{"id":20,"date":"2012-09-06T12:23:13","date_gmt":"2012-09-06T10:23:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/?p=20"},"modified":"2012-09-06T12:23:13","modified_gmt":"2012-09-06T10:23:13","slug":"aller-anfang-ist-hier-staubig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/2012\/09\/06\/aller-anfang-ist-hier-staubig\/","title":{"rendered":"Aller Anfang ist hier staubig"},"content":{"rendered":"<p>Normalerweise w\u00fcrde ich jetzt wahrscheinlich einen Witz \u00fcber Deutsche machen, die am 01.09. gen Osten aufbrechen, aber das erspare ich euch.<\/p>\n<p>So lustig war das alles auch gar nicht, sich f\u00fcr ein ganzes Jahres von allem, was man kennt, zu verabschieden. W\u00e4hrend der gesamten Zeit im Flugzeug habe ich auf die Aufregung und die Vorfreude gewartet, aber sie blieb vorerst aus.<br \/>\nDann, 10 Minuten vor der Landung am Dschingis-Khan-Flughafen in Ulaanbaatar warf ich einen Blick aus dem Fenster und war v\u00f6llig \u00fcberw\u00e4ltigt. Am Horizont ging eine blutrote Sonne auf, die sich in dem Flu\u00df spiegelte, dessen Namen ich eine halbe Stunde sp\u00e4ter gesagt bekommen sollte.<br \/>\nDie drei dicken T\u00fcrme des Kohlekraftwerkes atmeten aus. Die ganze Stadt war in rotes Licht getaucht und pr\u00e4sentierte sich in ihrem gesamten Ausma\u00df unter mir. Jeh n\u00e4her wir kamen, desto mehr konnte man erkennen, woraus sie bestand. Im inneren ragten Hochh\u00e4user und Plattenbauten in die Luft, am Stadtrand standen Jurten in kleinen Siedlungen zusammen. Und da kam sie dann, die Aufregung mit der Neugier im Schlepptau. Diese Stadt will ich in einem Jahr mit dem Gef\u00fchl verlassen, dass ich sie kenne und dass sie f\u00fcr mich ein zu Hause geworden ist.<br \/>\nUlaanbaatar erscheint wie aus dem nichts, denn wenn man aus Richtung Moskau dorthin fliegt, sieht man eigentlich erst einmal nur das karge Sibirien unter sich und dann Berge und Steppe.<br \/>\nNoch leicht benommen von diesem spektakul\u00e4ren Anblick am fr\u00fchen Morgen verlie\u00df ich dann gemeinsam mit Tsetsegmee (meiner Betreuerin) und ihrem Mann den Flughafen. Das n\u00e4chste Abenteuer war wohl die sehr holprige Autofahrt in die Stadt, die uns durch das Industriegebiet und tausend Schlagl\u00f6cher f\u00fchrte. Auf dem Weg zu meiner Wohnung versuchte ich alles zu sehen, woran wir vorbeifuhren. Wahrscheinlich sollte ich jetzt sagen, dass alles sch\u00f6n und toll war, aber das w\u00e4re gelogen. Viele H\u00e4user sind zerfallen, arme Leute sitzen auf der Stra\u00dfe und versuchen Dinge zu verkaufen. Dazu erz\u00e4hlt mir Tsetsegmee, dass immer mehr Betriebe privatisiert werden sollen, also keine Besserung in Sicht ist. Die Stra\u00dfen sind eigentlich \u00fcberall marode, aber es w\u00fcrde sich auch nicht lohnen, sie zu sanieren, da der harte Winter sie alle aufs neue zerst\u00f6ren w\u00fcrde. Das wirklich beeindruckende an der Mongolei ist und bleibt hoffentlich die Natur.<br \/>\nNach einer guten halben Stunde im Auto kamen wir zu meiner Wohnung. Ich habe ein Zimmer in einer 3 Raum Wohnung bekommen, die ich mir mit der Vermieterin, ihren beiden Kindern und einer Praktikantin aus Berlin teile.<br \/>\nDer Versuch, mich wach zu halten, scheiterte und ich ging f\u00fcr 3 Stunden in mein Bett. Mein Bett ist klein, hart, hat kein Kissen und dass mich die Decke vor den kommenden -30\u00b0 sch\u00fctzt, wage ich noch zu bezweifeln. Aber ich habe auch einen eigenen Schrank und nachdem ich alle meine Klamotten dort hinein ger\u00e4umt habe, f\u00fchle ich mich schon ein kleines bisschen heimisch.<br \/>\nMit einer Stunde Versp\u00e4tung wurde ich dann wieder abgeholt und wir, also alle 3 PAD-Freiwilligen, trafen uns mit unserem ZfA-Fachberater in einer \u201ecoolen Location\u201c, einem Restaurant namens \u201eGreat Mongolia\u201c. Nachdem wir dann alles formelle zum Thema Visum und so weiter gekl\u00e4rt hatten, machten wir eine kleine Tour durch das Zentrum der Stadt. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, welche Umst\u00e4nde uns unser Visum noch bereiten sollte.<br \/>\nDer Kern von Ulaanbaatar ist an sich nicht gro\u00df, von unserer Wohnung bis zum Sukhbaatar-Platz, wo das Parlament steht, brauche ich eine halbe Stunde. Das, was die Stadt eigentlich so gro\u00df macht, sind die Jurtensiedlungen am Rand. Besonders im Winter werden dort umheimlich viele Abgase produziert, wer es sich leisten kann, zieht deshalb genau auf die andere Seite der Stadt.<br \/>\nAuf dem Heimweg gingen wir \u201emongolisches Fastfood\u201c essen. McDonalds gibt es dort nicht, daf\u00fcr aber die typischen mit Rindfleisch gef\u00fcllten Teigtaschen, genannt \u201ebuuz\u201c. Dazu gab es Eier- oder Kartoffelsalat, von dem ich mich auf dem Vorbereitungsseminar eigentlich schon f\u00fcr ein Jahr verabschiedet hatte.<br \/>\nEbenfalls nicht missen m\u00fcssen wir \u201egut&amp;g\u00fcnstig\u201c-Produkte, Schauma-Shampoo oder Hochland-K\u00e4se. Wird n\u00e4mlich alles aus Deutschland importiert und wenn man so durch den Supermarkt schlendert merkt man erst an der Kasse wieder, dass man im Ausland ist. Auch warum die Mongolen Deutsch lernen ist uns jetzt klar, denn die Anleitungen zur Backmischung von Dr. Oetker wurden nicht \u00fcbersetzt.<br \/>\nZur Kr\u00f6nung des Tages gab es dann den besagten mongolischen Tee mit Milch und Salz. Naja, nicht so mein Fall, kommt aber vielleicht noch. Dazu gab es feinste Hakenkreuz-Kekse aus Quark, was mich erst kurz erschreckte, aber mir dann wieder einfiel, dass das Hakenkreuz im Buddhismus ja ein Gl\u00fcckssymbol ist, also kein Grund zur Panik.<br \/>\nEin Jetlag habe ich jetzt eigentlich noch nicht, jedenfalls merke ich davon nichts, aber vielleicht kommt das ja noch.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-20 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0014.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0014-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0023.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0023-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0139.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0139-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0143.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/09\/DSC_0143-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise w\u00fcrde ich jetzt wahrscheinlich einen Witz \u00fcber Deutsche machen, die am 01.09. gen Osten aufbrechen, aber das erspare ich euch. So lustig war das alles auch gar nicht, sich f\u00fcr ein ganzes Jahres von allem, was man kennt, zu &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/2012\/09\/06\/aller-anfang-ist-hier-staubig\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":899,"featured_media":25,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-20","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","post_format-post-format-gallery"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/users\/899"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/20\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/media\/25"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=20"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=20"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}