{"id":27,"date":"2010-10-17T15:16:11","date_gmt":"2010-10-17T13:16:11","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/thedragonshead\/?p=27"},"modified":"2010-10-23T10:31:11","modified_gmt":"2010-10-23T08:31:11","slug":"langsam-lebt-man-sich-ein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/thedragonshead\/2010\/10\/17\/langsam-lebt-man-sich-ein\/","title":{"rendered":"Langsam lebt man sich ein"},"content":{"rendered":"<p>Die Betonung im Titel liegt auf &#8222;langsam&#8220;. Die Arbeit l\u00e4uft an, aber eine richtige Routine gibt es noch nicht, kein Wunder eigentlich, denn ich tu erst wirklich etwas ungef\u00e4hr seid einer Woche. Ein paar mal war ich im Unterricht dabei und es war auch jedes mal ziemlich in Ordnung. Ich hatte ja vorher ein etwas komisches Gef\u00fchl, weil Lehrer nicht wirklich mein Traumberuf ist, aber diese Assistentensache ist garnicht schlecht. Auch bei der Deutsch-AG, f\u00fcr die ich ja verantwortlich bin, war ich erst etwas orientierungslos was den Inhalt angeht, aber ich kann da im Grunde machen was ich will und habe da jetzt auch einigerma\u00dfen ein Konzept. Die Sch\u00fcler sind zwar anfangs sch\u00fcchtern aber freuen sich jedes mal wenn ich mit in den Unterricht komme. Die haben \u00fcbrigens voll die komische Schuluniform, die besteht aus einem Trainingsanzug unter dem die ein Hemd tragen. Mit der Sporthose sehen die alle wie die \u00fcbelsten Chiller aus. Ich wurde von denen auch schon gefragt, ob ich eine Freundin habe, aber so Fragen wie &#8222;Bist du verheiratet?&#8220; oder &#8222;Hast du Kinder?&#8220; sollen hier nicht als sehr pers\u00f6nlich angesehen werden, also mache ich mir da jetzt mal keine Gedanken dr\u00fcber.<\/p>\n<p>Vor einer Woche, am Sonntag, waren wir auf der EXPO und weil es eben ein Sonntag war, war es auch relativ voll. Als wir vor dem deutschen Pavillon standen, konnten wir das Essen aus dem deutschen Restaurant riechen (Stichwort &#8222;Schweinshaxe&#8220; und &#8222;Rheinischer Sauerbraten&#8220;) und haben inmitten von Nudelsuppen und Maultaschen voll Heimweh bekommen :D, leider war das aber alles ziemlich teuer. Im Pavillon selber waren Ausstellungen zu deutschen St\u00e4dten und Industrieg\u00fctern und eine ziemlich coole Show allgemein \u00fcber Deutschland. Ansonsten waren wir nur in Pavillons vor denen man nicht warten musste. Der von Vietnam ist fast komplett aus Bambus gebaut. Witzig fand ich den Stand von Simbabwe im afrikanischen Pavillon. Da die L\u00e4nder ihre Pavillons selbst entwerfen zeigen sie sich dementsprechend von einer sehr positiven Seite, also konnte man zum Beispiel sehen, wie Herr Mugabe eine Schule besucht, die gerade brandneue Computer f\u00fcr den Unterricht bekommt oder neue Bew\u00e4sserungsanlagen besichtigt. Jaja. Nordkorea war auch nicht schlecht. Auf einer Gro\u00dfaufnahme von Pj\u00f6ngjang sieht man das riesige Ryugyong-Hotel mit einer Glasfassade. In der Realit\u00e4t steht dort ein Betonmonster, das aufgrund von Geldmangel und Konstruktionsfehlern nicht weitergebaut werden kann und nun vergammelt. Ziemlich bitter. Am Ende waren wir noch im d\u00fcsseldorfer Minipavillon wo man auch Altbier trinken konnte. War zwar auch ziemlich teuer, aber das war es mir wert ^^.<\/p>\n<p>Um nochmal auf den Verkehr zu sprechen zu kommen. Auf den gr\u00f6\u00dferen Stra\u00dfen hier gibt es Fahrrad- und Rollerstreifen die genauso breit wie eine Autospur sind und oft mit Betonabsperrungen vom Rest der Fahrbahn getrennt sind wie man sie aus Deutschland eher von Autobahnbaustellen kennt. Diese Absperrungen enden dann nat\u00fcrlich an Kreuzungen und Einfahrten, damit man auch abbiegen kann. Als ich letztens eine solche Kreuzung \u00fcberquert habe, sah ich einen Kleintransporter, keine Ahnung aus welcher Richtung genau der kam, der einfach gegen die Fahrtrichtung in einen solchen Fahrrad- und Rollerweg hineingefahren ist um in eine ca 400 Meter entfernte Einfahrt einbiegen zu k\u00f6nnen, anstatt einen Umweg zu fahren. Daf\u00fcr, dass die Roller meistens schnell unterwegs sind und es oft eng ist fand ich das ziemlich mutig.<\/p>\n<p>Eine Sache, an die man sich auch gew\u00f6hnen muss, ist das Chinesen in der \u00d6ffentlichkeit gerne spucken. Man stelle sich einmal folgendes vor: Man geht durch einen wundersch\u00f6nen Park am Teich vorbei, beobachtet vielleicht die Fische oder die Schildkr\u00f6ten, genie\u00dft die Sonne und ist eigentlich ganz entspannt. Dann jedoch h\u00f6rt man so in ungef\u00e4hr 5 Metern Entfernung wie jemand auch noch den letzten Schleim aus der hinterletzten Ecke seiner Lunge hochw\u00fcrgt und mit einem lauten Klatschen alles auf den Weg&#8230; bef\u00f6rdert. Naja, aber da wird man sich schon dran gew\u00f6hnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Meine Schule hat ja auch eine Partnerschule in Lippstadt, ein Berufskolleg, mit dem auch Sch\u00fcleraustausche stattfinden. Ein Bereichsleiter dieses Berufskollegs ist im Moment mit seiner Familie im Urlaub in China und zu diesem Anlass waren wir, also die Deutschlehrerinnen und ich, mit ihm und seiner Familie essen. Eine Lehrerin und ich sind schon fr\u00fcher angekommen und als wir eintraten und uns eine \u00fcberlebendsgro\u00dfe Mao-Statue imWeg stand war ich ersteinmal verwundert. Den Mao-Kult von fr\u00fcher gibt es n\u00e4mlich eigentlich nicht mehr so wirklich und manche seiner Statuen wurden sogar auch in aller Stille entfernt. Jedenfalls stellte sich schnell heraus, dass das Restaurant mit einer Art nostalgischer Ironie eingerichtet wurde. \u00dcberall h\u00e4ngen Propagandaposter aus der Zeit der Kulturrevolution, die Kellner tragen Arbeiterkleidung, die Musik war auch aus der Zeit und alle haben aus Blechbechern getrunken. Als wir uns dann gesetzt hatten erkl\u00e4rte mir die Lehrerin, dass sich die Einrichtungsgegenst\u00e4nde alle auf eine sehr schlimme Zeit beziehen. Ob viele Chinesen im Bezug auf die Kulturrevolution, in der Millionen dem Klassenkampfwahn zum Opfer gefallen sind, so denken habe ich sie dann gefragt und sie meinte ja, aber \u00f6ffentlich redet eben keiner dar\u00fcber&#8230;<\/p>\n<p>So ein Realsozialismusrestaurant k\u00f6nnte man eigentlich auch mal in Deutschland er\u00f6ffnen, das f\u00e4nde ich ziemlich lustig.<\/p>\n<p>Sch\u00f6ne Gr\u00fc\u00dfe aus Shanghai, bis zum n\u00e4chsten Mal\u00a0 \ud83d\ude00\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 33%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-27 gallery-columns-3 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