{"id":231,"date":"2017-12-08T07:19:18","date_gmt":"2017-12-08T06:19:18","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/?p=231"},"modified":"2017-12-08T07:23:13","modified_gmt":"2017-12-08T06:23:13","slug":"achtes-tuerchen-traditionell-und-doch-modern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/2017\/12\/08\/achtes-tuerchen-traditionell-und-doch-modern\/","title":{"rendered":"Achtes T\u00fcrchen &#8211; Traditionell. Und doch modern"},"content":{"rendered":"<p>Gibt man bei Google &#8222;Vietnamesinnen&#8220; ein, so bekommt man auf acht der ersten zwanzig vorgeschlagenen Bilder vietnamesische Frauen im Ao Dai zu sehen. Denkt man an die Kultur und die traditionelle Kleidung Vietnams, kommen mir aber ehrlich gesagt auch ziemlich bald die Bilder vom Ao Dai und dem Non La (dem Kegelhut, den ich im siebten &#8222;T\u00fcrchen&#8220; genauer thematisiert habe) in den Kopf.<\/p>\n<p>Nachdem du dich nun schon mit dem besonderen vietnamesischen Hut auskennst und wir gerade so gut im Thema Kleidung und Kultur sind, geht es heute um das Kleidungsst\u00fcck, das die Grazie und Sch\u00f6nheit der vietnamesischen Frau unterstreicht:<\/p>\n<p>Der Ao Dai, zu Deutsch &#8222;langes Kleid&#8220;.<\/p>\n<p>Ausgesprochen wird das Wort &#8211; wie so oft im Vietnamesischen &#8211; aber etwas anders: Im Norden spricht man von dem Gewand als &#8222;Ao Sai&#8220;, im S\u00fcden dagegen als &#8222;Ao Jai&#8220;. So nebenbei: Wenn ich mich w\u00e4hrend eines Gespr\u00e4chs schon einige Minuten mit Vietnamesen \u00fcber den Ao Dai unterhalten habe (nat\u00fcrlich auch zur Recherche f\u00fcr dieses \u201eT\u00fcrchen\u201c) und dann eine Frage mit dem Wort stelle, versteht man mich nicht. Ziemlich entt\u00e4uschend. Ich glaube, irgendwas mache ich ziemlich falsch. Aber darum soll es jetzt nicht gehen!<\/p>\n<p>Der Vorl\u00e4ufer diseses Kleidungsst\u00fcckes war der Ao tu than, ein langes Kleid bestehend aus vier Teilen. Im 17. Jahrhundert wurde dieses von den Cham inspirierte Gewand auch von vietnamesischen Frauen getragen. Diese Art von Kleidern gibt es zwar immer noch, allerdings werden sie nur noch bei B\u00fchnenauftritten und auf Festen der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_235\" style=\"width: 520px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8725.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-235\" class=\"size-large wp-image-235\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8725-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"383\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8725.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8725-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8725-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-235\" class=\"wp-caption-text\">Im Vietnamesischen Frauenmuseum in Hanoi ist ein ganzer Teil der traditionellen Kleidung in Vietnam gewidmet. Hier ein Bild von verschiedensten Ao Dais.<\/p><\/div>\n<p>Der Ao Dai, wie man ihn heute kennt und bestaunen kann, wurde im Hanoi des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts kreiert. Wie die M\u00e4nner, die sich immer westlicher kleideten, \u00e4nderten auch die vietnamesischen Frauen ihren Kleidungsstil. Die Art einiger junger Frauen, sich aufreizend zu kleiden, war den\u00a0 meisten Vietnamesen aber viel zu vulg\u00e4r und widersprach oben drein auch der konfuzianischen Lehre. Die Weiblichkeit der Frau durfte n\u00e4mlich keinesfalls zu sehr im Vordergrund stehen. Der Ao Dai war da genau die richtige L\u00f6sung: Ein am Oberk\u00f6rper eng anliegendes Oberteil, das \u00fcber eine locker sitzende Hose f\u00e4llt, die meist bis zum Boden reicht. Das Design des Kleidungsst\u00fccks scheint, den kompletten K\u00f6rper in sanft flie\u00dfende Stoffe zu h\u00fcllen. Die Mischung aus Eng und Weit setzt den K\u00f6rper in Szene, wenn auch sehr dezent.\u00a0Ges\u00e4umt von langen seitlichen Schlitzen, die bis \u00fcber die H\u00fcfte reichen, erm\u00f6glicht das Kleid gleicherma\u00dfen einfaches Bewegen und einen hohen Tragekomfort.<br \/>\nMit disem Langkleid ist es f\u00fcr die vietnamesische Frau m\u00f6glich, anmutig, aber nicht freiz\u00fcgig ihre k\u00f6rperliche Sch\u00f6nheit zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Der Ao Dai ist geschlossen, kann aber die sch\u00f6nsten Z\u00fcge des K\u00f6rpers der Frauen zeigen. Man kann sagen, dass der Ao Dai die eigene Sch\u00f6nheit der Kost\u00fcme der vietnamesischen Frauen zeigen.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Zu Beginn trugen nur mit Franzosen verheiratete Vietnamesinnen den Ao Dai. Aber schon Ende der 1930er Jahre konnte man das neue Gewand an den meisten Stadtfrauen bewundern. Besonders franz\u00f6sische Seide in den Farben Violett und Dunkelrot sowie bunt gef\u00e4rbte, leichte, indische Stoffe waren als Materialien besonders beliebt.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens wurde das Ao Dai der st\u00e4dtischen Frauen zu diesem Zeitpunkt aus f\u00fcnf Stoffbahnen geschnitten. Die vier Hauptstoffbahnen stehen f\u00fcr die Eltern und die Schwiegereltern. Die restliche Stoffbahn bezeichnet die Tr\u00e4gerin. Die f\u00fcnf Haken entlang der Tracht symbolisieren menschliches Verhalten nach den Regeln des Konfuzianismus: Redlichkeit, H\u00f6flichkeit, Treue, Klugheit und Zuverl\u00e4ssigkeit.<\/p>\n<p>Die Zeit der sch\u00f6nen Kleider endete jedoch mit dem Krieg. So sah man die eleganten Gew\u00e4nder nur noch bei formalen Anl\u00e4ssen. Aber auch nach dem Kriegsende war es nicht \u00fcblich,\u00a0 sich derart h\u00fcbsch anzuziehen.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck ist diese Zeit vorbei. Heute ist der Ao Dai n\u00e4mlich wieder eine tolle Variante, wenn frau sich chic machen will.<\/p>\n<p>Je nach der Farbe eines Ao Dais kann man tats\u00e4chlich auf das Alter und den sozialen Status der Tr\u00e4gerin des Kleidungsst\u00fcckes schlie\u00dfen. J\u00fcngere Frauen wollen beispielsweise mit ihren wei\u00dfen Ao Dais Jugend und Reinheit versinnbildlichen. Werden sie \u00e4lter, bleiben aber weiter unveheiratet, w\u00e4hlt man f\u00fcr seinen Ao Dai mehr Pastell-T\u00f6ne. Kr\u00e4ftige Farben lassen vermuten, dass die Tr\u00e4gerin verheiratet ist.<br \/>\nAu\u00dferdem gibt es f\u00fcr religi\u00f6se und rituelle Zeremonien ausgew\u00e4hlte Farben wie beispielsweise braun, blau und lila.<br \/>\nBei besonderen Anl\u00e4ssen w\u00e4hlt man Ao Dais mit aufwendigeren Designs und Mustern. Bei Hochzeiten, nationalen Festen und vor allem dem Tet-Fest (dem h\u00f6chsten vietnamesischen Fest) sieht man die beeindruckenden Kleidungsst\u00fccke \u00fcberall.<\/p>\n<p>Am Hoan Kiem-See kann man t\u00e4glich viele Vietnamesinnen in ihren h\u00fcbschen Ao Dais sehen, die sich vor dem See platzieren und ablichten lassen. In \u201enormalen\u201c Outfits wird &#8211; soweit ich das mitbekommen habe &#8211; eigentlich gar kein Shooting gemacht. Der Ao Dai sieht einfach zu gut aus.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher trugen sowohl M\u00e4nner als auch Frauen das Kost\u00fcm. Heutzutage sieht man M\u00e4nner im Ao Dai jedoch nur noch sehr selten, meist zu wichtigen Anl\u00e4ssen wie Hochzeiten und Beerdigung.<\/p>\n<div id=\"attachment_234\" style=\"width: 520px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8686.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-234\" class=\"size-large wp-image-234\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8686-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"510\" height=\"680\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8686.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/files\/2017\/12\/IMG_8686-300x400.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-234\" class=\"wp-caption-text\">Besonders verzierte Arten des Ao Dais, hier f\u00fcr eine Hochzeit.<\/p><\/div>\n<p>Aber auch in der Viet Duc Oberschule, in der ich arbeite, freue ich mich jeden Montag\u00a0 &#8211; an diesem Tag ist der Fahnenappell &#8211; wenn ich die M\u00e4dchen im weissen Ao Dai bewundern kann.<br \/>\nEin Schuldirektor in Ca Mau hatte dieses Kleidungsst\u00fcck im Jahr 1983 n\u00e4mlich als Schuluniform eingef\u00fchrt, nachdem er Grazie, aber auch Konformit\u00e4t an seine Schule bringen wollte.<br \/>\nIn den folgenden Jahren nahmen immer mehr weiterf\u00fchrende Schulen den Ao Dai als Schuluniform auf. Und so wohl auch die Viet Duc Oberschule.<\/p>\n<p>Immer wieder wurde das Gewand dem Zeitgeist angepasst. So wurden moderne Modeideen mit dem traditionellen Gewand verbunden. Die vietnamesische Kultur, die das Kleidungsst\u00fcck transportiert, ging dabei jedoch nie verloren. Unabh\u00e4ngig davon, wie viele Versuche gestartet werden, den Ao Dai neu zu erfinden oder zu modernisieren, der traditionelle Ao Dai ist und bleibt eines der bequemsten und beeindruckendsten Kleidungsst\u00fccke Vietnams.<\/p>\n<p>Und selbst wenn er vielleicht konsevativ aussehen mag, kann ich dem folgenden Sprichwort doch nur voll zustimmen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Der Ao Dai bedeckt alles, aber versteckt nichts.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ab 30\u20ac kann man sich in Vietnam einen eigenen Ao Dai schneidern lassen &#8211; nat\u00fcrlich ohne Limit nach oben. Ob mir das so steht, wei\u00df ich noch nicht. Eine \u00dcberlegung ist es aber allenfalls wert&#8230;<\/p>\n<p>Wenn man ihn nur f\u00fcr einen bestimmten Anlass ben\u00f6tigt, kann man sich in speziellen L\u00e4den auch einen Ao Dai mieten.<\/p>\n<p>Wichtig zu bedenken ist aber, dass jeder Ao Dai nur f\u00fcr eine bestimmte Frau geschneidert ist. Geliehen wird er also nie so gut aussehen wie nur f\u00fcr dich geschneidert. Zusatzinfo: Obwohl der Ao Dai genau auf einen K\u00f6rper zugeschnitten ist, wird immer an der Naht Platz f\u00fcr eine Ausweitung des Gewandes gemacht. Selbst wenn Vietnamesinnen generell sehr d\u00fcnn sind, kann es ja vorkommen, dass sie zunehmen. Bei dem Angebot von leckerem Essen und Trinken hier nicht ganz unverst\u00e4ndlich. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Zu hoffen bleibt, dass der Ao Dau auch in Zukunft viel auf den Stra\u00dfen Vietnams vertreten sein wird. Selbst wenn er sich ver\u00e4ndert und moderne Modedesigns miteinflie\u00dfen bleibt er doch ein traditionelles Kleidungsst\u00fcck Vietnams.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass ich in einigen Jahren immer noch nach \u201eVietnamesinnen\u201c googlen kann und mindestens genau so viele Bilder von Vietnamesinnen in Ao Dais (und auch den Non Las) wie heute finden werde!<\/p>\n<p>Viele Gr\u00fc\u00dfe von deiner Ao-Dai-Bewundererin Sophie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gibt man bei Google &#8222;Vietnamesinnen&#8220; ein, so bekommt man auf acht der ersten zwanzig vorgeschlagenen Bilder vietnamesische Frauen im Ao Dai zu sehen. Denkt man an die Kultur und die traditionelle Kleidung Vietnams, kommen mir aber ehrlich gesagt auch ziemlich bald die Bilder vom Ao Dai und dem Non La (dem Kegelhut, den ich im &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/2017\/12\/08\/achtes-tuerchen-traditionell-und-doch-modern\/\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2314,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14946,21,145741,11023,910],"tags":[145745,14946,145744,145741,581,145743,12344,145727],"class_list":["post-231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-adventskalender","category-allgemein","category-ao-dai","category-kleidung","category-vietnam","tag-achtes-tuerchen","tag-adventskalender","tag-anlaesse","tag-ao-dai","tag-geschichte","tag-symbole","tag-tradition","tag-varianten"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2314"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=231"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":241,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions\/241"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sophiegoeshanoi\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}