motorradtaxi zu nehmen, da das erstens etwas g\u00fcnstiger und zweitens viel schneller im asiatischen Verkehr hier ist als ein sperriges Auto. Hier gilt n\u00e4mlich die freie Spurwahl innerorts \u2013 wortw\u00f6rtlich. Wei\u00dfe Streifen auf der Fahrbahn sind nur zur Deko da und meistens auch ziemlich verblasst. Jeder f\u00e4hrt nach dem Prinzip des aktiven Anstehens, das ich beim Anstehen am Skilift auch gerne anwende: L\u00fccken werden gesehen und genutzt und keiner h\u00e4lt sich an Fahrspuren oder \u00e4hnliches. Man kann diese Verkehrsregel auch poetisch sehen: &#8222;Finde deinen eigenen Weg und gehe ihn selbstbewusst!&#8220;<\/p>\n<p>Nach einer solchen nicht unbedingt entspannten Fahrt (wenn mein Fahrer Abk\u00fcrzungen durch schmale G\u00e4sschen und \u00fcber schmale Br\u00fccken aus Holzbrettern nimmt, wird mir auch nach 2 Monaten Gew\u00f6hnungszeit an die Gegebenheiten hier mulmig), komme ich an der Lomonosov-Schule an, wo ich erst in einer achten, dann in einer neunten Klasse im Unterricht assistiere. Meistens bekomme ich von der Lehrerin auch einen Stapel Klassenarbeiten zum Korrigieren in die Hand gedr\u00fcckt und verbringe so meine Zeit (und versuche die Bl\u00e4tter daran zu hindern im Ventilatorwind wegzufliegen).<br \/>\nNach dem Mittagessen sieht die Schule vor, dass die Sch\u00fcler eine Stunde Mittagsschlaf halten &#8211; ein tolles Konzept finde ich. Leider darf ich nicht mitschlafen, sondern biete f\u00fcr Sch\u00fcler, die nicht schlafen wollen, eine Deutsch-AG an (selbiges mache ich am Samstagvormittag und Mittwochnachmittag in anderen Schulen). Hier machen wir verschiedene Projekte, um kreativ Deutsch zu lernen und Deutschland kennenzulernen. Eines davon ist das Erstellen eines Modemagazins mit Lieblingsoutfits der Sch\u00fcler, ein anderes ist ein Kalender mit dem Titel \u201eEin Jahr in Hanoi\u201c und in einer Deutschlandreise lernen wir verschiedene Bundesl\u00e4nder kennen. Bis Weihnachten werde ich einer Gruppe auch das christliche Weihnachtsfest n\u00e4herbringen.<\/p>\n<p>Nachdem ich den gr\u00f6\u00dften Teil des Tages Deutsch gesprochen habe, folgen nun zwei Stunden, in denen ich mich wie einer der Sch\u00fcler f\u00fchle, die ratlos vor einem komplett auf Deutsch geschriebenen Kursbuch sitzen. \u00a0Zusammen mit Nour und Sophie versuche ich mich in der vietnamesischen Sprache, die wirklich keinerlei \u00c4hnlichkeit mit der Deutschen hat. Die Grammatik an sich ist nicht so schwer, die S\u00e4tze folgen streng der Struktur Subjekt \u2013 Verb \u2013 Objekt, die Verben werden nicht dekliniert und haben auch keine unterschiedlichen Zeitformen. Es gibt auch keinen Plural, Kasus oder Artikel, daf\u00fcr aber Partikel, die Anzahl und Geschlecht bestimmen. Klingt gar nicht so schwierig, oder? So wie immer bei so toll klingenden Angeboten gibt es einen Haken. Der ist hier die Aussprache. Das Vietnamesische ist verwandt mit dem Chinesischen und hat sechs verschiedene Tonh\u00f6hen beziehungsweise Arten etwas auszusprechen. Wir h\u00f6ren es zwar (noch) nicht besonders gut, aber es ist ein riesen Unterschied, ob man \u201al\u00e1\u2018, l\u00e0\u2018 oder \u201al\u1ea1\u2018 sagt. Den richtigen Ton zu treffen, den man nicht immer richtig h\u00f6rt, ist gar nicht so einfach. Mit einem Knoten im Kopf, m\u00fcden Ohren und einem Haufen Hausaufgaben taumeln wir schlie\u00dflich aus dem Klassenzimmer\u2026<\/p>\n<p>Donnerstage enden bei mir h\u00e4ufig mit einem Gef\u00fchl, als sei die Zeit um ein Jahr zur\u00fcckgedreht worden: Ich sitze den ganzen Tag in der Schule und mache abends auch noch Hausaufgaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So viel zu meinem Arbeitsalltag hier, im n\u00e4chsten Eintrag gebe ich meinen Senf dazu und erz\u00e4hle, wie es mir gef\u00e4llt. (Oder meine Sojaso\u00dfe. Senf gibt es hier nicht wirklich aber daf\u00fcr viel Sojaso\u00dfe, &#8222;t\u01b0\u01a1ng\u00a0b\u1ea7n&#8220;, die f\u00fcr mich jede Mahlzeit verfeinert.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Gr\u00fc\u00dfe,<\/p>\n<p>Theresa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was genau machst du eigentlich in Hanoi? Was arbeitest du \u00fcberhaupt? Wie gef\u00e4llt dir deine Arbeit?\u00a0Wie sieht dein Alltag aus? Diese Fragen wurde mir schon einige Male gestellt, und um sie einmal f\u00fcr alle zu beantworten, m\u00f6chte ich sie hier beantworten und einen typischen Tag in meiner Einsatzstelle beschreiben (An alle, die sich f\u00fcr einen &hellip; <span class=\"more-link\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/2017\/11\/19\/vom-back-to-school-feeling-und-bueroarbeit\/\">Mehr lesen &raquo;<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2237,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[576,21,170,578,582,164,565,332,509,81],"tags":[],"class_list":["post-132","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulturweitblog","category-allgemein","category-alltag","category-arbeitmitkindern","category-bildung","category-freiwilligenarbeit","category-gastland","category-goethe","category-pasch","category-sprache"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2237"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=132"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":137,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132\/revisions\/137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/theresainvietnam\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}