{"id":92,"date":"2013-10-07T22:07:46","date_gmt":"2013-10-07T20:07:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonemnangpalbulgarien\/?p=92"},"modified":"2013-10-07T22:07:46","modified_gmt":"2013-10-07T20:07:46","slug":"kulturweit-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/sonemnangpalbulgarien\/2013\/10\/07\/kulturweit-und-ich\/","title":{"rendered":"&#8222;kulturweit und Ich&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Dass man mich im Ausland vielleicht nicht als <strong>Deutsche<\/strong> wahrnimmt, war mir nicht immer bewusst. Ich bin im toleranten und sehr bunten Hamburg aufgewachsen und es gab nie einen Anlass, der mich an mein Selbstbild zweifeln lie\u00df. Erst als ich die Einladung zu einem Bewerbungsgespr\u00e4ch beim PAD erhielt, habe ich angefangen, mich konkreter mit meinem Hintergrund und der zuk\u00fcnftigen Rolle als &#8222;Kulturbotschafter&#8220; auseinanderzusetzen. Ich wei\u00df, dass mein \u00c4u\u00dferes nicht dem <strong>Zerrbild<\/strong> einer blonden, im Stechschritt marschierenden Walk\u00fcre entspricht. Nicht einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, inwiefern ich die Wurzeln meiner Eltern thematisieren muss und welches Wissen ich \u00fcber Deutschland und seine gesellschaftliche Zusammensetzung als gegeben voraussetzen darf, l\u00f6ste in gewisser Hinsicht ein beklemmendes Gef\u00fchl aus.<\/p>\n<p>Doch gl\u00fccklicherweise habe ich feststellen d\u00fcrfen, dass insbesondere in der Schule klar ist, dass <strong>Deutschland<\/strong> seit Jahrzehnten ein buntes Einwanderungsland ist. Viele Sch\u00fcler setzen sich gezielt mit Deutschland und nahezu all den damit verbundenen gesellschaftlichen Fragesstellungen auseinander, da eine erhebliche Zahl in Deutschland studieren und leben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Vor einigen Tagen hatten wir im DSD-Raum Besuch. Die Tochter einer Mitarbeiterin der Schule kam mit ihrem Freund (A) aus M\u00fcnchen. Nachdem ich den beiden mit dem Satz &#8222;Das ist unsere Freiwillige aus Deutschland&#8220; vorgestellt wurde, grinste mich A an und behauptete charmant &#8222;Ooh, da merkt man bereits an der Aussprache, dass du sehr gut deutsch sprichst.&#8220; Irritation. Ich wiederholte bem\u00fcht freundlich &#8222;Ich bin Deutsche.&#8220; Pl\u00f6tzlich sag A verwirrt aus. Da machte man jemandem schon ein Kompliment und bekam nicht mal ein Danke! Nach einer kurzen, wortkargen Pause sagte er hartn\u00e4ckig: &#8222;Aber <strong>&#8218;Volksdeutsche&#8216;<\/strong> bist du ja nicht, oder?&#8220;<\/p>\n<p>Fragend, ob er nicht zugeh\u00f6rt hatte oder es nicht wahrhaben wollte, fragte ich ihn, was denn &#8222;Volksdeutsche&#8220; seien. Da seine Definition Expressionen wie &#8222;gleiches Blut&#8220; etc. einschlo\u00df, erspare ich euch die Taktlosigkeit. &#8222;Du hast auf dem Vorbereitungsseminar gelernt, wie du mit solch einer Situation umzugehen hast!&#8220; &#8211; dachte ich mir.<\/p>\n<p>Ich erwarte nicht, dass man mich zwangsl\u00e4ufig als Deutsche wahrnimmt. Insbesondere bei meinem Namen &#8230; aber einen historischen Ausdruck in einem v\u00f6llig falschen Kontext zu missbrauchen, ist kr\u00f6tig. Besonders schade, wenn es junge Leute wie A (max. 30 Jahre alt) sind, die durch ein Mangel an Geschichtsbewusstsein auffallen. Es stellen sich mir einige Fragen. Ist ihm in M\u00fcnchen denn noch nie ein nichtblonder Deutscher \u00fcber den Weg gelaufen?<\/p>\n<p>Da A aber im Laufe des &#8222;Gespr\u00e4chs&#8220; auch Plattit\u00fcden wie &#8222;Mit Roma kann man ja auch einfach nicht friedlich zusammenleben!&#8220; gebrauchte, verzichtete auf weitere Aufkl\u00e4rungsversuche mit dem Satz: &#8222;Ich seh schon, mit Ihnen k\u00f6nnte ich mich gut streiten.&#8220; Aber besser, man einigt sich darauf, dass man sich uneinig ist. \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Auch m\u00f6chte ich vor allem solche Erfahrungen nicht missen und bin im Nachhinein froh, denn sie machen einem klar, wie man von Fremden wahrgenommen wird. &#8211; Und das hilft enorm, sich seiner selbst bewusst zu werden.<\/p>\n<p>Pozdravi,<\/p>\n<p>Sonem<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>*Als &#8222;Volksdeutsche&#8220; bezeichnete man au\u00dferhalb Deutschlands un<\/em><em>d \u00d6sterreichs lebende &#8222;ethnische Deutsche&#8220; (besonders in ost- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern bis 1945). (Duden)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass man mich im Ausland vielleicht nicht als Deutsche wahrnimmt, war mir nicht immer bewusst. Ich bin im toleranten und sehr bunten Hamburg aufgewachsen und es gab nie einen Anlass, der mich an mein Selbstbild zweifeln lie\u00df. 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