{"id":47,"date":"2024-11-08T12:39:18","date_gmt":"2024-11-08T11:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/?p=47"},"modified":"2024-12-08T10:26:39","modified_gmt":"2024-12-08T09:26:39","slug":"vorwort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/2024\/11\/08\/vorwort\/","title":{"rendered":"Vorwort"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die ersten Worte des Blogs \u201eSophie entdeckt Georgien\u201c \u2013 Eine Geschichte von Unschl\u00fcssigkeit und Entschlossenheit<\/span><\/h2>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Jetzt sitze ich hier.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">In einem Caf\u00e9. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">In Tiflis.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Meine Finger schweben \u00fcber den Tasten meines Laptops. Unschl\u00fcssig, ob sie sich bewegen sollen oder nicht. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Schon lange sitze ich hier. Mein Brunch verputzt, mein Latte ausgetrunken. Eine T\u00fcte Zucker angebrochen. Die Sonne scheint durch die Fenster, und die Sonnenstrahlen w\u00e4rmen den beigen Holz-Tisch. Nur mich nicht. Ich habe eiskalte Finger. Vielleicht genau aus dem Grund, dass sie sich nicht bewegen. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Es ist ein frischer und kalter Herbsttag Ende Oktober. Genau einen Tag vor Halloween, welches hier in Georgien so \u201erichtig offiziell\u201c nicht gefeiert wird, wie wir es traditionell in Deutschland tun. Die Sonne tr\u00fcgt. Die Temperaturen sind eisig. Eigentlich zeigt mir mein Handy 15 Grad Celsius an, aber das glaube ich nicht. Es f\u00fchlt sich zumindest nicht so an. Denn nichtsdestotrotz ist mir kalt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Neben mich setzt sich ein Mann. Er unterh\u00e4lt sich auf Russisch mit der georgischen Caf\u00e9-Besitzerin. Im Hintergrund l\u00e4uft ein Song auf Englisch, gesungen von einer franz\u00f6sischen Indie-S\u00e4ngerin. So divers wie dieser unbedeutende Augenblick in diesem kleinen Caf\u00e9 ist, so divers ist tats\u00e4chlich auch ganz Georgien.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ich gucke zu dem Mann neben mir \u2013 noch immer unschl\u00fcssig, in den n\u00e4chsten paar Minuten etwas zu schreiben. Auch seine Finger schweben \u00fcber den Tasten seines Laptops. Aber dann bewegen sie sich und zaubern magische W\u00f6rter auf den Bildschirm \u2013 wie sie es bei mir nicht tun.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ich denke \u00fcber meinen Blog nach. \u00dcber den Entwurf, den Aufbau, den Titel, das Hintergrundbild, die Farbe, die \u00dcberschrift, den Inhalt. Soll es ein erz\u00e4hlender oder ein informierender Blog sein? Wor\u00fcber soll ich schreiben? Eigentlich interessiert sich doch niemand daf\u00fcr, was ich schreibe, denke, meine? Schreibe ich ihn eher f\u00fcr mich oder f\u00fcr die anderen? Warum m\u00f6chte ich eigentlich so unbedingt einen Blog schreiben? <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Vielleicht, weil das schon immer ein kleiner Traum von mir gewesen ist, meinen Gedanken einen Ort zu geben, wo sie sich ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. Schriftlich. Auf Papier &#8211; mehr oder weniger. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Und dann ist da diese Unschl\u00fcssigkeit. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Obwohl da gerade noch so viel Entschlossenheit war, jetzt endlich diesen Blog zu schreiben. Deswegen habe ich mich doch extra in dieses Caf\u00e9 gesetzt! Ob sich J.K. Rowling beim Schreiben von Harry Potter genauso unschl\u00fcssig gef\u00fchlt hat?<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Uhr tickt. In zwei Stunden muss ich nach Hause und duschen. Danach geht es mit den anderen kulturweit-Freiwilligen aus Tiflis zum Georgisch-Unterricht bei einer Georgierin, die bei der \u00f6sterreichischen Botschaft f\u00fcr die Wirtschafts-Delegation arbeitet, und \u2013 wie viele andere Menschen hier in Tiflis \u2013 mehrere Jobs gleichzeitig aus\u00fcbt, um die sich rasant erh\u00f6hten Lebenshaltungskosten finanzieren zu k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Gestern Abend habe ich mich sehr auf den Unterricht gefreut. Ganz ungeachtet dessen, dass ich das Verb \u201earbeiten\u201c noch immer nicht konjugieren kann. Nach dem Verb \u201esein\u201c war es das erste Verb, das wir gelernt haben. Schon am\u00fcsant, dass gerade das das erste Verb war, das wir lernen sollten \u2013 abseits aller Stereotype ;). Da hat sich unsere Lehrerin einen kleinen Spa\u00df erlaubt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ich habe mit dem Gedanken gespielt, den anderen vorzuschlagen, nach dem Unterricht gemeinsam Abendessen zu gehen. Georgisch, asiatisch, orientalisch. Eins davon wird es schon werden. Wir machen das oft zusammen. Wir gehen auch Bar- oder Caf\u00e9-Hopping und probieren uns mit K\u00f6stlichkeiten, Delikatessen und nationalem Essen durch die ganze Stadt durch. Vollst\u00e4ndigkeit wird es dabei nie erreichen &#8211; soll es auch gar nicht. Daf\u00fcr ist das kleine Tiflis zu vielf\u00e4ltig und verwinkelt &#8211; an jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Heute k\u00f6nnten wir uns \u00fcber unseren Ausflug nach Kachetien unterhalten. Die Region im Westen von Georgien, nur 1 \u00bd Stunden von der Hauptstadt entfernt, ist bekannt f\u00fcr seinen Weinanbau und leckeren Wein, der in Deutschland teuer gehandelt wird. F\u00fcr das Zwischenseminar, das f\u00fcr alle Freiwilligen online stattfindet, wollten wir aus der Stadt in die Natur. Davon gibt es rund um Tiflis auch reichlich, aber wenn man schon die M\u00f6glichkeit hat, zu verreisen, dann sollte man sie auch nutzen!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Und so habe ich dann doch etwas geschrieben. Ohne die vorherige Intention, genau das auch schreiben zu wollen. Vielleicht macht genau das auch einen Blog aus \u2013 vor allem den ersten Beitrag. Ich empfinde meine Texte mehr als eine Art Tagebuch, welche ich in meinem bisherigen Leben noch nie l\u00e4nger als drei Tage ernsthaft durchgezogen habe. Die zwingende Verbindlichkeit, jeden Tag etwas der Vollst\u00e4ndigkeit halber schreiben zu m\u00fcssen, hat mich immer von langen und nachhaltigen Texten abgehalten. Vielleicht ist genau deswegen ein Blog genau das Richtige f\u00fcr mich &#8211; alles ist freier.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Also schreibe ich erstmal ein paar S\u00e4tze auf, die mir spontan in den Kopf kommen \u2013 sich sicher, sie im Nachhinein zu einem harmonischen Gesamtgef\u00fcge zusammenzusetzen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Also fange ich nochmal an:<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Jetzt sitze ich hier in einem Caf\u00e9 in Tiflis \u2026<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich im Verlauf des Schreibens doch ziemlich abgedriftet bin, sodass ich mich daf\u00fcr entscheide, den von mir geschriebenen Gesamttext in mehrere Einzeltexte zu teilen. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ich kann auch sagen, dass ich mich drei Stunden sp\u00e4ter dazu entschlie\u00dfe, zu zahlen, obwohl ich mit dem Schreiben noch nicht fertig bin und eigentlich auch nicht gehen m\u00f6chte \u2013 aus Angst davor, nicht noch einmal in den Schreibfluss zu finden. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Der Mann vom Anfang sitzt noch immer neben mir. Er hat in der Zwischenzeit mehr Raucherpausen eingelegt, als er tats\u00e4chlich gearbeitet hat \u2013 vermutlich. Vielleicht hat auch er Probleme damit, die richtigen Worte f\u00fcr das zu finden, was er eigentlich ausdr\u00fccken m\u00f6chte &#8211; genau wie ich.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Und so mache ich mich eine halbe Stunde sp\u00e4ter als geplant auf den Heimweg.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Schreiben kann doch so viel Spa\u00df machen.<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_125\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/files\/2024\/11\/IMG_5655.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-125\" class=\"wp-image-125 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/files\/2024\/11\/IMG_5655-300x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/files\/2024\/11\/IMG_5655-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/files\/2024\/11\/IMG_5655-624x832.jpeg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/tdsf\/files\/2024\/11\/IMG_5655.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-125\" class=\"wp-caption-text\">Mein Brunch an einem kalten Herbsttag Ende Oktober in einem Caf\u00e9 in Tiflis.<br \/>Auf der Rechnung stand: \u201eYour hopes and plans will come true beyond all expectations.\u201c<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten Worte des Blogs \u201eSophie entdeckt Georgien\u201c \u2013 Eine Geschichte von Unschl\u00fcssigkeit und Entschlossenheit Jetzt sitze ich hier. 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