{"id":14,"date":"2024-01-30T13:29:33","date_gmt":"2024-01-30T12:29:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/?p=14"},"modified":"2024-01-30T17:57:53","modified_gmt":"2024-01-30T12:57:53","slug":"wie-ist-das-leben-in-der-hauptstadt-usbekistans-so","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/2024\/01\/30\/wie-ist-das-leben-in-der-hauptstadt-usbekistans-so\/","title":{"rendered":"Wie ist das Leben in der Hauptstadt Usbekistans so?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400\">Hey:) Ich bin Sonja, 18 Jahre alt, ich lebe f\u00fcr ein Jahr in Taschkent der Hauptstadt von Usbekistan.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich lebe zusammen mit einer Freiwilligen die mit mir zusammen ausgereist ist und das letzte halbe Jahr auch mit einem kulturweit Freiwilligen der der sein Jahr hier um ein halbes Jahr mit uns versetzt verbringt, also jetzt im Februar zur\u00fcck nach Deutschland fliegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Da es in meiner Erfahrung sehr schwierig ist online aktuelle und alltagsnahe Informationen zum Leben in Taschkent zu finden, werde ich versuchen ein bisschen aus meinem Leben in Usbekistan zu berichten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich habe eine ganze Liste mit kleinen komischen und lustigen Sachen die uns hier begegnet und passiert sind. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Eine der auff\u00e4lligsten und vor allem zu Beginn \u00fcberfordernsten Sachen ist der Verkehr. Durch die ganze Stadt ziehen sich mindestens vierspurige Stra\u00dfen in beide Richtungen. Ich bin zwar Gro\u00dfstadt gew\u00f6hnt, aber die Stra\u00dfen sind hier nochmal eine Nummer Gr\u00f6\u00dfer. Der Fahrstil unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland: Die Autos fahren zwischen den Spuren und rasen in teilweise wild vollgepackten Wagen durch die Stadt, auch Anschnallen ist hier nicht \u00fcblich, wobei gerade versucht wird zumindest die Fahrer wieder dazu zu bringen sich anzuschnallen. Sich auf der R\u00fcckbank anzuschnallen bringt aber auf jeden Fall Ungl\u00fcck wurde uns von Usbeken gesagt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wie fahren hier extrem viel Taxi, weil es das praktikabelste ist um sich in der Stadt fortzubewegen und es f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse sehr g\u00fcnstig ist, so 1-3\u20ac pro Fahrt. Au\u00dferdem gibt es eine App mit der man einfach das Taxi zu einem bestimmten Ort bestellen kann, in der auch der Preis festgelegt ist. Ich will mir gar nicht vorstellen wie oft ich schon am falschen Ort gelandet w\u00e4re, m\u00fcsste ich den Taxifahrern sagen wo ich hin m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Hier in Taschkent gibt es aber eine sehr gut ausgebaute Infrastruktur. Es gibt eine Metro (U-Bahn) mit sehr sch\u00f6nen Stationen und auch Busse, die \u00e4hnlich wie die in Deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten aussehen. Und ganz viele Restaurants und Cafes, die zwar teurer sind als traditionelle Restaurants aber teilweise auch \u00e4hnlich in Europa existieren k\u00f6nnten und f\u00fcr Deutsche Verh\u00e4ltnisse immer noch extrem g\u00fcnstig sind. Nur mit Vegetarischem Essen ist es \u00fcberall schwierig. Ich esse auch hier vegetarisch, aber Hauptgerichte werden hier \u00fcblicherweise kaum ohne Fleisch angeboten. Es gibt hier ziemlich viel &#8222;normales&#8220; zu kaufen, aber sobald es sich um importierte Produkte handelt, sind die Preise unglaublich, n\u00e4mlich sogar teurer als in Europa. Wenn man hier eine Zara Hose findet, dann ist der Usbekische Preis 20\u20ac teurer als der Euro Preis und Nutella kostet hier 8\u20ac. Das ist im Vergleich zu anderen Produkten und vor allem Restaurants sehr extrem. Denn sonst ist es hier f\u00fcr uns meistens sehr g\u00fcnstig. Wobei man bedenken muss, dass die Inflation hier sehr hoch ist und auch die Preise steigen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Hier l\u00e4uft die Kommunikation auf Russisch und auf Usbekisch. Fast alle Menschen k\u00f6nnen Russisch, das ist aber nur hier in der Hauptstadt so. Das hei\u00dft aber auch, dass viel Schrift Kyrillisch ist, das war im ersten Moment extrem \u00fcberfordernd, weil ich vor der Ausreise nicht wirklich damit begonnen habe die Sprache zu lernen. Mittlerweile funktioniert das aber ganz gut, und gerade f\u00fcr Speisekarten benutze ich viel einfach google <\/span><span style=\"font-weight: 400\">lens.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">F\u00fcr uns war es unglaublich hilfreich mit dem Freiwilligen der schon ein halbes Jahr hier war zusammen zu leben, und alles zusammen machen. Er kann sich hier sehr gut verst\u00e4ndigen, wir w\u00e4ren in der ersten Zeit hier ziemlich aufgeschmissen gewesen. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Das hat sehr viel Sicherheit gegeben und dar\u00fcber hinaus hat uns gerade zu Beginn meistens mindestens zu zweit unterwegs zu sein den Alltag ungemein erleichtert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich versuche jeden Tag mit Duolingo und Babbel Russisch zu lernen und freue mich immer sehr, wenn ich W\u00f6rter und S\u00e4tze verstehe oder auf R\u00fcckfragen antworten kann. Aber es geht nur langsam voran und es gibt immer wieder Situationen in denen es Schwierigkeiten gibt sich zu verst\u00e4ndigen. Ich fand das Gef\u00fchl zu Beginn, noch nicht einmal die einfachsten W\u00f6rter und Halbs\u00e4tze sagen zu k\u00f6nnen, sehr komisch, also z.B. in der Apotheke nur in der Lage zu sein der Person, mit dem Kommentar \u201ddas da\u201d google \u00dcbersetzter vor die Nase zu halten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Mittlerweile haben wir einen Intensiv Sprachkurs gemacht, in Bishkek. Der war sehr intensiv, weil wir alle 30h in f\u00fcnf Tagen gemacht haben, weniger am Tag bringt einen wahrscheinlich weiter, aber es hat trotzdem geholfen. Ein paar einfache S\u00e4tze lang kann ich mich jetzt unterhalten und ich verstehe immer mehr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Taschkent ist eine sehr gro\u00dfe Stadt und im Gegensatz zum Rest von Usbekistan sehr viel moderner, entwickelter und auch liberaler. Es gibt hier viele junge Leute, die neben der Schule in Sprachzentren noch Englisch Unterricht nehmen, aber es ist nicht so, dass es \u00fcblich ist das jeder Englisch spricht und wenn dann oft nur sehr oberfl\u00e4chlich. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Einzelne Cafes bieten Englische Karten an, allerdings bringt das meistens zum Bestellen herzlich wenig, weil die Kellner, dann nicht verstehen was wir wollen und eine Russische Karte zum Abgleichen holen m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Die Leute hier sind in meiner Erfahrung sehr Gastfreundlich gerade gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern, was nat\u00fcrlich sehr praktisch ist und es mir im Normalfall auch nicht b\u00f6se genommen wird wenn ich nicht verstehe wie etwas gerade abl\u00e4uft. Ich falle mit meinen blonden Haaren hier sehr auf und ich musste mich auf jeden Fall erstmal daran gew\u00f6hnen, dass ich sehr viele Blicke auf mich ziehe. Als offensichtlich nicht usbekische Frau werde ich hier sobald ich ohne m\u00e4nnliche Begleitung unterwegs bin anders behandelt. Auf Basaren wird mir alle 2 Meter \u201ch\u00fcbsches M\u00e4dchen\u201d entgegengerufen und wenn ich im Kiosk ein paar Sachen kaufe, darf ich die Eink\u00e4ufe nicht in der Hand tragen, sondern sie werden mir von einem \u00fcbereifrigen Verk\u00e4ufer abgenommen und er ber\u00e4t mich ungefragt was ich nehmen sollte. aber alle Usbeken und Usbekinnen, die ich kennen gelernt habe sind super freundlich und interessiert an mir.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">An einem Wochenende im Dezember habe ich bei der gr\u00f6\u00dften Model United Nations Conference in Zentralasien, mit 600 Leuten teilgenommen und ich war einfach wirklich die einzige Person mit nat\u00fcrlich blonden Haaren, das ist immer noch ein komisches Gef\u00fchl. Au\u00dferdem sind die meisten Usbeken kleiner als ich, das kommt noch dazu. <\/span><span style=\"font-weight: 400\">Es war eine sehr ungew\u00f6hnliche Erfahrung mit 30 Usbeken auf Englisch \u00fcber Frauenrechte zu diskutieren, die allermeisten haben eine ganz andere Weltsicht auf Themen in dieser Richtung, es war gar nicht so einfach keine Nervenzusammenbr\u00fcche zu bekommen, bei dem was die da alle von sich gegeben haben. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung an so einer Konferenz teilzunehmen, gerade in diesem Rahmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In einigen Aspekten f\u00e4llt einem hier kaum auf, dass man nicht in einer Europ\u00e4ischen Gro\u00dfstadt ist, aber so ein paar Aspekte sind schon anders, z.B. die Bauweise der H\u00e4user, hier oft Sowjetische Plattenbauten die schick verziert sind. Aber auch die Rechte: Man darf hier nicht Protestieren, so etwas wie Demonstrationen oder eine politische Opposition gibt es hier nicht und Gleichgeschlechtliche Beziehungen sind verboten, f\u00fcr M\u00e4nner gibt es Gef\u00e4ngnisstrafe daf\u00fcr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wohnen ist hier schon anders als ich es aus Deutschland gewohnt bin: Wir wohnen in einem nicht sanierten Sowjetischen Plattenbau, in jedem Raum gibt es eine anders glitzernde Bl\u00fcmchentapete, Kronleuchter und Usbekische Teppiche. Die Isolierung ist auch nichts krass, unser Raum mit der Fenster Front nimmt quasi die Au\u00dfentemperatur an. Was dazu f\u00fchrt, dass ich mich bei Temperaturen zwischen +5 und -15 sehr viel lieber in meinem Bett aufhalte, als am Tisch im kalten Raum und wenn es kalt ist auch drinnen relativ warm angezogen rumlaufe. Wir hatten schon manchmal Stromausf\u00e4lle oder pl\u00f6tzlich kein (Warm)Wasser mehr, aber das meistens nur f\u00fcr ein paar Minuten oder Stunden.<\/span><\/p>\n<p>Die Luft hier ist sehr trocken und sehr verschmutzt, ich vermisse manchmal frische Luft. Aber es scheint hier sehr oft die Sonne und es ist blauer Himmel zu sehen, das macht mich sehr gl\u00fccklich. Aber gerade mit der diesigen Luft hier, war es sehr erfrischend mal in den Bergen frische Luft zu atmen.<\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es gibt viele kleine Unterschiede, die einem irgendwann auffallen z.B., dass die Geschosse hier im Erdgeschoss angefangen werden zu z\u00e4hlen, der erste also der zweite Stock ist oder, dass die Leute in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oft einfach laut Videos anschauen. Es gibt aber vor allem Unterschiede in der Mentalit\u00e4t. Alles funktioniert hier sehr spontan, nichts wird vern\u00fcnftig vorher geplant und am Abend vorher bekommt man dann die Info, dass am n\u00e4chsten morgen eigentlich ein Vortrag gehalten werden soll. Bei Veranstaltungen kommen immer viele Leute zu sp\u00e4t und kommen und gehen aber auch wann sie wollen.<\/span><\/p>\n<p>Ich hab mich hier sehr gut eingelebt mittlerweile, aber jede Woche habe ich wieder einen Moment, in dem ich mich frage was hier grade eigentlich passiert, weil irgendwas passiert was ich gar nicht erwartet habe oder super lustig ist. Darauf reagieren wir einfach nur noch mit dem Kommentar &#8222;Usbekistan!&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hey:) Ich bin Sonja, 18 Jahre alt, ich lebe f\u00fcr ein Jahr in Taschkent der Hauptstadt von Usbekistan. Ich lebe zusammen mit einer Freiwilligen die mit mir zusammen ausgereist ist und das letzte halbe Jahr auch mit einem kulturweit Freiwilligen der der sein Jahr hier um ein halbes Jahr mit uns versetzt verbringt, also jetzt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3247,"featured_media":7,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[52,50,51,49],"class_list":["post-14","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gastland","tag-leben","tag-taschkent","tag-tashkent","tag-usbekistan"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3247"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14\/revisions\/17"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonjainusbekistan\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}