{"id":659,"date":"2012-09-18T12:17:18","date_gmt":"2012-09-18T06:47:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/?p=659"},"modified":"2012-09-18T12:17:18","modified_gmt":"2012-09-18T06:47:18","slug":"ein-hoffnungsschimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/2012\/09\/18\/ein-hoffnungsschimmer\/","title":{"rendered":"Ein Hoffnungsschimmer"},"content":{"rendered":"<p>5:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Noch f\u00fcnf Minuten, nur noch f\u00fcnf gl\u00fcckselige Minuten Schlaf. Ich dr\u00fccke die Snooze-Taste. Viel zu schnell ist auch diese letzte Schonfrist um. Es hei\u00dft aufstehen, fertig machen und ab zum Volunteer Meeting. Denn um 7:00 Uhr warten unsere Kids schon beim Fr\u00fchst\u00fcck auf uns.<\/p>\n<p>Ich bin in Vaddukoddai, 10km au\u00dferhalb Jaffnas. Zusammen mit etwa 100 Volunteers, 450 Sch\u00fclern und 70 Lehrern und Eltern aus ganz Sri Lanka. So eine gemischte Gruppe von Menschen aus allen Distrikten Sri Lankas hat es in Jaffna und Umgebung seit mehr als 30 Jahren nicht &#8211; vielleicht sogar noch nie &#8211; gegeben. Als wir am Montagmorgen ankahmen, war es hier noch ruhig, ein wenig verlassen und sehr idyllisch. Etwas mehr als 24 Stunden sp\u00e4ter ist es laut, wuselt von Menschen und f\u00e4ngt an sich mit Leben zu f\u00fcllen. Die Idylle bleibt. Die Sch\u00fcler sind da. Manche von ihnen nach \u00fcber 14 Stunden Fahrt. Andere aus der direkten Umgebung nach nur einer halben.<\/p>\n<p>Jeder bekommt ein Team zugeteilt. Mit diesem Team werden sie die n\u00e4chsten Tage fast jede Minute zusammen verbringen. Die Teams sind so gemischt wie m\u00f6glich, was auch sogleich f\u00fcr Schwierigkeiten sorgt. Die Kommunikation untereinander gestaltet sich schwierig. Die einen sprechen nur Singhalesisch, die anderen nur Tamilisch. Nur etwa ein Drittel unserer 20 Kids k\u00f6nnen sich auf Englisch verst\u00e4ndigen. Wir haben Gl\u00fcck, denn mit Ghanesh aus Nuwara Eliya haben wir einen Sch\u00fcler dabei, der alle drei Sprachen flie\u00dfend spricht und uns oft als \u00dcbersetzer dienen wird.<\/p>\n<p>Am ersten Tag herrscht noch eine gewisse Reserviertheit untereinander. Besonders die M\u00e4dchen aus dem Norden werden nur langsam mit der Gruppe warm. Mir gegen\u00fcber bleiben zwei von ihnen bis zum Schluss sehr reserviert, ja fast skeptisch. Aber zumindest untereinander werden sie \u00fcber die n\u00e4chsten Tage hinweg ein wenig ihre Sch\u00fcchternheit und Ber\u00fchrungs\u00e4ngste \u00fcberwinden. Und darum geht es ja schlie\u00dflich. Zu erleben, dass die &#8222;anderen&#8220; auch nur Menschen sind, so wie du und ich. Und noch dazu nette Menschen, mit denen man Spa\u00df haben, reden, Spiele spielen, Sport machen, tanzen und lachen kann.<\/p>\n<p>Die Tage sind dank eines sehr ambitionierten Programms von 6:00 Uhr morgens bis 23:00 Uhr abends vollgepackt. Es gibt Vortr\u00e4ge von f\u00fchrenden sri lankischen K\u00f6pfen aus den verschiedensten Bereichen der Zivilgesellschaft. Au\u00dferdem gibt es t\u00e4glich mehrere Wettbewerbe, bei denen die Teams Punkte sammeln k\u00f6nnen. Wie es bei solchen Veranstaltungen &#8211; besonders in Sri Lanka &#8211; so ist, wird fast jeder Programmpunkt \u00fcberzogen. F\u00fcr tiefergehende Gespr\u00f6che bleibt kaum Zeit und manche der Aktivit\u00e4ten finden unter gro\u00dfem Zeitdruck statt. Das hei\u00dft f\u00fcr uns Volunteers: improvisieren, improvisieren, improvisieren. Eine Herausforderung, vor allem nach N\u00e4chten mit nur vier Stunden Schlaf. Ich sto\u00dfe an meine Grenzen &#8211; Geduld, Energie, M\u00fcdigkeit. Nicht mit den Kids, nein. Sondern mit der Organisation, dem Programm, meinem deutschen Bed\u00fcrfnis nach P\u00fcnktlichkeit, vorrausschauender Planung und geregelten Abl\u00e4ufen.<\/p>\n<p>Aber dann gibt es auch immer wieder diese einzigartig sch\u00f6nen Momenten. Sie lassen meine Grenzen f\u00fcr eine Weile in den Hintergrund treten. Erm\u00f6glichen es mir, manche zu \u00fcberwinden oder gar zu vergessen. In zwei N\u00e4chten kommen wir erst nach 1:00 Uhr morgens ins Bett. Die Kids wollen einfach nicht aufh\u00f6ren zu tanzen, und die Performer des abendlichen Entertainmentprogramms haben anscheinend genauso viel Spa\u00df wie sie. Es macht solch einen Spa\u00df, mit den Kids zu tanzen oder ihnen ab und zu einfach zuzusehen, wie sie zusammen Spa\u00df haben. Ein bisschen Schlaf ab und zu w\u00e4re allerdings auch nett&#8230;<\/p>\n<p>Meine Kilinochchi Kingsmen werden am Ende nicht siegen, aber Gewinner sind sie allesamt trotzdem. Auch ich habe unendlich viel gewonnen. Den Preis des Schlafmangels und einiger verlorener Nerven war es allemal wert. Ich bin dankbar f\u00fcr diese Woche im wundersch\u00f6nen nirgendwo mit einer Generation von Sri Lankern, die mir Hoffnung macht, mich inspiriert und mir zeigt, dass ich genau das Richtige studiert habe und gerade genau am richtigen Ort bin. Dank des SLU-Teams, Budds, Yapa, Niki und Sabina (meine fantastischen Teammates) und nat\u00fcrlich dank meiner Kilinochchi Kings(wo)men geh\u00f6ren diese Tage unter der glei\u00dfenden Sonne Jaffnas zu meinen allerbesten in diesem leuchtend sch\u00f6nen Land!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>PS: Es sind bereits mehr als zwei Wochen vergangen, seit ich nach neun Stunden Busfahrt \u00fcber Nacht zur\u00fcck nach Colombo gekommen bin. Es f\u00fchlt sich an, als w\u00e4re es gestern gewesen. Ich habe die Zeit gebraucht, um meine Eindr\u00fccke zu sortieren und eine Woche, die sich nicht in Worte fassen l\u00e4sst in einen \u00fcberschaubaren Blogartikel zu verpacken&#8230; Bilder folgen sobald wie m\u00f6glich und ab jetzt habe ich (hoffentlich) auch wieder mehr Zeit, um regelm\u00e4\u00dfiger zu berichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>5:30 Uhr. Mein Wecker klingelt. Noch f\u00fcnf Minuten, nur noch f\u00fcnf gl\u00fcckselige Minuten Schlaf. Ich dr\u00fccke die Snooze-Taste. Viel zu schnell ist auch diese letzte Schonfrist um. Es hei\u00dft aufstehen, fertig machen und ab zum Volunteer Meeting. 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