{"id":32,"date":"2014-09-04T15:48:28","date_gmt":"2014-09-04T13:48:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/?p=32"},"modified":"2014-09-04T15:54:29","modified_gmt":"2014-09-04T13:54:29","slug":"anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/2014\/09\/04\/anfang\/","title":{"rendered":"Anfang"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Es ist zehn Uhr abends. Nach einem gemeinsamen Abendessen verabschieden sich meine Schwester und ihr Freund von mir. Am n\u00e4chsten Morgen wird mein Flug gehen. \u201eDu kannst sicher heute Nacht vor Aufregung nicht schlafen\u201c, sagt der Freund meiner Schwester. \u201eAch was\u201c, sage ich, \u201eso m\u00fcde, wie ich bin, wird das kein Problem.\u201c Es wird zugestimmt, dass ich wirklich fertig aussehe (\u00e4hm, danke) und der Abschied folgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Leider sollte er Recht behalten, diese Nacht schlafe ich tats\u00e4chlich sehr wenig. Das h\u00e4ngt aber weniger mit meiner Aufregung zusammen, sondern vielmehr mit meiner Angst, den Wecker zu \u00fcberh\u00f6ren und zu verschlafen (alles schon passiert).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir fahren um vier Uhr los und kommen um f\u00fcnf Uhr am Flughafen an. Viel zu fr\u00fch, k\u00f6nnte man denken, wer ist um diese Uhrzeit schon da? Jede Menge andere Menschen, soviel ist klar, als wir die die Flughafenhalle betreten und wir stehen gute 20 Minuten um das Gep\u00e4ck abzugeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich fliege mit Air France. Eigentlich w\u00e4re das mal die Chance, mein Franz\u00f6sisch anzuwenden, aber ich traue mich nicht. Die Stewardess spricht zu meinem <span style=\"text-decoration: line-through\">Gl\u00fcck<\/span> Komfort gutes Englisch \u2013 anders als der Pilot, von dessen englischer Ansprache ich ungef\u00e4hr genauso viel verstehe wie von seiner franz\u00f6sischen. Lustiger weise aber genau die Stellen, die ich in der anderen Sprache nicht mitbekomme, so setzt sich dann die Ansage in ihrer F\u00fclle g\u00e4nzlich zusammen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Paris angekommen wechsle ich das Terminal. Dabei wird mein Pass kontrolliert. Mir ist der Grund nicht ganz klar, aber vielleicht hat gerade jemand Lust auf kontrollieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02948.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-33 aligncenter\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02948-300x225.jpg\" alt=\"CDG Paris\" width=\"377\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02948-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02948-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02948.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 377px) 100vw, 377px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich warte auf das Flugzeug, um mich herum wird es immer indischer (Bewertungsgrad: Kleidung der Frauen um mich herum). Ich gucke neugierig in die Gegend und werde genauso neugierig beguckt. Es sind nur wenige alleinreisende Frauen unterwegs, daf\u00fcr aber auff\u00e4llig viele alleinreisende M\u00e4nner. Ich fange an \u00fcber m\u00f6gliche Gr\u00fcnde nachzudenken und \u00e4rgere mich dann \u00fcber mich selber. F\u00fcr die n\u00e4chsten zwei Wochen nehme ich mir vor, nur Beobachter zu sein und nach M\u00f6glichkeit nicht alles sofort und ohne allzu gro\u00dfen Einblick zu interpretieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im Flugzeug finde ich meinen Sitz und stelle fest, dass mein Sitznachbar ein wenig mehr Platz ben\u00f6tigt als der Sitz bietet. Ich klicke mich durch das Medien-Angebot und finde eine gro\u00dfartige Aufnahme von Schostakowitsch Cellokonzert. Ich bin vers\u00f6hnt mit der Welt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Sitznachbar schl\u00e4ft ein. In der Mitte des Hobbits gehe ich auf die Toilette. Als ich wiederkomme, besetzt mein Sitznachbar 1 \u00bd Sitzpl\u00e4tze. Ich setzte mich dennoch wieder. Ich bin leider zu dick f\u00fcr einen halben Sitzplatz. Ich \u00fcberlege, in Indien so viel Yoga zu machen, dass mir auf dem R\u00fcckflug ein halber Sitz gen\u00fcgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Hobbit und die Zwerge laufen zum wiederholten Mal durch irgendwelche Landschaften. Mein Sitznachbar schnarcht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Kurz nach dem \u00dcberflug der pakistanisch-indischen Grenze fliegt das Flugzeug in eine Gewitterfront. Wir werden gebeten, uns anzuschnallen. Das Flugzeug wird durchgesch\u00fcttelt. Ich \u00fcberlege kurz, ob ich nicht lieber wieder Schostakowitsch anmachen sollte, dann w\u00fcrde ich wenigstens stilvoll sterben. Dann lache ich mich wegen meiner eigenen Melodramatik aus und schaue meinen Hollywoodfilm weiter (mittlerweile bin ich bei <em>The Artist<\/em> angelangt).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Bangalore landen wir kurz nach Mitternacht. Der Flughafen ist leer. Mit dem ausgef\u00fcllten Immigration Zettel, dessen Sinn sich mir nicht erschlie\u00dft, gehe ich zum Immigration Schalter. Zettel abgeben, Fragen beantworten, m\u00fcdem\u00fcdem\u00fcde, ich darf weiter gehen. Ich komme zu einer Sicherheitsschleuse, mein Handgep\u00e4ck wird durchleuchtet und ich muss durch so einen Pieprahmen gehen. Ich wundere mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich finde meinen Koffer und m\u00f6chte den Flughafen verlassen. Daf\u00fcr muss aber noch ein Zollzettel ausgef\u00fcllt werden. Ich frage mich gar nicht mehr nach dem Warum und kann meine Passnummer schon fast auswendig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Drau\u00dfen suche ich nach dem Fahrer, der mich abholen soll. Ich bin m\u00fcde und \u00fcberfordert. Ich bleibe mitten im Ausgang stehen und suche nach meinem Namen. Zwanzig Sekunden starre ich sicherlich umher, sodass mir ein Flughafenangestellter schon helfen m\u00f6chte. Dann finde ich den Fahrer, ich bin erleichtert. Wir gehen zu seinem Wagen, es sind 26\u00b0C und ich sehe Palmen. Ich bin in Indien. Gro\u00dfes Kino.<\/p>\n<div id=\"attachment_38\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02992.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-38\" class=\" wp-image-38\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02992-300x225.jpg\" alt=\"Dies ist ein Schummel-Bild. Es zeigt zwar durchaus eine Palme in Bangalore, allerdings ist es ein paar Tage sp\u00e4ter entstanden und die Palme steht nicht am Flughafen.\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02992-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02992-624x468.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/taumelndundtanzend\/files\/2014\/08\/DSC02992.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-38\" class=\"wp-caption-text\">Dies ist ein Schummel-Bild. Es zeigt zwar durchaus\u00a0 Palmen in Bangalore, allerdings ist es ein paar Tage sp\u00e4ter entstanden und die Palmen stehen nicht am Flughafen.<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist zehn Uhr abends. Nach einem gemeinsamen Abendessen verabschieden sich meine Schwester und ihr Freund von mir. 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