{"id":274,"date":"2012-04-01T21:19:40","date_gmt":"2012-04-01T15:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/?p=274"},"modified":"2012-04-02T10:55:20","modified_gmt":"2012-04-02T05:25:20","slug":"ticket-in-den-wohlstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/srilanka2012\/2012\/04\/01\/ticket-in-den-wohlstand\/","title":{"rendered":"Ticket in den Wohlstand?"},"content":{"rendered":"<p>Ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben als wei\u00dfe, deutsche Frau in Sri Lanka. Warum ich das wei\u00dfe und deutsche an mir hier betone? Lest am besten selbst.<\/p>\n<p>Mein Arbeitsplatz befindet sich in dem mittelgro\u00dfen offenen B\u00fcro der NatCom und meine Kollegen sind alle Sri Lanker. Ich f\u00fchle mich wohl und komme mit meinen Kollegen insgesamt sehr gut klar. Womit ich allerdings nicht ganz so gut klar komme, ist ein Mitarbeiter des Ministeriums, der zwar in einem ganz anderen B\u00fcro und auf einem anderen Stockwerk arbeitet, es sich aber in den letzten zwei Wochen zur Angewohnheit gemacht hat, mich einmal am Tag zu besuchen \u2013 oder, wie ich es inzwischen empfinde, zu belagern.<!--more--><\/p>\n<p>Bereits am Anfang hatte ich ein komisches Gef\u00fchl, als er mir sofort seine Telefonnummer aufgedr\u00e4ngt hat \u2013 ich k\u00f6nne ihn jederzeit anrufen, wenn ich was unternehmen will. Und meine wollte er nat\u00fcrlich auch haben. Dank einer kleinen Notl\u00fcge konnte ich das allerdings umgehen&#8230; Achja, ich dachte mir \u201awahrscheinlich bist du zu paranoid und urteilst viel zu fr\u00fch\u2019 und holte mir noch ein wenig Feedback von anderen S\u00fcdostasien-Erfahren(d)en. Mit der festen Absicht, Offenheit zu leben und meine Vorurteile zu \u00fcberwinden, unterhielt ich mich bei seinem ersten Besuch diese Woche noch mal etwas l\u00e4nger mit ihm. Vielleicht wollte er ja wirklich nur nett sein, ohne Hintergedanken?<\/p>\n<p>Pustekuchen. Es ging gleich mit den typischen Fragen los: Verheiratet? Kinder? Freund? Was ich gerne essen w\u00fcrde, damit wir mal essen gehen k\u00f6nnten? Und so weiter, und so fort&#8230; Keine einzige Frage zu meinen Interessen, was ich von Sri Lanka bisher gesehen habe und wo ich gerne noch hin m\u00f6chte. Eigene Fragen konnte ich auch kaum unterbringen. Ich habe mein Bestes getan, ihm ehrlich zu antworten \u2013 schlie\u00dflich findet er sonst irgendwann durch meine Kollegen heraus, dass ich in Wirklichkeit doch nicht verheiratet bin und ihn angelogen habe. Muss ja nicht sein. Allerdings habe ich ihm auch gleich sehr deutlich gesagt, dass ich kein Interesse habe &#8211; weder daran, mit ihm irgendetwas Essen zu gehen, noch daran, in n\u00e4herer Zukunft zu heiraten. Sprich: Bitte lass mich in Ruhe und h\u00f6r auf, mich als potentielles Ticket in ein \u201ebesseres\u201c Leben anzusehen. Nur eben nicht ganz so deutlich, denn schlie\u00dflich wollte ich ihn ja auch nicht gleich kr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Ich klinge heute vielleicht etwas harsch. Ich finde es leider sehr schwer, in Worte zu fassen, was mich an ihm und seinem Verhalten genau st\u00f6rt. Ich glaube es geht dabei vor allem um ein unterschiedliches Verst\u00e4ndnis von Privatsph\u00e4re, N\u00e4he und Distanz, Respekt f\u00fcr das Wort \u201enein\u201c, aber auch darum, wie er mich ansieht, ohne jemals wirklich <em>mich<\/em> anzusehen. Ich habe das Gef\u00fchl, f\u00fcr ihn wirklich nur die deutsche Frau zu sein, die ihm ein Leben im Wohlstand erm\u00f6glichen k\u00f6nnte. Das Ticket. Und dann kommen noch solche S\u00e4tze wie \u201eGermans are good people\u201c hinzu. In einem anderen Kontext w\u00fcrde ich mich dar\u00fcber freuen. Hier verst\u00e4rkt es nur mein Unbehagen. Ich habe ihn beim letzten Mal nett darum gebeten, mich nicht mehr t\u00e4glich zu besuchen. Sollte das nicht reichen, muss ich wohl langsam mal meine Kollegen um Hilfe bitten&#8230;<\/p>\n<p>Um eines gleich klarzustellen: Die Sri Lanker, die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind in der sehr gro\u00dfen Mehrheit sehr nette und hilfsbereite Menschen. Manche wollen f\u00fcr ihre Hilfsbereitschaft Geld oder Kontakte, aber das l\u00e4sst sich mit ein wenig Erfahrung relativ gut einsch\u00e4tzen und umschiffen. Dass es aber auch anders geht, habe ich inzwischen ein paar wenige Male selbst erlebt und leider schon \u00f6fter in Berichten von Sri Lanka Reisenden und Expats gelesen. Die richtige Balance zwischen Vertrauen und Misstrauen den Menschen im Allgemeinen gegen\u00fcber zu finden bleibt f\u00fcr mich weiterhin eine Herausforderung. Bisher habe ich mich eher auf der Seite des Misstrauens bewegt. Das gestehe ich offen ein. Und ich denke, es ist langsam an der Zeit, st\u00e4rker auf Vertrauen zu setzen. Wenn ich mich dann mal irre, ist es eben so. Aus Fehlern und Missgeschicken lernt man schlie\u00dflich am meisten, nicht wahr?<\/p>\n<p>Dies ist ein Thema, das ich pers\u00f6nlich nicht ganz einfach finde. Aus meiner Sicht, muss jeder f\u00fcr sich selbst erfahren und herausfinden, wie er oder sie in solchen Situationen reagiert und wie viel Distanz man sich gerne bewahren m\u00f6chte. Es geht dabei schlie\u00dflich auch darum, sich die eigene Offenheit zu bewahren und sich nicht durch einzelne Erlebnisse und Personen verschrecken und einschr\u00e4nken zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben als wei\u00dfe, deutsche Frau in Sri Lanka. Warum ich das wei\u00dfe und deutsche an mir hier betone? Lest am besten selbst. 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