Post ist da! – Meine Gefühlsedition

Lieber Leser, Liebe Leserin,

oft werde ich über WhatsApp gefragt:

“Und wie geht‘s dir?“

Es wäre aber viel zu zu simpel und zu oberflächlich, diese recht einfache Frage mit:

“Mir geht‘s super/gut/naja/schlecht.“

zu beantworten. Durch meinen Kopf spuken so viele Gefühle und Gedanken, die sich nicht auf eine solch einfache und knappe Antwort runterbrechen lassen können. Wie das Lied „Die Gedanken sind frei“ so treffend beschreibt. Man kann sie nicht fassen…

Hier meine neueste Gefühlskollektion – es handelt sich dabei um die Herbstedition 2017:

  • das Glück: hält wie in meinem letzten Blogartikel an. Es sind die kleinen Glücksmomente, die mein Leben hier so besonders machen. So zaubert ein vielleicht 14jähriger Junge mir ein Lächeln auf die Lippen, wenn er mir „You are so beautiful“ sagt. Eine Frau am Hoan Kiem See, die mir beim Aerobic der etwas älteren, vietnamesischen Damen die Schritte extra gezeigt hat und ich so super mittanzen konnte.
  • die Liebe: Bitte erwarte jetzt keine großartige Liebesstory. Die kann ich dir leider nicht liefern. Aber eine kleine: Ich wurde nämlich geküsst. Nicht von einer Person, nein! Ich wurde von Hanoi geküsst. Hört sich seltsam an, aber es ist wahr. Beim „Hanoi Kiss“, wie ich einen erhalten habe, handelt es sich nämlich um eine ganz heiße Affäre. Man spricht von eben jenem Kuss, wenn man sich dummerweise am heißen Auspuff eine Mopeds verbrannt hat. Diesen Kuss habe ich an der rachten Wade bekommen, als ich – trotz des bestimmt 20.000 maligen Hinweises, immer rechts vom Moped abzusteigen – lieber links vom Moped geklettert bin und mit meinem Bein eben an diesem Auspuff hängengeblieben bin. Wer nicht hören will, der muss spüren. Nach vier Krankenhausbesuchen und einer Woche Verband um die Wade, sieht man die Verbrennung glücklicher Weise fast nicht mehr. Trotzdem kann ich behaupten, dass Hanoi mich schon jetzt sehr geprägt und gebrandmarkt hat. 😉

  • die Angst: ist irgendwie immer im Hinterkopf. Ich habe Angst, viel in Deutschland zu verpassen. Über Snapchat, Instagram, WhatsApp und Facebook (die modernen Medien sind wirklich nicht nur hilfreich) bekommt man immer mit, was die Lieben in Deutschland alles unternehmen, wer sich mit wem trifft und wie ihr Leben weitergeht. Natürlich war mir das auch vor meinem FSJ klar, aber dass mich das so beschäftigen würde, hätte ich nicht gedacht. Beispielsweise sehe ich die Bilder von der letzten Tanzparty, auf die ich – wenn ich nicht in Vietnam wäre – sicher auch gegangen wäre. Ich hätte auf den Bildern gelacht und vier tolle Stunden verbracht. Ich gratuliere einer sehr guten Freundin zum Geburtstag und weiß, dass ich sicher auch zu ihrer Party eingeladen worden wäre. Ich höre von ehemaligen Klassenkameraden, dass sie jetzt ihre Ausbildung, ihr Studium oder ihr duales Studium begonnen haben. Sie erzählen von der neuen Wohnung, den netten oder manchmal auch weniger netten Dozenten und ihren tollen Studienkollegen. Trotz dieses leisen Wehmutstropfen im Hinterkopf, überwiegt bei mir:
  • die Freude: Ich finde erstaunlicher Weise Freude am Wäschewaschen. Jetzt wo keine Eltern mehr da sind, die das machen könnten, muss ich selbstständig werden. Und das beginnt eben mit dem Wäschewaschen. Du hast ja keine Ahnung, wie sehr ich mich jetzt nach jedem Waschgang freue, frische, gutriechende Wäsche in meinen Schrank einräumen zu können. Ich freue mich über eine Schülerin, die sich herzlich bei mir bedankt, dass ich ihr eine Aufgabe erklärt habe und mir lächelnd sagt, dass ich alles richtig gut und verständlich für sie begreiflich mache. Da ist aber auch die Freude am Vietnamesischen Frauentag, an dem Frauen in ganz Vietnam Geschenke bekommen und geehrt werden. Von einem Schüler habe ich einen silbernen Heliumballon in Herzform geschenkt bekommen. Auf dem Heimweg hat mir ein kleines Kind, das zwischen seinen Eltern auf einem Moped saß, mir „Hello“ zugerufen. Kurzerhand habe ich dem Kind meinen Luftballon geschenkt und es hat sich wirklich sehr darüber gefreut und auch seine Eltern haben sich herzlich bedankt.
  • Das Heimweh: bekommt in diesem Blogartikel wenig Aufmerksamkeit. Warum? In meinem Leben bekommt es eben so wenig Beachtung, da mir einfach die Zeit dafür fehlt, über Heimweh nachzudenken. Aber ich bin froh darüber.
  • das Vermissen: Es wäre gelogen, zu behaupten, ich würde nichts und niemanden in Deutschland vermissen. Mir fehlen meine Familie und meine Freunde. Zusammen abzuhängen, eine Serie bis spät abends anzusehen, gemeinsam zu Abend essen (ein richtig leckeres paniertes Schnitzel wäre da mal wieder gut), eine Runde Skip-Bo oder Kniffel zu spielen, einfach Ewigkeiten über Gott und die Welt zu reden, Zeit gemeinsam zu verbringen. Was ich aber auch vermisse, sind Tanzen (der wöchentliche Tanzkurs und die Tanzpartys) und das Schwimmen. Bis jetzt habe ich noch keine Vereine dafür gefunden, aber vielleicht ergibt sich da ja noch was.
    der Nervenkitzel/die Spannung: Der Titel meines Blogs heißt übersetzt ja „Es wird eine spannende Zeit“ und ich hatte wirklich schon einige spannende Ereignisse. Hier aber eine kurze Zusammenfassung meines wohl aufregendsten Tags. Wir drei WG-Mädels waren im Norden Vietnams zum Wandern und haben einen lokalen Tourguide gebucht, über den uns gesagt worden war, dass er sich auskennen würde. Na Pusteblume! Geplant war, um 15 Uhr zurück zum Hostel zu kommen. Wir kamen um 18 Uhr zurück. Geplant war, 10 Kilometer zu wandern. Wir wanderten 25 (!!!) Kilometer. Nachdem der Guide aber den Weg nicht kannte und wir durch die tiefste Natur Vietnams geklettert/gewandert/gehumpelt sind, haben uns langsam die Kräfte verlassen und unsere anfangs gute Laune verflüchtigte sich allmählich. Zwischen den Büschen und Bäumen hat man den Weg gar nicht mehr richtig erkannt und plötzlich bin ich drei Meter in die Tiefe gefallen. Ich wusste gar nicht, was in dem Moment passierte. Mein großes Glück war, dass ich weich landete und mir bis auf die zerrissene Leggins und der Schock, nur ein Lachen über diesen Moment als Spätfolgen bekannt sind. 😉 Ich hoffe, dass ich weitere so spannende und lustige Erlebnisse während meiner Zeit hier haben werde.
  • die Befürchtung: Ich habe wirklich die Befürchtung, den Kontakt zu vielen Menschen in Deutschland während meiner Zeit in Hanoi zu verlieren. Leider fehlt mir oft die Zeit und auch die Lust (spät abends will ich wirklich lieber schlafen) auf Nachrichten zu antworten. Wenn ihr das gerade lest, möchte ich euch sagen, dass es wirklich nicht böse gemeint ist, dass ich nicht antworte. Ich hoffe, wir verlieren uns nicht aus den Augen und nimmst es mir nicht übel.
  • die Vorfreude: Ich freue mich auf die vielen weiteren Erlebnisse, auf die kommende Zeit. Nächstes Wochenende werde ich zum Beispiel als einzige Deutschsprachige – wie das mit der Kommunikation klappen soll, weiß ich noch nicht – mit circa 500 Elftklässlern nach Sapa (eine wohl wunderschöne Gegend ganz im Norden Vietnams) fahren. Ich bin schon gespannt, was mich dort erwarten wird!
    So, jetzt wünsche ich dir für‘s Erste einen schönen Tag und ich schreibe dir bald wieder!

Alles Liebe,

deine Sophie

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