{"id":62,"date":"2012-09-14T01:55:48","date_gmt":"2012-09-13T23:55:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/?p=62"},"modified":"2012-09-14T01:55:48","modified_gmt":"2012-09-13T23:55:48","slug":"kulturschock","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/2012\/09\/14\/kulturschock\/","title":{"rendered":"Kulturschock"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4tte mich vorher niemand darauf hingewiesen, w\u00e4re ich nach den ersten Tagen, die interessant und aufregend waren, und in denen gar keine Zeit blieb, jemanden oder etwas zu vermissen, wahrscheinlich in ein seeehr tiefes Loch gefallen. An dieser Stelle: danke an Dora und Emily!<\/p>\n<p>Aber es ist tats\u00e4chlich so. Wenn man die ersten Tage \u00fcberstanden hat und sich langsam so etwas wie Alltag einpendelt, dann merkt man auch, was diesen von dem Alltag zu Hause unterscheidet.<\/p>\n<p>Eigentlich ist n\u00e4mlich alles anders. Morgens in der K\u00fcche fr\u00fchst\u00fccke ich umringt von drei Mongolen, die auf dem Sofa schlafen. Und egal wie leise man auch ist, einer wacht immer auf. Ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, wie sie hier vorher in der 2 Zimmer Wohnung plus Wohnk\u00fcche gewohnt haben, aber es scheint mir so, als ob die Kinder mit der aktuellen Situation nicht ganz zufrieden sind. Denn Kim und ich haben jeweils unser eigenes Zimmer w\u00e4hrend die drei eigentlichen Bewohner nun alles im Wohnzimmer machen m\u00fcssen. Unsere Zimmer umfassen aber auch nur ein Bett und einen Schrank, Kim hat sogar noch einen Fernseher (Fluch der Karibik auf mongolisch klingt echt strange!). Wenn man also mal nach Hause skypen m\u00f6chte, muss man sich entweder ins Wohnzimmer setzen, wo sechs Ohren mitlauschen oder in ein Caf\u00e9, wo es wahrscheinlich noch mehr sind. Privatsph\u00e4re wenn man sie gerne h\u00e4tte, gibt es also nicht.<br \/>\nAber der Reihe nach. Morgens duschen sollte man gleich mal vergessen, das Wasser ist zu der Zeit n\u00e4mlich arschkalt. Am 15. September wird hier angeblich die Zentralheizung angestellt. Ein Tag, der uns wie ein Licht am Ende des Tunnels erscheint.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur Schule m\u00fcssen wir eine gro\u00dfe Kreuzung und noch eine weitere Stra\u00dfe \u00fcberqueren. Immer wieder ein Abenteuer! Neuerdings gibt es kleine blaue M\u00e4nnchen mit Trillerpfeifen, die ihre Signale zwar nicht auf die Ampel abstimmen, aber auf die achtet sowieso keiner. Denn hier f\u00e4hrt wirklich jeder wie und wann er will. St\u00e4ndig wird man angehupt und wenn man nicht einfach einem Mongolen hinterher geht, so gef\u00e4hrlich es auch aussieht, kommt man niemals \u00fcber die Stra\u00dfe. Auch der Smog geht ganz sch\u00f6n auf die Lunge, einen Mundschutz haben wir zwar gekauft, aber der bringt auch ziemlich wenig.<\/p>\n<p>Wenn wir dann bei unserer Arbeitsstelle angekommen sind, ist auch jeden Tag irgend etwas unerwartetes dabei. Absprachen gibt es irgendwie keine mit unseren Kolleginnen, so sehr wir uns auch darum bem\u00fchen. Wenn sie allerdings jemanden zum Kopieren brauchen, wissen sie immer, wo sie uns finden. Morgen haben wir zum Gl\u00fcck ein Treffen aller Deutschlehrerinnen, da werden wir nochmal eine klar Ansage machen, was unsere eigentlichen Aufgaben sind. Auf dem Vorbereitungsseminar wurden wir drauf hingewiesen, dass die Sch\u00fcler ihre Grenzen austesten, im Moment \u00fcbernehmen aber lieber die Lehrer diese Aufgabe.<\/p>\n<p>Wenn wir nachmittags nach Hause kommen, k\u00f6nnen wir uns schon geehrt f\u00fchlen, wenn uns die Kinder unserer Vermieterin mit \u201eHi\u201c begr\u00fc\u00dfen. Damit ist dann auch das Pensum an Konversation ausgef\u00fcllt f\u00fcr den Tag, sie k\u00f6nnten theoretisch englisch mit uns sprechen.<\/p>\n<p>Mehr als \u201eHi\u201c in einem etwas anderen Ton ruft mir aber gerne die m\u00e4nnliche Bev\u00f6lkerung hinterher. Das ist zwar etwas, was ich wahrscheinlich nicht \u00e4ndern kann, aber trotzdem finde ich es schade, bisher eigentlich noch gar keinen Mongolen oder Mongolin au\u00dferhalb meiner Schule und in meinem Alter kennen gelernt zu haben.<\/p>\n<p>Ja, ansonsten gibt es auch zeitweise kein Wasser, heute gab es keinen Strom. In diesen Momenten merkt man, in was f\u00fcr einem luxuri\u00f6sen Zustand man in Deutschland lebt. Also, wenn ihr das n\u00e4chste Mal hei\u00df duschen geht oder das Licht anschaltet oder den Wasserkocher, denkt daran, wie wir bei Kerzenschein in unserem Zimmer sitzen und frieren!<\/p>\n<p>Aber wie bereits erw\u00e4hnt, bin ich doch froh, nicht ganz auf die gute Anfangsstimmung hereingefallen zu sein. Und auch von unserer lieben Trainerin Moni auf diesen Moment vorbereitet worden zu sein! Jetzt ist n\u00e4mlich nicht Verzweifeln angesagt, und auch wenn ich jetzt gerne zu Hause w\u00e4re, kommt das nicht in Frage. Ich werde anfangen, mir Sch\u00fcler zu suchen, die Lust auf die Projekte haben, die ich schon flei\u00dfig plane. Genauso wie ich mit meinem eigenen Projekt anfangen m\u00f6chte, einer Fotoreportage \u00fcber die Mongolei im Wandel. Ansonsten gibt es auch immer kleine Highlights am Wochenende und wenn man sich gerade denkt, \u201egeht mir nicht auf die Nerven mit eurer komischen Sprache\u201c steht an der Kasse jemand, der sich freut, sein in der Schule 38 gelerntes Deutsch mal wieder anzuwenden. Und so hangelt man sich von Hoch- zu Tiefpunkt und am meisten freue ich mich auf unser Zwischenseminar, zu dem wir schon in 8 Wochen aufbrechen und mal wieder richtig Zeit haben, uns zu reflektieren \ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte mich vorher niemand darauf hingewiesen, w\u00e4re ich nach den ersten Tagen, die interessant und aufregend waren, und in denen gar keine Zeit blieb, jemanden oder etwas zu vermissen, wahrscheinlich in ein seeehr tiefes Loch gefallen. 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