{"id":522,"date":"2012-07-13T11:25:49","date_gmt":"2012-07-13T05:55:49","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/?p=522"},"modified":"2012-08-17T15:11:46","modified_gmt":"2012-08-17T09:41:46","slug":"eine-reise-ans-ende-der-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/2012\/07\/13\/eine-reise-ans-ende-der-welt\/","title":{"rendered":"Eine Reise ans Ende der Welt"},"content":{"rendered":"<p><strong>1. Kapitel. Von Trincomalee nach Jaffna<\/strong><\/p>\n<p>Die Fahrt von Trinco nach Jaffna l\u00e4sst sich kaum in Worte fassen. Wundersch\u00f6ne und vielfaltige Landschaften, die mich teils an Australien und in ein, zwei Gegenden sogar an Deutschland erinnern, dann wieder w\u00fcsten\u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse, wie ich sie selbst noch nie erlebt habe. Zwischendrin immer wieder kleine und gr\u00f6\u00dfere Siedlungen. Wir kommen an vielen neu gebauten kleinen H\u00e4usern vorbei &#8211; manche schon bewohnt und andere noch im Bau begriffen. Hier sollen die Menschen, die der Krieg so brutal vertrieben hatte zu einem normalen Leben zur\u00fcckfinden. Doch wovon sollen sie leben, sich ern\u00e4hren? Wo sollen sie Arbeit finden, hier, in der Mitte vom Nirgendwo? Fragen, die unbeantwortet bleiben.<!--more--><\/p>\n<p>Wir halten in Vavuniya und essen Mittag in einem kleinen vegetarischen Restaurant mit sehr leckeren Curries und einer hei\u00df ersehnten Toilette. Dann geht es auf Richtung Norden. Endlich. Und wieder erwartet uns ein ganz anderes Sri Lanka. Ein vom Krieg gezeichnetes, noch trockeneres Land.<\/p>\n<p>Immer wieder fahren wir an H\u00e4usern mit Einschussl\u00f6chern vorbei. Die Stra\u00dfe wird gerade auf Hochtouren erneuert und hat es auch bitter n\u00f6tig, wie man deutlich merkt, wen man sich auf den noch langen unfertigen Streckenabschnitten befindet.<\/p>\n<p>Noch immer gibt es zwei Milit\u00e4rcheckpoints auf dem Weg nach Jaffna: einer kurz nach Vavuniya und ein zweiter am Elephant Pass, zwischen Kilinochchi und Jaffna. Unser Auto und unsere beiden P\u00e4sse werden registriert &#8211; wenigstens unsere einheimischen Kollegen k\u00f6nnen so passieren. Auf dem R\u00fcckweg mit dem Bus m\u00fcssen wir aussteigen und selber durch die Checkpoints laufen. Ein bisschen, als w\u00fcrden wir in ein anderes Land reisen.<\/p>\n<p>Man merkt dir Routine, die Checkpoints sind zur Normalit\u00e4t geworden. Sie symbolisieren f\u00fcr mich die andauernde Kontrolle durch das Milit\u00e4r im Norden und Osten Sri Lankas. Sie und die Milit\u00e4rcamps, an denen man wirklich alle paar Kilometer vorbeif\u00e4hrt. Stellt euch vor auf der Strecke von Hamburg nach Flensburg (Vavuniya &#8211; Jaffna) w\u00fcrdet ihr an mindestens 40 Milit\u00e4rcamps vorbeifahren. Wir haben auf der R\u00fcckfahrt tats\u00e4chlich gez\u00e4hlt &#8211; und es handelt sich dabei nur um die Camps, die wir vom Bus aus sehen konnten.<\/p>\n<p><strong>2. Kapitel.\u00a0In Jaffna<\/strong><\/p>\n<p>In Jaffna angekommen geht es erst einmal in unser Guesthouse. Sarras Guesthouse ist&#8230; special. Ja, das auf jeden Fall. Der Besitzer ist ein wenig (oder auch ein wenig mehr) exzentrisch. Aber das Zimmer ist sauber, bietet uns sogar eine Auswahl an Betten und den exklusiven Blick in das Wohnzimmer unter uns durch die L\u00fccken zwischen den Dielen. Auf der Suche nach etwas zum Abendessen, stellen wir dann f\u00fcr uns selbst fest, was die Reisef\u00fchrer in der Regel auch \u00fcber Jaffna sagen: es ist bei weitem noch nicht so auf Touristen vorbereitet bzw. ausgerichtet wie die meisten anderen Orte in Sri Lanka. Was nicht unbedingt schlecht ist, da es sich deshalb irgendwie auch &#8222;normaler&#8220; anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Durch einen gl\u00fccklichen Zufall spricht uns ein Mann an, der sich als UN Mitarbeiter entpuppt. Er gibt uns einen Tipp und so landen wir dann am Ende im Cosy Restaurant und k\u00f6nnen ein super leckeres indisches Essen genie\u00dfen. Und da wir gute Dinge zu sch\u00e4tzen wissen, werden wir\u00a0am Montag\u00a0sogar noch ein zweites Mal hierher kommen &#8211; diesmal f\u00fcr Poori Kuruma, Paneer Kulcha und Channa Masala &#8211; sehr empfehlenswert!<\/p>\n<p>Am Montagvormittag\u00a0haben wir die tolle Gelegenheit, bei einem Training of Trainers (ToT) des Performance Improvement Projects der GIZ dabei sein zu d\u00fcrfen. Ich habe in Sri Lanka noch nie so lebendige Diskussionen miterlebt. Leider findet das meiste auf Tamilisch statt, aber wir bekommen zumindest die Kernpunkte mit. Es geht um Frauen in (lokalen) Beh\u00f6rden und Regierungen, warum es nur so wenige von ihnen gibt ( im Schnitt &lt;2%) und wie man diese Situation ver\u00e4ndern kann. Da auch in diesem ToT der Gro\u00dfteil der Trainer\/Teilnehmer M\u00e4nner sind, ist es besonders erfreulich zu sehen, wie sie sich f\u00fcr das Thema interessieren und einsetzen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag nimmt uns ein Fahrer mit auf eine Tour durch Jaffna und die Umgebung. Wir fahren \u00fcber den Deich hinaus auf die Inseln und es er\u00f6ffnet sich uns wieder einmal ein neues Sri Lanka &#8211; und ein traumhaft sch\u00f6nes noch dazu. Die Weite, die Nat\u00fcrlichkeit, trotz oder gerade wegen der allgegenw\u00e4rtigen Trockenheit ist es hier so sch\u00f6n. Ich werde wiederkommen, die Inseln mit dem Fahrrad erkunden und mit der F\u00e4hre nach Delft fahren &#8211; irgendwann auf jeden Fall! Vielleicht habe ich ja schon im August die M\u00f6glichkeit, wenn ich f\u00fcr die Future Leaders Conference von Sri Lanka Unites wieder nach Jaffna komme.<\/p>\n<p><strong>3. Kapitel. Pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Hier oben im Norden und im Osten ist mir Sri Lanka ein gro\u00dfes St\u00fcck weiter ans Herz gewachsen und gleichzeitig habe ich mit meinen eigenen Augen und Ohren gesehen und geh\u00f6rt, wie viel in diesem Land noch oder wieder schief l\u00e4uft &#8211; symbolisiert durch neue Buddha-Statuen neben alten Hindutempeln, Milit\u00e4rcamps und -checkpoints, Milit\u00e4r und Polizei, die nur Singhalesisch sprechen, Menschen, die kaum ein Wort Englisch verstehen, kleinen dicht gebauten neuen H\u00e4usern mitten im Nirgendwo&#8230;<\/p>\n<p>Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass der Krieg ja erst vor drei Jahren beendet wurde. Und das durch einen milit\u00e4rischen Sieg der sri l\u00e4ndlichen Armee gegen die Tamil Tigers. Wie sah es in Deutschland 1948 aus? Aufgeteilt in vier Besatzungszonen, \u00fcberall die Alliierten und ihre Truppen, viele Geb\u00e4ude noch zerst\u00f6rt durch den Krieg. Kann man von Sri Lanka Wunder erwarten? Eine schnelle Aufarbeitung der Kriegsverbrechen, die R\u00fcckkehr zur &#8222;Normalit\u00e4t&#8220; in den fr\u00fcheren Kriegsgebieten, nationale Auss\u00f6hnung\/Reconciliation, die Gleichbehandlung der Tamilen&#8230;? Vielleicht nicht. Wahrscheinlich nicht. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Und Tr\u00e4umen ist ja auch immer noch erlaubt, nicht wahr? Auf jeden Fall w\u00fcnsche ich den Menschen hier im Norden, dass sich die Situation nicht nur langsam, sondern schnell und bald verbessert. Neue Stra\u00dfen sind das eine, aber ohne Recht und Ordnung, Arbeitspl\u00e4tze und solide Existenzgrundlagen, gute politische Repr\u00e4sentanz etc. kann auch die neue Infrastruktur nicht auf Dauer Ruhe und Frieden bringen.<\/p>\n<p>Nach dieser Reise kann ich auf jeden Fall einmal wieder einen der Stereotypen aus meinem allerersten Artikel auf diesem Blog best\u00e4tigen: die Menschen hier schenken einem wundersch\u00f6ne L\u00e4cheln und sind sehr herzlich und hilfsbereit &#8211; hier im Norden bei weitem noch mehr als in Colombo. Ein Trip in den Norden lohnt sich auf jeden Fall f\u00fcr jeden, der sich wirklich f\u00fcr Sri Lanka mit all seinen Facetten interessiert.<\/p>\n<p>PS: Ich sitze am Mittwoch\u00a0im Zug von Vavuniya nach Colombo &#8211; auf dem Weg zur\u00fcck in meinen Alltag, der irgendwie genauso wie vor dieser Reise sein wird. Aber irgendwie auch ganz anders. Das, was ich gesehen, geh\u00f6rt und erlebt habe hat mich nicht nur inspiriert, sondern auch motiviert, alle mir offen stehenden M\u00f6glichkeiten, mich f\u00fcr ein friedliches und sozial gerechtes Sri Lanka stark zu machen und einzusetzen. Wie\u00a0das? m\u00f6gt ihr jetzt vielleicht fragen. Ja, ich bin nur eine &#8222;kleine&#8220; Freiwillige, aber unsere Nationalkommission arbeitet genau in den Bereichen, die ich gerade als so wichtig empfinde: Bildung f\u00fcr Frieden und nachhaltige Entwicklung, St\u00e4rkung von Journalisten, Lehreraus- und -fortbildung&#8230; Da gibt es auch f\u00fcr mich als Freiwillige einiges an M\u00f6glichkeiten, etwas wertvolles beizutragen. Mal sehen&#8230; Und Fotos folgen auch bald, versprochen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Kapitel. Von Trincomalee nach Jaffna Die Fahrt von Trinco nach Jaffna l\u00e4sst sich kaum in Worte fassen. 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