Mongolei für Anfänger – die ersten Wochen in Ulaanbaatar

Hallo zusammen!

Herzlich willkommen, ich freue mich zunächst erst mal, dass ihr den Weg hierher gefunden habt, und gerade meinen ersten Blogeintrag lest.

Nach über zwei Wochen in der Mongolei schaffe ich es nun endlich, diesen ersten richtigen Eintrag zu veröffentlichen.

Ich habe das Gefühl, dass dieser erste Post ziemlich lang und ausführlich wird, aber das ist mir egal, da ich gerade keine Lust habe, mehrere einzelne Beiträge zu schreiben 😉

Okay, wer etwas mehr über mich erfahren möchte, kann sich gerne in die Beschreibung klicken, aber ansonsten habe ich jetzt nicht vor, mich großartig vorzustellen.

Jetzt aber soll es richtig losgehen!

Disclaimer: Dieser Blog spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und Meinungen wieder. Ich werde sicher nicht objektiv berichten können, auch wenn ich Verallgemeinerungen vermeide. Jeder hat das Recht auf seine Meinung, von daher erwarte ich, dass auch diese hauptsächlich subjektiven Inhalte ernst genommen werden. Ich kann auf gar keinen Fall als repräsentative Mongolei-Expertin auftreten, sowie für das ganze Land sprechen. Ich lade euch ein, euch selbst zu informieren und auch meine Einträge zu hinterfragen, wenn ihr nicht mit ihnen übereinstimmt, oder etwas nicht versteht. Übrigens, fragt gerne nach!

Also schön, vor etwas mehr als zwei Wochen, am Mittwoch, den 12. September 2018, bin ich um 6 Uhr morgens hier in Ulaanbaatar in der Mongolei gelandet, um meinen sechsmonatigen Freiwilligendienst zu beginnen. Davor war ja bereits das Vorbereitungsseminar gewesen, bei dem ich bereits die anderen 10 aus unserer „Mongolei-Gang“ kennengelernt habe. Wir haben uns alle direkt super verstanden und sind mittlerweile, auch jetzt hier vor Ort, eine „kleine“ Familie geworden, in der sich immer für jemand findet, der bei irgendeiner Aktion dabei ist.

Übrigens, für diejenigen von euch, die nicht selbst drauf kommen, UB steht für Ulaanbaatar bzw. Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei 😉

Nun gut, nachdem Bekki, Janina und ich die ersten waren, die hier angekommen sind, ging es für uns zu unseren Unterkünften, in meinem Fall zu meiner Gastfamilie. Bei dieser wurde ich direkt herzlich aufgenommen und bin seither total glücklich, dass mich die Eltern trotz beschränktem Platz und baldigem Zuwachs, sowie bereits einer neunjährigen Tochter, aufgenommen haben.

Entschuldigt übrigens, wenn meine Berichterstattung etwas zerstreut wirkt; ich habe ein Problem damit, alle Eindrücke und Erfahrungen zu ordnen.

Oh, praktischerweise fällt mir gerade mein kurzer Mongolei-Crashkurs ein, den ich euch allen nicht vorenthalten kann, da man zugegebenermaßen echt nicht sehr viel über das Land weiß, wenn man nicht gerade hier lebt oder hinreist. Ich habe dafür Fragen gesammelt, die ich vor meiner Ankunft, vor allem während den Vorbereitungen, viel gehört oder mir selbst gestellt habe. Außerdem sind auch ein paar „Statements“ dabei, die ich auch gerne kommentieren möchte.

(PS: Manche der Fragen sind ehrlich gesagt ziemlich dumm und naiv, aber damit sie mir nicht nicht nochmal gestellt werden, nehme ich sie mit auf. Welche das sind, wird durch meine Stellungnahme deutlich, denke ich. Habt trotzdem keine Angst zu fragen, aber denkt daran, dass ihr euch auch selbst auf verschiedenste Weisen informieren könnt, bevor ihr Fragen stellt, die teilweise echt wirken, als sei man ein sehr ahnungsloser und auf sich fokussierter Mensch.)

Genug geredet, los geht’s!

1. „Welche Sprache spricht man da?“

Wohl die häufigste Frage, die sich ganz leicht beantworten lässt: Mongolisch. Kein Russisch, kein Chinesisch, und bestimmt kein Englisch. Das Alphabet ist kyrillisch. Und nein, ich habe die Sprache noch nicht gelernt, beginne aber bald einen Kurs. Bis jetzt kann ich leider nur „Hallo“, „Entschuldigung“, „danke“ und „Tschüss“ sagen.

2. „Wo liegt die Mongolei überhaupt?“

Die Mongolei liegt zwischen Russland und China, die daher auch die einzigen Nachbarstaaten sind.

Bildergebnis für mongolei weltkarte

(https://goo.gl/images/uqHrHk)

3. „Wie kommt man auf die Mongolei?“

Ja, anders als die USA, Australien, Neuseeland oder England, zählt die Mongolei nicht zu den beliebtesten Zielen nach dem Abitur, auch wenn sie sicher mindestens genauso schön ist. Diejenigen von euch, die ebenfalls mit „kulturweit“ unterwegs sind/waren, wissen, dass man sich bei der Bewerbung das Land nicht aussuchen, sondern lediglich Präferenzen angeben kann. Das heißt wiederum, dass ich zugeteilt wurde – und bevor jemand fragt, die Mongolei war auch oben in meinen Präferenzen.

4. „Lebst du da in einer Jurte?“

Auch wenn es wirklich Menschen gibt, die natürlich in Jurten wohnen, heißt das noch lange nicht, dass das immer der Fall ist, im Gegenteil. Plattenbauten stehen hier an der Tagesordnung, wie man es aus ehemals kommunistischen Staaten vermehrt kennt. Ich wohne in einer Wohnung im 5. Stock, falls das jemanden interessiert. Bis jetzt habe ich auch noch niemanden kennengelernt, der in einer Jurte wohnt.

Bildergebnis für jurte

(https://www.spycher-handwerk.ch/jurte/reservationen/jurte/kleine-jurte-2/)

5. „Lecker, viel Spaß bei Milchtee und so viel Fleisch!“

Ja, die mongolische Speisekarte umfasst in der Tat viel Fleisch, vor allem im Wintern, was bei den Temperaturen, die es hier teilweise gibt, wichtig ist, wegen des Fetts. Milchtee gibt es ebenfalls, wird aber nicht ständig getrunken, bis jetzt habe ich vor allem oft schwarzen und grünen Tee gesehen. Ich habe ihn bis jetzt ein Mal getrunken und fand ihn dort total lecker! Vegetarisch zu leben ist hier durchaus möglich, aber die Auffassung ist hier gegebenenfalls anders – so kann man durchaus auch Suppen aus Fleischbrühe oder -sud kriegen, in der dann eben „kein Fleisch“ mehr ist. Es gibt hier in UB aber auch vegetarische und vegane Cafés und Restaurants. Und ja, man kann hier auch Obst und Gemüse bekommen, es ist eben teurer.

6. „Gibt es da Internet?“

Ich denke, dass jeder weiß, was ich von dieser Frage halte. Aber damit ich sie nie wieder beantworten muss, kommt hier eine ganz leichte Antwort: Ja.

By the way, es gibt auch fließendes Wasser, SIM Karten und Strom. Wer hätte das gedacht.

7. „Was ist da überhaupt?“

Die kälteste Hauptstadt der Welt, in der fast 1,5 Millionen Menschen leben, was knapp die Hälfte der 3 Millionen Einwohner der gesamten Mongolei ist. UB ist der Mittelpunkt des Lebens für viele und das, obwohl das Land fast 5 mal so groß ist wie Deutschland.

Die Menschen sind hier übrigens sehr nett und gastfreundlich, aber wie in jeder Gesellschaft gibt es natürlich auch Ausnahmen. Prinzipiell keine große Überraschung.

Es gibt hier übrigens auch Geschäfte, KFC, Burger King, EDEKA Produkte sowie Schwimmbäder, Kinos und Theater 😉 Nur so als kleiner Einblick, wir leben nicht hinter dem Mond.

8. „In der Mongolei ist es so kalt, dass es den Leuten total egal ist, wie sie aussehen. Hauptsache ihnen ist warm.“

Falsch. Klar, es gibt genügend Mongolen, die wahrscheinlich nach diesem Prinzip leben, aber eine der Sachen, die mich am meisten überrascht hat, war, wie herausgeputzt hier der Großteil der Menschen rumläuft und sich dabei eigentlich einen abfriert. Und laut meinen Kolleginnen, mit denen ich in der Schule arbeite, ist das auch immer noch so, wenn dann die -30 Grad vor der Tür sind. Bizarr, aber na ja, ist in Deutschland nicht anders – mal gucken, wie ich die ganze Sache in 1-3 Monaten wahrnehme.

 

9. „Was machst du denn dort?“

Ich arbeite, in Kooperation mit der Pädagogischen Austauschdienst bzw. der Zentralstelle für Auslandsschulwesen, an einer Privatschule hier in UB, an der Deutsch als wichtigste Fremdsprache unterrichtet wird. Meine Aufgaben sind Projekte zu verschiedenen Themen (z.B. Lesenacht, Theaterstück, etc.), Vorbereitung auf DSD Prüfungen, Korrekturen sowie einzelne Unterrichtssegmente (uvm.).

 

10. Lebenshaltungskosten und Währung

Zunächst einmal muss ich sagen, dass auch, wenn ich gleich von sehr kostengünstigen Produkten etc. spreche, die Preise in der Mongolei für die einheimische Bevölkerung nicht günstig sind. Ich habe mir sagen lassen, dass die Menschen hier im Monat oft 200, höchstens 300€ verdienen, und in diesem Kontext ist es wirklich schwer für viele, sich angemessen zu versorgen. Da stehen wir Freiwillige wieder in einer privilegierten Position, da wir durch den Kontrast auch durchaus in eine Art von Kaufsucht verfallen, da für uns eben alles günstig ist.

Trotzdem möchte ich euch ein paar Beispiele geben, was die Lebenshaltungskosten hier in UB angeht.

Die Währung nennt sich übrigens Tugrik; etwa 2900Ŧ/3000Ŧ entsprechen 1€.

Nun….

Busfahrt, innerhalb UB, egal wie lang: 500Ŧ

Taxifahrt: oft etwa 4000Ŧ

Thermosflasche: 9000Ŧ

~10GB Internet + Telefonguthaben: 15000Ŧ

Mittagessen: 1000-20000Ŧ

Handtuch: 3000Ŧ

Snacks, Kaugummi, Fastfood: 500-1000Ŧ

 

Die paar Dinge nur als Beispiele – man beachte bitte, dass man all diese Sachen hier auch teurer, und vielleicht auch billiger, finden kann.

 

Gut, nun habe ich diesen kleinen Infoblock zunächst abgeschlossen. Jetzt bleibt mir noch, ein wenig von den zwei Wochen zu berichten.

Wie gesagt, meine Arbeit hat bereits begonnen und bis jetzt klappt alles wunderbar.

Wir Freiwillige treffen uns auch gerne zum Essen gehen, spazieren oder shoppen, sowie um Dinge zu unternehmen.

So waren wir unter anderem in der wirklich schönen National Art Gallery, haben „To All the Boys I’ve loved before“ an Lauras Geburtstag geguckt, nebenbei Pizza verschlungen und von Noah Centineo geschwärmt, haben eine wunderschöne Wanderung durch den Schnee und einige Läden unsicher gemacht.

Und natürlich haben wir einiges von der Stadt gesehen, das Immigration Office in meinem Fall drei Mal (ich bin jetzt endlich ein „certified alien“), außerdem die Deutsche Botschaft besucht und uns an einige traditionelle Speisen getraut.

Jetzt folgen noch ein paar Eindrücke, die ich in Form von Bildern festgehalten habe.

 

Sukhbaatar Square bei Nacht (Regierungsgebäude)

National Art Gallery

National Art Gallery

Unsere 1. Wanderung

Kalt, aber sonnig

Und noch ein Bild…

Steffi und ich beim Immigration Office, zum 2. Mal (ohne Sophie, weil wir asozial sind). Kalt? Egal, Selfie musste sein.

Unsere Wandergruppe – die Sonne ist Schuld, dass ich meine Augen zu habe.

 

So, abschließend noch ein paar Punkte von mir:

  1. Eines meiner interessantesten Erlebnisse bis jetzt war die schulische Fahrt zum Sporttag, bei der wir mit 12 Personen in einem Fünfsitzer saßen. #randominformation
  2. Der Blog wird evtl. auch noch auf Englisch kommen – dazu dann aber eine extra Info.
  3. Shameless selfpromo: auf meinem Instagram Profil (https://www.instagram.com/christine0400/) kann jeder, auch wenn man nicht angemeldet ist, meine Beiträge sehen. Dort findet man oft spontane Updates und Eindrücke.
  4. Der Titel meines Blogs. Jede/r die/der mich kennt weiß, dass viele Menschen meinen Name nicht richtig aussprechen wollen oder können. Das ist hier in UB nicht anders, von daher musste ich diesen wohl wichtigen Bestandteil meiner Persönlichkeit mit in den Titel aufnehmen. Und „Mongolien“ habe ich dem lieben Leonardo zu verdanken, viele Grüße an der Stelle an dich! Freunde, Berlin-FahrerInnen sowie einige Lehrer wissen, worum es geht 😉

Jetzt ist aber endgültig Schluss; ich hoffe, dass euch mein erster Eintrag ein wenig mehr über mich, UB und die Mongolei informiert hat.

Ganz liebe Grüße und bis bald!

Christine

3 Gedanken zu „Mongolei für Anfänger – die ersten Wochen in Ulaanbaatar

  1. Martin

    Liebe Christine,

    unsere kleine „gedankliche Visualisierung“ zum Thma „Bevölkerungsdichte hier nochmal weiterentwickelt und für alle:

    Die Mongolei ist der am dünnsten besiedelte Staat der Erde. Eine Zahl von 1,9 Ew./km2 klingt etwas abstrakt. Aber natürlich gibt es innerhalb der Mongolei nochmals Unterschiede. Hier ein Bsp. zur Verdeutlichung:
    Die südliche Provinz Ömnö-Gobi-Aimag ist ziemlich exakt so große wie die Bundesländer Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Also ungefähr „ein halbes Deutschland“. Macht im Kopf mal einen virtuellen Flug über dieses Gebiet und denkt an die Großstädte und Ballungsgebiete, ich nenne hier nur mal Saarbrücken, die Städte im Rhein-Neckar-Gebiet (Ludwigshafen, Mannheim, Heidelberg), die Landeshauptstädte Mainz und Wiesbaden, den Großraum Frankfurt, bis zur östlichen Grenze nehmen wir noch Erfurt mit, die bay. Großstädte Nürnberg, Regensburg, Augsburg und München und natürlich die anderen Metrolen BaWüs (Ulm, Stuttgart, Freiburg, Heilbronn, Karslruhe). Die vielen Klein- und Mittelstädte denkt ihr euch noch als „Masse“ dazu die unzähligen Dörfer. Wow, ein Haufen Menschen.
    Diese Fläche stellt ihr euch jetzt VÖLLIG menschenleer vor und platziert die Einwohner der o.g. mongolischen Provinz. Dafür braucht ihr die Städte Metzingen (22.000 Ew.) und Geislingen an der Steige (28.000 Ew.). Das war’s, jetzt habt ihr die ganze Bevölkerung der Provinz Ömnö-Gobi-Aimag auf der halben Fläche Deutschlands untergebracht.
    Dafür kommen auf diese gut 50.000 Ew. in Summe ca. 1 Millionen Schafe, Ziegen, Kamele und Pferde, also etwa 20 pro Einwohner.
    Ich finde diese Vorstellung lustig!

    Antworten
  2. Rahel

    Hallo meine Liebe!
    Dein erster Eintrag hat mir super gut gefallen, und ich bin echt beeindruckt wie reflektiert du alles betrachtest. Meiner Meinung nach eine geniale Idee, gleich mal die größten Vorurteile oder ‚Statements‘ zu widerlegen und Infos aufzulisten. (Vor Ecuador musste ich mir auch Dinge anhören wie: ‚Gibt’s da denn Strom?‘)
    Ein toller Blog, echt! Genieß deine Zeit!
    Liebe Grüße aus dem jetzt warm wirkenden Deutschland,
    Rahel

    Antworten
    1. Christine Spieler Beitragsautor

      Liebe Rahel,

      vielen Dank! Ja es gibt doch wirklich viele Punkte, in denen man noch Aufklärarbeit leisten muss, aber Transparenz zu schaffen, ist ja auch eins der Ziele.
      Schön, dass du wieder im Ländle angekommen bist, liebe Grüße an dich aus UB – heute Nacht soll es wieder schneien…! Bis dann, Christine 🙂

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