Csütörtök

Vize-Freitag, Donnerstag oder wie es so schön im Ungarischen heißt: „csütörtök“. In meiner heutigen Ungarischstunde habe ich die Jahreszeiten, Monate, Wochentage und Konjugation regelmäßiger Verben gelernt. Die Monate sind überraschend einfach, da fast alle wie im Deutschen geschrieben und auch halbsweg ausgesprochen werden. Ganz im Gegensatz dazu die Wochentage ,von denen außer Sonntag kein einziger das Wort „nap“ beinhaltet, welches Tag bedeutet. Da ich aber gerne Bus fahre, weil ich zu faul zum laufen bin, bietet es sich natürlich an die Wochentage zu kennen, um den Fahrplan wenigstens halbsweg verstehen zu können. Pünktlich sind die Busse meist sowieso nicht und wo der Großteil von ihnen hin fährt ist mir auch ein Rätsel. Immerhin ist es sehr günstig und so kostet mich ein Monatsticket umgerechnet nur knapp 6€. Wie ich mit den Linienbussen, welche aus dem gefühlten Baujahr 1930 stammen und beim Fahren lauter sind als die Kopfhörermusik auf höchster Stufe, zum Bahnhof, Busbahnhof und in die Innenstadt gelange, weiß ich mittlerweile. In besagter Innenstadt befinde ich mich gerade auch und verfasse diesen gewohnt unglaublich lehrreichen Beitrag. Das Kávéház(Café), mit dem einladen Namen „Despresso“ hat mich durch seine altertühmliche Einrichtung und durch ein wunderschönes Panorama auf den Dóbó-Platz (auf dem Bild bei Nacht zu sehen) und die dahinter liegende Burg Eger in seinen Bann gezogen und so kommt es ,dass ich jetzt zum dritten Tag hintereinander hier sitze und mit meinem gebrochenem Ungarisch einen Kaffee bestelle. Die Temperaturen sind mittlerweile wieder auf circa 11 Grad gefallen und so kann ich mich im angenehmen Warmen bei geballter 80s-Musik, welche im Café läuft, über das Getümmel der Touristen und Einheimischen auf dem Dóbó-Platz ergötzen.

Für die Nebenbeiungarischlerner folgt nun auch noch eine kleine Lektion. Das im letzten Beitrag verwendete Sziasztok würde im deutschen ungefähr wie „Ziaztok“ ausgesprochen, also nicht so schwer wie von einigen vielleicht erwartet. Die Wochentage sind übrigens :hétfö, kedd, szerda, csürtörtök, péntek und vasórnap für die korrekte Aussprache fragt ihr lieber den Google Übersetzter.

Da am 23.Oktober einer der zwei Nationalfeiertage in Ungarn war, durfte ich ein langes Wochenende genießen. Der dadurch entstandene Brückentag am Montag wurde, zu meinem Entsetzen, aber in der vorherigen Woche am Samstag nachgeholt. Die ersten Vier Stunden vom Montag wurden also am Samstagmorgen gehalten und so musste ich mich wohl oder übel für meine beiden Stunden in diesem Zeitraum in die Schule bewegen. Die Effizienz dieser Methode sei mal in den Raum gestellt, da ich von den Schülern erfahre habe, dass lediglich Filme in den vier Stunden gezeigt wurden und niemand so wirklich verstanden hat, warum der Tag überhaupt stattfand. Die Feierlichkeiten für den Nationalfeiertag hingegen haben mir sehr gut gefallen. Am vergangenen Freitag wurde von den SchülerInnen der neunten Klasse in der ersten Stunde eine Show für alle übrigen knapp 1000 Schüler und 100 Lehrer  abgelifert. Da mir niemand Bescheid gab, fand ich mich am Freitagmorgen dann „normal gekleidet“ in der Aula neben wie aus dem Ei gepellten SchülerInnen und LehrernInnen mit Krawatte und Tuch der Schule bekleidet wieder. Die Show fand selbstredend auf ungarisch statt und wenn ich im Geschichte-Leistungskurs bei Frau Laukötter nicht aufgepasst hätte, würde ich wohl immer noch nicht wissen worum es ging.

Die Kurzfassung: Am 23. Oktober 1956 haben ungarische Studenten mit friedlichen Demonstrationen gegen die Kommunistische Regierung begonnen, welche am Abend keinen anderen Weg als Gewalt gegen die immer größer werdenden Massen sah. Blutig wurde nach etlichen Straßenkämpfe die Revolution von der sowjetischen Armee beendet und viele Aufständische danach hingerichtet.

Bei der Show in der Schule wurden von den Schülern und Schülerinnen die damaligen Forderungen der DemonstrantenInnen, Ungarische Volkstänze, Lieder und die Nationalhymne vorgetragen.

Mehr über mein Leben in Ungarn erfahrt ihr, wenn ich es nicht vergesse, in den nächsten Wochen und Monaten, aber jetzt genießen ich nach der harten Arbeit hier erst einmal die bevorstehenden, wohlverdienten Herbstferien.

Bis dahin,

Sziasztok

 

 

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