{"id":410,"date":"2012-05-16T14:31:33","date_gmt":"2012-05-16T09:01:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/?p=410"},"modified":"2012-05-16T14:31:33","modified_gmt":"2012-05-16T09:01:33","slug":"tausend-fragen-im-blick","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/2012\/05\/16\/tausend-fragen-im-blick\/","title":{"rendered":"Tausend Fragen im Blick"},"content":{"rendered":"<p>Ich sp\u00fcre deine Augen. Auf mich gerichtet, unbeirrt, mit tausend Fragen im Blick. Der Schwei\u00df rinnt mir die Stirn herunter, den R\u00fccken entlang, selbst meine Arme scheinen zu schwitzen. Eng gepackt stehen wir, uns irgendwie an Stangen, manchmal auch an einander, festhaltend. Wie Vieh. Um herein und heraus zu kommen dr\u00e4ngen wir uns aneinander vorbei \u2013 ja quetschen uns durch einander hindurch. Irgendwann der Ruf \u201eSalli!\u201c \u2013 \u201eGeld!\u201c. Der Schaffner dr\u00e4ngt und quetscht sich durch uns hindurch, um den Fahrpreis einzutreiben. Als wenn man ihm entkommen k\u00f6nnte. Als ob man das wollte. Bei einem Fahrpreis zwischen 10 und 30 Rupien. Zwischen 6 und 18 Cent. Ich entkomme ihm bestimmt nie. Denn auch seine Augen sind auf mich gerichtet, mit der Frage: \u201eWas tust du hier? Warum sitzt du nicht im klimatisierten Auto und l\u00e4sst dich von einem Fahrer zur Arbeit kutschieren? Oder f\u00e4hrst zumindest mit einem Tuk Tuk?\u201c<\/p>\n<p>Das ich \u2013 als Ausl\u00e4nderin, als Wei\u00dfe \u2013 nicht viel Geld zur Verf\u00fcgung habe und mir es nicht leisten kann, t\u00e4glich 800 Rupien (= 5\u20ac) f\u00fcr den Weg von und zur Arbeit auszugeben ist f\u00fcr die meisten Sri Lanker nur schwer nachzuvollziehen. Selbst meine Kollegen hatten am Anfang zum Teil Schwierigkeiten, zu verstehen, dass ich als Freiwillige nicht das durchschnittliche \u201eAusl\u00e4nder-Leben\u201c f\u00fchren kann und auch nicht unbedingt will. Der Gro\u00dfteil der Ausl\u00e4nder, die hier leben und arbeiten geh\u00f6ren durchweg der besser verdienenden Bev\u00f6lkerungsschicht an. Manche zeigen dies auch gerne \u2013 allerdings sind sie meines Empfindens nach in der absoluten Minderheit. Sie fallen nur leider st\u00e4rker auf, was zu Stereotypen und Erwartungshaltungen beitr\u00e4gt, die in vielen F\u00e4llen nicht der Wahrheit entsprechen. Es gibt auch sehr viele Ausl\u00e4nder, die f\u00fcr unsere westlichen Verh\u00e4ltnisse einfach ganz normal leben. Kann man ihnen das vorwerfen? Ich finde nicht. Warum sollten sie auf den Lebensstandard verzichten, den sie gewohnt sind, vor allem wenn sie gut verdienen?<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu meiner Busfahrt. Zur\u00fcck zu den Augen, die an mir haften bleiben. Scheinbar festgehalten, unabwendbar. Die meisten Menschen auf der Stra\u00dfe, im Ministerium oder im Supermarkt nehmen inzwischen kaum mehr Notiz von mir. Woran es liegt? Ich wei\u00df es nicht, aber es ist sch\u00f6n. Im Bus jedoch, da falle ich immer noch auf. Zugegeben, bisher war ich tats\u00e4chlich jedes Mal die einzige wei\u00dfe Ausl\u00e4nderin im Bus. Ich kenne nur sehr wenige andere Expats, die von ihren Busfahrerfahrungen erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Und ich kenne inzwischen auch nicht wenige Sri Lanker, die noch nie mit dem Bus gefahren sind. Wenn man es nicht muss, tut man es hier nicht. Anders als in Deutschland, wo sich immer mehr aus eigenem Antrieb f\u00fcr die klimafreundlicheren \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel entscheiden \u2013 obwohl sie sich oft auch ein Auto leisten k\u00f6nnten. Ich muss aber. Und das hei\u00dft wohl auch, sich an die Blicke gew\u00f6hnen. An das Gedr\u00e4ngel, die Hitze, das Verlangen nach einer zweiten Dusche bevor die Arbeit auch nur begonnen hat. Ich bin zuversichtlich, wenn auch noch nicht restlos begeistert von meinem neuen t\u00e4glichen Verkehrsmittel. Gew\u00f6hnen kann man sich doch an alles. Oder?!<\/p>\n<p>Fotos folgen bei Gelegenheit mal&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich sp\u00fcre deine Augen. Auf mich gerichtet, unbeirrt, mit tausend Fragen im Blick. Der Schwei\u00df rinnt mir die Stirn herunter, den R\u00fccken entlang, selbst meine Arme scheinen zu schwitzen. 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