{"id":169,"date":"2012-10-15T05:26:03","date_gmt":"2012-10-15T03:26:03","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/?p=169"},"modified":"2012-10-15T05:26:03","modified_gmt":"2012-10-15T03:26:03","slug":"die-erde-bebt-schamanen-tanzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/2012\/10\/15\/die-erde-bebt-schamanen-tanzen\/","title":{"rendered":"Die Erde bebt, Schamanen tanzen"},"content":{"rendered":"<p>Die neue Woche begann mit einer Ann\u00e4herung an die mongolische Kultur: der ersten Unterrichtstunde in der Sprachschule. Als erstes muss ich wohl das mongolische Alphabet und seine Aussprache lernen, aber mein Gastbruder Sukhbat ist ein guter Nachilfe-Lehrer und so konnte ich bis Mittwochabend immerhin schon die Zahlen bis 100. F\u00fcr den Anfang gar nicht so schlecht.<br \/>\nNach dem Sprachkurs sah ich mir eine Fotoausstellung \u00fcber die olympischen Spiele an, die Luise und ich k\u00fcrzlich entdeckt hatten. Da es der letzte Tag war, waren einige Bilder schon abgehangen worden, aber auch die noch vorhandenen z\u00e4hlten nicht zu den gro\u00dfen Kunstwerken des 21. Jahrhunderts.<br \/>\nIn dem Museum traf ich aber auf jemanden, der dort im Photolabor arbeitet und lange Zeit in Deutschland gelebt hatte. Seine Geschichten sprudelten aus ihm heraus und ich fragte auch gleich nach, ob ich eventuell in meinen Ferien ein Praktikum bei ihm machen k\u00f6nne. Viele freie Stunden in dieser Woche nutzte ich dazu, mir ausf\u00fchrlich Gedanken \u00fcber die Zeit nach meinem Jahr in der Mongolei zu machen. Den Wunsch, Fotojournalismus zu studieren, hatte ich schon in Deutschland, also warum nicht schon hier die ersten Erfahrungen sammeln.<br \/>\nAm Dienstag war ich mit meinen Gedanken ganz woanders, n\u00e4mlich in Griechenland. Frau Merkel war dort zum Staatsbesuch geladen und es gab eine Live-\u00dcbertragung im Internet, die ich am Abend gespannt verfolgte. Vormittags in der Schule wollte ich eigentlich mit dem Deutschland-R\u00fcckkehrer Projekt anfangen, beziehungsweise es weiterf\u00fchren, da die Idee von meinem Vorg\u00e4nger stammt. Auf Grund einiger Kommunikationsschwierigkeiten kamen aber nur sehr wenige Sch\u00fcler. Der erste aus der f\u00fcnften Klasse wohnte in Berlin in der mongolischen Botschaft, war also quasi mein Nachbar und es war sehr am\u00fcsant sich mit ihm \u00fcber unsere Wohngegend zu unterhalten.<br \/>\nDie Zehntkl\u00e4ssler schienen alle sehr motiviert zu sein, vor allem die Idee ein Sch\u00fclerparlament zu organisieren fanden sie super! Meiner Meinung nach ist das auch eine wichtige Sache, denn viele Sachen laufen an der Schule undemokratisch ab und es gibt Vorschriften, die die Sch\u00fcler nicht einsehen. Eine gro\u00dfe Sache ist beispielsweise, dass die Lehrer immer im Unterricht telefonieren, es den Sch\u00fclern aber verbieten. Auch die Schuluniform wollen die Sch\u00fcler abschaffen, denn sie finden es doof, dass alle gleich aussehen m\u00fcssen.<br \/>\nAm Mittwoch stand dann mein erster Friseur-Besuch in der Mongolei an. Das klingt wahrscheinlich spektakul\u00e4rer als es war, denn Haare abschneiden l\u00e4uft hier auch nicht anders ab, als in Deutschland. Au\u00dfer dass sich die Friseuse fast geweigert hat, mehr als einen Zentimeter abzuschneiden. Am Ende war ich dann aber doch zufrieden.<br \/>\nAls ich nach Hause kam war wieder Full House. Diese mal aber nicht wegen einer Familienfeier, sondern auf Grund eines schamanisches Rituals, und das lief wie folgt ab:<br \/>\nTuya (meine Gastmutter) zieht sich ihre besondere schamanische Kleidung an, die eigentlich ein deel ist, an dem viele Naturmaterialien h\u00e4ngen, zum Beispiel Knochen oder Felle. Dann setzt sie sich vor einen Tisch, auf dem kleine Tiere aus Holz und Butterkerzen stehen. Au\u00dferdem tr\u00e4gt sie eine Maske, so das man ihr Gesicht nicht sieht, sondern in aufgemalte Augen schaut. Dann beginnt sie zu trommeln und die anderen drehen ihre H\u00e4nde mit der Handinnenfl\u00e4che nach oben und halten sie vor sich.<br \/>\nAlle singen gemeinsam mongolische Lieder und an einem gewissen Punkt wird das Trommeln lauter und Tuya steht auf. Zegi (meine Gastschwester) schiebt dann den Hocker zur Seite und schiebt einen bequemeren Stuhl unter Tuyas Hintern.<br \/>\nNach einander kommen die Leute zu ihr und knien sich auf den Boden. Sie erz\u00e4hlen ihr von ihren Sorgen und sie, die vorher durch diese Zeremonie die Geister ihrer verstorbenen Vorfahren angerufen hat, gibt ihnen Tipps, wie sie ihre Probleme l\u00f6sen k\u00f6nnen.<br \/>\nErst waren Leute da, die nicht zur Familie geh\u00f6rten, danach kamen die Familienmitglieder dran. Ich glaube, es waren einige Tanten, Cousins und Cousinen anwesend. Die waren jedenfalls alle nett und einige haben Englisch mit mir gesprochen und mir die Zeremonie erkl\u00e4rt.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag kam die Familie von Zegis Freund zur Beratung zu uns.<br \/>\nDer n\u00e4chste Tag in der Schule begann mit einer erschreckende Information: Gestern hatte es ein Erdbeben gegeben. Und als ich so dr\u00fcber nachdachte, fiel es mir auch wieder ein, dass ich im B\u00fcro sa\u00df und mich wunderte, wer dort drau\u00dfen so einen starken Presslufthammer verwendete. Denn genauso f\u00fchlte sich das Erdbeben an. Der Boden hatte leicht vibriert, und da ein Mitteleurop\u00e4er dabei nat\u00fcrlich nicht an ein Erdbeben denkt, war ich auch einfach im B\u00fcro geblieben. Im Nachhinein war das nat\u00fcrlich ganz sch\u00f6n leichtsinnig. Am selben Abend gab es auch noch eine Lehrerkonferenz, bei der dar\u00fcber informiert wurde, wie man sich bei zuk\u00fcnftigen Beben verhalten solle. Die dazu geh\u00f6rige \u00dcbung fand am Freitag im Beisein der Feuerwehr statt.<br \/>\nAuch ich war zu dem Zeitpunkt in der Schule, als einzige deutschsprechende Lehrerin. Die anderen waren n\u00e4mlich alle zu der asienweiten Deutschlehrer-Konferenz gefahren, f\u00fcr die ich urspr\u00fcnglich auch angemeldet war. Als ich dann am Freitag morgen bei Minus 5 Grad am Sukhbaatar-Platz stand, fand man jedoch meinen Namen nicht auf der Liste der Teilnehmer. Was mich aber am meisten \u00e4rgerte war die Tatsache, dass sich meine Kolleginnen \u00fcberhaupt nichts daraus machten und sich so verhielten, aber ob sie nicht im geringsten etwas mit der Situation zu tun h\u00e4tten.<br \/>\nIch wollte mir aber dadurch auch nicht den Tag vermiesen lassen und ging erstmal fr\u00fchst\u00fccken.<br \/>\nBis zum Stromausfall arbeitete ich noch im B\u00fcro, unter anderem bastelte ich das Brandenburger Tor aus Papier, um zu testen, ob dies eine geeignete Besch\u00e4ftigung f\u00fcr die Sch\u00fcler sei.<br \/>\nDas Wochenende war die pure Entspannung. Den Samstag war ich mit Luise unterwegs, denn an ihrer Schule fand eine Talentshow statt, die wir uns ansahen. Manche Beitr\u00e4ge waren sehr unterhaltsam und ich bin gespannt, welche Klasse den Wettbewerb gewonnen hat.<br \/>\nAm Sonntag ging ich Nicos Tipp nach und lief zum Golden Gobi Hostel. Denn dort wohnt derzeit ein Schwede, der in die Jurtensiedlungen f\u00e4hrt, um Interviews durchzuf\u00fchren. Da mein kulturweit-Projekt eine Reportage \u00fcber die unterschiedlichen Lebensweise von Mongolen werden soll, w\u00fcrde ich gerne mit ihm zusammen arbeiten. Leider ist er noch bis Montag weg, also habe ich ihm eine Nachricht hinterlassen, in der Hoffnung dass er sich meldet.<br \/>\nAm Nachmittag habe ich den Versuch unternommen, einen Kuchen zu backen, der mir m\u00e4\u00dfig gegl\u00fcckt ist. Zegi findet ihn aber lecker, das freut mich.<br \/>\nDie neue Woche startet also dann damit, mal ein Wort mit meinen Kolleginnen zu reden, weiter flei\u00dfig mongolisch zu lernen und hoffentlich dem Beginn meines kulturweit-Projekts!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-169 gallery-columns-3 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0583.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0583-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0592.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0592-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0598.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0598-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0645.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0645-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0687.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0687-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0699.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0699-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0732.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0732-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0751.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/svenjamongolei\/files\/2012\/10\/DSC_0751-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl>\n\t\t\t<br style='clear: both' \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Woche begann mit einer Ann\u00e4herung an die mongolische Kultur: der ersten Unterrichtstunde in der Sprachschule. 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